Review | Metal Gear Solid: Master Collection, Vol. 2

Kept you waiting, huh?

Während ein Großteil der Spiele rund um den legendären Solid Snake bereits seit geraumer Zeit immer wieder problemlos für aktuelle Plattformen portiert worden sind, verhielt es sich mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots schon deutlich schwieriger. Das damals spezifisch für die einzigartige Hardware der PlayStation 3 entwickelte Finale der Saga galt lange Zeit als nicht erneuerungsfähig. Nun ist dieses Kunststück nach langer Wartezeit doch noch gelungen und schlägt als Teil der Metal Gear Solid: Master Collection, Vol. 2 endlich bei uns auf. Auf kaum einen Test haben wir uns so sehr gefreut, wie auf diesen!

Entwickler: KONAMI

Publisher: KONAMI

Plattform: PC | PS5 | XBS | NS | NS2

Veröffentlichungsdatum: 27. August 2026

Preis: 49,99€*

Altersfreigabe: ab 18 Jahren

Metacritic | OpenCritic | IMDB


Echtgeldinhalte
Ungeschnitten


Ein Duell für die Ewigkeit

Fünf Jahre nach den Ereignissen von Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty hat sich die Art, wie Kriege geführt werden, völlig verändert. Reguläre Armeen gehören der Vergangenheit an, stattdessen tragen private Milizen unter der Fuchtel gewaltiger Militärapparate die Konflikte der Gesellschaft aus. Die mit Nanomaschinen verbesserten Soldaten empfinden keine Angst, keine Reue und agieren wie Marionetten im Dienste eines allgegenwärtigen Überwachungssystems mit Namen Sons of the Patriots – ein Name, der an jene geheimnisvolle Organisation angelehnt ist, welche die Geschicke der Welt bereits seit Jahrzehnten aus den Schatten lenkt. In diesen unruhigen Zeiten erhebt sich Revolver Ocelot, der immer noch von der unfreiwillig implantierten Persönlichkeit des verstorbenen Liquid Snake heimgesucht wird, um die Patriots endgültig zu stürzen. 

Snake und Liquid sind aus ganz unterschiedlichen Gründen in die Jahre gekommen. Nun stehen sich die Klonbrüder in einer letzten, entscheidenden Schlacht gegenüber. | PlayStation 5 Pro

Für Solid Snake, der lange auf die Gelegenheit gewartet hat, seinen Erzfeind endlich aus dem Verkehr zu ziehen, beginnt eine letzte, verzweifelte Mission. Um den legendären Supersoldaten steht es mittlerweile alles andere als gut, denn als Folge seiner genetischen Erschaffung als Klon von Big Boss altert das Raubein viel schneller als normale Menschen und ist körperlich längst im hohen Rentenalter angelangt. Die Tatsache, dass Snake trotz einer Lebenserwartung von maximal einem Jahr trotzdem nicht von den Zigaretten lassen kann, macht diesen Umstand natürlich nicht gerade einfacher. Trotzdem mobilisiert der widerwillige Held seine letzten Kräfte und folgt den Spuren von Liquid Ocelot in den Mittleren Osten, wo gerade ein brutaler Bürgerkrieg zwischen lokalen Milizen und den hochgerüsteten PMC’s tobt. 

Meryl arbeitet mittlerweile als UN-Inspektorin. Die alten Gefühle für Snake hat sie ebenso wenig abgeschüttelt wie den Hass für ihren Vater. | PlayStation 5 Pro

Ausgerüstet mit einem hochmodernen Muskelanzug inklusive herausragenden Tarneigenschaften sowie der Unterstützung seiner treuen Wegefährten Otacon und dem mittlerweile pensionierten Roy Campbell kämpft sich Snake ins Herz der Bestie vor. Doch das ist nur der Anfang einer weltumspannenden Reise, in deren Verlauf Snake einem schier übermächtigen Feind gegenübersteht, dessen Pläne die gesamte Welt für immer in absolutes Chaos zu stürzen drohen…

Patrioten weinen nicht

Klone? Nanomaschinen? Und wer sind all diese Charaktere? Zugegeben, Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots macht es Einsteigern nicht gerade leicht, der gewohnt hochkomplexen Handlung zu folgen, die in Teilen kaum mehr ist, als ein einziger großer Querverweis zu sämtlichen, unter Hauptverantwortung von Mastermind Hideo Kojima entstandenen Serieneinträgen. Entsprechendes Vorwissen ist quasi verpflichtend, wenn ihr nicht schon innerhalb der ersten Stunde in kompletter Verwirrung versinken wollt. Selbst eine grobe Zusammenfassung aller Ereignisse zwischen Metal Gear Solid und Metal Gear Solid 3: Snake Eater | Metal Gear Solid Delta: Snake Eater würde locker ein paar Stunden benötigen. Kein Wunder, dass man damals wie heute darauf verzichtet hat und euch stattdessen direkt ins Geschehen katapultiert. Wer also nicht mindestens einen kompletten Durchgang im Rahmen der ersten Master Collection hingelegt hat, sollte mit dem Spiel tunlichst warten. 

Dank OctoCamo kann sich Snake perfekt an jeden Untergrund anpassen. Das System ist damals revolutionär gewesen und ist auch heute noch einzigartig. | PlayStation 5 Pro

Das vorläufige Finale der Saga um Solid Snake und Co. führt alle roten Fäden bestehender Einträge zusammen und resultiert in einem der wohl epischsten und emotionalen Showdowns der Videospielgeschichte. Alle offenen Fragen – von denen es bis hierhin tatsächlich so einige gibt – werden endlich beantwortet. Das Spiel wurde zu seiner Erstveröffentlichung mit Spitzenwertungen nur so überschüttet und kann zweifellos als absoluter Systemseller bezeichnet werden. Vor allem die filmreife Inszenierung und die auch heute noch revolutionären Schleichmechaniken zeichnen das Abenteuer aus. Vieles, was damals im Rahmen der wendungsreichen Geschichte noch für Science-Fiction gehalten wurde, ist in Teilen längst zur Realität geworden, was die rückwirkende Betrachtung umso spannender gestaltet. 

Raiden hat sich seit dem Abenteuer in der Big Shell in einen Cyborg umfunktionieren lassen. Das Verhältnis zu seiner ehemaligen Verlobten Rose ist…kompliziert. | PlayStation 5 Pro

Trotz seiner insgesamt zeitlosen Klasse leidet das Spiel unter einigen Schwächen. So kann es schon vorkommen, dass ihr bis zu einer Stunde tatenlos dabei zusehen müsst, wie sich die aktuellen Ereignisse im Spiel entfalten, bis ihr wieder selbst Hand ans Geschehen legen dürft – nur um dann oft nach sehr kurzer Zeit schon wieder in der nächsten Unterbrechung zu landen. Das hätte man schlicht besser ausbalancieren müssen, so jedenfalls hat man mitunter das Gefühl, die wohl teuerste Visual Novel aller Zeiten zu spielen. Eine Tatsache, der sich wohl auch Kojima und sein Team bewusst gewesen sein müssen, weshalb man Flashbacks eingebaut hat, bei denen man für ganz kurze Zeit Erinnerungen an vorherige Ableger nacherleben kann. Eine nette Idee, mit denen man der akuten Aufmerksamkeitsstrapaze allerdings nur sehr bedingt entgegenwirken kann. 

Als Teil des B&B-Corps stellt Laughing Octopus einen von mehreren tödlichen Bossen dar, denen wir uns im Spielverlauf stellen müssen. Dazu gibt’s typisch Kojima jede Menge Fanservice. | PlayStation 5 Pro

Was für uns damals schon nicht ganz einfach war, dürfte sich für die aktuelle TikTok-Generation erst recht schwierig erweisen. Die reagiert dafür wahrscheinlich deutlich weniger auf die seinerzeit unerhörte Menge an Produktplatzierungen im Spiel. Vom IPod bis zu Energy Drinks und Mobiltelefonen wird wirklich nichts ausgelassen, was mir persönlich aber immer sehr gut gefallen hat, da diese Realitätsbezüge irgendwie aufwertend wirken, wenn man es damit nicht übertreibt. Zentralere Probleme betreffen das allgemeine Pacing, denn nach einem hochspannenden ersten Akt dümpelt der Mittelteil spielerisch arg vor sich hin, ehe es zum Finale wieder richtig spannend wird. Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots richtet sich klar an Fans, deren Durchhaltevermögen mit dem wahrscheinlich tränenreichsten Ende belohnt wird, dass man sich nur vorstellen kann. Gänsehaut ist garantiert und ich kann euch nur raten: Haltet die Taschentücher bereit, denn ihr werdet sie brauchen. 

Die fast vergessene Perle

Als zweiter Titel gesellt sich Metal Gear Solid: Peace Walker zur Sammlung. Das ebenfalls von Hideo Kojima konzipierte und verantwortete Stealth-Action-Game spielt vierzig Jahre vor den Ereignissen des vierten Teils und lässt uns einmal mehr in die Rolle von Big Boss schlüpfen. Der hat nach den traumatisierenden Ereignissen der Vergangenheit die Vereinigten Staaten verlassen und im weit entfernten Kolumbien eine staatenlose Armee aufgebaut, um damit den Traum seiner ehemaligen Mentorin zu verwirklichen. Mit dem Auftauchen einer neuen Gruppe namens Peace Sentinels, die bereits Teile von Costa Rica kontrollieren und sich von dort immer weiter ausbreitet, droht das militärische Gefüge zwischen den verfeindeten Ost- und Westblöcken schlagartig aus dem Gleichgewicht zu geraten. Die kolumbianische Regierung ist gegenüber diesen Eindringlingen machtlos und bittet Big Boss alias Snake um seine Hilfe. 

Die Basis ist nicht nur Dreh- und Angelpunkt der Missionsplanung, sondern kann mit Personal, Forschung und neuen Gebäuden entscheidend verbessert werden. | PlayStation 5 Pro

Dabei geraten wir bald in eine handfeste Verschwörung, bei der sogar die amerikanische CIA ihre Finger im Spiel zu haben scheint. Und dann ist da noch eine streng geheime Superwaffe namens Peace Walker, die angetrieben von einer Künstlichen Intelligenz sogar in der Lage ist, Nuklearwaffen im Rahmen autonomer Vergeltungsmaßnahmen selbstständig abzuschießen. Klar, dass daran auch die Sowjets interessiert sind. Je tiefer Snake dem Geheimnis um die apokalyptische Höllenmaschine mitsamt deren Schöpfern auf den Grund geht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Das Schicksal der Welt steht also einmal mehr vor einer ungeahnten Bedrohung, von der offiziell wohl niemals jemand etwas erfahren wird. Und nur der Urvater aller modernen Soldaten ist dazu in der Lage, dem etwas entgegenzusetzen…

Optisch ist der Titel zwar nicht sonderlich gut gealtert, spielt sich aber trotzdem wie ein waschechtes Metal Gear Solid! | PlayStation 5 Pro

Metal Gear Solid: Peace Walker erschien zunächst exklusiv für die PlayStation Portable und erhielt ebenfalls durchgehend gute Kritiken, konnte sich aber aufgrund des schwindenden Supports der tragbaren Konsole und dem damit zunehmend geringeren Absatzzahlen längst nicht so gut verkaufen wie der Rest der Reihe. Um vor allem die technischen Begrenzungen der PSP nicht zu überschreiten, musste das Team auf umfangreiche Zwischensequenzen in Echtzeit verzichten und erzählt seine abermals extrem spannende Spionageschichte ausschließlich in Form von animierten Standbildern im ikonischen Stil von Yoji Shinkawa, dessen Arbeit maßgeblich zum einzigartigen visuellen Wiedererkennungswert der gesamten Reihe beigetragen hat. Beim Gameplay teilt sich das Spiel mehrere Elemente mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, vor allem die Tarn- und Zielmechaniken sind identisch. 

Hosenschlange, neu definiert

Gleichzeitig leiht sich das Spiel Elemente aus dem Vorgänger Portable Ops, insbesondere der Basisbau als zentrales Feature sowie das Bewertungssystem nach Missionsabschluss. Mit dem Fulton Recovery System hat man außerdem eine Komponente implementiert, die erst später im Rahmen von Metal Gear Solid V: The Phantom Pain als offiziellem Sequel zu Peace Walker weiter ausgebaut worden ist, hier aber bereits außerordentlich gut funktioniert. Alles in allem muss sich der tragbare Titel zu keinem Zeitpunkt hinter seinen großen Brüdern verstecken. Unter der Haube steckt eine waschechte Kojima-Produktion mit immenser Liebe zum Detail inklusive der unnachahmlichen Exzentrik ihres Schöpfers. Die verlangt einem zwar nicht ganz so viel Vorwissen ab, spinnt aber natürlich dennoch einige bestehende Fäden weiter und verwendet ebenso wenig Zeit darauf, bestehende Charaktere wie Master Miller für Einsteiger verständlich einzuführen. 

Das Fulton Air Recovery System existiert tatsächlich und wir hier hauptsächlich zur Zwangsabwerbung neuer Rekruten eingesetzt. | PlayStation 5 Pro

Anhaltend zeitlos ist das Rekrutierungssystem. Denn was nützt die größte Basis, wenn man kein Personal hat, um sie zu betreiben. Zwar lassen sich anders als in The Phantom Pain hier noch nicht alle gegnerischen Soldaten zwangsrekrutieren, dafür informiert uns ein Signal zuverlässig darüber, wenn wir uns im Rahmen einer Mission einem Gegner nähern, der potenziell gut für unsere Sache geeignet ist. Hier kommt dann besagter Fulton-Ballon zum Einsatz, mit dessen Hilfe wir die vorher betäubten Rekruten wider Willen einfach in die Luft befördern, wo sie dann zum finalen Abtransport eingesammelt werden. Eine herrliche schräge Idee, aber sie funktioniert! Und wer genau hinsieht, kann sogar den Serienschöpfer höchstselbst in seine Armee aufnehmen. Das sind genau jene herrlichen Gimmicks, die man als Fan so sehr liebt. 

Schon im Kalten Krieg galt: Nicht kleckern, sondern klotzen! | PlayStation 5 Pro

Tatsächlich hätte Metal Gear Solid: Peace Walker deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Mit der PlayStation 3 als zentraler Plattform und damit begleitet natürlich auch von einer besseren Technik, würde man sich an das Spiel heute wohl allgemeiner als einer der besten Beiträge zur Reihe erinnern, anstatt lediglich im Kreise eingefleischter Kenner. Umso besser, dass der Titel nun im Rahmen der Master Collection, Vol. 2 endlich die Gelegenheit bekommt, nachträglich ein breites Publikum zu begeistern. Ich kann nur jedem von euch von ganzem Herzen empfehlen, sich trotz aller Vorfreude über den endlich aufbereiteten vierten Teil mindestens so intensiv mit diesem fast vergessenen Ableger zu befassen. Besser hätte man die eigenständige Saga um Big Boss nicht fortsetzen können. Denn auch wenn die Grafik heute längst ein alter Hut ist: Spielerisch macht das Abenteuer unfassbar viel Spaß! 

Deus Ex Machina

Fast schon unsichtbar, aber dennoch Teil der Sammlung, ist außerdem Metal Gear: Ghost Babel. Und dabei handelt es sich in gewisser Weise um einen besonderen Fall, denn das Spiel ist ohne die Mitwirkung von Hideo Kojima unter dem Dach von KONAMI Computer Entertainment Japan entstanden und war ursprünglich als Portierung von Metal Gear Solid für den Gameboy Color geplant. Das fertige Produkt hat damit jedoch nicht mehr viel gemein und erzählt stattdessen eine alternative Geschichte, die sich drei Jahre nach den Ereignissen von Metal Gear 2: Solid Snake auf dem MSX abspielt – und ja, ich weiß: Das mit den ganzen Titeln kann einen ECHT durcheinanderbringen. Zumindest die Handlung ist dieses Mal schnell erklärt, was ein gutes Indiz dafür ist, dass der Serienschöpfer selbst hier außen vor geblieben ist. 

“Was war das für ein Geräusch? Hä, Fußspuren?!” | PlayStation 5 Pro

Nachdem sich nämlich ein paar Rebellen in Zentralafrika dem Prototypen eines weiteren Metal Gear bemächtig haben und planen, diesen als Waffe in einem Bürgerkrieg einzusetzen, wird Solid Snake wieder einmal aus seinem Ruhestand geholt, um Schlimmes zu verhindern. Tatsächlich ist niemand besser dazu geeignet, die Basis der Guerilleros zu infiltrieren, haben die sich doch ausgerechnet im ehemaligen Outer Heaven breitgemacht, wo Snake einst Big Boss im Kampf besiegt hat – natürlich noch ohne all das Wissen, dass wir mittlerweile haben. Metal Gear: Ghost Babel orientiert sich in Hinblick auf Gameplay und Levelstruktur eher an den ersten Ablegern einer längst vergangenen Generation, nutzt aber zumindest einige Mechaniken von Metal Gear Solid, wie zum Beispiel die Fähigkeit, sich an Wänden zu lehnen. Sämtliche Zwischensequenzen werden bedingt durch die Technik in Form grob-pixeliger Standbilder dargestellt, an Sprachausgabe ist natürlich auch nicht zu denken. 

Der Name ist Programm: Pyro Bison heizt uns mit seinem Flammenwerfer ganz schön ein. Vulcan Raven gefällt das. | PlayStation 5 Pro

Grafisch ist das Spiel zwar längst ein alter Hut und auch die Geschichte baut in meinen Augen etwas zu sehr auf bekannte Versatzstücke der Hauptreihe, trotzdem ist es den Entwicklern gelungen, dessen Kernidentität praktikabel auf die Taschenkonsole zu übertragen. Sämtliche Mechaniken greifen sinnvoll ineinander, die insgesamt dreizehn Level punkten mit Abwechslung und die neu erdachten Charaktere sind alles andere als uninteressant. Kein Wunder also, dass Metal Gear: Ghost Babel in den Listen der besten GBC-Spielen immer wieder auf den oberen Plätzen landet. Innerhalb dieses Spektrums und ganz allein für sich bewertet, haben wir es hier definitiv mit einem gelungenen Beitrag zur Reihe zu tun, den man zumindest einmal angespielt haben sollte. 

Nichts ist unmöglich

Kombiniert unter einem Dach bilden diese drei Titel das Herz der Metal Gear Solid: Master Collection, Vol. 2. Ein bisschen enttäuschend im Vergleich zu dem wesentlich dicker geschnürten Bündel im Rahmen des Vorgängers, bei dem man allerdings auch den Vorteil hatte, dass man bei KONAMI nicht mehr viel Arbeit in dessen Fertigstellung investieren musste. Alles, was dort enthalten war, konnte man nämlich bequem aus vorherigen Sammlungen entnehmen. Im Fall eines Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots ging das nicht. Da sich die einzigartige CELL-Architektur der PlayStation 3 nicht ohne weiteres auf die heute sehr viel generischere Konsolenhardware portieren lässt, waren die Arbeiten daran deutlich aufwändiger. Umso gespannter war ich, wie sich das in der fertigen Version wohl anfühlen würde. Tatsächlich habe ich meine PlayStation 3 bisher nur deshalb nicht eingemottet, weil ich traditionell einmal im Jahr gerne eine Runde mit Old Snake verbringe. 

Der von chronischen Tragödien heimgesuchte Otacon steht Snake auch bei seinem letzten Kampf treu zur Seite. | PlayStation 5 Pro

Und dieses Unterfangen wird mit den Jahren weiß Gott nicht einfacher. Das Original leidet unter horrenden Ladezeiten, welchen zwar mit dem rauchenden Snake selbstironisch begegnet wird, einem aber selbst unter dem Rahmen einer vorherigen Vollinstallation einiges abverlangt. Man darf nicht vergessen, dass die PlayStation 3 anders als die XBOX 360 wesentlich mehr auf die intern verbaute Festplatte gesetzt hat, diese aber dank quälend langsamer Schreibgeschwindigkeit mehr Fluch als Segen war. Eine Menge Sitzfleisch hat man also trotzdem benötigt. Probleme, unter denen PC, PlayStation 5 und Nintendo Switch 2 nicht zu leiden haben. Hier wird innerhalb von Sekunden komplett durchgeladen, wodurch Snake nun gänzlich um seine Raucherpausen gebracht wird. Ist natürlich auch irgendwie gesünder, ein bisschen Nostalgie geht einem dadurch aber dennoch flöten. 

Sehr viel wichtiger sind aber die Bildraten, denn das Original ist notorisch für seine miese Performance und ist von den maximal möglichen 30 Bildern pro Sekunde zu jedem Zeitpunkt so weit entfernt wie die CDU von einer Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Bei jeder Explosion und jedem Getümmel droppt die Bildrate häufig an den Rand der Unspielbarkeit. Und mit beidem wird im Spielverlauf nicht gegeizt. Das konnte man damals vielleicht gerade noch so hinnehmen, wäre heute aber ein absolutes Unding. Die gute Nachricht, auf die ihr alle gewartet habt: Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots läuft bereits auf dem Basismodell der PlayStation 5 mit durchgehend flüssigen 60 Bildern pro Sekunde in nativem 4K. Gleiches gilt für XBOX Series X und PC, während Nintendo Switch 2 und XBOX Series S nur knapp dahinter landen. Dadurch wird die Erfahrung auf eine Art und Weise transformiert, die einen den Klassiker noch einmal komplett neu erleben lässt. Alleine das Zielen wird dadurch um ein vielfaches erleichtert, man erinnere sich an die komplett frustbeladenen On-Rail-Sequenzen! 

Waffenwäscher Drebin und sein dressierter Affe versorgen uns während unserer Missionen jederzeit mit neuen Waffen und Munition – wenn wir sie denn bezahlen können. | PlayStation 5 Pro

Dafür alleine lohnt sich die Collection bereits. Das muss sie andererseits auch, denn viel mehr als das hat man gar nicht gemacht. Nicht, dass das nicht reichen würde, im Gegenteil. Ich hätte für so ein Upgrade privat sogar deutlich mehr gezahlt. Wer sich aber erhofft hat, dass man gleichzeitig auch noch umfangreiches Remastering betrieben hat, wird wahrscheinlich trotzdem enttäuscht. Denn hier hat man optimiert und konserviert, aber eben nicht revolutioniert. Es ist immer noch Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, inklusive sämtlicher Assets, bekannten Inhalten und diesem elendigen Sepiafilter, der die gesamte Hardwaregeneration über Jahre dominiert hat. Ja, ihr werdet verwaschenen Texturen begegnen. Ja, die allermeisten Effekte sind veraltet. Hätte man mehr machen können? Mit Sicherheit. Aber ich denke, KONAMI hat sich in dem Fall absolut richtig entschieden. Darüber kann man streiten, man kann aber auch einfach genießen, dass sich das Spiel endlich flüssig und messerscharf erleben lässt – sogar auf der Nintendo Switch läuft es besser als auf der PlayStation 3. 

Und was ist mit dem Rest?

Den können wir zum Glück deutlich knapper abfrühstücken, denn weder Ghost Babel noch Peace Walker stellen in irgendeiner Form Herausforderungen für die Leistungsfähigkeit sämtlicher Plattformen da und laufen genauso butterweich. Die Bedienung geht über sämtliche Peripherie toll von der Hand. Schade ist nur, dass das haptische Feedback des DualSense nicht ausgenutzt wird. Vor allem in Hinblick auf die adaptiven Trigger hätte ich mir persönlich einiges mehr erhofft. Nur mit Maus und Tastatur sollte man partout nicht spielen. Das gesamt Kampf- und Bewegungssystem wurde damals komplett für den Controller konzipiert und sollte auch mit einem gespielt werden. Bei der Vertonung gibt es anhaltend nichts zu beanstanden, die Reihe war dahingehend immer schon dem Großteil der Konkurrenz voraus. Eine deutsche Synchronisation gibt es anhaltend nicht, aber wer einmal Metal Gear Solid auf Deutsch gespielt hat, weiß, warum das auch so bleiben sollte. 

Mit akutem Reizdarm in den Krieg zu ziehen ist eine Angewohnheit, der die Familie Sasaki scheinbar seit Generationen stur folgt. | PlayStation 5 Pro

Großartig ist, dass man in der legendären Szene auf Shadow Moses Island, wo man im PSX-Original noch zum Wechsel des Scheibe aufgefordert wurde, auf PlayStation 3 von Otacon den Hinweis bekommen hat, dass dies im Angesicht der Blu-Ray ja gar nicht mehr nötig wäre. Viele haben sich gefragt, ob man diesen lustigen Teil für die Neuveröffentlichungen abwandeln würde – und man hat es getan! Je nach Plattform werdet ihr von Christopher Randolph als Originalstimme von Otacon nun eine komplett neue, exklusive Nachricht erhalten. Dass seitdem zwanzig Jahre vergangen sind, hört man zwar heraus, macht diesen Moment aber nicht weniger wunderbar. Als zusätzliche Goodies enthält die Master Collection einmal mehr die kompletten Skripte, in den gut sortierten Menüs findet man sich zudem jederzeit prima zurecht. Das man die Gelegenheit nicht genutzt hat, auch noch Portable Ops sowie Acid! inklusive Sequel unterzubringen, ist ärgerlich, aber vielleicht plant KONAMI ja insgeheim noch mit einer dritten Collection mit The Twin Snakes als Hauptaufmacher. Dankbare Abnehmer würden sich dafür auf jeden Fall finden. 

“Was lange währt, wird nun endlich gut. Befreit von den Fesseln seiner ursprünglichen Hardware ist Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots nach fast zwanzig Jahren nun nicht mehr die Ruckelorgie, die es mal war. Dazu präsentiert sich der moderne Klassiker je nach Plattform auch noch in nativem 4K. Und wenngleich es für die allermeisten Fans gar nicht mehr als gebraucht hätte, bekommt man mit dem fantastischen und viel zu wenig beachteten Peace Walker noch eine weitere Perle der Reihe dazu. Abgerundet wird das Set von dem ebenfalls spielenswerten Metal Gear: Ghost Babel und exklusiven Extras. Über den Purismus der jeweiligen Umsetzungen darf gerne diskutiert werden, alles in allem gibt es aber deutlich schlechtere Optionen, um fünfzig Euro loszuwerden. Anders als die erste Collection präsentiert sich die neue Sammlung außerdem von Anfang an wunderbar fehlerfrei. Viel mehr kann man als Metal-Gear-a-holic kaum verlangen – außer vielleicht eine Ladefunktion.”

  • Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots in 60 Bildern pro Sekunde und nativem 4K | Plattformabhängig
  • Zeitlos episches Finale einer der größten Videospielreihen überhaupt
  • Peace Walker ist und bleibt eine fantastische Spielerfahrung
  • Ghost Babel als nette, unbedingt spielenswerte Dreingabe
  • Spielerisch anhaltend gelungener Mix aus Action und Stealth
  • Gute Extras
  • Fairer Preis
  • Mit insgesamt drei Titeln im Vergleich zur ersten Collection etwas mager bestückt
  • Metal Gear Solid 4 im Mittelteil erzählerisch chronisch schwach…
  • …und anhaltend untauglich für alle, die lieber spielen, anstatt zusehen wollen
  • Laden nur über kompletten Neustart des Spiels möglich…
  • …was vor allem bei schwierigeren Emblem-Runs zur Tortur wird
  • Peace Walker und Ghost Babel sind visuell nicht gut gealtert 
  • Features des DualSense werden nicht ausgenutzt | PlayStation 5
  • Schwammige Maus- und Tastatursteuerung | PC

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