Disney sei Dank herrscht in Sachen Star Wars nun wirklich kein Mangel. Spielerisch sieht’s dagegen seit geraumer Zeit ziemlich mau aus. Aber keine Sorge: Nachschub ist auf dem Weg. Den Anfang macht Star Wars: Zero Company, welches uns die Wirren der Klonkriege erstmals als rundenbasierten Taktikspaß erleben lässt. Und das funktioniert trotz kleinerer Schwächen überraschend gut – sogar, wenn man mit dem Genre nichts am Hut hat!


Entwickler: Bit Reactor
Publisher: Electronic Arts
Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series
Veröffentlichungsdatum: 27. August 2026
Preis: ab 59,99€*
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Entsprechende Rezensionsexemplare sind uns freundlicherweise kostenlos vorab von Electronic Arts zur Verfügung gestellt worden.
Vor langer, langer Zeit…
Die Galaktische Republik droht im Rahmen der erbittert geführten Klonkriege zu zerbrechen. Immer mehr Planeten laufen zu den abtrünnigen Separatisten über. Schuld daran ist der diabolische Count Dooku, der mit allen Tricks arbeitet, um bisher republiktreue Fraktionen zu einem Austritt zu bewegen. Und während die Jedi an der Seite der Klonkrieger auf zahllosen Schlachtfeldern überall in der Galaxie voll ausgelastet sind, breitet sich nun auch noch eine geheimnisvolle Seuche mit unbekanntem Ursprung, aber katastrophalen Folgen aus. In dieser Stunde akuter Not wendet sich die Republik insgeheim an die Zero Company, ein loser Söldnerverbund unter Führung des Kriegsveteranen Hawks, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen und dem sinistren Treiben Einhalt zu gebieten.

Ein Auftrag, den die Chaotentruppe schlecht ablehnen kann, denn finanziell sieht es wieder einmal ziemlich düster aus und bei den nicht gerade geduldigen Hutten steht man ebenfalls tief in der Kreide. Dann lieber schnell ans Werk, zu Banthafutter verarbeitet werden will man schließlich auch nicht. Ehe es aber richtig losgeht, müssen wir unserem Helden aber erstmal ein Gesicht geben. Der mitgelieferte Editor liefert dafür zum Glück jede Menge Vorlagen, gibt uns aber auch vorbildliche Möglichkeiten zur Feinanpassung. Ob wir uns am Ende dazu entscheiden, das Abenteuer als Twi’lek, klassischer Mensch oder sogar einem Look-a-like von Darth Maul zu bewältigen…all das und mehr ist möglich. Obendrauf steht ein gut gefüllter Kleiderschrank zur Verfügung, Käufer der Deluxe Edition finden dort einen kompletten Satz Klonsoldaten-Ausrüstung. Dazu wählen wir aus insgesamt acht verschiedenen Klassen eine Spezialisierung. Als Sturmsoldat verlassen wir uns zum Beispiel ganz auf unsere Blasterfähigkeiten, während wir unser Team als Mediziner bestmöglich am Leben halten.

Was folgt, ist eine je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad locker fünfunddreißig Stunden umfassende Kampagne, die man in dieser Form locker auch im Rahmen einiger Filme oder Serien hätte inszenieren können – und das meine ich im bestmöglichen Sinn! Denn Star Wars: Zero Company fängt genau jene Stärken der Reihe ein, die unter der der weitestgehend katastrophalen Verwaltung durch Disney längst in Vergessenheit geraten sind: Gut geschriebene Charaktere mit Witz und Persönlichkeit, packende Action und eine unverkennbare Liebe zu den klassischeren Wurzeln der kaum noch überschaubaren Reihe. Zugegeben, die grundlegende Handlung ist eher dünn, was im Angesicht der sonst so werktreuen Präsentation aber kaum negativ ins Gewicht fällt, auch weil an überraschenden Wendungen kein Mangel herrscht.
Star Wars: Zero Company erscheint neben der Standard Edition auch als etwas höherpreisigere Deluxe Edition mit zusätzlichen Cosmetics. Da sich die zu keinem Zeitpunkt auf die Spielbalance auswirken, verzichten wir gemäß unserer Statuten auf eine Abwertung.
Getragen wir das Ganze von zahlreichen Zwischensequenzen, die einen zusätzlich bis zum Schluss bei Laune halten und jedem Charakter ausreichend Spielraum zur Entfaltung geben. Inhaltlich sind die auf jeden Fall stimmig inszeniert worden, nur auf der technischen Seite gibt’s momentan noch ein paar Probleme. Plattformunabhängig flackern gelegentlich ein paar Texturen und die Gesichter hätten etwas ausdrucksstärker animiert werden können. Nichts, was man im Rahmen einiger Patches nicht beheben könnte. Richtig klasse sind dagegen die deutschen Sprecher. Sogar Martin Keßler, überwiegend bekannt als Feststimme von Nicholas Cage und Vin Diesel, konnte für die Vertonung der Klonsoldaten gewonnen werden, was atmosphärisch nochmal ein dicker Zugewinn ist.
Sie möchten also Söldner werden?
Das Dasein als Freischaffender ist nicht einfach. Nicht nur, dass in der Haushaltskasse dauernd Ebbe herrscht, Lebensversicherungen gibt’s im Weltall offenbar auch keine. Umso ärgerlicher ist das, weil gleich zu Beginn ein Mitglied unserer Truppe den Löffel abgibt. Einer weniger, als man für ein komplett ausgefülltes Einsatzteam braucht. Zu dem zählen neben Hawk und dem kibernetisch verbesserten Boxer anfänglich noch der Klontruppler Trick. Und weil für eine Mission in diesem Umfang noch ein paar mehr Leute nötig sind, sollten wir regelmäßig nach neuen Rekruten Ausschau halten. Die finden wir praktischerweise direkt über ein Terminal in unserer Asteroidenbasis, Preise und Spezialisierungen inbegriffen. Anfänglich sind die Credits noch knapp, die Auswahl entsprechend begrenzt. Wer gut arbeitet, will schließlich auch gut bezahlt werden.

Später im Spiel angeheuerte Agenten müssen nicht erst mühsam aufgelevelt werden, sondern passen sich der durchschnittlichen Teamstufe an. Auch Fähigkeitenpunkte können bequem nachträglich verteilt werden, so dass sich der frisch angeheuerte Rekrut direkt mit dem Rest der Truppe ins Getümmel stürzen kann. Lediglich die Bindung beginnt immer bei Null. Und wer in der aktuellen Liste keinen passenden Söldner findet, kann so oft resetten, bis es passt. An Komfort mangelt es also nicht. Später dürfen wir sogar einen Jedi-Padawan samt Lichtschwert und Machtkräften in den Kampf schicken. Doch Obacht: Ebenso wie die nicht ganz so tragenden Figuren können auch die Hauptcharaktere endgültig ins Gras beißen, wenn sie während einer Mission mehr als drei Mal zu Boden, ohne zwischendurch auf die Krankenstation zu gehen. Dann bleibt als Erinnerung nicht mehr viel, als ein Platz an der Gedenkwand mitsamt einiger Statistiken. Umso schlimmer ist, dass euch dadurch zentrale Nebengeschichten entgehen, die exklusiv nur für diese Charaktere existieren. Potenzielle Nachzügler mögen über dieselben Fähigkeiten verfügen, dieselbe Charaktertiefe jedoch nicht. Ihr solltet also besonders achtsam mit dem Leben eurer Kameraden umgehen

Zwischendurch haben wir die Chance, unsere Basis frei zu erkunden. Kleine Gimmicks gibt es fast an jeder Ecke, aber alleine die Gespräche mit dem Rest der Zero Company machen es lohnenswert, regelmäßig zu schauen, ob es in der Zentrale etwas neues gibt. Am Ende sind mir die Charaktere richtig ans Herz gewachsen, was einen krassen Kontrast zu den seelenlosen Marionetten eines XCOM darstellt, wo man sich allenfalls über das investierte Geld ärgert. Hier jedoch hat man das mit der Zeit das Gefühl, echte Persönlichkeiten zu verlieren. Um diesen Trauerfall zu vermeiden, könnt ihr das dauerhafte Ableben zwar auf Wunsch deaktivieren, bringt euch dabei aber gleichzeitig um eine essentielle Spannungskomponente. Und wem das noch nicht gemein genug ist, bekommt mit dem Beskar-Modus eine zusätzliche Herausforderung. Dort gibt es nur einen Spielstand ohne Rücksetzfunktion und wenn ein essentieller Charakter stirbt, ist das Spiel sofort zu Ende.
Für jeden Anspruch was dabei
Das die Macher von Bit Reactor ihr Handwerk verstehen, ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich setzt sich ein Großteil des Entwicklerteams aus Leuten zusammen, die über viele Jahre an Titeln wie Civilization und XCOM mitgewirkt haben. Qualitäten, die im laufenden Spiel rasch ersichtlich werden. Dennoch hat man sich Mühe gegeben, die Erfahrung so zu gestalten, dass sowohl Einsteiger als auch versierte Profis auf ihre Kosten kommen. Drei Schwierigkeitsgrade stehen anfangs zur Auswahl, wobei die einfachste Stufe mit vielen zusätzlichen Hilfen aufwartet, mit denen selbst blutige Anfänger relativ problemlos das Finale erreichten dürften. Auf der schweren Stufe müsst ihr dagegen ohne Unterstützung auskommen, zudem wird der Aktionsradius eurer Helden beschränkt und gegnerische Angriffe verursachen deutlich mehr Schaden. Ideal für alle, die Lust auf fordernde Taktikschlachten haben, in denen wirklich jeder Zug und jede Aktion zählt.

Die erste Mission fungiert überwiegend als Tutorial, in dem euch alle wichtigen Spielmechaniken nach und nach nähergebracht werden. Danach seit ihr komplett auf euch und euer Können gestellt. Star Wars: Zero Company offeriert dabei einen gut ausbalancierten Mix aus Zugänglichkeit und Komplexität. Sämtliche Befehle werden über ein leicht bedienbares und gleichzeitig übersichtlich gestaltetes Eingaberad verteilt, was auch via Gamepad wunderbar funktioniert. Je nach Klasse wählen wir dabei aus einer Reihe von Standardfähigkeiten, während Spezialisierungen in der Regel erst im Rahmen mehrerer regulärer Angriffe aufgeladen werden müssen, dann aber das Potenzial haben, den Verlauf eines Gefechts komplett zu verändern. Jeder Agent verfügt über drei Aktionspunkte. Je weiter ihr euch bewegt oder je stärker der Angriff, desto mehr Punkte werden verbraucht. Man sollte sich also gut überlegen, wie man die kostbaren Punkte verbrauchen will.

Mithilfe von Überwachungszonen greifen die Einheiten automatisch Gegner an, die sich in ihr Sichtfeld begeben, so dass selbst im Leerlauf noch Schaden verursacht werden kann, wenn man vorausschauend handelt. Mithilfe von Partneraktionen könnt ihr die Angriffe von zwei Einheiten in einem Zug miteinander kombinieren, was gleichzeitig auch deren Bindung untereinander stärkt. Dabei gilt: Je besser die Beziehung zwischen zwei Charakteren ist, desto effektiver werden deren gemeinsame Aktionen. Die Trefferchancen werden ganz klassisch in Form einer Prozentanzeige berechnet, wodurch ihr vorab stets eine relative Gewissheit erhaltet, ob ein geplanter Angriffsbefehl erfolgreich sein wird, oder ob ihr nicht vielleicht doch eine andere Strategie in Erwägung ziehen solltet. Dabei dürft ihr die Umgebung nie aus den Augen lassen, denn oft ist ein Schuss auf ein explosives Fass viel wirksamer, als den dahinter in Deckung kauernden Gegner anvisieren zu wollen.

In der Summe vereint Star Wars: Zero Company hohe strategische Tiefe mit immenser spielerischer Freiheit, bleibt dabei aber stets gut verständlich und vor allem fair. Genial finde ich außerdem, dass man sich zwischen zwei Gefechten in der Schulterperspektive völlig frei über die Karten bewegen kann, was die mittlerweile doch etwas verkrusteten Genretraditionen gelungen aufbricht. Und wer bei der Erwähnung von Electronic Arts automatisch zusammenzuckt und fürchtet, dass das Spiel über den Verlauf der kommenden Monate in kostenpflichten Erweiterungen, Premiumpässen oder Kartenspielen versinkt, darf hiermit offiziell aufatmen: Es handelt sich um eine reine Einzelspielererfahrung, die erzählerisch komplett in sich abgeschlossen ist und auf jedweden zusätzlichen Mumpitz verzichtet, um Kunden nachträglich noch ein bisschen mehr Geld zu entlocken. So und nicht anders soll es sein. Ganz nebenbei bemerkt beweist der jüngst übernommene Publisher, dass die wertvolle Lizenz bei ihm in anhaltend guten Händen ist.
Gute Technik mit kleinen Aussetzern
Überraschenderweise wurde das Spiel nicht auf Basis von Eletronic Arts’ hauseigener Frostbite Engine programmiert, sondern mithilfe der Unreal Engine 5. Die sorgt für eine stimmige Beleuchtung und gewohnt ansehnliche Partikeleffekte. Schnee- und Staubverwehungen sorgen je nach Areal für lebendige Kulissen, während Blasterfeuer, Explosionen und Co. stimmig auf den Bildschirm gezaubert werden. Der dazugehörige Grafikmodus löst auf XBOX Series X und PlayStation 5 in nativem 4K auf und sperrt die Bildrate bei maximal 30 Bildern pro Sekunde, während der alternative Leistungsmodus auf dynamische Skalierung setzt und zugunsten einer doppelten Bildrate vor allem Einschnitte bei den softwarebasierten Raytracing-Reflektionen hinnehmen muss. Die ebenfalls davon gestützte Beleuchtung bleibt dagegen unangetastet. In meinen Augen ein sehr unbedeutendes Manko, welches ich im Tausch für eine flüssige Kameraführung gerne eintausche.

Gegenwärtig leidet das Spiel im laufenden Gefecht unter gelegentlich auftretenden Mikrorucklern, vor allem beim Charakterwechsel und dem Aufruf des Befehlsrads kommt das Spiel regelmäßig kurz ins Stocken. Generell zeigt sich die Bildrate merklich wankelmütig. Nie so schlimm, dass es wirklich nervt, ein bisschen mehr nachträgliche Optimierung könnte der Modus trotzdem noch vertragen. Dieses Problem besteht auch auf PC sowie der PlayStation 5 Pro, ist also kein Einzelfall. Das Powerhouse von Sony nutzt zusätzlich PSSR, wodurch einem die Folgen der dynamischen Skalierung im Leistungsmodus kaum noch ins Auge fallen. Aber auch in dem Bereich hätte man die Technik noch etwas besser utilisieren können. Insgesamt ist das Meckern auf hohem Niveau, aber unter dem Strich gibt es sehr viel hardwarehungrigere Titel, die auf der Plattform geschmeidiger performen. Dafür ist Star Wars: Zero Company spielerisch angenehm fehlerfrei, Abstürze sind während unseres umfangreichen Testzeitraums keine aufgetreten.

Akustisch macht das Spiel dafür alles richtig. Der Score liefert beste Star-Wars-Atmosphäre und versteht es gleichermaßen gut, sowohl ruhige wie auch dramatischere Momente wunderbar gelungen zu begleiten. Und wer keine Lust auf die exzellenten deutschen Sprecher hat, kann bequem zwischen mehreren Lokalisierungen wählen, die sich qualitativ zu keinem Zeitpunkt unterordnen müssen. Die Menüführung geht problemlos von der Hand. Egal, ob ihr mit Maus und Tastatur am PC, oder mit Gamepad an der Konsole spielt, die allgemeine Bedienung wirkt wie aus einem Guss.

“Star Wars: Zero Company gelingt, was XCOM und Co. in fast vierzig Jahren nicht gelungen ist: Mich langfristig an ein rundenbasiertes Strategiespiel zu fesseln, ohne dass dabei je Langeweile aufgekommen ist – oder ich im Angesicht übertrieben komplexer Mechaniken überfordert das Handtuch werfen musste. Und warum bisher noch niemand darauf gekommen ist, so ein Spiel im Star-Wars-Universum zu machen, ist mir ein absolutes Rätsel. Wer Lust auf tolle Charaktere, eine authentische Atmosphäre und hohe spielerische Freiheit hat, wird hier dank exzellenter Spielbalance auf als Neuling bestens bedient. Jetzt müssen die Entwickler nur noch ein paar technische Probleme in den Griff kriegen, dann steht dem gelungenen Start in neue, erfolgreiche Reihe nichts mehr im Weg.”


- Fängt die Atmosphäre der Vorlage optimal ein
- Stimmige Beleuchtung
- Ansehnliche Partikel- und Effektkulissen
- Abwechslungsreiche Karten und Missionsziele
- Hochwertige narrative Begleitung dank überwiegend gut inszenierter Zwischensequenzen
- Durchgehend interessant geschriebene Charaktere…
- …was deren potenziell möglichem Ableben zusätzliches Gewicht verleiht
- Wendungsreiche Geschichte
- Bis zu fünfzig Stunden Gesamtumfang
- Hoher Wiederspielwert durch immense taktische und spielerische Freiheit
- Gut ausbalancierte Klassen…
- …die hervorragend ineinandergreifen
- Zeitlos gelungenen, rundenbasiertes Gameplay
- Drei fair ausbalancierte Schwierigkeitsgrade...
- …inklusive optionaler Permadeath- und Realismusfunktion
- Für Einsteiger und Profis gleichermaßen gut geeignet
- Faire Lernkurve
- Gute Tutorials
- Freies Speichern und Laden jederzeit möglich
- Umfangreich bestückter Editor
- Tolle deutsche Sprecher
- Stimmiger Soundtrack

- Ausgangshandlung grundlegend eher dünn
- Technisch gegenwärtig nicht fehlerfrei
- Animationen innerhalb der Zwischensequenzen mitunter etwas hölzern und ausdruckslos
- Nicht nachvollziehbare Leistungsschwankungen über sämtliche Plattformen


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