Schaut man sich einmal die Horrorfilme der späten Neunziger an, findet man dort keine klassischen Serienkiller mehr, stattdessen machen überwiegend aggressive Tiere Jagd auf frisches Fleisch. So auch Deep Blue Sea, der im unüberschaubaren Angebot animalisch geprägter Schockstreifen zweifelsohne zu den besseren Vertretern seiner Art zählt. Das ungebrochen unterhaltsame Werk von Renny Harlin gibt es nun erstmals als frisch restaurierte 4K UHD. Wir sind für euch auf Tauchgang gegangen und klären, wie scharf die Haifischzähne des neuen Masters wirklich sind.


Vertrieb: Warner Bros. Home Entertainment im Vertrieb von PLAION Pictures
Erstveröffentlichung: 1999






Der Film
Seit jeher arbeitet die Wissenschaft an einer Möglichkeit, die Alzheimer-Krankheit zu kurieren. So auch die ambitionierte Wissenschaftlerin Susan McAlester (Saffron Burrows), die durch die langsame Degeneration ihrer eigenen Mutter auch eine hochgradig persönliche Motivation für das Projekt mitbringt. Finanziert von dem millionenschweren Unternehmer Russell Franklin (Samuel L. Jackson) hat sich Susan mit einem Team aus Wissenschaftlern in eine abgelegene Unterwasserforschungsstation mitten auf dem Meer zurückgezogen, um dort mithilfe von Makohaien das begehrte Heilmittel zu entwickeln. Die Knorpelfische sind aufgrund ihres einzigartigen, regenerativen Neurosystems nämlich komplett immun gegen die Krankheit – genau das will man langfristig auch für den Menschen nutzbar machen.

Was McAlester und der Gentechniker Whitlock (Stellan Skarsgård) dabei verschwiegen haben ist, dass sie DNA der Haie heimlich verändert haben, um deren Gehirne und damit auch die Ausbeute an Zellmasse zu vergrößern. In der Konsequenz sind die Raubtiere nicht nur deutlich intelligenter geworden, sondern auch um ein vielfaches aggressiver. Ein Ausbruchsversuch, bei dem beinahe eine Gruppe ahnungsloser Touristen zu Haifutter geworden wäre, konnte nur im letzten Moment durch das für die Betreuung verantwortliche Raubein Carter Blake (Thomas Jane) verhindert werden. Es passiert, was passieren muss: Während eines Vorführbesuchs von Whitlock entkommen die Haie aus der Gefangenschaft und richten verheerende Schäden bei Mensch und Mobiliar an.

Inmitten der langsam mit Wasser volllaufenden Unterwasserstation müssen die Überlebenden nicht nur gegen die eindringenden Fluten kämpfen, sondern auch gegen die äußerst rachsüchtigen Makos, die ihre neu gewonnene Intelligenz geschickt einzusetzen wissen und das Töten sichtbar genießen. Schon bald wird klar, dass es gar nicht mehr so wichtig ist, dass McAlester und Co. lebend aus der Station entkommen, sondern dass um jeden Preis verhindert werden muss, dass es die Haie in offene Gewässer schaffen. Doch der Weg an die Oberfläche ist alles andere als leicht und die gierigen Biester warten nur auf eine neue Gelegenheit, sich neues Futter einzuverleiben…
Die Rezension
Nachdem der gebürtige Finne Renny Harlin vier Jahre zuvor mit Die Piratenbraut einen kolossalen Flop hingelegt hatte, stand es um die Zukunft des durchaus nicht untalentierten Regisseurs zunächst ziemlich schlecht. Mit Deep Blue Sea vertraute man ihm ein passendes Projekt zur Rehabilitation an. Denn Harlin hat ein Händchen dafür, auch aus einer eher dünnen Prämisse ein unterhaltsames Spektakel machen zu können – selbst dann, wenn das Budget eher klein ist. Und so mies der Abstecher in die Piraterie auch gewesen sein mag, so sehr führte er wenigstens zur Erkenntnis, dass man vor allem Filme mit Wasserthematik in einer kontrollierten Umgebung abdrehen muss. Statt also auf offener See zu drehen mietete man sich in den mexikanischen Baja Studios ein, wo der bis heute größte Wassertank der Welt steht. Genau dort hatte James Cameron auch Titanic gedreht, für einen Film wie diesen waren die Bedingungen schlicht perfekt.

Dennoch waren die Dreharbeiten alles andere als leicht. Die schwierigen Bedingungen beim Dreh in und unter Wasser brachten Cast und Crew bis an die Grenzen. Manchen Darstellern lässt sich im Verlauf des Films ihre Erschöpfung tatsächlich ansehen, was die Glaubwürdigkeit des Films sogar unterstützt – wenn man natürlich einmal davon absieht, dass die komplette Geschichte absoluter Mumpitz ist und zusammen mit den Charakteren locker Platz auf einer Serviette findet. Aber hier geht es von Anfang an nicht um Realismus oder wissenschaftliche Fakten, sondern nichts anderes als kurzweilige Unterhaltung steht im Vordergrund. Und genau die liefert der Film bis heute ungebrochen. Klaustrophobische Bilder, die immerwährende Angst vor dem nächsten Haiangriff und ein hoher Blutgehalt machen Deep Blue Sea anhaltend zu einem der besten Genrevertreter seit Der weiße Hai. Thomas Jane ist hier noch weit vor seinem ikonischen Auftritt als Punisher zu sehen, verfügt aber bereits über dasselbe, einnehmende Charisma und hat gleichzeitig einige der besten Sprüche des Films zu bieten.

Dagegen und nicht zu vergessen die unglaubliche Coolness eines Samuel L. Jackson geht Saffron Burrows als eigentliche Hauptdarstellerin im wahrsten Sinne des Wortes eher unter. Für die komödiantischen Aspekte sorgt LL Cool J als Koch, der einfach nur grundsympathisch rüberkommt und mit seinem Papagei ein echtes Alleinstellungsmerkmal offeriert. Im Kern bleibt Deep Blue Sea trotz einer gewissen Selbstironie aber kompromissloser Actionhorror. Der von Trevor Rabin beigesteuerte Score ist ebenfalls große Klasse und verleiht dem Film zusätzliches Tempo. Bei 100 Millionen Dollar Gewinn war der Film einer DER Überraschungshits im Sommer 1999, zwei Direct-to-Video-Sequels wurden über die Jahre nachgereicht, konnten die Qualität des Originals aber nicht erreichen, zumal das Tierhorrorgenre seinen Zenit zu diesem Zeitpunkt längst wieder überschritten hatte.

Wenn man bedenkt, dass die Haie insgesamt gerade einmal auf vier Minuten Gesamtspielzeit im Film kommen, ist es schon eindrucksvoll, wie gut es Regisseur Harlin gelungen ist, die Spannungskurve oben zu halten. Die wahre Angst entsteht viel mehr im Kopf des Zuschauers, indem man ihn durchgehend subtil an die lauernde Gefahr im Wasser erinnert, anstatt diese bis zur Abnutzung ins visuelle zu verkehren. In dem Fall hat es den zusätzlichen Vorteil, dass man von den keineswegs zeitlos getricksten Computerhaien nur wenig mitbekommt. Das hydraulische Modell, welches man dagegen für die Untersuchungsszene verwendet hat, sieht heute immer noch verdammt gut aus. So gleich sich eben alles aus. So oder so: Deep Blue Sea ist und bleibt auch fünfundzwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung anhaltend beste Unterhaltung für einen ausgedehnten Videoabend und macht jedes Mal wieder Spaß.
Das Bild
Gedreht wurde damals natürlich noch ganz altmodisch auf 35mm-Analogmaterial, auf Blu-Ray erschien der Film bei uns erstmals im August des Jahres 2010 als minimalistischer Katalogtitel unter dem Dach von Warner Bros. Entgegen vieler anderer Veröffentlichungen aus dieser Zeit hat sich Deep Blue Sea allerdings überraschend gut gehalten. Die Schärfe ist zwar masterbedingt allenfalls gutes Mittelmaß und auch das damals geläufige Encoding in VC-1 lockt heute kaum noch einen hinter dem Ofen hervor, dafür gibt’s kräftige Farben und gute Kontraste. Außerdem wirkt die Blu-Ray bereits angenehm filmisch, auf Filterung wurde dankbarerweise verzichtet, so dass die analoge Körnung durchgehend präsent ist, bedingt durch das Encoding aber dennoch nicht allzu gut rüberkommt. Trotzdem haben wir haben wir es ausnahmsweise mit einem der ganz wenigen Filme zu tun, wo ich sagen würde, dass man sich die Blu-Ray trotz ordentlichem Alter immer noch mit gutem Gewissen geben kann. Die Frage ist nur: Will man das im Angesicht einer verlockenden 4K UHD überhaupt noch?
Die Neuauflage basiert auf einem komplett neuen Scan in 4K vom Originalnegativ, welcher von Renny Harlin persönlich überwacht und abgesegnet worden ist. Die ursprüngliche Verantwortung dafür lag beim britischen Sammlerlabel Arrow Films, bei denen man in der Regel hochwertige Arbeit erwarten kann. Die dazugehörige Scheibe löst nativ auf, verfügt über einen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 und unterstützt sowohl HDR10 als auch Dolby Vision. Der klare Primärfaktor der 4K UHD ist zunächst die dramatisch höhere Auflösung, enkodiert wird zeitgemäß in HEVC. Der Zugewinn an Definition und Schärfe durch pure Auflösung ist derart immens, dass man die alte Blu-Ray plötzlich doch gar nicht mehr so richtig leiden mag. In nahezu jeder Einstellung gibt es Feinheiten zu sehen, die man bisher allenfalls nur erahnen konnte, speziell in den Nahaufnahmen wirkt das im Direktvergleich wie ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Aber auch Wandtexturen oder Aufschriften auf Schildern aller Art, wie es sie in der Anlage zuhauf gibt, werden erstmals deutlich hervorgehoben.
Die erdig-warmen Farbpaletten der Blu-Ray sind erhalten geblieben und scheinbar auch von Harlin selbst so gewollt. Die 4K UHD tendiert aber nicht mehr so aggressiv ins Gelbbraun, sondern weist eher eine leichte Grüntendenz auf, was für die Augen sehr viel angenehmer ist. Gleichzeitig differenziert die Neuauflage um Welten besser und gewährt individuellen Highlights mehr Raum zur Entfaltung. Neutrale Flächen werden jetzt korrekt dargestellt, wo zum Beispiel die weißen Laborkittel im Rahmen der Blu-Ray noch komplett eingefärbt worden sind. Das gibt in der Summe auch dem allgegenwärtigen Wasser eine komplett neue Tiefe. Und bei der finalen Explosion gibt’s dann noch richtig schön dramatisches Feuer obendrauf. Die Körnung wirkt durchgehend natürlich und auflösungsbedingt auch unaufdringlich. Beim Schwarzwert legt die Scheibe ebenfalls nochmal eine Schippe drauf. Alles in allem also ein gelungenes Upgrade, welches an den richtigen Punkten ansetzt und die bestehenden Veröffentlichungen verdient auf ihr Altenteil schickt.
Der Ton
Auch dieses Mal bleibt es beim deutschen Ton bei der bekannten Tonspur im Format Dolby Digital 5.1, die von Warner schon seit der DVD-Ära in regelmäßiger Zuverlässigkeit immer wieder zur Bestückung der jeweiligen Formate herangezogen wird. Anders als noch bei Eraser, wo die Tonspur komplett enttäuscht hat, kann man sich hier wieder auf bessere Ergebnisse freuen. Aktivität aus allen Richtungen gibt’s quasi pausenlos. Mir gefällt alleine schon sehr gut, wie der Subwoofer eingesetzt wird, um die Größe und Kraft der Haie bei deren Bewegungen zu unterstützen. Für eine über fünfundzwanzig Jahre Abmischung kann sich das absolut hören lassen. Während des Sturms nimmt man den aggressiven Wellengang inklusive der kräftigen Windböen im ganzen Heimkino wahr, aber auch klassische Effekte wie der Helikopterflug zu Beginn bieten eine dazu glaubwürdige Klangkulisse. Die Dialoge bleiben durchgehend gut verständlich und der Score darf immer hörbar mitgehen. Kann man so lassen.

Oder man macht es einfach noch besser, wie im Fall der brandneuen Abmischung in Dolby Atmos, die wie immer exklusiv für die englische Fassung vorliegt. Die geht gar nicht mal so sehr hörbar kraftvoller ans Werk wie der bestehende Mix der deutschen Tonspur, aber sie differenziert im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr viel eleganter. Dadurch, dass Effekte wie der tosende Wind jetzt korrekt von der Decke wiedergegeben wird, entsteht nochmal eine ganz andere Wahrnehmung von Räumlichkeit. Richtig klasse wird’s dann unter Wasser, weil die Druckgeräusche der vorbeiziehenden Haie ebenfalls auf die Heights gelegt werden, wenn es sich denn platzierungsbedingt anbietet. Und der ebenso angesprochene Helikopterflug klingt mit korrekter Platzierung ebenso eine ganze Ecke realistischer.
Die Extras
Während die 4K UHD selbst kein Bonusmaterial an Bord hat, befinden sich auf der beiliegenden Blu-Ray, welche übrigens inhaltsgleich zu bisherigen Veröffentlichungen ist und dementsprechend ohne das neue Master auskommen muss, die altbekannten Featurettes. Dazu gehört der sehr hörenswerte Audiokommentar mit Samuel L. Jackson und Regisseur Renny Harlin, bei dem es besonders ärgerlich ist, dass man den nicht auch auf die Neuauflage gepresst hat.

Zwei kleine Dokumentationen geben einen Einblick in die Produktion, wobei natürlich vor allem die Haie näher beleuchtet werden. Ein paar nicht verwendete Szenen vom Schneidetisch liegen in Standardauflösung mit Kommentar vor und der originale Kinotrailer hat auch noch Platz auf der Scheibe gefunden. Veröffentlicht wird im limitierten Steelbook mit dem ursprünglichen Motiv im Innendruck. Wer daran Interesse hat, sollte sich aber beeilen, denn diese sammlertaugliche Fassung ist bei den meisten Händlern bereits vergriffen.

“Deep Blue Sea ist anteilig daran verantwortlich, dass ich seit Jahren nicht mehr ins tiefe Wasser gegangen bin. Zwar erreicht der Film bei weitem nicht die Spannung von Spielbergs unsterblichem Klassiker, bietet dafür aber bestes Popcornkino, welches abseits der nicht ganz gut gealterten Effekte zeitlos gute Unterhaltung garantiert. Die Blu-Ray hat sich über Jahrzehnte gut gehalten, bekommt mit der neuen 4K UHD aber nun eine lange verdiente Ablösung, die in allen Belangen besser aussieht und – zumindest im englischen Originalton – auch besser klingt. Bei den Extras bleibt die Neuauflage leider anhaltend etwas dünn. Fans gepflegten Tierhorrors können aber bedenkenlos zugreifen – wenn sie denn noch ein Exemplar zu vernünftigen Preisen ergattern können. Aber keine Sorge: Ein günstige Variante kommt bestimmt.”

Quelle Bildmaterial: ©Warner Bros. Pictures. All rights reserved.
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