Man nehme: Den zauberhaft-zeitlosen Look von Octopath Traveller, kombiniere es mit dem Gameplay eines altmodischen The Legend of Zelda und schmecke alles mit einer toll Geschichte über Zeitreisen ab. Einmal ordentlich umrühren und das Ergebnis ist The Adventures of Elliot – The Millennium Tales. Hinter dem gewohnt sperrigen Namen verbirgt sich eine kleine JRPG-Perle, die einmal mehr Klassik und Moderne gekonnt miteinander zu verschmelzen weiß. Ein bisschen mehr Originalität hätten wir uns stellenweise aber doch gewünscht. Warum uns das Werk trotzdem begeistert hat, verraten wir im Test.


Entwickler: Square Enix
Publisher: Square Enix
Plattform: PC | PS5 | XBS | NS2
Veröffentlichungsdatum: 18. Juni 2026
Preis: ab 69,99€*
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Entsprechende Rezensionsexemplare sind uns freundlicherweise vorab kostenlos von Square Enix zur Verfügung gestellt worden.
Zurück in die Zukunft
Vor längst vergangener Zeit war die Magie im Königreich Philabieldia allgegenwärtig, heute ist diese alte Kunst fast vollständig in Vergessenheit geraten. Seit die Biestlinge weite Teile des Landes besetzt haben, verbergen sich die Reste der menschlichen Zivilisation hinter den hohen Mauern der Festungsstadt Hurther. Nur ein magischer Schild, aufrechterhalten durch die einzigartigen Kräfte von Prinzessin Heuria, hält die wilden Angreifer noch erfolgreich davon ab, das kleine Reich zu überrennen – mit der Konsequenz, dass die Königstochter ihren goldenen Käfig nicht verlassen darf. Einen Militärschlag will man nicht riskieren, stattdessen hat die Armee einen reinen Defensivauftrag. Und ginge es nach dem Willen des protektionistischen Regenten, soll sich an diesem Zustand auf absehbare Zeit auch nichts ändern.

Klar, dass sich so manch einer mit Freuden über das königliche Dekret hinwegsetzen würde, hätte er nur die nötige Macht dafür! Als im Umland Ruinen aus alter Zeit entdeckt werden, wittert der verräterische Minister Kaifried die Chance, endlich an eine jener uralten Waffen zu gelangen, von denen die zahllosen Legenden berichten und von denen jene einzelne stark genug sein soll, das Schicksal der Welt maßgeblich umzuschreiben. Kurzerhand wird der Abenteurer Elliot zur Audienz gerufen, um die Ruinen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei steht uns die Prinzessin mithilfe magischer Ohrringe aus der Ferne zur Seite. Als Waisenkind mit ungeklärtem Hintergrund aufgewachsen, nimmt der stets hilfsbereite Grauschopf den Auftrag mit Freuden an – nicht ahnend, dass der Welt schon bald eine noch viel größere Gefahr als die Biestlinge droht.

Denn die Ruinen entpuppen sich als Zeitportal in die ferne Vergangenheit. Dort gelingt es Kaifried tatsächlich, sich eines Stabes mit gewaltigen Kräften zu bemächtigen. Und obwohl wir dem Schurken entschlossen nacheilen, können wir im Zweikampf nichts gegen dessen neu gewonnene Macht ausrichten. Über den Rand des Todes hinaus werden wir von der Fee Faie zurück ins Leben geholt, die uns fortan nicht mehr von der Seite weicht. Doch um Kaifried aufzuhalten, benötigen wir mindestens ein ähnlich starkes Artefakt. Der Auftakt einer epischen Suche, die uns durch vier verschiedene Zeitalter führt – und die Zeit drängt, denn die von Kaifried mit einem Fluch belegte Prinzessin wird von Tag zu Tag schwächer…und damit auch die schützende Barriere des Königreiches.
Ein Abenteuer mit Schwächen
Zugegeben, die Geschichte von The Adventures of Elliot – The Millennium Tales ist alles andere als revolutionär, sondern bietet über den Verlauf von durchschnittlich vierzig Stunden Spielzeit eher gewohnte Genrekost. Gleiches gilt für Charaktere und Inszenierung. Dass man sich dabei maßgeblich von ewigen Klassikern wie Chrono Trigger und The Legend of Zelda: A Link to the Past hat inspirieren lassen, kann der Titel zu keinem Zeitpunkt verbergen. Und hey, grundsätzlich ist gegen eine liebevolle Hommage gar nichts anzuwenden, im Gegenteil, solange sie handwerklich solide umgesetzt wird. Das ist hier absolut der Fall. Was mir dabei jedoch fehlt, sind eigene Ideen und damit auch eine eigenständige Identität. Beides lässt das Spiel in meinen Augen vermissen.

Überraschende Wendungen darf man als Genreveteran jedenfalls keine erwarten, gerade für solche fühlt sich die Handlung durchgehend viel zu vorhersehbar an. Hinzu kommt, dass das Konzept der Zeitreisen nie auch nur ansatzweise an die Brillanz eines Chrono Triggers heranreicht. Dafür wirken sich die von Elliot herbeigeführten Änderungen zu wenig spürbar auf die Zeitlinien aus und sind allenfalls im Kleinen wahrnehmbar. Abseits zentraler Knotenpunkte fühlen sich die Gebiete außerdem zu gleich an, weshalb man viel zu schnell der Versuchung nachgibt, sich nur noch per Schnellreise zu handlungsrelevanten Orten zu begeben, sobald man die dazugehörigen Punkte erstmal freigeschaltet hat. Wieder und wieder durch nahezu gleiche Sümpfe, Wälder und Eiswüsten zu wandern, ermüdet einfach sehr schnell. Dasselbe gilt für die Dungeons und Höhlenkomplexe, wobei letztere aus kaum mehr bestehen als unangenehm schlauchartigen wie repetitiven Tunneln.

Gerade die relativ lustlos bei The Legend of Zelda abgekupferten Dungeons lassen samt Bosskämpfen viel Potenzial ungenutzt, weil die Lösungswege regelmäßig zu offensichtlich sind. Dass man sich dann später (bzw. früher, je nach Betrachtungsweise) nochmal komplett durch diese Areale kämpfen soll, nur um an deren Ende noch eine popelige Truhe mit Geld oder einem Herzteil als Belohnung zu erhalten, widerspricht dann doch arg jedwedem Grundkonzept gelungener Spielermotivation. Und zu sammeln gibt’s einiges, von vertiefenden Manuskripten bis hin zu streunenden Katzen, was aber eher für Komplettisten interessant sein dürfte. Immerhin hilft uns das hochdetaillierte Kartensystem dabei, dass wir im Rausch der Welten nie den Überblick verlieren.
Meine Freundin, die Fee
Interessanter sind da schon die Herausforderungsschreine, in denen wir uns neue Fähigkeiten für Faie aneignen können. Unsere geflügelte Begleiterin mit dem nimmermüden Plappermaul bedienen wir angenehm intuitiv mit dem rechten Stick des Controllers, dazu gibt es ein paar rudimentäre Befehle, die wir mit dem Steuerkreuz ausgeben können. Als nettes Gimmick können wir die komplette Bedienung auch auf einen zweiten Controller auslagern, wodurch Raum für einen weiteren Mitspieler entsteht. Da sich die beiden Charaktere aber nie sonderlich weit voneinander entfernen können, fühlt sich das in der Praxis eher hinderlich an. Auch hier hätte man mit der Mechanik deutlich mehr machen können.

Mithilfe von Feuer kann Faie nicht nur Fackeln entzünden, sondern auch Gegner, während uns die Sprintfunktion erlaubt, zeitig durch Türen zu schlüpfen, die wir bei normalen Tempo unmöglich passieren können. Für diese und andere Fähigkeiten steht uns zusätzliche Herausforderungen zur Verfügung, deren erfolgreicher Abschluss uns mit Stücken aus dem fantastischen Soundtrack belohnt, die wir uns anschließend im dazugehörigen Menü jederzeit anhören können. Und wem die Fee zu viel palavert, kann das in den Optionen ebenfalls auf ein individuell erträglicheres Maß reduzieren. Drei gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrad sorgen zudem dafür, dass sowohl absolute Einsteiger als auch Spieler auf der Suche nach einer guten Herausforderung bestens bedient werden.
Mach’s mit Maginiten!
Elliot selbst steht anfänglich nur ein etwas schwächliches Schwert samt Schild zur Verfügung, in bester Tradition eines gewissen Spitzohrs aus Hyrule wächst sein Arsenal im Verlauf des Spiels zuverlässig um neue Ausrüstung an. Bogen, Kampfhammer, Kettensichel, Lanze und sogar ein Bumerang…klassischer wird’s nicht. Versperrte Eingänge werden mit Bomben effektiv beseitigt und wer sich zuverlässig durch die Gräser mäht, darf das ein oder andere Bonusjuwel für die Geldbörse einsacken. Jep, kommt einem alles irgendwie sehr bekannt vor, funktioniert aber damals genauso gut wie heute. Bessere Waffenversionen sind gut versteckt, während größere Köcher und Bombentaschen unter anderem für den Abschluss der vielen optionalen (und leider oft arg generischen) Nebenaufträge verliehen werden.

Was das komplette System auf eine gelungene neue Stufe hebt, ist das Zusammenspiel mit den sogenannten Maginiten. Dabei handelt es sich grob gesagt um Edelsteine unterschiedlichster Qualität und Stärke, mit denen wir unser komplettes Arsenal nicht nur mit Werteverbesserungen versehen können, sondern auch mit ein paar richtig coolen Zusatzeffekten.
The Adventures of Elliot erscheint neben einer Standard Edition in einer gut zehn Euro teureren Deluxe Edition mit einigen exklusiven Accessoires, die den Spieleinstieg minimal einfacher gestalten. Da man aber schnell durch reguläres Spielen deutlich interessantere Schmuckstücke einsacken kann, hält sich der Mehrwert in überschaubaren Grenzen. Wir werten deswegen nicht zusätzlich ab.
So verschießt unsere Kettensichel beim Schwingen zusätzliche Feuerbälle, während ein vom Kampfhammer erlegter Gegner für zusätzlichen Schaden an umherstehenden Gegner nochmal explodiert. Das sind nur zwei von unzähligen Beispielen und es macht unglaublich viel Spaß, damit herumzuexperimentieren.

In den ersten Stunden können wir nur kleinere Maginiten anlegen, haben wir jedoch erstmal den dazugehörigen Händler freigeschaltet, können wir nicht nur unser Tragekontingent im Austausch gegen immer mehr Bares weiter vergrößern, sondern die Maginiten auch selbst herstellen. Die dafür nötige Ressource findet ihr überall in der Welt, an Nachschub besteht selten ein Mangel. Habt ihr genug synthetisiert, steigt ihr im Level und erhöht eure Chance auf hochwertigere Ergebnisse bei zukünftigen Herstellungsprozessen. Doppelte Maginiten werden dabei praktischerweise automatisch wiederverwertet, nicht mehr gebrauchte Edelsteine lassen sich aber auch manuell verschrotten. Und sobald ihr Faie freigeschaltet habt, übernimmt die auf Wunsch automatisch die Verteilung.

Das ganze System ist extrem durchdacht und für mich eine der zentralen Stärken von The Adventures of Elliot – The Millennium Tales. Gekämpft wird simpel mit einfachem Tastendruck, lediglich die Richtung müsst ihr vorgeben. Aufgeladene Angriffe lassen sich ebenso leicht auslösen wie die praktische Parierfunktion, dafür ist das Zielen aufgrund der Achsenbeschränkung gelegentlich etwas frustrierend. Wer irgendwann einmal The Legend of Zelda: A Link to the Past gespielt hat, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Außerdem tut es zur Abwechslung mal sehr gut, sich nicht mit einem klassischen Level- und Ausrüstungssystem inklusive ausufernder Talentbäume und Builds herumplagen zu müssen. Hier geht’s ganz einfach und macht trotzdem eine Menge Spaß!
Wie früher, nur schöner
Dass der Begriff HD-2D kein Widerspruch birgt, wissen wir spätestens seit Octopath Traveller und den vielen anderen Titeln, die seitdem unter dem Dach von Square Enix auf der selben Technik aufgebaut haben. Das Grundgerüst dafür liefert hier die Unreal Engine 5, verglichen mit visuell sehr ähnlich gestalteten Titeln muss man aufgrund der stilistischen Gegebenheit wirklich mit der Lupe hinsehen, um die Unterschiede zu deren Vorgängerversion zu erkennen. Die Beleuchtung wirkt stellenweise etwas runder, die Partikelkulissen nochmals verfeinert – das ist’s im Grunde schon. Da ihr aber sicher trotzdem wissen wollt, wie das Spiel auf eurer Wunschplattform läuft, haben wir einen praktischen Übersichtskasten für euch erstellt:
PC: Hardwareabhängig bis zu 4K | maximal 120 Bilder pro Sekunde
PlayStation 5 | XBOX Series X: Dynamisches 4K | 60 Bilder pro Sekunde
Nintendo Switch 2: Je nach Modus dynamisches 1080p | 30-60 Bilder pro Sekunde
In der Konsequenz erwartet euch also plattformübergreifend eine rundherum gelungene Spielerfahrung, vor allem die durchgehend stabilen Bildraten sind lobenswert, lediglich auf der Nintendo Switch 2 variiert die Bildrate im tragbaren Modus und kann je nach Szenario extrem wankelmütig sein. Die PlayStation 5 Pro wird nicht spezifisch unterstützt, nutzt ihre Power aber, um durchgehend näher an den maximal möglichen 4K aufzulösen. Freuen können sich Fans dieses wunderschön nostalgisch-modernen Stils auf anhaltend liebevoll animierte Pixelcharaktere und detailverliebte Umgebungen, wie man sie mittlerweile kennt und liebt. Technisch ist das eine runde Sache, lediglich die etwas willkürlich erscheinenden Ladezeiten zwischen manchen Szenen stören etwas – dafür dauernd die aber nur ganz wenige Sekunden.

Die Sprachausgabe steht wie immer wahlweise in Englisch oder Japanisch zur Verfügung, dazu gibt es saubere, in Handarbeit lokalisierte deutsche Texte. Japanisch wortwörtlich zu übersetzen ist immer schwierig und wer es beherrscht, erkennt die kleinen Unterschiede mit Sicherheit, insgesamt haben wir es hier aber mit einer sehr gelungenen Adaption zu tun. Der jeweilige Cast kann sich hören lassen, eine deutsche Vollvertonung wird angesichts dessen gar nicht vermisst, auch wenn es natürlich toll gewesen wäre. Mein persönliches Highlight bleibt der filmreife Soundtrack, der mich dank gängiger Plattformen übrigens auch wunderbar über das Abtippen meiner Rezension begleitet hat und das ganz sicher auch noch eine Weile darüber hinaus tun wird.

“Wenngleich The Adventures of Elliot – The Millennium Tales insgesamt ein gelungener Startschuss für ein potenzielles neues Franchise ist und sowohl inhaltlich wie spielerisch grundsolide umgesetzt worden ist, bin ich am Ende doch ein wenig zwiegespalten. Hier hat man sich nämlich für meinen Geschmack so ausgiebig bei den zeitlos großen Vorbildern bedient, dass es dem Spiel im Ergebnis nie gelingt, zu einer gänzlich eigenständigen Identität zu finden. Lediglich das fantastische Maginiten-System fühlt sich wirklich frisch an. Alles andere, von der Handlung bis hin zum Gameplay ist eben einfach nur gut, mit Betonung auf NUR. Nie herausragend, abseits des Soundtracks zu keinem Zeitpunkt nachhaltig erinnerungswürdig. Unterhaltsam, aber kein Klassiker. Auf ein mögliches Sequel würde ich mich trotzdem freuen, da muss dann aber auch erzählerisch und motivationstechnisch einiges mehr kommen. Die schicke HD-2D-Optik gleicht inhaltliche Schwächen langfristig nicht aus. Octopath Traveller, Bravely Default und Co. sind da im Gesamtbild betrachtet einfach überlegener – und nebenbei bemerkt auch eine ganze Ecke preiswerter.”


- Ungebrochen toller Grafikstil, der Retro und Moderne gekonnt miteinander kombiniert
- Ansehenliche Licht- und Partikelkulissen
- Toll animierte Pixelcharaktere
- Eingängiges, angenehm dynamisches Kampfsystem
- Tolles und vielschichtiges Maginit-System
- Dreißig bis fünfzig Stunden Spielzeit
- Nebenaufträge werden stets gut belohnt
- Drei fair ausbalancierte Schwierigkeitsgrade
- Praktisches Schnellreisesystem
- Gute Tutorials
- Sauber lokalisierte deutsche Texte
- Hervorragende englische und japanische Sprecher
- Filmreifer Soundtrack
- Zugängliche Bedienung

- Story für Genreveteranen insgesamt zu vorhersehbar
- Charaktere und Weltdesign überwiegend (gute) Stangenware
- Zeitreisethematik wird spielerisch allenfalls an der Oberfläche angekratzt
- Gebiete über die verschiedenen Ebenen hinweg durchgehend zu gleich…
- …was die Erkundungslust massiv stört…
- …und das Backtracking schnell ermüdend werden lässt
- Dungeons und Bosskämpfe könnten anspruchsvoller sein
- Repetitive und optisch anspruchslose Tunnelareale
- Fast durchgehend geringer Motivationsanreiz zum erneuten Besuch bereits absolvierter Areale
- Oft generische Nebenaufträge
- Optionale Koop-Mechanik nicht sinnvoll zu Ende gedacht
- Aufgrund von viel Versatz permanente Schwierigkeiten, eine eigene Identität zu finden
- Gelegentlich etwas fummeliges und unpräzises Zielen

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