Halb Mensch – halb Maschine. Voll und ganz Cop. Von Filmfans gefeiert und vom Jugendschutz verhasst, eroberte RoboCop in den späten Achtzigerjahren die Kinoleinwände der Welt. Drei Jahre später wurde unter der Regie von Irvin Kershner ein Sequel nachgeschoben. Und obwohl es RoboCop 2 nicht ganz gelang, die satirische Brillanz des Originals zu erreichen, bleibt für Actionfans immer noch ein bleihaltiges Spektakel, dass von Capelight Pictures nun auch bei uns endlich als 4K UHD und Blu-Ray Remastered neu ausgewertet wird. Macht euch bereit, denn wir haben einiges zu besprechen!


Vertrieb: Capelight Pictures
Erstveröffentlichung: 1990






Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise vorab kostenlos von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.
Der Film
Das alte Detroit wird von der synthetischen Droge Nuke überschwemmt. Die rote Substanz ist leicht herstellbar, ohne große Umstände konsumierbar, kostet nicht viel und sorgt zuverlässig für einen stabilen Rausch. Der sichere Todesstoß für die ohnehin schon heruntergekommene und von Armut komplett durchseuchte Stadt. Für den Alten Mann an der Spitze des lokalen Megakonzerns OCP ist das die perfekte Gelegenheit für die lange im Geheimen geplante Errichtung von Delta City, einer modernen Metropole, die sich aus der Asche von Detroit erheben soll – natürlich ohne jedweden staatlichen Zugriff. Wäre da nur nicht RoboCop (Peter Weller), der zuletzt immer mehr Drogenlabore des soziopatischen Nuke-Moguls Cain (Tom Noonan) hochgenommen hat, was der Superschurke natürlich keineswegs hinnehmen will.

Während einer Razzia stößt der Cyborg auf einen bewaffneten Teenager aus dem Führungskreis Cains, ist aber aufgrund seiner vorgegebenen Systemparameter und plötzlich auftauchender Erinnerungen an seine Vergangenheit als liebevoller Vater unfähig, den Jungen zu erschießen. Dass er nach Dienstschluss regelmäßig vor seinem ehemaligen Haus verharrt, veranlasst die anhaltend traumatisierte Witwe, sich bei OCP über ihr Produkt zu beschweren. Gleichzeitig streiken große Teile der ebenfalls von OCP privatisierten Polizei für bessere Arbeitsbedingungen, was das anhaltende Chaos auf den Straßen nur noch weiter verschlimmert. Über einen korrupten Cop gelingt es RoboCop, das Versteck von Cain und seiner Bande ausfindig zu machen. Bei der eigenmächtigen Stürmung gerät der Blechmann allerdings in eine Falle und wird von Cains Bande genüsslich in seine Einzelteile zerlegt.

Für die mächtigen Tiere im OCP-Vorstand die ideale Gelegenheit, den ungeliebten Ordnungshüter mit einer komplett neuen Programmierung auszustatten. Überwacht von der skrupellosen wie ehrgeizigen Firmenpsychologin Dr. Faxx (Belinda Bauer) mutiert RoboCop zu einer völlig verweichlichten PR-Marionette, die kaum noch dazu imstande ist, Verbrechen zu verhindern. Während seine Partnerin Lewis (Nancy Allen) zunehmend verwundert über Murphys neue Charaktereigenschaften ist, sucht man bei OCP nach einem geeigneten Nachfolger als Aushängeschild für Delta City – eines, dass sich im Idealfall einfacher kontrollieren lässt als das stoische Original. Nachdem es dem frisch resetteten RoboCop gelungen ist, Cain bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd durch die Straßen von Detroit tödlich zu verwunden, verpflanzt Dr. Faxx dessen Hirn kurzerhand in ein neues, schwer bewaffnetes Exoskelett.

Doch RoboCop 2 lässt sich auch durch den stetigen Zufluss von Nuke nicht bändigen und räumt gnadenlos unter seiner alten Gang auf. Bei einer öffentlichen Präsentation vor Publikum dreht der Killerroboter endgültig durch und droht, ein Blutbad unter den geladenen Gästen anzurichten. Zeit für das Original zu beweisen, dass er längst nicht zum alten Eisen gehört. Und während der Alte Mann überlegt, wie er dieses PR-Desaster überstehen soll, entscheidet sich im erbarmungslosen Kampf zwischen den beiden Maschinen das Schicksal einer ganzen Stadt…
Die Rezension
Nach dem sensationellen Überraschungserfolg des Erstlings wollten die Geldgeber von Orion möglichst schnell ein Sequel hinterherschieben. Ed Neumeier und Michael Miner wurden erneut mit dem Drehbuch betraut und sollten ihre eigens erdachte Geschichte rund um den titelgebenden Superpolizisten publikumstauglich fortsetzen. Dabei setzte man gleichzeitig eine Deadline, die fast unmöglich zu erfüllen war, zumal das Duo zu diesem Zeitpunkt bereits an einem anderen Projekt für die Filmschmiede arbeite. Hastig erdachte man eine Geschichte, die fünfundzwanzig Jahre nach den Ereignissen des Erstlings vor den Kulissen völlig transformierter Vereinigten Staaten spielen sollte. Das Konzept stieß bei den Verantwortlichen auf wenig Begeisterung. Erschwerend hinzu kam die Tatsache, dass Neumeier und Miner das Skript aufgrund eines Autorenstreiks nicht im Rahmen der gesetzten Frist abliefern konnten. In der Folge verließen beide das Projekt und um das geplante Sequel wurde es zunächst wieder still.

In der Not suchte man bei Orion über eine öffentliche Ausschreibung nach geeigneten Talenten mit alternativen Ideen. Auf Empfehlung von Neumeier wandte man sich an die beiden Comiclegenden Alan Moore und Frank Miller. Ersterer hatte damals schon wenig Lust, an Filmen mitzuwirken (was durch die teils katastrophal schlechten Adaptionen seiner Werke in späteren Jahren wohl endgültig zementiert wurde), während Miller als Fan des ersten Films sofort zusagte. Ein Gespür für zerrüttete Charaktere hatte der Autor und Zeichner schließlich schon im Rahmen seines vielgelobten Batman: Year One bewiesen. Doch auch dieses Mal wurden die ersten Entwürfe allesamt als unmöglich verfilmbar abgelegt. Erst beim vierten Versuch gab man schließlich grünes Licht. Für die Regie verpflichtete man nach vielen erfolglosen Anfragen bei anderen Regisseuren schließlich Irvin Kershner, der unter anderem mit Star Wars: Das Imperium schlägt zurück für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, nachdem Paul Verhoeven aufgrund laufender Arbeiten an Total Recall nicht zur Verfügung stand.

Zu einer Zeit, in der Sequels ohnehin nicht allzu hoch im Kurs standen, ging man mit RoboCop 2 durchaus ein gewisses Risiko ein und stellte den Machern lediglich ein etwa zehn Millionen höheres Budget als im Rahmen des Vorgängers zur Verfügung. Um damit auch nur ansatzweise auskommen zu können, musste das von Walon Green nachträglich verfeinerte Drehbuch während des laufenden Drehs immer wieder überarbeitet werden. Viele geplante Actionsequenzen wichen aus Kostengründen eher dialoglastigen Szenen, was sich im Nachhinein noch als Problem herausstellen sollte. Die Besetzung erwies sich als einfacher, denn nach dem Weggang der ursprünglichen Autoren ließ sich Peter Weller trotz der erlittenen Strapazen bei den Dreharbeiten des Originals wieder zu einer Rückkehr bewegen. Und auch Nancy Allen war ebenso wie Dan O’Herlihy als fieser Konzernboss wieder mit dabei. Der vor kurzem verstorbene Tom Noonan ist als Drogenboss zwar nicht ganz so charismatisch wie ein Clarence Boddiker, setzt als eiskalter Hippie-Psychopath aber trotzdem ein paar gelungene Akzente, während Belinda Bauer als sinistre Psychiaterin gleichzeitig auch einiges für das Auge bietet.

Für die Filmmusik engagierte Kershner seinen alten Freund Leonard Rosenman, der dem Film ein komplett neues, musikalisches Konzept verpasste. Anders als die aggressive und epische Musik von Basil Poledouris, die von einer omnipräsenten Schwermütigkeit durchzogen war und sich damit auch verstärkt Murphys Konflikt zwischen Mensch und Maschine widmete, verließ sich Rosenman mehr auf heroische Themen und schraubte das Dramatischere zurück. Das Ergebnis ist hörenswert, wirkt im Kontext des Films als Teil einer Reihe aber teils sehr befremdlich, zumal Poledouris im Anschluss daran erneut das Szepter übernahm und in dem Rahmen zu seinen ursprünglichen Motiven zurückkehrte. Für Detroit wurde Houston als Ersatz herangezogen (drehen wollte man am zunehmend verfallenden Originalschauplatz offenbar schon damals nicht mehr), einige verbliebene Szenen wurden in Los Angeles fertiggestellt. Das sieht man im fertigen Film leider immer wieder. Für die Effekte übernahm abermals Phil Tippet, der erneut hauptsächlich mithilfe von klassischem Stop Motion arbeitete.

Am Ende aller Bemühungen entstand mit RoboCop 2 ein eher enttäuschendes Sequel, welches der hohen Messlatte des Originals zu keinem Zeitpunkt gerecht werden konnte. Hauptverantwortlich dafür sind die ständigen Änderungen am Drehbuch in Kombination mit dem niedrigen Budget, welches zur Folge hatte, dass der Film völlig abrupt endet. Probleme, auf die Peter Weller und Nancy Allen während der Produktion mehrmals erfolglos hingewiesen hatten. Auch von dem satirischen Unterton blieb nicht mehr viel übrig, die Action – wenngleich anhaltend blutig und bleihaltig inszeniert – wirkt über weite Strecken uninspiriert. Entsprechend gemischt fielen die Kritiken dann auch aus. Der finanzielle Erfolg, den man sich im Vorfeld erhofft hatte, trat in der Konsequenz nicht ein, lediglich ein kleiner Gewinn blieb den Verantwortlichen – begleitet von der Mahnung, nicht an allen Ecken Kosten einzusparen und sich dann zu wundern, wenn das Ergebnis hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Trotz alldem ist RoboCop 2 kein grundlegend schlechter Film. Er macht nur einfach nie richtig Sinn. Wenn man diese Tatsache ausblenden kann und für knapp zwei Stunden gewillt ist, sein Denkzentrum in den Ruhemodus zu versetzen, kann man beim Sichten trotzdem eine Menge Spaß haben. Natürlich nur in der unzensierten Form, versteht sich. Zwar lief das Werk damals noch ungekürzt mit einer Freigabe ab 18 Jahren in den Lichtspielhäusern, ereilte jedoch wenig später dasselbe Schicksal wie der Erstling und wurde sanglos auf den Index jugendgefährdender Schriften verbannt. Das konnte man damals deswegen noch tun, weil eine Freigabe noch nicht vor Indizierung geschützt hat – das kam erst viele Jahre später. Erst nach Ablauf der fünfundzwanzigjährigen Sperrfrist gab es die Entlassung aus dem Giftschrank. Bis dahin lief zeitweise eine fast halbstündig (!) zensierte Fassung im Nachtprogramm diverser Fernsehsender, bei der auch die letzten Spitzen konsequent der Schere zum Opfer fielen. Ein interessantes Kuriosum, aber natürlich auf keinen Fall empfehlenswert.

In der Retrospektive kann man RoboCop 2 als im Rahmen seiner Möglichkeiten ambitionierten Nachfolger betrachten, der die Stärken des Vorgängers aber zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig replizieren kann. Was bleibt, ist ein noch annehmbarer Beitrag zu einer Reihe, die im weiteren Verlauf ihres Bestehens immer mehr den Fokus auf das Wesentliche verloren hat und damit eindrucksvoll beweist, dass nicht jeder potenzielle Hit ein Sequel benötigt. Wer sich dafür interessiert, wie Millers ursprünglicher Entwurf ausgesehen hätte, sollte einmal beim Comichändler seines Vertrauens anfragen, denn Miller hat den höchstselbst nachträglich in eine Reihe umgewandelt – und die ist qualitativ um ein vielfaches besser als der finale Film. So ist es eben manchmal.
4K UHD und Blu-Ray Remastered: Das Bild
In Deutschland wurde der Film erstmals 2010 auf Blu-Ray veröffentlicht, aufgrund der bestehenden Indizierung aber ohne Prüfsiegel und lediglich unterhalb der Ladentheke oder im Sortiment von Importhändlern aus Österreich oder der Schweiz. Federführend war hierfür wie schon beim ersten Teil der damalige Rechteinhaber 20th Century Fox. Eine Einzelveröffentlichung gab es nur in streng limitierter und längst vergriffener Form von MGM | 84′ Entertainment. Und wie bei so vielen anderen Frühveröffentlichungen im hochauflösenden Segment ist auch RoboCop 2 alles andere als eine gelungene Blu-Ray. Über weite Strecken hat man das Gefühl, dass man es hier allenfalls mit einer hochskalierten DVD zu tun hat. Dass man damals oft auf dieselben, veralteten Master zurückgegriffen und diese lediglich nochmal künstlich aufgeblasen hat, ist in dieser Zeit leider gängige Praxis gewesen. Die Blu-Ray leidet unter der niedrigen Auflösung ihres Masters, was auch durch den Einsatz von Nachschärfung nicht weggeblasen werden kann – erst recht nicht im Angesicht heutiger Sehgewohnheiten.
Feinere Details wie weiter entfernte Schrift oder Kleidungstexturen kann die Blu-Ray überhaupt nicht wiedergeben. Was sich fast erkennen ließe, geht in der Regel zuverlässig im Rahmen der hohen Rauschanfälligkeit verloren, die in dunklen Sequenzen teils so brutal zuschlägt, dass einem die Augen tränen. Farblich tendiert die Scheibe etwas ins Gelbliche und färbt neutrale Flächen immer wieder zuverlässig ein. Dadurch wirkt die Tatsache, dass man gar nicht im östlichen Detroit, sondern im sonnigen Süden und Westen gedreht hat, stilistisch noch etwas entlarvender als das viel neutralere und natürlichere Grading des ersten Teils. Primärtöne bekommt die Blu-Ray zwar überraschend gut gestemmt, das macht den sprichwörtlichen Kohl allerdings nicht mehr fett. Richtig sattes Schwarz gibt’s zu keinem Zeitpunkt, den Rest erledigt das veraltete Encoding im Format VC-1. Insgesamt eine traurige, lieblose Veröffentlichung, die dauerhaft durchblicken lässt, dass bei der Umsetzung sämtliche Kosten und Mühen zugunsten eines schnellen Geschäfts gescheut worden sind. Von echtem High Definition ist der Film in dieser Form ganz weit weg.
Ein erster Lichtblick kam im Jahr 2024, als sich das amerikanische Edellabel SHOUT! die Rechte an einer Neuauswertung im englischsprachigen Raum sicherte und den Film passend dazu komplett neu in nativem 4K von ursprünglichen 35mm-Analogmaterial abtasten ließ. Im Zuge eines umfangreichen Remasterings wurden sorgfältig Verschmutzungen und andere Materialschäden digital korrigiert. Capelight Pictures hat genau dieses Master inklusive dazugehöriger 4K UHD und Blu-Ray Remastered nun lizensiert. Bereits letztere ist der Erstauflage in allen Belangen derart überlegen, dass wir es uns ganz einfach machen und lediglich die Bilder für sich sprechen lassen könnten. Machen wir natürlich nicht, aber verdammt eindrucksvoll ist das im Vergleich natürlich trotzdem. Alleine die dramatisch höhere Grundauflösung des neuen Masters sorgt für eine komplett andere Grundwahrnehmung sämtlicher Einstellungen. Selbst weiter entfernte Details werden gut sichtbar aufgelöst, während die Gesichter in Nahaufnahmen wunderbar plastisch und natürlich rüberkommen – ganz ohne künstliche Nachschärfung.
Die Farben wurden normalisiert, vor allem der kühlere Einschlag ordnet das Sequel visuell besser beim Erstling ein, auch wenn die erdige Grundausrichtung über weitere Strecken erhalten geblieben ist und besonders in den Außenaufnahmen dominiert. Unübersehbar ist auch, wie viel besser die Neuauflage differenziert. Hauttöne wirken durch die Bank angenehm gesund, neutrale Flächen werden als solche korrekt dargestellt und die Primärtöne strahlen satt durch. Sattes Schwarz ersetzt das milchige Grau der Erstauflage, ohne dabei an Durchzeichnung zu verlieren. Und das komplett außer Kontrolle geratene Rauschen weicht einer natürlichen, analogen Körnung, die dem Werk einen wunderbar filmischen Einschlag verleiht. Hier zusammengefasst von einem definitiven Upgrade zu sprechen, ist fast noch untertrieben. Und es geht sogar noch mal eine Spur besser, wie die 4K UHD beweist.
Die löst nativ auf, kommt mit erweitertem Farbraum nach Rec.2020 und unterstützt sowohl HDR10 wie auch Dolby Vision. Verglichen mit der bereits sehr guten Blu-Ray Remastered gibt’s hier nochmal mehr Auflösung, wodurch auch die letzten Feinheiten aus dem Master herausgekitzelt werden. Wunderbar zu sehen ist das bei der Nahaufnahme von Murphy während der Wartung. Das Gesicht von Weller kommt über die 4K UHD dreidimensionaler und definierter rüber, sogar winzige Hautporen werden sichtbar gemacht. Da kann selbst die Blu-Ray Remastered nicht mehr mithalten. Bei den Farben geht es hier nochmal etwas mehr ins Grünliche, wodurch verbliebene und nicht ganz so gelungene Sättigungsspitzen, primär bei der Wiedergabe von Hauttönen, effektiv bereinigt werden. Klasse ist außerdem, wie intensiv die Neontöne während einer spezifischen Szene leuchten. Die Körnung profitiert von der nativen Auflösung zusätzlich und drängt sich stellenweise nicht mehr ganz so sehr in den Vordergrund, während beim Schwarz ebenfalls nochmal zugelegt wird. So gut wie in dieser Form hat der Film wahrscheinlich selbst im Kino nicht ausgesehen.
4K UHD und Blu-Ray Remastered: Der Ton
Die alte Blu-Ray hatte seit jeher nur komprimierte DTS-Spuren für Deutsch und Englisch an Bord, wobei letztere immerhin mit doppelter Bitrate ans Werk gehen durfte. Die Ausgangslage ist nicht ganz so katastrophal wie bei RoboCop, aber nahe dran. Denn auch hier fehlt es der deutschen Synchronfassung durchgehend an Dynamik, Räumlichkeit und Kraft. Erste Anzeichen dafür gibt’s, wenn RoboCop zum ersten Mal dem Polizeiwagen entsteigt. Was im O-Ton nämlich bereits einigermaßen kraftvoll vom Subwoofer begleitet wird, erzeugt das hier gerade mal ein leises Lüftchen. Generell bekommt man in der deutschen Version dauernd das Gefühl, der tonnenschwere Metallkoloss würde auf Watte laufen. Explosionen und dergleichen bleiben ebenso durchgehend auf die Front beschränkt, zeitweise steht man da mal nervös auf und muss überprüfen, ob die hinteren Lautsprecher nicht vielleicht irgendeinen Defekt haben. Bis man sich eben daran erinnert, dass der Vorgänger genauso beschissen geklungen hat. Denn auch hier gibt’s höchstens Pluspunkte für die gute Dialogverständlichkeit, wo der O-Ton seit jeher besser, offener und vor allem räumlicher rüberkommt.

Ein Umstand, der zum Glück auch Capelight Pictures bewusst gewesen ist, die wieder einmal das Unmögliche möglich gemacht haben und auch dieses Mal eine originale Stereospur im verlustfreien Format aufgetrieben haben, welche wahlweise auch in Englisch vorliegt. Dafür hat man dort dieses Mal auf eine zusätzliche Variante in Dolby Atmos verzichtet, was okay ist, weil die letzte schon keinen großen Mehrwert geboten hat und der Film für eine brauchbare Höhenebene auch fast keine Gelegenheiten offeriert. Die deutsche Stereospur klingt bereits um ein vielfaches besser als die bestehende Abmischung. Da ist Kraft, da ist Dynamik und Geräusche lassen sich klar positioniert verorten. Das alleine wäre schon ein super Upgrade, aber natürlich ist man noch einen Schritt weitergegangen und hat auf Basis dieser Spur eine komplett neue Abmischung erstellt, die nun für beide Sprachen im verlustfreien Masterformat DTS-HD MA 5.1 vorliegt.

Davon profitiert die englische Tonspur nicht ganz so sehr wie die deutsche Fassung, aber es ist schön, dass man sich die zusätzliche Mühe gemacht hat, für beide Varianten die bestmögliche Qualität bieten zu wollen. Die neue Masterspur bringt die hinteren Lautsprecher zurück ins Leben, weckt den Subwoofer aus seinem Tiefschlaf und bindet den Score aktiv in das Gesamterlebnis mit ein. Und das macht in der Summe wirklich Spaß, wenn man bisher nichts anderes kannte als die komplett ereignisbefreite Abmischung im Rahmen der Erstauflage. Capelight liefern hier einmal mehr allerbesten Fanservice an, an dem sich viele andere Label ruhig mal ein Beispiel nehmen sollten.
4K UHD und Blu-Ray Remastered: Die Extras
Selbst die kurz angeschnittene Limited Edition von MGM hatte nicht mehr an Bord als zwei armselige Trailer. Abermals Auftritt Capelight Pictures, denn die Neuauflage hat so viel Bonusmaterial an Bord, dass man einen Großteil davon kurzerhand auf eine eigenständige Scheibe ausgelagert hat. Ausnahmen bilden der hörenswerte Audiokommentar von Autor und Computergrafik-Supervisor Paul M. Sammon, der die im Film gezeigten Effekte mit viel Fachwissen und Elan stimmlich begleitet. Passende deutsche Untertitel liegen natürlich ebenfalls bei. Das gilt ebenso für den zweiten Audiokommentar an Bord, der von den absoluten RoboCop-Ultras und Dokumentarfilmern Gary Smarth, Chris Griffith und Eastwood Allen besprochen wird. Dazu gibt es eine ganze Palette Trailer, wobei man deren deutsche Fassung ebenfalls remastert hat.

Auf der zusätzlichen Blu-Ray wird man von einem umfangreichen Making of begrüßt, es gibt Featurettes über die Effekte sowie ein Interview mit dem Hersteller der ikonischen Rüstung. Spannend wird es auch im Gespräch mit Comicautor Steven Grant, der den Comic auf Basis von Frank Millers Originalskript im Detail seziert. Abgerundet wird das tolle Material mit bisher unveröffentlichtem Videomaterial aus der Produktion und Fotogalerien aus entfernten Szenen inklusive einige Einblicke hinter die Kulissen. So und nicht anders muss das sein. Verpackt wird das Ganze wahlweise in einem von drei verschiedenen Mediabooks mit Originalmotiven, denen auch noch ein umfangreiches Begleitheft beiliegt. Auch eine separate Blu-Ray ist erhältlich. Ihr habt also freie Auswahl!

“RoboCop war so gut, dass der zweite Teil quasi nur scheitern konnte. So ist es immer, wenn man versucht, einen nahezu perfekten Film fortzusetzen. Erst recht, wenn man dann auch noch bei der Kohle geizt und die Macher deswegen dauernd dazu zwingt, das Drehbuch abzuändern. Aber selbst unter besten Bedingungen – das glaube ich zumindest – wäre am Ende kaum mehr entstanden als ein kurzweiliger Actioner mit leicht dystopischen Untertönen. Wer den Film als das genießen kann, was er ist und weniger als das, was er verzweifelt zu sein versucht, wird damit Spaß haben. Handwerklich solide gemacht ist er allemal. Die Neuveröffentlichung bekommen mehr Lob mit auf den Weg, denn was Capelight hier auffahren, ist gegenüber der alten Blu-Ray eine Offenbarung in Bild und Ton. Dazu tolle Extras und eine sammlertaugliche Verpackung…mit Abstand eine der besten Veröffentlichungen, die ich seit geraumer Zeit besprechen durfte. Ein besseres All-in-One-Paket dürfte es langfristig nicht geben. Dann jetzt nur noch den dritten Teil und ich bin happy.”

Quelle Bildmaterial: ©1990 Orion Pictures Corporation. Im Vertrieb von Capelight Pictures. All rights reserved.
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