Die Nürnberger Prozesse beschäftigen nicht nur Historiker, auch Hollywood hat das Thema immer mal wieder aufgegriffen, wobei der 1961 entstandene Urteil von Nürnberg zu den bekanntesten Adaptionen zählt. Der bereits im letzten Jahr von James Vanderbilt inszenierte Nürnberg rückt dagegen spezifisch die Rolle von Hermann Göring in den Vordergrund. Entstanden ist ein gleichermaßen beeindruckender wie beklemmender Film über das Böse im Menschen. Jetzt gibt’s den Film endlich auch im Heimkino. Wir durften 4K UHD und Blu-Ray für euch sichten.


Vertrieb: Weltkino im Vertrieb von LEONINE Distribution
Erstveröffentlichung: 2025






Entsprechende Rezensionsmuster sind uns vorab freundlicherweise kostenlos von Weltkino zur Verfügung gestellt worden.
Der Film
Hitler ist tot. Große Teile Deutschlands liegen in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg, der Schätzungen nach bis zu achtzig Millionen Menschen gekostet hat, neigt sich seinem offiziellen Ende zu. Immer mehr führende Größen der Nazis gehen den Alliierten ins Netz. So auch Hermann Göring (Russell Crowe), der lange Zeit als zweitwichtigster Mann im Deutschen Reich galt und sich den Amerikanern im Mai 1945 schließlich in der Hoffnung ergibt, wieder eine Schlüsselposition beim Wiederaufbau des Landes einnehmen zu können. Doch Briten, Russen und Co. haben keinerlei Interesse daran, die begangenen Verbrechen einfach so auf sich beruhen zu lassen. Unter zentraler Mitwirkung des amerikanischen Bundesrichter Robert H. Jackson (Michael Shannon) sollen die Nazis vor ein internationales Gericht gestellt und medienwirksam abgeurteilt werden.

Als passende Kulisse für dieses Vorhaben hat man sich für Nürnberg entschieden, wo die Nazis bisher jedes Jahr ihren epochal inszenierten Parteitag abzuhalten pflegten. Der hochintelligente Göring wittert darin eine ideale Bühne, um sich selbst und seinesgleichen in ein besseres Licht zu rücken und am Ende vielleicht sogar mit einem Freispruch davonzukommen. Gleichzeitig wird der Militärpsychologe Douglas Kelley (Rami Malek) damit beauftragt, psychologische Profile von sämtlichen im nahegelegenen Gefängnis Camp Ashcan inhaftierten NS-Größen anzufertigen. Neben Göring als prominentestem Gefangenen sitzen dort unter anderem auch Robert Ley als ehemaliger Chef der Deutschen Arbeitsfront sowie Stürmer-Verleger Julius Streicher ein, die anders als der Reichsmarschall keinen Hehl daraus machen, dass sie immer noch bedingungslos hinter Hitler stehen und sich keiner Schuld bewusst sind.

Mit der Zeit baut Kelley eine seltsame Vertrauensbeziehung zu dem prunksüchtigen Göring auf, der befreit von seinem Übergewicht sowie seiner jahrelangen Drogensucht immer mehr zu alter Eloquenz zurückfindet und es geschickt versteht, den Psychologen stetig in seinen Bann zu ziehen. Entsprechend brüsk lehnt Kelley die Forderung seiner Vorgesetzten ab, der Anklage Mitschriften der vertraulichen Gespräche zur Verfügung zu stellen. Und tatsächlich sieht es im Laufe des Prozesses zunächst so aus, als würde Görings Plan aufgehen. Viel zu spät erkennt der zunehmend desillusionierte Kelley, mit welchem Monster er es die ganze Zeit über zu tun hatte. Nun bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu verhindern, dass einer der größten Kriegsverbrecher aller Zeiten am Ende doch noch dem Galgen entkommt…
Die Rezension
Vierundzwanzig Hauptkriegsverbrecher wurden einst in Nürnberg vor Gericht gestellt. Die Anklagen lauteten: Verbrechen gegen die Menschenrechte. Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges, außerdem Kriegsverbrechen und Verschwörung gegen den Frieden. Zwölf der Angeklagten wurden am Ende des langwierigen und erschütternden Prozesses zum Tod durch den Strang verteilt, lediglich drei freigesprochen und der Rest zu langjährigen bis lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess gilt als Geburtsstunde des modernen Völkerrechts und führte der breiten Weltöffentlichkeit zudem erstmals in breitem Umfang das Ausmaß der von den Nazis begangenen Verbrechen vor Augen, allem voran die erschütternden Videoaufnahmen der befreiten Konzentrationslager.

Unzählige Bücher, Dokumentationen sowie Produktionen für Film- und Fernsehen haben dieses Ereignis seitdem aufbereitet. So eben auch The Nazi and the Psychiatrist. Hermann Göring, Dr. Douglas M. Kelley, and a Fatal Meeting of Minds at the End of WW II aus der Feder des amerikanischen Autos Jack El-Hai, auf welchem Nürnberg basiert. Anders als in vielen anderen Adaptionen steht hier die titelgebende Beziehung zwischen Douglas Kelley und Hermann Göring im Vordergrund. Entsprechend außen vorgelassen wird ein Großteil der nicht minder schwerbelasteten Mitangeklagten, was man im Angesicht der durchgehend exzellenten Darstellerleistungen aber schnell vergisst. Russell Crowe beweist hier eindrucksvoll, dass er im Alter nichts von seinem einnehmenden Talent verloren hat und spielt den Göring mit derart beängstigender Sogwirkung, dass man selbst als geschichtlich gut informierter Zuschauer immer wieder versucht ist, das kalte Böse in dessen Inneren für einen Sekundenbruchteil kritisch zu hinterfragen.

So fühlt man sich am Ende beinahe ein wenig ertappt, wenn Göring in einem verräterischen Moment dann doch seine wahre Natur offenbart und im Angesicht des sicheren Todes als Feigling abtritt, der sich lieber selbst mit Gift tötet, als vor den Henker zu treten. Es sind gerade diese letzten Minuten des Films, welche einem aufgrund ihrer Symbolträchtigkeit auch noch lange nach dem Abspann in Erinnerung bleiben. Wenn am Ende die nackten und aufgedunsenen Leichen der hochrangigen Nazis achtlos übereinandergeworfen auf der Tragfläche eines Armeelasters weggefahren werden, erinnert das sicher nicht ganz zufällig an das Schicksal von Millionen ermordeter Juden, die auf ganz ähnliche Weise ihr Ende fanden. Der polnische Kameramann Dariusz Wolski, der in seiner langen Karriere an einigen der größten Blockbuster unserer Zeit mitgewirkt hat, liefert mit seinen düsteren und beengenden Bildern zweifellos eine seiner bisher besten Arbeiten ab. Für die musikalische Begleitung zeigt sich Brian Tyler verantwortlich, dessen schwermütige Orchesterstücke das Gesehene in jedem Augenblick perfekt untermalen.

Rami Malek überzeugt ebenso in der Rolle eines amerikanischen Psychiaters, der anfänglich völlig überfordert von seiner Aufgabe ist und durch seinen jugendlichen Enthusiasmus schnell in den Sog des übermächtigen Göring gerät. In den besten Momenten hat Nürnberg viel von einem klassischen Kammerspiel, welches auf der engen Fläche eines winzigen und kargen Gefängniszelle derart vom Charisma seiner beiden Hauptdarsteller geflutet wird, dass man beim Zusehen beinahe das Atmen vergisst. Die Wandlung zu einem depressiven und von seinen Erlebnissen gebrochenen Mannes am Ende des Films wird von Malek ebenso glaubwürdig dargestellt. Nicht vergessen sollte man dabei auch die deutschen Darsteller. Sowohl Andreas Pietschmann als auch Tom Keune und Dieter Riesle liefern trotz kurzer Bildschirmzeit erinnerungswürdige Leistungen als gefallene Nazigrößen ab. Generell fällt positiv ins Gewicht, dass man sich erkennbar Mühe gegeben hat, Darsteller mit einer gewissen Ähnlichkeit zu verpflichten, was der Immersion im Zusammenspiel mit den authentischen Kulissen zusätzlich guttut.

In der Summe ist unter der Regie von James Vanderbilt ein Film entstanden, dessen knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit unfassbar schnell vergehen. Langeweile entsteht zu keiner Sekunde, was grade im Rahmen eher dialoglastiger Filme vor historischem Hintergrund eher selten ist. Als deutscher Muttersprachler mutet es lediglich etwas seltsam an, dass man für die dazugehörige Synchronfassung einen recht eigenwilligen Weg gewählt hat, um jene Szenen umzusetzen, in denen sich Russel Crowe im Original in Deutsch übt. Dort hört man natürlich problemlos heraus, dass das im Ergebnis alles andere als fehlerfrei klingt, trotzdem stimmt der Kontext. In der synchronisierten Fassung spricht Crowe lumpenreines Deutsch, während Malek auf Synchronenglisch wechselt, was wiederum nicht sonderlich sauber klingt. Besagte Szenen hätte man besser gänzlich unbearbeitet gelassen, so ist es dann doch arg verwirrend.

Zum Glück sind das nur wenige Minuten, für die der Film selbst nichts kann. Was bleibt, ist ein durch und durch toll inszeniertes und noch besser gespieltes Stück Zeitgeschichte, welches sich problemlos in die Riege der besten Vertreter seiner Zunft einreihen kann. Nürnberg spart nicht mit Härten und scheut sich auch nicht davor, die Methoden der Anklage kritisch zu hinterfragen – in Person wunderbar stark verkörpert von Michael Shannon, den man zuletzt viel zu selten auf der großen Leinwand bewundern durfte. Für mich als großer Geschichtsfan einer der besten Filme seit geraumer Zeit, aber auch eher am Rande interessierten Zuschauern wird hier einiges geboten. Auf keinen Fall verpassen!
4K UHD und Blu-Ray: Das Bild
Gedreht wurde vollständig digital mit der ARRI Alexa Mini LF, bestückt mit Panavision 65 Vintage Lenses für einen passenden, nostalgischen Look. Die Maximalauflösung liegt bei 4.5K am Output, gefinisht wurde als 4K Digital Intermediate. Auf diesem Master basieren nun auch Blu-Ray und 4K UHD zum Film. Dabei zeigt sich schnell, dass die Blu-Ray im Angesicht des bewusst dunklen Looks immer wieder mit einigen Unruhen zu kämpfen hat und auch beim Übergang zwischen Hell und Dunkel sichtbar ins Straucheln kommt. Da zeigen sich die technischen Grenzen des nicht mehr ganz taufrischen Formats dann doch. In meinen Augen ist das aber zu wenig, um von einer schlechten Scheibe sprechen zu können, zumal die Blu-Ray deutlich mehr richtig als falsch macht.
Feinere Details werden bereits hier gut aufgelöst dargestellt, inklusive Schmutzpartikeln auf Gesichtern und Uniformen. Nahaufnahmen der Darsteller offenbaren selbst kleinere Falten und Bartstoppeln und auch in Halbtotalen wird man mit einem wunderbar plastischen Bild verwöhnt. Darüber liegt eine feine Körnung, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nachträglich hinzugefügt worden ist, aber trotzdem bestens mit dem Geschehen, bzw. dem Setting harmoniert. Die Farben werden bewusst entsättigt dargestellt, Highlights wie Fahnen oder die vielen Orden, die man zu Anfang auf der Uniform von Göring sehen kann, kommen dabei dennoch gut zur Geltung. Insgesamt dominieren erdige Paletten mit hoher Gelb-Grün-Dominanz. Der Blu-Ray gelingt hier bereits eine angenehme Differenzierung, so dass vor allem Hauttöne nie zu krass eingefärbt werden und eine gewisse Natürlichkeit wahren.
Die 4K UHD löst nativ auf und kommt neben einem erweiterten Farbraum nach Rec.2020 mit Support für HDR10 und Dolby Vision. Im Direktvergleich mit der Blu-Ray profitiert der große Bruder nochmal ordentlich von der vierfach höheren Auflösung und liefert selbst im Rahmen feinster Texturen ein so messerscharfes Bild, dass die Scheibe regelmäßig in Referenzbereiche vorstößt. So sehr, dass man mitunter das Gefühl hat, man stünde direkt mit den Darstellern im selben Raum, was schon verdammt eindrucksvoll ist. Dazu trägt auch die verbesserte Kontrastdarstellung ihren Teil bei, denn wo die Blu-Ray in gänzlich dunklen Ecken komplett versumpft, bleibt die 4K UHD stabil und zeichnet besser durch. Ebenso werden die leichten Überstrahlungstendenzen begleitet, wie sie häufig beim Lichteinfall durch die Zellenfenster auffallen. Auch die Übergänge zwischen Hell und Dunkel bekommt die Scheibe deutlich besser hin, was in einem sehr viel homogeneren und greifbareren Gesamterlebnis resultiert.
Farblich bleibt die 4K UHD gewollt entsättigt, differenziert allerdings nochmal ein ordentliches Stück besser und versinkt weniger stark im Grün. Der höhere Kontrastumfang sorgt für einen Hauch mehr Dreidimensionalität, dazu gibt’s nochmal bessere Differenzierung, während die Körnung anhaltend unaufdringlich ihren Teil dazu leistet, dass der Film sein Setting auch optisch glaubhaft wiedergeben kann. Bei einem Film wie Nürnberg, der stark von seinen Bildern lebt, ist das in der Summe definitiv ein wertvoller Zugewinn. Ganz klar: Die 4K UHD ist nicht nur für Heimkinoenthusiasten absolut zu empfehlen und zählt in dieser Form zu den qualitativ besten Veröffentlichungen im laufenden Veröffentlichungsjahr.
4K UHD und Blu-Ray: Der Ton
Nürnberg ist ein über weite Strecke dialoglastiger Film, der auf großen Bombast vollständig verzichtet. Darauf gilt es, sich zu konzentrieren und so muss eben auch bewertet werden. Blu-Ray und 4K UHD warten sowohl im Deutschen als auch im Englischen jeweils mit einer verlustfreien Masterspur im Format DTS-HD MA 5.1 auf, was für Bedürfnisse wie diese absolut ausreichend ist. Abseits vom Score gibt es maximal eine kurze Szene, die überhaupt von einer zusätzlichen Höhenebene profitiert hätte. Die Musik zeigt sich bereits auf der regulären Ebene wunderbar präsent, ohne die Dialoge im Center unschön zu überlagern.

Bemängeln kann man hier absolut nichts. Sämtliche Stimmen sind permanent klar verständlich und wunderbar dynamisch. Innerhalb der Zellen kann man einen leichten Hall wahrnehmen, während die Szene kurz vor Prozessbeginn, wo über der Holzdecke der Angeklagten ordentlich gestampft wird, satter Bass mit im Spiel ist. Wenn Göring dann kurz darauf frontal vom Blitzlichtgewitter der Fotografen begrüßt wird, kommt die dazugehörigen Effekte ausschließlich aus der Front. Mir gefällt gut, dass man sich hier nicht um unnötige Effekthascherei bemüht hat, sondern mehr um eine realistische Abmischung, in deren Rahmen die Effektrichtung stets klar wahrnehmbar bleibt. In all diesen Belangen, ebenso auch der Dialoglautstärke, performen beide Tonspuren identisch gut.
Die Extras
Leider fällt das Bonusmaterial im Angesicht dieses spannenden und vieldiskutierten Themas dann doch eher mager aus. Der Audiokommentar von Regisseur Vanderbilt und Kameramann Wolski ist an sich sehr hörenswert, kommt aber vollständig ohne deutsche Untertitel aus und eignet sich daher nur für Leute, die der englischen Sprache mächtig sind. Sowas sollte mittlerweile Standard sein und kann deshalb nicht unerwähnt bleiben. Der Audiokommentar ist sowohl über die Blu-Ray, als auch über die 4K UHD zuschaltbar.

Der Rest der Extras setzt sich aus vier Interviews mit Regisseur und den wichtigsten Darstellern zusammen. Hier gibt’s zwar doch Untertitel, mit einer Laufzeit von jeweils unter acht Minuten erfährt man als Zuschauer aber auch nichts essentielles. Vor allem die historischen Bezüge hätte man umfangreicher ausarbeiten können, zum Beispiel in Form einer Dokumentation oder Charaktervergleichen. An Möglichkeiten gibt es zum Thema Nürnberger Prozesse definitiv keinen Mangel an Material. So lässt mich das insgesamt arg enttäuscht zurück.

“Wer bei Nürnberg ein episches Kriegsspektakel á la Der Soldat James Ryan erwartet, sollte sich den Kauf lieber noch einmal gut überlegen. Stattdessen befasst sich der Film eher mit den nicht minder historischen Ereignissen, die sich im Anschluss an das eigentliche Kriegsgeschehen abgespielt haben. Vor den Kulissen der Nürnberger Prozesse ist ein eindringliches, psychologisches Duell zwischen zwei absoluten Spitzendarstellern entstanden, die hier absolut meisterhaft aufspielen. Begleitet von fantastischen Bildern und bis in die letzte Nebenrolle makellos besetzt, ist Nürnberg eine fundamentale Ergänzung zu ähnlich gestrickten Filmen und übertrumpft diese sogar in vielerlei Hinsicht. Die bereits sehr gute Blu-Ray wird von der nochmals besseren 4K UHD nochmal ordentlich übertrumpft, beim Ton gibt’s nichts zu beanstanden. Die magere Bestückung mit interessanten Extras ist dagegen nicht zu rechtfertigen.”

Quelle Bildmaterial: ©2026 Weltkino Filmverleih. Im Vertrieb von LEONINE Distribution. All rights reserved.”
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