Mit dem Aufkommen der CD-ROM als Massenmedium in den frühen Neunzigerjahren bekamen Entwickler erstmals die Möglichkeit, fast vollständig von Videosequenzen getragene Spiele zu veröffentlichen, wobei vor allem das Genre der Adventures kräftig Gebrauch von dieser Möglichkeit machte. Einer der ersten Vertreter dieser neuen Machart – nämlich The 7th Guest – ist nun als vollwertiges Remake erschienen. Das haben wir uns als Nostalgiker natürlich einmal näher angeschaut!


Entwickler: Vertigo Games
Publisher: Vertigo Games
Plattform: PC | PS5 | XBS | NS
Veröffentlichungsdatum: 03. Juni 2026
Preis: 19,99€*
Altersfreigabe: ab 16 Jahren


Hinweis: Ein Rezensionsmuster für PlayStation 5 ist uns freundlicherweise vorab kostenlos von Fumi Games zur Verfügung gestellt worden.
Wer zu spät kommt…
Von dunklen Stimmen und Visionen getrieben eröffnete der gescheiterte Lebenskünstler Henry Stauf einst ein kleines Spielzeuggeschäft im fiktiven englischen Kleinstädtchen Harley-on-the-Hudson. Vor allem seine lebensechten Puppen erfreuten sich größter Beliebtheit bei den lokalen Kindern und machten Henry in kürzester Zeit zu einem wohlhabenden Mann. Doch so ganz koscher scheinen die Dinger nicht zu sein, denn nach einer Weile werden sämtliche Puppenbesitzer von einer geheimnisvollen Krankheit dahingerafft. Stauf zieht sich daraufhin in sein abgeschiedenes Herrenhaus zurück und ward seitdem nie wieder gesehen. Ein Schicksal, welches übrigens auch jene sechs unglücklichen Gäste ereilte, die der diabolische Spielemacher zu einem nicht näher genannten, späteren Zeitpunkt in sein Anwesen gelockt hat.

In der Gegenwart der Handlung treffen wir als namen- und körperloser Protagonist ebenfalls am Ort des Geschehens ein. Wie wir dort hingelangt sind wissen wir ebenso wenig wie den Grund für unsere Anwesenheit, aber tief in unserem Inneren lässt sich erahnen, dass es ein extrem wichtiger sein muss. Haus und Grundstück sind längst verfallen. Dicke Staubschichten liegen über dem einst so edlen Mobiliar. Außer einigen Spinnen und einem unbegrenzten Strom an Kakerlaken im Badezimmer ist weit und breit kein Lebenszeichen auszumachen. Und, was vielleicht noch viel schlimmer ist: Sämtliche Wege nach draußen sind wie durch Zauberhand versperrt. Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als herauszufinden, welche höhere Bestimmung uns hergeführt hat…
Klassischer Horror, neu gedacht
Ein gruseliges Herrenhaus voller kniffliger Rätsel, dazu eine spannende Geschichte um Gier, Mord und Okkultismus…das ist bestes Material für ein exzellentes Adventure. The 7th Guest leistete seinerzeit Pionierarbeit bei der visuellen Umsetzung der Geschichte und kombinierte echte Schauspieler mit digitalen Kulissen. Möglich wurde dies durch die Einführung der CD-ROM, die dramatisch mehr Speicherkapazitäten als die bisher verwendeten Medien offerierten. Ganze zwei Datenträger waren notwendig, um die immense Menge an Daten zu stemmen. Darüber mag man heute berechtigterweise schmunzeln, damals muss das aber ziemlich revolutionär gewesen sein. Das Remake springt in die gleiche Kerbe und wurde mit einem komplett neuen Cast realisiert. Ein gewisser Trashfaktor ist dabei ganz bewusst erhalten geblieben und im allgemeinen Kontext des Spiels macht es wirklich Spaß, den Laiendarstellern dabei zuzusehen, wie sie von Feindseligkeit und Paranoia getrieben immer mehr gegeneinander agieren.

Kenner der Vorlage dürfen im Ergebnis fürwahr nichts neues erwarten, alle anderen dürfen sich zumindest auf ein paar sehr gelungene Twists einstellen, das Spiel bleibt bis zum letzten Augenblick spannend. Dabei sollte erwähnt werden, dass das Remake bereits als VR-Variante erschienen ist und von den Entwicklern nun lediglich noch einmal für Systeme ohne entsprechende Peripherie angepasst worden ist. Kern des Gameplays sind abermals die zahlreichen und ebenfalls komplett neu gestalteten Rätsel, die uns mitsamt passender Mottoräume häppchenweise zugänglich gemacht werden. Das hat den zusätzlich Vorteil, dass man sich während der Erkundung nie verloren fühlt. Mithilfe einer Geisterlampe können wir außerdem jederzeit einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das ist mehr als nur eine Spielerei, sondern wird oftmals essentiell für den weiteren Fortschritt. Eine coole, funktionelle Mechanik, bei der sich übrigens auch das ein oder andere versteckte Meme offenbart. Und falls ihr doch einmal nicht weiter wisst, stehen euch Karten und ein stufenweise nutzbares Hilfssystem zur Verfügung. Wer die überall im Haus versteckten Münzen findet, kann ein zu schweres Rätsel auch automatisch auflösen lassen – allerdings nur alle fünf Minuten.

Notwendig war das bei meinem komplett blinden Durchgang jedoch nie und das, obwohl ich kaum etwas mehr fürchte als Schieberätsel. Die Lösung lässt sich mit ein wenig Nachdenken und dem gründlichen Absuchen der Umgebung in der Regel zügig finden, lediglich beim obligatorischen Schachspiel musste ich mir helfen lassen, da ich von Schach schlichtweg keine Ahnung habe und mich immer noch frage, warum Entwickler in zahllosen ähnlichen Titeln seit jeher davon ausgehen, dass so etwas Basiswissen wäre. Nein, ist es nicht! Für Abwechslung wird durchgehend gesorgt, wenngleich Genreveteranen hier wahrscheinlich zu viel Bekanntes geboten wird. Erfolgreich gelöste Rätsel belohnen uns mit einer Darstellersequenz, welche die Geschichte weiter vorantreibt. Insgesamt lässt sich das Geheimnis des Herrenhauses in etwa fünf Stunden lösen, für weniger als zwanzig Euro erwartet euch dafür ein gut erzähltes, atmosphärisch dichtes und gut strukturiertes Remake, welches die Stärken des Originals nicht nur behutsam konserviert, sondern auch gelungen darauf aufzubauen versteht.
Geisterstunde
Anders als viele andere Studios hat das für die Umsetzung zuständige Team die Unreal Engine 5 offensichtlich bestens im Griff. The 7th Guest Remake besticht durch detailverliebte Umgebungen sowie eine wunderbar atmosphärischen Beleuchtung, wodurch auch ohne VR eine glaubwürdige Immersion entsteht. Die gelungen abgemischten Effektkulissen tragen ebenfalls einen nicht geringen Teil zum positiven Gesamtbild bei. Auf PlayStation 5 wird dynamisch bis zu 4K aufgelöst, dazu gibt es durchgehend butterweiche 60 Bilder pro Sekunde. Nach einmaligem Laden könnt ihr das Anwesen zudem von Anfang bis Ende ohne weitere Unterbrechungen erkunden. Eine gesonderte Unterstützung für PlayStation 5 Pro gibt es nicht, dafür bewegt sich die Auflösung dort prinzipiell näher an den maximal möglichen 4K, was dann auch entsprechend schick aussieht. Ein weiteres Highlight ist die volumetrische Videotechnologie, mit der die Darsteller ins Spiel implementiert worden sind.

So lässt sich die Beleuchtung der Umgebungen nämlich perfekt auf die Filmsequenzen übertragen, was im Ergebnis richtig gut aussieht! Gesprochen wird ausschließlich in gutem, alten Englisch, dafür gibt’s sauber lokalisierte deutsche Texte. Auf einen Soundtrack verzichtet das Spiel weitestgehend, umso effektiver wird das Geschehen von der Klangkulisse getragen. Die Bedienung mit Gamepad geht problemlos von der Hand und ist angenehm intuitiv geraten, Abstürze gab es keine. Schön, wenn man nach dieser Katastrophe von Gothic Remake mal wieder auf ein so angenehm fehlerfreies Spiel wie dieses trifft. Fühlt sich richtig wie Urlaub an!

“Als The 7th Guest 1993 veröffentlicht wurde, war ich thematisch wahrscheinlich noch ein bisschen jung für das Spiel. Stattdessen galt meine Leidenschaft eher den etwas jugendfreundlicheren Titeln aus dem Hause LucasArts. Viele Jahre später hat mir das Remake umso mehr Freude bereitet. Wenngleich die Rätsel insgesamt nicht mehr die frischesten sind, verfügt der Titel über ausreichend Spielwitz und eine ausreichend motivierend vorangetriebene Geschichte, dass man sich über die recht kurze Gesamtspielzeit von gerade einmal fünf Stunden prima unterhalten fühlt. Technisch hinterlässt die Neuauflage einen runden Eindruck, vor allem die toll integrierten Videosequenzen machen einiges her. Genrefans können hier absolut nichts falsch machen, vor allem, weil das Ding für knapp zwanzig Euro fast schon geschenkt ist. Ist da draußen eigentlich irgendwer, der Bock auf ein Remake von Prisoner of Ice oder Flight of the Amazon Queen hat?”


- Gelungene Atmosphäre
- Stimmige Beleuchtung
- Detailverliebte, abwechslungsreich gestaltete Mottoräume
- Gut implementierte Videosequenzen…
- …mit passendem B-Movie-Charme
- Optionales, mehrstufiges Hilfssystem
- Intuitive Bedienung
- Fairer Preis

- Überwiegend vertraute Rätselkost…
- …die Veteranen kaum fordert
- Schachrätsel. Prinzipiell.
- Sehr kurz
- Weitestgehend linearer Ablauf

Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise von Vertigo Games zur Verfügung gestellt worden.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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