Review | Star Fox

Wunderschön, aber ohne Überraschungen

Denkt man an Nintendo, dann fällt einem in der Regel zuallererst Super Mario ein. Dabei haben auch Fox McCloud und sein Team eine enge und Jahrzehnte andauernde Geschichte mit der japanischen Spiele- und Konsolenschmiede. Richtig Fuß fassen konnte die von Shigeru Miyamoto konzipierte Serie bei den Fans trotzdem nie. Ob das nun mit Star Fox endlich gelingt? Um das herauszufinden, haben wir uns das Remake einmal genauer angesehen…und sind gleichzeitig tief in Kindheitserinnerungen eingetaucht.

Entwickler: Velan Studios

Publisher: Nintendo

Plattform: Nintendo Switch 2

Veröffentlichungsdatum: 25. Juni 2026

Preis: 49,99€*

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Metacritic | OpenCritic | IMDB


Echtgeldinhalte
Ungeschnitten


Hinweis: Entsprechende Rezensionsexemplare sind uns freundlicherweise kostenlos vorab von Nintendo zur Verfügung gestellt worden.

Spiel’s noch einmal, Fox

Der irre Wissenschaftler Dr. Andross und seine zahllosen Schergen bedrohen den Frieden im von anthropomorphen Tierwesen bewohnten Lylat-System. Und wieder einmal liegt es am Team Star Fox, dem Oberschurken Einhalt zu gebieten. Nachdem der ehemalige Anführer der Truppe, nämlich James McCloud, bei einer früheren Auseinandersetzung mit Andross verschwand und seitdem für Tot gehalten wird, hat dessen Sohn Fox die Führung übernommen und sinnt seitdem auf Rache. Unterstützt wird er dabei von seinem Mentor, dem langsam in die Jahre kommenden Fliegerveteran Peppy Hare sowie dem tollkühnen Fliegerass Falco Lombardi und Mechaniker Slippy Toad. 

Falco, Slippy, Peppy und Fox müssen das Universum vor dem Primatenpatriarchen Andross und seiner Affenbande retten. | Dockmodus

Das kommt euch alles irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, denn Star Fox ist ein waschechtes Remake von Lylat Wars, welches zunächst exklusiv auf dem Nintendo 64 veröffentlicht wurde und viele Jahre später eine Neuauflage auf dem Nintendo 3DS spendiert bekommen hat. Und falls ihr das schon kompliziert findet: Lylat Wars, außerhalb des europäischen Raums unter dem eingängigeren Namen Star Fox 64 veröffentlicht, ist eigentlich ein Reboot von Star Fox auf dem Super Nintendo, welches man für Europa kurzerhand in Star Wing umgetauft hat. Und dann gibt es da noch Star Fox 0 für den GameCube, das im Kern dieselbe Geschichte erzählt, nur spielerisch etwas andere Wege geht. Damit liegt man insgesamt zwar immer noch deutlich hinter dem Neuauflagenzähler eines The Elder Scrolls V: Skyrim, aber immerhin!

Das klassische Schienenprinzip funktioniert dank der durchgehend tempo- und actionreichen Inszenierung heute immer noch hervorragend. | Dockmodus

Trotz dieser Beharrlichkeit ist es der Reihe nie so richtig gelungen, sich dauerhaft in der Spielergemeinschaft zu etablieren – dabei zählen gerade die frühen Einträge zu den bestbewerteten Titeln ihrer jeweiligen Plattformen, was angesichts des hochprominenten Schöpfers – nämlich Shigeru Miyamoto höchstselbst – natürlich niemanden überraschen darf. Aber Lylat Wars hatte neben toller Grafik und abwechslungsreichem Missionsdesign noch eine weitere, werbewirksame Besonderheit in der Hinterhand. Und um die ein bisschen besser zu verstehen, wird es Zeit für einen Schwenk aus meiner eigenen Jugend, frei nach dem Motto “Was der Großvater noch wusste”. 

Von Kindheitserinnerungen und Gerumpel…

Als mein Bruder und ich zu Weihnachten 1997 eine Nintendo 64 unter dem Baum hatten, kannte unsere Freude keine Grenzen. Unzählige Stunden verbrachten wir mit Super Mario 64, ehe am Ende einer langen Odyssee durch die Gemäldewelten endlich auch der letzte verbliebene Stern erfolgreich eingesackt werden konnte. Danach stellte sich uns beiden jedoch eine gewichtige Frage: “Was spielen wir nun?” Glücklicherweise war die Konsole zu diesem Zeitpunkt in Europa schon eine Weile erhältlich, die chronische Knappheit an Titeln für die Konsole war hier längst nicht mehr so heftig zu spüren wie noch zum ursprünglichen Launch in Japan. Und Lylat Wars war einer der wenigen Kandidaten, für die wir ein besonderes Interesse hegten.

Im Remake dürfen wir erstmals dauerhaft auf eine Cockpit-Perspektive umschalten – nicht mehr nur innerhalb des Arwings. | Dockmodus

Das lag vor allem an dem groß angepriesenen Rumble Pak, einer Controllererweiterung, die zusammen mit dem Modul ausgeliefert wurde und zum ersten Mal echte Vibration auf einer Konsole von Nintendo ermöglichen sollte. Damit reagierte der Elektronikgigant direkt auf eine Bestie, die er sich selbst geschaffen hatte, nämlich die PlayStation von Sony und deren ein Jahr zuvor veröffentlichten DualShock. Dementsprechend stolz war der Preis, den man für das Bundle hinblättern musste: Satte 150 D-Mark nämlich, dafür aber verbunden mit der Aussicht, dass zukünftige Titel ebenfalls Support für das begehrte Accessoire bieten würden. Kein leeres Versprechen übrigens, denn am Ende der Konsole gab es über siebzig Titel mit optionaler Vibrationsfunktion.

…zurück in die Gegenwart

Den Bogen von Lylat Wars zurück zum Remake zu schlagen, ist denkbar einfach, denn an Geschichte, Aufbau und Gameplay hat sich nichts geändert. Im Kern ist das erstmal ganz gut so, denn die zeitlose Formel des arcadigen Rail-Shooters mit nicht-linearem Missionsdesign funktioniert heute immer noch so gut wie vor dreißig Jahren. Musste man damals noch ganz genau wissen, welche Schritte notwendig waren, um die vielen Alternativrouten und damit natürlich auch gänzlich neue Missionen beschreiten zu können, ist das Remake da etwas transparenter und verrät auch nach dem ersten Durchgang, worauf es zu achten gilt. Das hebt den Wiederspielwert ganz enorm, bedeutet aber andererseits eben auch, dass so eine Mission im Schnitt nie länger dauert als zehn Minuten. Wie schon die Vorlage ist Star Fox also kein Titel, den man nur einmal durchspielen sollte.

Wohin euch eure Reise als nächstes verschlägt, hängt maßgeblich von den optionalen Herausforderung ab. Das Remake verrät euch nach dem erstmaligen Durchspielen, wo ihr diese finden könnt. | Dockmodus

Pro Durchgang werden immer sieben der insgesamt sechzehn Planeten angeflogen, an deren Ende stets ein Boss darauf wartet, von euch zu Klump geschossen zu werden. Abwechslung wird dabei groß geschrieben: Zwar sitzen wir die meiste Zeit am Steuer eines Arwing, dürfen je nach gewählter Router aber auch einen Panzer und sogar ein Unterseeboot steuern. Dazwischen gibt es Abschnitte, in denen das Spiel von seiner Schienenformel abweicht und euch (mit engmaschiger Levelgrenze) völlig frei manövrieren lässt. Jeder Planet hat ein eigenes, visuell klar erkennbares Thema, wodurch auch optisch für ausreichend Varianz gesorgt wird. Leider steuert sich das Unterwasservehikel immer noch so schwammig wie im Original, was extrem ärgerlich ist, da das so weit geht, dass man über den Frust schnell Mittel und Wege sucht, die ungeliebte Mission möglichst zu umkreisen. Da haben die Entwickler eine gewaltige Chance im Rahmen der Neuauflage schlicht ungenutzt gelassen.

Die Unterwasserbedienung ist immer noch so nervig wie im Original. Schade um die verpasste Chance. | Dockmodus

Generell ist man für meinen Geschmack bei der Umsetzung etwas zu sehr auf Nummer Sicher gegangen. Ein paar neue Planeten etc. hätte man dann doch einfügen können, anstatt lediglich Bekanntes zu modernisieren. Der Mehrspielermodus ist natürlich wieder mit dabei und lässt online bis zu vier Spieler gegeneinander antreten. Alternativ könnt ihr euch einen Freund ranholen und die Einzelspielerkomponente zusammen bewältigen, indem einer von euch fliegt, während der andere schießt. Auf dem Papier ist das eine nette Idee, welche in der Umsetzung aber nur bedingt funktioniert, weil zu schnell offensichtlich wird, dass man es hier lediglich mit einem Gimmick zu tun hat, die eine waschechte Koop-Erfahrung zu keinem Zeitpunkt angemessen ersetzen kann. Wer sämtliche Herausforderungen auf allen Planeten erfolgreich absolviert, schaltet zudem einen schweren Modus frei, der euer Können besonders auf die Probe stellen wird. Für fünfzig Euro wird Kennern der Vorlage zwar inhaltlich nichts neues geboten, dennoch bekommt man für knapp fünfzig Euro ein extrem unterhaltsames Paket geschnürt.

Do a Barrel Roll!

Verantwortet wurde das alles überraschenderweise nicht direkt unter dem Dach von Nintendo, sondern von den in New York und Toronto ansässigen Velan Studios. Die kennt manch einer vielleicht noch von dem experimentellen AR-Titel Mario Kart Live: Home Circuit für die Nintendo Switch. Mit Star Fox gibt das Studio nun sein Debüt auf deren Nachfolger. Und das kann sich nicht nur sehen lassen, sondern ist gegenwärtig wahrscheinlich sogar das grafisch schönste Spiel auf der Konsole! Die hauseigene Viper Engine muss sich dabei zu keinem Zeitpunkt von der Konkurrenz verstecken und zaubert neben atmosphärisch ausgeleuchteten Kulissen auch eine ansehnliche Partikelkulisse und tolle Reflektionen auf den Bildschirm – all das bei durchgehend butterweichen 60 Bildern pro Sekunde, sogar außerhalb des Docks.

Falls ihr immer mal wissen wolltet, woher das Meme stammt: Yup, von hier. Grundsätzlich kann man mit Fassrollen vielen Problemen aus dem Weg gehen, im wahren Leben hapert es aber oft an der Umsetzung. | Dockmodus

Wo die Nintendo 64 aufgrund ihrer begrenzten Rechenleistung noch über eine extrem eingeschränkte Distanzdarstellung verfügte und Nebel mehr zur Kaschierung als aus atmosphärischen Gründen eingesetzt werden musste, liefert das Remake eine tolle Weitsicht und allgemein hochdetaillierte Kulissen. Alleine die ersten Sekunden auf Corneria sind verglichen mit dem Original ein wahrer Augenöffner. Noch eindrucksvoller sind lediglich die komplett neuen, in Echtzeit gerenderten Zwischensequenzen. Die haben nicht nur den Vorteil, dass sie Setting, Story und Charaktere gelungen vertiefen, sondern sehen sogar derart fantastisch aus, dass man auf deren Basis locker einen Animationsfilm für das Kino produzieren könnte. Kenner der Vorlage dürfen sich darüber freuen, dass der ursprüngliche Levelaufbau beibehalten wurde, gleiches gilt für die Platzierung von Gegnern. Dabei gefällt mir besonders gut, dass die neue Weitsicht das Spiel nicht leichter macht, weil sich Hindernisse weit eher als früher erkennen lassen. Stattdessen nutzt man einen coolen Warpeffekt, wodurch das Überraschungsmoment stets erhalten bleibt.

Die Zwischensequenzen sehen nicht nur fantastisch aus, sondern verlaufen je nach Route komplett anders. Über den realistischen Look kann man dagegen streiten. | Dockmodus

1080p peilt Star Fox im Dock an, das zusätzlich implementierte DLSS 3.5 offeriert auch auf größeren Displays ein angemessen scharfes und beruhigtes Bild. Der hyperrealistische Look des Spiels, speziell die neuen Charaktermodelle, mag nicht jedermanns Geschmack treffen, gefallen mir persönlich aber sehr gut und fügt sich stimmig in den Rest der Präsentation ein. Im tragbaren Modus wird die Auflösung auf 720p reduziert, angesichts der eingesetzten Techniken und der anhaltend makellosen Performance eignet sich der Titel allerdings auch perfekt für unterwegs. Kombiniert mit den praktisch kaum vorhandenen Ladezeiten hat man hier eine absolut zukunftssichere Basis für weitere Titel geschaffen, an der es absolut nichts zu beanstanden gibt – außer vielleicht das Trefferfeedback in Hinblick auf die Bosskämpfe. Die hatten nämlich früher noch klar erkennbare Angriffszonen, die zugefügten Schaden klar erkennen ließen. Das Remake verzichtet auf diese spezifischen Einfärbungen, was es gerade Neuzugängen deutlich schwerer macht, in den ohnehin etwas chaotischen Kämpfen die Übersicht zu behalten.

Mit dem Panzer verfolgen wir einen fliehenden Zug. Damals wie heute eine der mit Abstand besten Missionen im Spiel. | Dockmodus

Für den neu arrangierten Soundtrack zeichnet sich niemand geringeres als Stephen Barton verantwortlich, der sich über die letzten Jahre nicht nur in der Spieleindustrie, sondern auch ein Hollywood mehr und mehr einen Namen als Komponist gemacht hat. Dessen Interpretation der ursprünglichen (und angesichts mangelnder Kapazitäten fies komprimierten) Stücke klingt schlichtweg grandios und untermalt das Spiel zu jedem Zeitpunkt ganz wunderbar. Liebhaber guter Soundtracks sollten unbedingt einmal reinhören, selbst wenn sie weder Spiel oder Konsole besitzen – es lohnt sich, versprochen! Die Bedienung geht mit Ausnahme der erwähnten U-Boot-Mission anhaltend klasse von der Hand. Egal, ob ihr im Arwing Hindernissen mit Fassrollen ausweicht, während ihr gleichzeitig euren Laser für die nächste Gegnergruppe aufladet, oder im Notfall schnell eine Bombe zündet: Intuition und Präzision geben sich hier auf harmonische Weise gegenseitig die Klinke in die Hand.

“Als ich die Enthüllung des Spiels auf der Nintendo Direct gesehen habe, war mein erster Gedanke: “Was, schon wieder?” Ein paar Monate später gebe ich mit Freude zu: Ich habe mich geirrt! Denn nach den eher mäßigen Neuauflagen der Vergangenheit ist Star Fox ein rundherum hervorragendes Remake, dem man lediglich vorwerfen kann, bei der inhaltlichen Umsetzung zu sehr auf Nummer Sicher gegangen zu sein, anstatt hier und da noch ein paar zusätzliche Missionen zu implementieren. Und auch die anhaltend schwammige U-Boot-Steuerung hätte man endlich mal in den Griff kriegen können. Sonst gibt’s spielerisch aber nichts zu bemängeln, das Arcade-Spektakel spielt und steuert sich nach dreißig Jahren immer noch so gut wie das Original. Technisch ist Star Fox der bisher schönste Titel auf der Nintendo Switch 2, wozu vor allem die fantastischen Zwischensequenzen beitragen. Nintendo hat nun das ultimative Fundament, um die Reihe dauerhaft im Mainstream zu verankern. Wünschenswert ist das allemal, gerade weil’s in der Summe so viel Spaß macht!”

  • Hervorragende visuelle Gesamtpräsentation…
  • …bei gleichzeitig butterweicher Performance in jedweder Situation
  • Planeten mit einzigartigem Wiedererkennungswert
  • Filmreife Zwischensequenzen
  • …welche Handlung, Setting und Charakteren deutlich mehr Tiefe verleihen
  • Zeitlos gutes Gameplay
  • …mit viel spielerischer Abwechslung
  • Extrem hoher Wiederspielwert durch dynamisches Missionssystem
  • Fair ausbalancierte Schwierigkeit
  • …und optionalem schweren Modus
  • Simple, aber spaßige Mehrspielerkomponente
  • Grandios aufbereiteter Soundtrack
  • Cockpit-Perspektive jetzt dauerhaft wählbar
  • Tolle deutsche Sprecher
  • Schnörkellose Bedienung
  • Angenehm kurze Ladezeiten
  • Fairer Preis
  • Trefferfeedback bei Bosskämpfen schlechter als beim Original
  • Papierdünne Rahmenhandlung
  • Keine neuen Missionen
  • Mittelmäßig umgesetzte Koop-Komponente

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