Manchmal benötigt es nur wenige Takte einer Titelmelodie, und man weiß sofort, mit welchem Spiel man es zu tun hat. Halo ist so ein Spiel. Und damit verbunden sind je nach Generation nicht selten liebevolle Erinnerungen an lange Mehrspielernächte, epische Gefechte gegen die Allianz und nicht zuletzt auch eine spannende Entstehungsgeschichte. Mit Halo: Campaign Evolved erscheint nun ein vollwertiges Remake der ursprünglichen Kampagne. Warum uns die aber nicht nur gute Gefühle beschert hat, erklären wir im Test.


Entwickler: Halo Studios
Publisher: XBOX Game Studios
Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series
Veröffentlichungsdatum: 28. Juli 2026
Preis: ab 59,99€*
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Entsprechende Rezensionsexemplare sind uns freundlicherweise kostenlos vorab von XBOX Game Studios zur Verfügung gestellt worden.
Da-da-da-daaa! Da-da-da-daa!
Bei allem Respekt, wenn euch bei diesen verschriftlichten Lauten nicht umgehend Gänsehaut über den ganzen Körper läuft, habt ihr wahrscheinlich noch nie Halo gespielt – oder ihr seid einfach nur ziemlich schlecht im Melodienraten. Trifft ersteres zu, ist Halo: Campaign Evolved wahrscheinlich genau der richtige Einstieg in eines der wohl umfangreichsten Sci-Fi-Universen der Videospielgeschichte, welches abseits mehrerer Spiele längst auch ganze Romanreihen und sogar eine Serie hervorgebracht hat. Nicht alles davon ist durchgehend gelungen, so ehrlich muss man sein. Fragt man Fans der ersten Stunde nach ihren ganz persönlichen Highlights, wird man immer wieder hören, dass die Reihe nach dem Ausstieg der ursprünglichen Schöpfer – nämlich der mittlerweile vollständig von Sony geschluckten Spieleschmiede Bungie – zunehmend an Qualität eingebüßt hat.

Auf der anderen Seite heißt es nicht ganz ohne Grund: Aller Anfang ist schwer. Das gilt eben auch für Halo. Lange Zeit exklusiv für Apple Mac geplant und entwickelt, wurden die kompletten Rechte irgendwann von Microsoft aufgekauft, die damals auf der Suche nach einem zugkräftigen Verkaufsschlager für die erste XBOX waren. Kurzerhand wurde der Third-Person-Shooter mit umfangreicher Teamkomponente in einen Ego-Shooter umfunktioniert. Auch im Remake schlüpfen wir nun in die Haut des eher schweigsamen Master Chief, der als genetisch hochgerüsteter Supersoldat an vorderster Front gegen die außerirdische Allianz zu Felde zieht. Nach einer handfesten Auseinandersetzung gegen die einfallenden Alientruppen an Bord der Pillar of Autumn stranden wir mitsamt den wenigen Überlebenden auf der künstlichen Ringwelt Halo.

Für die Allianz ist der künstlich geschaffene Planet von hoher religiöser Bedeutung. Warum das so ist, erfahren wir erst nach und nach. Allerdings wird uns während unseres verzweifelten Überlebenskampfes bald klar, dass tief im Inneren eine unfassbare Gefahr lauert, deren Entfesslung hochgradig zerstörerische Auswirkungen auf das gesamte Universum haben könnte. Gemeinsam mit der äußerst attraktiven KI Cortana kämpfen wir uns durch weitläufige Areale, verschneite Passagen und dunkle Korridore, um die Allianz davon abzuhalten, diese verheerende Kraft zu entfesseln.
Klassik trifft auf Moderne
Gute zehn Stunden dauert das je nach gewählter Schwierigkeit, von denen es wie schon im Original vier an der Zahl gibt. Dafür hat man die klassischen Gesundheitspakete zugunsten einer etwas moderneren Selbstregenerierung fehlender Lebenspunkte komplett gestrichen. Das mag vor allem Puristen nicht gefallen, nimmt aber gerade etwas moderner eingestellten Spielern viel Frust aus der Erfahrung.
Halo: Campain Evolved erscheint neben der Standard Edition auch noch als höherpreisige Premium Edition mit Vorabzugang und einigen kosmetischen Gimmicks. Da sich nichts davon in irgendeiner Form auf die Spielbalance auswirkt, verzichten wir auf eine zusätzliche Abwertung.
Auf der anderen Seite merkt man dem Spiel sein Alter immer noch an, denn ungefähr zu Hälfte hin weichen die offenen Areale zusehends schlauchartigen Tunneln inklusive häufigem Backtracking. Und obwohl man sich darum bemüht hat, das Ganze optisch etwas abwechslungsreicher zu gestalten, fühlt sich das gerade im Angesicht aktuellerer Genrevertreter immer noch ziemlich quälend an. Das anhaltend tolle Finale entschädigt einen dafür zu keinem Zeitpunkt angemessen genug.

Ebenso bleibt das Problem, dass mit dem Auftauchen einer gewissen Gegnerspezies auch die taktische Komponente des eigentlich zeitlos gelungenen Gunplays zugunsten mehr und mehr generischer Schusswechsel arg in den Hintergrund rückt. Zumindest hat man den dazugehörigen Einführungslevel – nämlich die berühmt-berüchtigte und nicht minder gefürchtete Bibliothek – im Layout etwas überarbeitet, so dass man sich dort nicht mehr so furchtbar leicht verläuft. Davon einmal abgesehen folgt das Remake natürlich der gleichen Geschichte wie das Original, wenn überhaupt hat man die zahlreichen Zwischensequenzen um einige Referenzen ergänzt, die aber wahrscheinlich nur von echten Kennern wahrgenommen werden können. Einsteiger werden zudem inhaltlich mit vielen offenen Fragen zurückgelassen, welche auch von den neu hinzugefügten Infoterminals nur bedingt zufriedenstellend aufgelöst werden.

Eine Sprintfunktion hat man ebenfalls hinzugefügt, dafür kann sich der Supersoldat immer noch nicht an Objekten hochziehen. Das ist vor allem dann nervig, wenn man sich auf die Jagd nach den insgesamt achtundvierzig im Spiel versteckten Schädeln begeben will, die in der Regel an Orten versteckt sind, welche man ohne Vorwissen und ein gutes Händchen für das Ausnutzen der Umgebung wohl kaum erreichen kann. Gerade diesbezüglich wäre so eine Komfortoption sehr willkommen gewesen. Die damit verbundenen Modifikatoren schalten nämlich tonnenweise witziger Gimmicks frei, erhöhen teilweise aber auch den Herausforderungsgrad massiv und heben den Wiederspielwert in der Summe ordentlich an. Nicht umso liegt seit jeher ein besonderes Vergnügen in den sogenannten LASO-Runs (Legendary, All Skulls On). Denen dürfen wir uns auf Wunsch auch wieder im Koop stellen, jetzt sogar erstmals mit bis zu drei Mitspielern, mit einer Begrenzung auf zwei Spieler pro Konsole, dafür aber plattformübergreifend, was langfristig eine grandiose Sache ist. PC-Spieler schauen dabei leider wieder einmal in die Röhre, denn dort gibt es immer noch kein Split-Screen-Feature.

Bei so viel Komfort muss man jedoch ebenso erwähnen, dass der nicht minder legendäre Mehrspielermodus ersatzlos gestrichen worden ist. Und das ist eine verdammt bittere Pille, die man hier zum Vollpreis schlucken muss, denn gerade hier haben die meisten von uns damals unzählige Stunden über XBOX Live verbracht. Die drei neuen Einzelspielermissionen, die eine Art Prequel darstellen sollen, liefern zwar ein bisschen Zusatzbeschäftigung, stellen für die eigentliche Kampagne bzw. deren Geschichte aber keinerlei Mehrwert dar und fügen lediglich einige Waffen und Gegner ins Spiel ein, die normalerweise erst im Sequel eine größere Rolle spielen. Am Ende des Tages bleibt Halo: Campain Evolved eine atmosphärische Erfahrung mit Wiedererkennungswert, bei deren Umsetzung in meinen Augen aber deutlich mehr machbar gewesen wäre. Stattdessen wird man ein bisschen mit dem Eindruck zurückgelassen, dass die Entwickler mit dem Remake einfach mal austesten wollten, wie gut sie mit der Unreal Engine 5 umgehen können.
Hübsch, aber nicht perfekt
Zunächst ganz gut, wenn man sich nur auf den ersten Eindruck verlässt. Eine stimmige Beleuchtung, dichte Effekt- und Partikelkulissen sowie geschmeidige Animationen zeichnen die Neuauflage aus. In der Summe fühlt sich das in jedem Fall wertiger an als das damals für XBOX 360 veröffentlichte Remaster, welches später im Rahmen der Master Chief Collection auch seinen Weg auf PC gefunden hat. Abseits davon macht es immer noch Spaß, sich mit den damals schon überraschend intelligenten Gegnern zu messen und gelegentlich sogar von diesen beschimpft zu werden. Wenn sich die kleinen Verbände in Panik zerstreuen, nachdem wir ihre Anführer umgelegt haben, wundert man sich anhaltend, warum dieses grandiose Feature seitdem kaum von anderen Spielen adaptiert worden ist. Gleichzeitig treiben uns die Allianztruppen regelmäßig mit Granaten aus der Deckung und beherrschen sogar Flankenmanöver – für die damalige Zeit revolutionär! Jede Auseinandersetzung fühlt sich wertvoll und intensiv an, leider bleiben die dabei gelegentlich an unserer Seite kämpfenden KI-Kumpanen dagegen eher Kanonenfutter.

XBOX Series X und das Basismodell der PlayStation 5 verfügen jeweils über einen Grafik- und einen Leistungsmodus, wobei beide dynamisch auflösen. Bis zu 4K bei maximal 30 Bildern pro Sekunde sind im Grafikmodus drin, wer dagegen mehr Wert auf geschmeidiges Gameplay legt, bekommt im alternativen Modus bis zu 60 Bilder pro Sekunde, muss dabei aber mit einer geringeren Auflösung leben – wobei die mit höchstens 1880p immer noch für ein angenehm scharfes Bild sorgt. Umso mehr auf der PlayStation 5 Pro, die im Leistungsmodus sogar bis zu 120 Bilder pro Sekunde anpeilt und dank PSSR2 kaum visuelle Nachteile im Vergleich zum Grafikmodus birgt – von einer gewohnt etwas niedrigeren Renderdistanz und nicht ganz so detaillierten Objektschatten einmal abgesehen.

Wie schon in der Überschrift erwähnt, läuft das im Ergebnis allerdings nicht ganz perfekt. Zwar werden die jeweiligen Bildraten überwiegend zuverlässig erzielt, gerade bei Gebietsübergängen und im Rahmen extrem effektreicher Schlachten, von denen es im Spiel so einige gibt, geht die Bildrate kurzzeitig wahrnehmbar in den Keller. Die Unreal Engine ist seit jeher nicht gerade dafür bekannt, gut mit größeren Arealen zurechtzukommen, im Gesamtbild überwiegen die Vorteile des Grafikmotors jedoch bei weitem – umso mehr, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie mittelprächtig ein Halo: Infinite noch auf Basis der bisher genutzten, hauseigenen Engine ausgesehen hat. Da könnten die Macher insgesamt noch das ein oder andere optimieren. Anhaltend etwas dröge sehen die Gesichter der menschlichen Charaktere aus, die über weite Strecken einfach einen eher hölzernen und nicht mehr zeitgemäßen Eindruck hinterlassen.

Der kultige Soundtrack aus der Feder von Martin O’Donnell wurde neu eingespielt und um neue Kompositionen ergänzt, allerdings ohne Beteiligung des ursprünglichen Komponisten, Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Im Englischen wurden einige Sprecher mangels Verfügbarkeit neu besetzt, für die deutsche Fassung hat man die allermeisten Originalsprecher erneut vor das Mikrofon geholt. Leider mit durchwachsenen Ergebnissen, denn schon die damalige Fassung klang oft ziemlich emotionsarm, die neue Version leidet daran immer noch. Gibt zwar schlimmeres, zumal Dialoge im Spiel ohnehin eher spärlich gesät sind, aber trotzdem. Wenn man schon ein vollwertiges Remake auf die Beine stellt, dann sind doch gerade das die Punkte, an denen man abseits der Technik primär ansetzen sollte.

Die Bedienung geht dagegen plattformunabhängig prima von der Hand, lediglich die Fahrsequenzen fühlen sich via Gamepad etwas runder an. Erstaunlich, wie über die Bedienung von Warthog und Co. früher hergezogen ist, heute fühlt sich das Schema ganz normal und intuitiv an. Ein besonderes Lob gilt dem haptischen Feedback des DualSense, welches einen die Gefechte nochmal etwas intensiver erleben lässt. Umso ärgerlicher ist es, dass wir nach den kürzlichen Umstrukturierungen und der Neuausrichtung der Firmenpolitik wohl hier für sehr lange Zeit letztmalig einen XBOX-Titel auf der PlayStation gesehen haben dürften. Ich verstehe, dass man seine Marken schützen muss und deren Identität nicht verwässern will – das machen die anderen ja mittlerweile auch so. Aber hey…es ist schon verdammt unfair, als Besitzer einer PlayStation so angefüttert zu werden und die Versorgung unmittelbar danach wieder einzustellen, oder?

“Selbst ohne rosarote Nostalgiebrille macht Halo: Campaign Evolved eine Menge Spaß. Ein wenig weiter hätten die Modernisierungsmaßnahmen für meinen Geschmack aber doch reichen können, denn gerade der Schlauchkorridor-Overkill in der zweiten Spielhälfte zerrt heute mehr an den Nerven, als es schon damals der Fall gewesen ist. Und warum der Master Chief zwar sprinten, aber anhaltend nicht vernünftig klettern kann, wissen wohl nur die Entwickler. Der Wegfall der klassischen Versus-Mehrspieler-Komponente stößt extrem bitter auf, dafür sind die eher generisch wirkenden neuen Einzelspielermissionen absolut kein adäquater Ersatz. Grafisch hinterlässt die Neuauflage einen exzellenten Eindruck, was sich auch positiv auf die Zukunft der Reihe auswirken dürfte. Die gegenwärtigen Leistungsprobleme sollte man aber schnell in den Griff kriegen.”


- Atmosphärische Beleuchtung
- Dichte Effekt- und Partikelkulissen
- Ungebrochen spannendes, einzigartiges Sci-Fi-Setting
- Zeitlos gute Gegnerintelligenz
- Angenehm taktisches Gunplay (primär in der ersten Spielhälfte)
- Schädeljagd sorgt für guten Wiederspielwert
- Sinnvoll modernisiertes Regenerationssystem
- “Die Bibliothek” wurde gelungen überarbeitet
- Vier Schwierigkeitsgrade…
- …inklusive tonnenweise Modifikatoren
- Plattformübergreifender Koop bis zu vier Spieler (Nur Konsole, zwei Spieler pro System)
- Unsterblicher Soundtrack
- Gute englische Sprecher
- Zugängliche Bedienung

- Leistungsmodus plattformunabhängig mit unstetiger Bildrate
- Steife, oft ausdruckslose Mimiken
- Anhaltend repetitive Ansammlung von Tunneln und Korridoren in der zweiten Spielhälfte…
- …inklusive häufigem Backtracking
- Hintergrundgeschichte bleibt für Einsteiger trotz neuer Terminals über weite Strecken schwer verständlich
- Anhaltend schwache Begleiterintelligenz
- Neue Einzelspielermissionen eher uninteressant…
- …da sie keinerlei Bezug zur zentralen Handlung herstellen
- Der Master Chief kann immer noch nicht klettern
- Klassischer Mehrspielermodus fehlt…
- …wodurch der Preis etwas überzogen wirkt
- Deutsche Vertonung immer noch mittelmäßig
- PC-Version wieder ohne Split-Screen-Koop

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