Die Abenteuer von Edward Kenway zählen bis heute zum besten, was Assassin’s Creed je hervorgebracht hat und konnte sogar Spieler begeistern, die mit der Reihe sonst eher wenig am Hut haben. Und obwohl sich Black Flag spielerisch wie technisch seitdem durchaus gut gehalten hat, fragen sich Fans bereits seit Jahren, wie sich der Titel wohl als Remake anfühlen würde. Die Antwort darauf liefern Ubisoft jetzt mit Assassin’s Creed Black Flag Resynced. Wir haben das vollwertige Remake mitsamt dessen zahllosen Neuerungen gründlich durchgespielt und uns dabei einmal mehr in die Piraterie verliebt.


Entwickler: Ubisoft Singapore
Publisher: Ubisoft
Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series X|S
Veröffentlichungsdatum: 09. Juli 2026
Preis: ab 59,99€*
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Entsprechende Rezensionsmuster wurden uns freundlicherweise vorab kostenlos von Ubisoft zur Verfügung gestellt.
Gier ist gut
Warum für einen Hungerlohn unter der Flagge des verhassten Königs segeln, wenn man sein Glück auch als Pirat machen kann? Um sich und seiner Frau ein besseres Leben zu ermöglichen, verlässt Edward Kenway zu Beginn des 18. Jahrhunderts seine Heimat und erleichtert an der Seite legendärer Seeräuber wie Edward “Blackbeard” Teach britische und spanische Schiffe gleichermaßen um Waren und Dublonen. Das war sehr natürlich sehr viel einfacher, als sich die beiden Länder noch miteinander im Krieg befanden. Nun, wo Frieden herrscht, wendet sich das Blatt allmählich gegen die Freibeuter. Das Goldene Zeitalter der Piraterie neigt sich unaufhörlich dem Ende zu. Im Angesicht dieser Tatsache versucht Kenway, der längst weit über die versprochene Zeit hinaus die Karibik bereist hat, doch noch ein Vermögen zu machen.

Nach einer verheerenden Seeschlacht mehr tot als lebendig an Land angespült, kommt es zufällig zu einer Begegnung mit dem Assassinen Duncan Walpole. Der hat anders als der überwiegende Rest seiner Bruderschaft jedoch nichts Gutes im Sinne und will mitsamt eines geheimnisvollen Objekts zu den Templern überlaufen – einer mächtigen Gruppe, die seit jeher nach der Weltherrschaft strebt und Freiheit recht eigenwillig interpretiert. Nach einer kurzen, aber intensiven Verfolgungsjagd durch den Urwald kommt es schließlich zum Kampf. Der siegreiche Edward beschließt kurzerhand, das Objekt selbst nach Havanna zu bringen, schließlich verspricht ein beiliegendes Schreiben eine hohe Belohnung und wie der echte Walpole aussieht, weiß man offenbar auch nicht. Kenway ahnt nicht, dass er sich damit in die Höhle des Löwen begibt, denn der Empfänger der futuristischen Kostbarkeit ist niemand geringeres als Laureano de Torres, seines Zeichens Großmeister des Templerordens im westindischen Raum.

Der sucht gemeinsam mit seinen Schergen seit geraumer Zeit nach dem Observatorium, einem Artefakt der Vorläufer, mit dessen Hilfe man Einblick in das komplette Leben eines Menschen erhält, solange man der Apparatur nur einen Tropfen von dessen Blut zuführt. Mit einer solchen Macht wäre die Weltherrschaft zum greifen nahe. Kenway erkennt darin eine Chance, das Überleben der Piraten zu sichern, wird jedoch vorzeitig enttarnt und auf ein Gefangenenschiff auf direktem Wege nach Spanien verschifft. Dank der Hilfe des Mitgefangenen Adéwalé gelingt nicht nur die Flucht, sondern auch der Diebstahl einer spanischen Brigg. Fest entschlossen, das Observatorium vor den Templern zu finden, finden sich die Piraten schon bald zwischen den Fronten eines Jahrtausende andauernden Krieges zwischen Templern und Assassinen wieder, während sie sich gleichzeitig gegen immer erbittertere Angriffe der königlichen Marine erwehren müssen…wenn sie sich nicht vorher gegenseitig um die Ecke bringen.
…doch wir sterben nie!
Obwohl der Kosmos von Assassin’s Creed seit der Erstveröffentlichung von Black Flag (unter anderem als Starttitel für die PlayStation 4) um einige Ableger angewachsen ist, sticht die Geschichte um die Piraten der Karibik noch immer heraus. Nicht nur das Setting, sondern auch die Handlung zählen zu den erinnerungswürdigeren im Rahmen der Reihe, da hier ausnahmsweise einmal keine klassische Rachegeschichte im Vordergrund steht. Echte Helden sucht man hier vergebens, es gibt lediglich einen Haufen Schurken mit unterschiedlichen Motivationen, zwischen denen sich eine Menge Grauzonen befinden. Das hat durchaus seinen Reiz und trägt einen auch dank der gleichermaßen toll inszenierten wie vertonten Zwischensequenzen mit Neugierde bis zum Abspann. Die toll geschriebenen und lose an realen Vorbildern angelehnten Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, was den bittersüßen Abschied umso emotionaler gestaltet. Ähnlich zerrüttet hat mich zuvor nur die Geschichte von Ezio zurückgelassen.

Und wenngleich es schade ist, dass der Reihe diese erzählerische Qualität in den Folgejahren mehr und mehr verlorengegangen ist, freue ich mich nun umso mehr, dieses von Fans so universell geliebte Piratenabenteuer endlich in komplett modernisierter Form neu erleben zu dürfen. Assassin’s Creed Black Flag Resynced folgt derselben Rahmenhandlung, erweitert die bestehende Geschichte aber in einigen Punkten um neue Inhalte und schraubt außerdem hier und da etwas am Pacing. Was genau sich im Vergleich zum Original getan hat, wollen wir in den folgenden Absätzen gründlich aufzeigen. Klar ist aber vorab: Wer schon auf PlayStation 4 und Co. seinen Spaß beim Plündern hatte, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn ein besseres Remake gab es seit Jahren nicht und wird es auch auf absehbare Zeit nicht geben. Warum das so ist? Schauen wir es uns an!
Au revoir, Madame Lemay
Die mitunter größte Verbesserung abseits der Technik offenbart sich uns direkt zum Spielbeginn. Die ursprüngliche Rahmenhandlung, in deren Verlauf wir als namenloser Mitarbeiter der Templerfirma Abstergo in der genetischen Vergangenheit von Desmond Miles nach potenziellen Artefakten wühlen sollen und dabei allmählich den finsteren Machenschaften unseres Arbeitgebers auf die Schliche kommen, wurde komplett gestrichen. Diese Zwischenkapitel ziehen sich bis Assassin’s Creed Valhalla und sind bei Spielern chronisch unbeliebt, da sie die eigentliche Erzählung immer wieder unschön unterbrechen und spätestens seit dem Ableben des ursprünglichen Protagonisten inhaltlich zunehmend verwirren.

Keine nervige Melanie mehr, kein kräftezehrendes Hacken von Bürocomputern…stattdessen finden wir uns hier wie schon in Assassin’s Creed Shadows einmal mehr als anonymer Nutzer von EGO wieder, einer von Abstergo vertriebenen Heimunterhaltungsapparatur mit verheerenden Nebenwirkungen, vor denen wir im Spielverlauf immer wieder durch eine geheimnisvolle Stimme gewarnt werden. Das ist in der Summe eher belanglos und lässt einen mit mindestens so vielen offenen Fragen wie der Vorgänger zurück, dafür dauern die dazugehörigen Sequenzen oft weniger als eine Minute und entlassen einen im Anschluss wieder freudig ins eigentliche Spiel. Gott, was bin ich froh, diesen aufgesetzt freundlichen Rotschopf mit dem dicken Akzent endlich los zu sein. Die nächsten Stunden folgen dann engmaschig der bereits bekannten Geschichte. Man nimmt sich Zeit, die Charaktere mitsamt ihrer individuellen Motivationen ausgiebig vorzustellen und dabei nach und nach sämtliche relevanten Mechaniken zu erklären.

Erst, nachdem wir erfolgreich unser erstes, hochkarätiges Ziel aus der Welt geschafft haben, tut sich was. So erhalten wir das Fangseil nun viel früher als bisher, was eine gute Idee ist, denn das extrem nützliche Werkzeug ist uns im Original erst so spät ausgehändigt worden, dass man es kaum noch sinnvoll zum Einsatz bringen konnte. Grundsätzlich sind alle Missionen im Spiel von Grund auf neu gestaltet worden, um Spielern mehr Freiheit beim Erreichen der jeweiligen Ziele zu geben und auch die Möglichkeiten des überarbeiteten Parcoursystems vollständig ausnutzen zu können. Leider klappt das im Ergebnis nicht immer optimal, da die Patrouillen überzogen aufmerksam sind und bereits Großalarm auslösen, wenn nur ein kleiner Zipfel hinter einem Objekt hervorlugt. Auch verfolgen sie uns im Verdachtsfall viel zu aggressiv. Da hat sich das Original in meinen Augen fairer angefühlt.
Die Freuden des Aufbaus
Und ebenso wie dort erhalten wir relativ früh im Spiel Zugang zu einem eigenen Stützpunkt, den wir nach Herzenslust (und im Austausch gegen das nötige Kleingeld) aufwerten können. Neben dem stattlichen Herrenhaus gibt es im Umfeld auch einige Geschäfte, die uns Zugang zu hochwertigen Schiffsupgrades, seltenen Rohstoffen und anderen Boni verschaffen, auf die wir anschließend von überall in der Welt zugreifen können. Das Problem war nur, dass es sich nie so wirklich gelohnt hat, nochmal in die Basis zurückzukehren, sobald wir dort alles erfolgreich renoviert haben. Das Remake setzt an dieser Baustelle erfolgreich an und offeriert uns eine ganze Palette an Dekorationsgegenständen, die wir nach Belieben im ganzen Haus aufstellen können. Für jedes zurückgebrachte Andenken der ehemaligen Besitzerin werden wir zudem fürstlich von dem undurchsichtigen Butler James belohnt, der ein seltsames Talent dafür besitzt, lautlos aus dem Nichts aufzutauchen.
Die alte Piratenbasis ist ein perfektes Versteck für Edward und seine Flotte. Leider liegt der Ort komplett brach und muss erst nach und nach wiederaufgebaut werden. Die motivierten Händler entlohnen uns dafür mit Zugang zu einzigartigen Upgrades und Boni, auf die wir anschließend auch bei sämtlichen Kollegen in der Spielwelt zugreifen können.

James hat der Vorbersitzerin lange Zeit als Butler gedient und blickt dem Wiederaufbau mit viel Freude entgegen. Doch welche geheimnisvolle Vergangenheit verbirgt der Weißkopfadler? | Beide Bilder: PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Ebenfalls neu ist eine Kiste mit Schutzgeld, die sich abhängig vom Fortschritt unserer Aufbaumaßnahmen füllt und uns ein nettes Nebeneinkommen verschafft. Das können wir auch gut gebrauchen, denn neue Waffen, Monturen und andere Verbesserungen gehen mit der Zeit heftig ins Geld. Außerdem gibt es zwei komplett neue Gebäudetypen, die unseren Wohlstand weiter mehren und nützliche Perks wie mehr Materialien beim Häuten von Tieren bescheren.
Im integrierten Shop können wir uns einmal mehr gegen Echtgeld ein paar Spielhilfen erkaufen. So lassen sich alle Fundobjekte in der Welt ohne vorheriges Entdecken offenlegen, auch ein Paket mit Materialien wird zum Kauf angeboten. Im Angesicht der Tatsache, dass man im regulären Spielverlauf mehr als genügend Ressourcen erhält, um das Schiff maximal aufzuwerten, sehen wir keinen Grund für eine Abwertung.
Da sagen wir doch nicht Nein, oder? Selbst der im Original nur namentlich auftretende Milo van der Graff hat sein prächtiges Schiff verlassen, um uns persönlich mit der Bewachung seiner Schiffe zu beauftragen. Generell lohnt es sich jetzt viel mehr, regelmäßig in den Stützpunkt zurückzukehren und zu sehen, was es wieder neues gibt. Den Schatzkartenhändler habe ich allerdings schnell links liegengelassen – dafür kostet deren Restaurierung schlicht zu viele Materialien. 200 Fässer Rum sind selbst für trinkfeste Piraten nicht wenig!

Die Templerjagten, an deren Ende ihr euch eine besonders potente Montur abholen dürft, haben es in sinnvoll modernisierter und erweiterter Form ebenfalls ins Remake geschafft, gleiches gilt für die via Taubenschläge annehmbaren Aufträge der Assassinen, deren Standorte jetzt gleichmäßiger über die Welt verteilt worden sind und inhaltlich mehr Tiefe offerieren. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass sich die Entwickler intensiv mit dem Original vertraut gemacht und dabei sehr genau analysiert haben, welche Aspekte verbesserungsfähig sind. In der Summe fühlt sich die Erfahrung dadurch viel runder an, da sich der umfangreiche Pool an Nebeninhalten jetzt wirklich gewichtig anfühlt und nicht nur wie banales Beiwerk, welches man lediglich für die zusätzlichen Belohnungen abfarmt.
Großes aus kleinen Ursprüngen
Vieles mag einem eher subtil erscheinen, zum Beispiel die kleinen Nachrichten während der Plantagenplünderungen, die immer wieder kleine Geschichten rund um den Verbleib des ersehnten Lagerhausschlüssels erzählen und die Welt auf diese Weise ein wenig lebendiger anfühlen lassen. Selbst die kleineren Inseln, die man früher nur angelaufen ist, um mal eben ein-zwei Schatztruhen mitzunehmen, fügen sich sich jetzt glaubhaft ins glaubhaft ins Geschehen ein und bieten mehr hochwertige Belohnungen. Bei einer dieser Erkundigungen stießen wir zum Beispiel auf die Leiche eines Spaniers, der sich kurz vor seinem tragischen Ableben noch in einem letzten Brief an seine geliebte Frau gewandt hat und sich für den Verlust eines kostbaren Schmuckstücks entschuldigt. Nur wenige Meter weiter finden wir ein Holzkreuz, an dem zuvor mit letzter Kraft der Rest der unglückseligen Schiffsbesatzung begraben worden ist.

Gelingt es uns im Anschluss daran, das verlorene Kleinod vom Meeresboden zu bergen, wird das von Edward entsprechend kommentiert. Generell ist es toll, dass man für die neuen Inhalte den kompletten Cast des Originals erneut verpflichtet hat, so gehen die Inhalte makellos ineinander über, besonders deswegen, weil die ursprüngliche Synchro immer noch referenzverdächtig gut ist. Es macht großen Spaß, die Karibik nach diesen kleinen Randgeschichten abzusuchen und gleichzeitig ein Ohr für die neuen Dialoge offenzuhalten, die uns im Vorbeigehen auch mal einen brauchbaren Hinweis auf nahegelegene Rätsel geben.
Der Mehrspielermodus des Originals sowie die damals veröffentlichte Standalone-Erweiterung Freedom Cry sind im Remake nicht enthalten.
Ebenso wird man von Edward jetzt darauf hingewiesen, wenn man in der Nähe eines vergrabenen Schatzes ist. Das ursprüngliche Koordinatensystem funktioniert anhaltend gut, da die Karten aber leider etwas tief in den Untermenüs versteckt sind und man schnell vergisst, dass man die überhaupt mit sich führt, ist so ein Reminder in Audioform im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Abschließen können wir diese Nebentätigkeit ebenso wie die Jagd nach vergrabenen Maya-Stehlen ärgerlicherweise erst zum Ende der Geschichte.

Es bleibt jedoch nicht nur bei vielen Kleinigkeiten, stattdessen hat das Team zum Ende eine Vielzahl neuer Quests implementiert, um geliebten Charakteren, die im Original leider etwas untergegangen sind, einen würdigen Abschluss zu geben. Fans von Stede Bonnet und Blackbeard sollten also die Augen nach ein paar bisher unbekannten Erinnerungsauslösern offenhalten. Sehr interessant sind außerdem die vier Animus-Szenarien, die uns in der Rolle von vier zentralen Charakteren durch ein toll inszeniertes, alternatives Was-wäre-wenn-Szenario führen, bei dem vor allem unsere Parcoursfähigkeiten auf die Probe gestellt werden, wollen wir es heile ins Ziel schaffen.
Kämpfen bis zum Ziel
Assassin’s Creed Black Flag entstammt noch der klassischen Ära der Reihe, also vor der Implementierung der heute gängigen Rollenspielelemente, welche auch das Kampfsystem komplett auf den Kopf gestellt haben. Im Rahmen des Remakes hat man sich bemüht, eine gute Mitte aus beiden Mechaniken zu finden, was im Ergebnis auch hervorragend gelungen ist. Das Original war durch die übermächtigen Kettenattentate viel zu leicht, hier wurde diese Komponente sinnvoll zurückgefahren, Blocken und Ausweichen nehmen wie in den neueren Titeln einen größeren Stellenwert ein – allerdings ohne deren Talentbäume oder das umfangreiche Ausrüstungssystem. Wir können also weiterhin nur eine Komplettmontur anlegen und dazu aus verschiedenen Sätzen Schwertern und Pistolen wählen, diese jetzt aber in sichtbar gekennzeichneten Qualitätsstufen. Außerdem gibt es zwei freie Plätze für Talismane, die beispielsweise den Luftverbrauch unter Wasser reduzieren oder mehr Beute beim Plündern gewähren.

Mir gefällt die ausgewogene Mischung aus Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit, überladen fühlt sich das neue System nie an und in dieser Form könnte man es mit gutem Gewissen sogar in neuere Ableger implementieren, bei denen es mir mittlerweile stellenweise zu viel Mikromanagement gibt. Obendrauf gibt’s mehrere Schwierigkeitsstufen, die allesamt gut ausbalanciert worden sind und sich auf Wunsch individuell für Gefechte an Land, zur See oder in Hinblick auf allgemeinere Optionen wie die Aufmerksamkeit der Gegner einstellen lassen können.
Assassin’s Creed Black Flag Resynced erscheint neben einer Standard Edition auch als etwas teurere Deluxe Edition, die zwei zusätzliche Ausrüstungssätze für Edward und die Jackdaw beinhaltet. Während das Schiff lediglich kosmetische Extras enthält, bringt uns der legendäre Schwerter- und Pistolensatz inklusive Talisman etwas einfacher durch die ersten Stunden, nimmt darüber hinaus aber keinerlei Einfluss auf die Spielbalance. Wir werten deshalb auch hier nicht zusätzlich ab.
In der uns zum Test vorgelegenen Fassung war die Textlokalisierung noch unvollständig und auch das Deckungssystem hat neben einigen anderen Aspekten noch nicht gänzlich korrekt funktioniert. Wir werden uns das zum Release nochmal gründlich ansehen, sind aber zuverlässig, dass da zeitnahe noch ein dickes Upgrade nachgeschoben werden wird. Das überarbeitete Kampfsystem geht wunderbar intuitiv von der Hand und lässt sich auch von Serienneulingen schnell erlernen. Lediglich in engeren Korridoren und dergleichen kommt es aufgrund der dann nicht immer optimalen Kameraführung gerne mal zu Übersichtsproblemen, was in Ermangelung einer Anzeige von Zielen außerhalb des Bildes für einige Frustmomente sorgen kann.

Auf See bleibt fast alles beim alten, lediglich die Bedienung wurde ein wenig umgebaut, um schnelleren Zugang zu den verschiedenen Munitionstypen zu gewährleisten. Schon damals haben die Gefechte einen Riesenspaß gemacht, das Remake bringt dieses zeitlos epische Spektakel kompromisslos zurück und ergänzt die Kaperfahrten sogar um neue Wettergefahren wie Blitzeinschläge und Stürme. In einem waschechten Unwetter zwischen Tornados durchzusegeln und Einschlägen auszuweichen, während man vor Regen gleichzeitig kaum etwas sehen kann und versuchen muss, ein fettes Kriegsschiff zu versenken oder alternativ im Rahmen einer zünftigen Massenschlacht zu entern, ist und bleibt jedes Mal wieder eine großartige Erfahrung.
Das spanische Schiff hat gegen unsere mehrfach hochgerüsteten Kanonen keine Chance. Fregatten und die mächtigen Kriegsschiffe stecken dafür deutlich mehr Treffer ein und verfügen über dramatisch mehr Feuerkraft.

Um die Moral der gegnerischen Crew zu brechen, genügt es, genug Männer im Kampf auszuschalten. Alternativ können wir auch Pulvervorräte vernichten oder die Feindflagge kappen. Dabei müssen wir stets darauf achten, dass wir nicht zu viele Mitglieder unserer eigenen Mannschaft verlieren. | Beide Bilder: PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Alte Hasen wird es freuen zu lesen, dass für das Aufwerten der Jackdaw nun deutlich weniger Materialien nötig sind als früher, gleichzeitig werden zentrale Ressourcen wie Holz und Metall in höheren Mengen ausgeschüttet. Vorbei ist der elendige Grind der Vergangenheit, wo man Stundenlang Schiffe plündern musste, bis man genug davon beisammen hatte. Alleine das Erobern der Forts belohnt einen jetzt schon mit einem dicken Ressourcenbonus zum Upgraden der Jackdaw. Das muss man zwangsläufig nämlich tun, wenn man nicht von der Fortartillerie oder den optionalen Elite-Schlachtschiffen in Windeseile zu Davy Jones geschickt werden will. Im Rahmen völlig neuer Questreihen können wir jetzt übrigens besondere Charaktere für unsere Crew anheuern, die unser Schiff noch widerstandsfähiger und stärker machen. Angesichts der späten Herausforderungen im Spiel ist es keine schlechte Idee, die nicht minder gut geschriebenen neuen Charaktere schnell zu rekrutieren. Eine schöne Ergänzung sind die Neuzugänge allemal, zumal deren Dialoge die langen Seefahrten zusätzlich auflockern, solltet ihr irgendwann einmal keine Lust mehr auf Shantys haben. Aber mal ehrlich, wer liebt die nicht?
Edward Kenway, Dachinspektor
Am altmodischen Parcoursprinzip gab es im Grunde nichts auszusetzen, lediglich in Sachen Bewegungsfreiheit war das System im Rahmen der damaligen Möglichkeiten etwas limitiert. Nicht zu vergessen, dass es manchmal ewig gedauert hat, einen Weg in ein Fort zu finden, weil die Zugangsmarkierungen nicht gut genug gekennzeichnet gewesen sind! Und allzu oft hatte man das Gefühl, dass es immer nur einen richtigen Weg zum Ziel gibt. Das Remake erweitert die Bewegungsmöglichkeiten dramatisch, spendiert Edward zahlreiche neue Animationen hinzu und gestaltet das Bewegen über Dächer, Bäume und Co. um ein vielfaches dynamischer.

Sehr willkommen ist, dass wir einen Abschnitt nicht direkt neu beginnen müssen, falls wir während einer Beschattung entdeckt werden. Stattdessen erhalten wir alternative Möglichkeiten, an Informationen oder Schlüsselobjekte zu gelangen. Rauchbomben und Co. können aus dem Schnellmenü heraus direkt geworfen werden, das lästige Anwählen über das Ausrüstungsrad entfällt vollständig. Ziele und Objekte von Interesse lassen sich jetzt individuell markieren und verfolgen. Das altgediente Adlerauge bleibt dennoch eine große Hilfe und zeigt uns im Stillstand alle Gegner, Wildtiere und andere Punkte von Interesse deutlich hervorgehoben an. Übrigens bewegt sich Edward jetzt auch unter Wasser viel geschmeidiger und präziser, was viel Frust aus den späteren Tauchgängen rausnimmt.

Nun, wo wir uns dem Ende der Besprechung sämtlicher Features nähern, möchte ich nochmal ein besonderes Lob an die Entwickler aussprechen. Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist ein Remake, wie es sein muss. Nicht nur darum bemüht, die Technik auf den neuesten Stand zu heben, sondern das Bekannte auch um zahllose Verbesserungen ergänzt, während man die Kernessenz der Vorlage respektvoll erhält. Alleine die neuen Inhalte sind mehr als willkommen und bereichern das ursprüngliche Erlebnis um spielerische Tiefe. Würden das alle so machen, würde man als Konsument nicht immer gleich genervt aufstöhnen, wenn wieder ein Neuauflage angekündigt wird, im Gegenteil. Was hier qualitativ geboten wird, lässt einen plötzlich verzückt daran denken, wie sich wohl Remakes der Ezio-Trilogie bei einer mindestens gleichwertigen Umsetzung anfühlen würden. Ein Denkanstoß, den man im Angesicht eines möglichen Erfolges hoffentlich auch bei Ubisoft verfolgt.
So schön wie eine seltene Perle
Assassins’s Creed Black Flag Reynched wurde auf Basis der hauseigenen Anvil Engine in der aktuellsten Version von grundlegend neu aufgebaut, lediglich die bestehenden Animationen im Rahmen der Zwischensequenzen hat man übernommen, was man leider auch sieht, da gerade die Mimik der Charaktere bisweilen etwas steif und hölzern wirkt. Das ist aber der einzige Wermutstropfen im Rahmen einer sonst wunderschönen Gesamtkulisse. Der Grafikmotor beherrscht natürlich auch Raytracing, welches hier je nach Plattform und gewähltem Modus mindestens für die Beleuchtung, ebenso aber auch für Reflektionen in Echtzeit zum Einsatz gelangt. Und damit wir euch die jeweiligen Spezifikationen nicht allesamt einzeln aufschlüsseln müssen, haben wir uns dazu entschlossen, alle Infos in einen handlichen Schaukasten zu überführen:
PlayStation 5: Dynamisches 4K über alle Modi | Grafikmodus und ausgeglichener Modus mit maximalem Raytracing bei Bildraten bis 40 Frames pro Sekunde | Leistungsmodus mit RT-gestützter Beleuchtung bei maximal 60 Bildern pro Sekunde.
PlayStation 5 Pro: Dynamisches 4K über alle Modi | Maximales Raytracing auch im Leistungsmodus | PSSR 2
XBOX Series X: Identisch zur Basisversion der PlayStation 5
XBOX Series S: Dynamische 1620p | Alternativloser Qualitätsmodus bei maximal 30 Bildern pro Sekunde | RT-gestützte Beleuchtung
Verglichen mit dem anhaltend sehr eindrucksvollen Assassin’s Creed Shadows hat sich hier im Detail nochmal ein bisschen was getan, was aber auch am Setting liegen kann. Hier greift die dynamische Auflösungsskalierung nämlich grundsätzlich weniger heftig, so dass XBOX Series X und PlayStation 5 Pro im Schnitt gute Werte zwischen 1440p und 1600p erreichen, was immer davon abhängt, in welcher Gegend wir gerade unterwegs sind. Vor allem in den drei Großstädten Havanna, Kingston und Nassau kann es dann schon mal in Richtung von 108op gehen, während wir bei ruhigem Seegang eher an das Auflösungslimit gelangen. Die Skalierung arbeitet hier allerdings sehr gut, so dass selbst in leistungshungrigen Szenarien immer noch ein angenehm beruhigtes Bild geboten bekommt.

Das Remake zählt gegenwärtig zu den mit Abstand schönsten Titeln dieser Generation. Dichte Vegetation und sattwarme Farben wecken allerbeste Urlaubsstimmung, sämtliches Blattwerk wird durch den Wind in stetiger Bewegung gehalten und durch die Gegend wehendes Laub untermalt die lebendig wirkende Welt zusätzlich. Die von Raytracing gestützte Beleuchtung ist einfach nur traumhaft schön, egal ob sich diffuse Lichtstrahlen durch die Dschungelkrone bahnen oder wir an Bord der Jackdaw einem magisch anmutenden Sonnenauf- oder Untergang entgegensegeln. Letzteres wird durch die dynamischen Tageszeiten ermöglicht, die es im Original so noch nicht gegeben hat.

Innerhalb der Zwischensequenzen wird prinzipiell in den Qualitätsmodus umgeschaltet, dort bleibt es also alternativlos bei 30 Bildern pro Sekunde, der jedoch wunderbar flüssig in den Leistungsmodi übergeht. Anders als bei vielen anderen Spielern ruckelt die Übergänge also nicht. Und wie schon beim Abenteuer im feudalen Japan muss man im Leistungsmodus auch hier auf die in Echtzeit animierten Haare verzichten, die gibt’s nur noch im Rahmen der gerade angesprochenen Sequenzen, abseits davon kommt eine statischere, ressourcenschonendere Variante zum Einsatz, die ebenfalls nicht schlecht aussieht.

Die Bevölkerungsdichte in den großen Städten wurde kräftig nach oben geschraubt, sämtliche Modelle komplett überarbeitet. Dadurch kann man auch den vielen NPCs mit gutem Gewissen etwas genauer in die Augen schauen, ohne dabei gleich vor Schreck vom Sofa zu fallen. Dynamischer Rauch, der ebenfalls vom Wind beeinflusst wird, weht von den zahlreichen Feuerstellen und nach einem Regenschauer bilden sich überall Pfützen, die mit aktivierten Raytracing-Reflektionen zusätzlich zu einer authentischen Atmosphäre beitragen. Dazu gibt’s detaillierte Texturen und fast fotorealistisches Wasser. Größere Abstriche gibt es zwischen den Modi nicht, lediglich die Qualität der Schatten wird im Leistungsmodus sichtbar reduziert.
Die PC-Version macht von dem bei Spielern sei Jahren umstrittenen Kopierschutz Denuvo Gebrauch, der im anhaltenden Verdacht steht, die Leistung stark zu beeinflussen. Immerhin: Nutzer, die sich den Titel auf Steam zulegen, müssen im Anschluss daran keinen weiteren Launcher installieren.
Exklusiv auf PlayStation 5 Pro kommt PSSR 2 zum Einsatz, wodurch man selbst im Leistungsmodus jederzeit ein messerscharfes Bild geboten bekommt, dass sich von echtem 4K kaum unterscheiden lässt. Neben Resident Evil: Requiem eine der gegenwärtig eindrucksvollsten Implementierungen der neuen Technologie und ein absoluter Game Changer, der das System mit Abstand zur besten Wahl außerhalb mehrerer tausend Euro teurer Rechenknechte macht (zumindest, wenn man eine ähnliche Darstellungsqualität erzielen will). Aber auch auf den übrigen Plattformen sieht das Spiel fantastisch aus, die Bildraten bleiben im Rahmen ihrer jeweiligen Modi stabil und die Ladezeiten fallen grundsätzlich angenehm kurz aus. Man kann über Ubisoft schimpfen, wie man will, aber von Technik und deren Optimierung verstehen sie mehr als so manch anderer Player auf dem Markt.

Anhaltend gelungen ist neben der maßstabsverdächtigen Vertonung, für deren neue Szenen man die ursprünglichen Sprecher (mit Ausnahme des leider verstorbenen Ekkehard Belle) sämtliche Sprecher erneut verpflichten konnte, auch die tolle Audiokulisse des Spiels. Was einem alleine während einer handfesten Seeschlacht akustisch um die Ohren geblasen wird, ist beste Kinoatmosphäre – natürlich nur, wenn ihr auch über ein entsprechendes Heimkinosystem verfügt. Dazu der zeitlos treibende Score von Brian Tyler mit seinem ikonischen Leitmotiv und den erwähnt herausragenden Sprechern…besser kann ein waschechtes Piratenabenteuer nicht klingen. PC-Spieler sollten bei der Bedienung unbedingt ein Gamepad nutzen, denn mit Maus und Tastatur manövriert es sich sowohl an Land als auch auf See eher unpräzise. Ein Spiel wie dieses ist eben für Controller gemacht worden. So, jetzt erstmal ein Shanty zum Feierabend.

“Jack Sparrow? Nie gehört! Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist in meinen Augen der neue Maßstab für ein gelungenes Remake und nicht zuletzt immer noch das beste digitale Piratenabenteuer überhaupt. Der erzählerische Kern der Vorlage bleibt erhalten, wird aber sinnvoll erweitert. Was nicht funktioniert hat oder heute nicht mehr so gut funktionieren würde, hat man passend abgeändert oder ganz gestrichen. Dazu gibt’s tonnenweise neuer Inhalte und Verbesserungen, die sich perfekt in das bestehende Spielgeschehen einfügen. All das verpackt in Traumgrafik…Spielerherz, was willst du mehr? Runder, schöner, besser…dieses Remake hat mein Piratenherz im Sturm erobert und mich die immense Enttäuschung eines Skull and Bones komplett vergessen lassen. Dasselbe jetzt bitte noch mit der Ezio-Trilogie und wir sind alle glücklich. Lässt sich doch bestimmt machen, oder, liebes Ubisoft?”


- Weitestgehend toll aufbereitete Zwischensequenzen
- Atemberaubende Panoramen, wohin man auch blickt
- Wunderschöne Beleuchtung dank Raytracing (Plattform- und Modusabhängig)
- Beeindruckende Effekt- und Physikkulisse
- Realistische Wettereffekte inklusive opulenter Übergänge
- Glaubhaft belebt, egal ob Städte, Inseln oder kleine Atolle
- Zeitlos liebenswerte Antihelden mit viel Witz und Persönlichkeit
- Hochemotionales Finale, dass einem auch nach Jahren noch Tränen in die Augen treibt
- Gut fünfunddreißig Stunden umfassende Kampagne…
- …und locker fünfundzwanzig Stunden Nebenbeschäftigungen aller Art
- Massenweise neue Inhalte…
- …welche das Gesamtbild in vielerlei Hinsicht sinnvoll bereichern, bzw. ergänzen
- Nervige Abstergo-Zwischenkapitel des Originals komplett gestrichen
- Anhaltend epische Seegefechte
- Gute, schnörkellose Mischung aus klassischem und modernem Kampfsystem
- Hervorragend überarbeitetes Parcoursystem
- Fair ausbalancierte Schwierigkeitsgrade…
- …mit optional zuschaltbaren Hilfen
- Umfangreicher Fotomodus
- Anhaltend fantastische Sprecher
- Filmreifer Soundtrack…
- …inklusive opulenter Klangkulissen
- Angenehm intuitive Bedienung via Gamepad

- Gesichtsanimationen wirken oft etwas veraltet
- Neue Rahmenhandlung angenehm kurz, aber dennoch belanglos
- Deckungssystem funktioniert situationsbedingt nicht immer zuverlässig
- Gegner agieren im Kampf eher dumm…
- …sind bei Verfolgungen und Untersuchungen aber lächerlich hartnäckig
- Flottenmodus praktisch nutzlos
- Erweiterung “Freedom Cry” nicht enthalten
- Kleinere Physikaussetzer
- Kamera in engen Räumen oft unübersichtlich
- Zwischensequenzen häufig sichtbar asynchron
- Chronisch unpräzise Maus- und Tastatursteuerung (PC)




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