Wer dachte, Dark Souls und Co. würden einen zahlreiche Tode sterben lassen, hat wahrscheinlich nie Returnal gespielt. Auf der anderen Seite hat das Sterben in einem Roquelite ja durchaus seine Vorteile. So eben auch im neuesten Titel von Housemarque, nämlich SAROS. Der Mix aus düsterem Sci-Fi, Geschicklichkeit und rasanter Action funktioniert auf manchen Ebenen besser als sein geistiger Vorgänger – auf anderen aber leider auch schlechter. Wir haben uns für euch die Radieschen wieder und wieder von unten angesehen.


Entwickler: Housemarque
Publisher: PlayStation Publishing LLC
Plattform: PlayStation 5
Veröffentlichungsdatum: 30. April 2026
Preis: ab 79,99€*
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Ein Rezensionsexemplar auf PlayStation 5 ist uns freundlicherweise vorab kostenlos von Sony Interactive Entertainment zur Verfügung gestellt worden.
Tempus fugit
Irgendwann in der Zukunft gelingt es der Soltari Corporation, auf dem weit entfernten Planeten Carcosa ein einzigartiges Material namens Lucenit zu entdecken. Was man damit genau anstellen kann, weiß der gierige Megakonzern zwar nicht, aber haben will man es natürlich um jeden Preis. Drei Teams werden entsendet, um vor Ort den Abbau in Gang zu bringen. Als der Kontakt zu allen Einheiten plötzlich abbricht, schickt man das Notfallteam Echelon IV, um die Gründe dafür in Erfahrung zu bringen. Darunter befindet sich auch der desillusionierte Firmenvollstrecker Arjun Devraj. Der wacht Tage nach der Landung ohne Erinnerungen an seine Ankunft oder die Ereignisse seitdem auf der Oberfläche von Carcosa auf und muss schnell feststellen, dass er dort keineswegs alleine ist.

Bevölkert von einer feindlichen Maschinenrasse, die der menschlichen Technologie dramatisch überlegen ist, beginnt für Arjun ein verzweifelter Überlebenskampf, an dessen tragischem Ende ihn irgendeine mysteriöse Kraft wieder und wieder von den Toten zurückbringt. Während wir mit den wenigen Überlebenden der Mission nach einem Weg suchen, diese unendlichen Zyklen zu durchbrechen, erfahren wir langsam mehr über den Planeten, der zudem regelmäßig von einem besonders gefährlichen Ereignis namens Eclipse heimgesucht wird. Gleichzeitig ist Arjun auf der Suche nach seiner Frau, die als Teil der früheren Expedition ebenfalls auf Carcosa sein muss. Je tiefer er mit jedem Ableben in die Ruinen einer scheinbar längst vergangenen Zivilisation eintaucht, desto entsetzlicher sind die Geheimnisse, die sich ihm offenbaren…

SAROS steht ganz in der Tradition seines geistigen Vorgängers Returnal und ist einmal ein klassisches Roquelite, welches den Tod als festes Element ins Spielprinzip integriert und euch mit jedem neuen Versuch dauerhaft ein bisschen stärker in den Kampf zurückschickt. Langweilig wird’s dabei glücklicherweise nie, denn dank mehrerer Variablen bei Levelaufbau und Wegfindung gleicht selten ein Zyklus dem vorherigen. Der Anreiz, es jedes Mal ein bisschen weiter zu schaffen als beim letzten Mal, sorgt bis zum Schluss für eine anhaltend hohe Motivation. Das Genre hat über die letzten Jahre mit Titeln wie Hades eine immer größere Fangemeinschaft um sich gescharrt, visuell und spielerisch mischt SAROS dabei an vorderster Front mit.
Wiederkehr und Wirrwarr
Inhaltlich muss sich der Titel dagegen ein bisschen Kritik abholen, denn gerade die Hintergründe der Hauptfigur hätten für meinen Geschmack etwas früher enthüllt werden können. So erfahren wir erst nach Stunden mehr über Arjuns prägende Vergangenheit und die wahren Motive seiner Frau, auf den Planeten zu reisen. Bis es soweit ist, wirkt der Vollstrecker einfach nur chronisch unsympathisch und verschlossen. Das hindert einen als Spieler maßgeblich daran, eine wirkliche Bindung zu Arjun und darüber eben auch zur Umgebung aufzubauen. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass viel wichtiges Wissen ausschließlich über die zahllosen, überall verstreuten Sammelobjekte in Form von hinterlassenen Audiobotschaften und Textnachrichten der Kolonisten enthüllt wird. Wer nach denen nicht ausreichend Ausschau hält, verpasst essentielle Hintergründe, welche man für meinen Geschmack auf einem direkteren, weniger verpassbaren Weg ins Narrativ hätte implementieren müssen.

Das hat Returnal einfach besser auf die Kette gekriegt. Dafür habt ihr hier den Vorteil, dass ihr auf deutlich mehr Hilfen zurückgreifen können, was besonders jene Spieler freuen dürfte, die nicht ganz so frustresistent sind, wie es ein Spiel wie dieses für gewöhnlich voraussetzt. Habt ihr es nämlich erfolgreich mit dem zweiten Boss aufgenommen, bekommt ihr Zugriff auf eine Vielzahl von Modifikatoren, die eure verschiedenen Attribute dauerhaft dramatisch verstärken können. Zwar sieht das reguläre Spielprinzip vor, dass ihr davon immer nur eine sehr begrenzte Auswahl aktivieren dürft, diese Begrenzung lässt sich auf Wunsch aber komplett entfernen, wodurch Arjun bis zu einem gewissen Grad quasi unbesiegbar wird. Das bringt euch zwar sehr viel einfacher an den Abspann, beraubt aber auch um die intendierte Erfahrung.
SAROS erscheint neben einer regulären Standard Edition auch als höherpreisige Deluxe Edition mit ein paar zusätzlichen Goodies. Da die sich aber allesamt nicht auf die Spielbalance aufwerten, gibt es für eine zusätzliche Abwertung aufgrund unserer bestehenden Kriterien keinerlei Anlass.
Auf regulärem Wege müsst ihr dafür übrigens etwa fünfzehn bis zwanzig Stunden einplanen und das natürlich auch nur dann, wenn ihr es einigermaßen gut durch die abwechslungsreichen Biome schafft, an deren Ende jedes Mal ein mächtiger Bossgegner auf euch wartet. Aber auch der Weg dorthin ist keineswegs mit Gold gepflastert und zwingt euch dazu, blitzschnell auf unterschiedlichste Gegnerverbunde mitsamt individueller Angriffsmuster zu reagieren. Besonders knifflige Herausforderungen lassen sich hinter bestimmten Portalen finden, für deren Abschluss euch dafür wertvolle Ressourcen und permanente Verbesserungen verliehen werden. Was ihr euch aber als Neueinsteiger ins Genre unbedingt klarmachen müsst: Ihr werdet sterben. Immer und immer wieder. Und ihr werdet es hassen, gerade wenn ihr einige Encounter im aktuellen Zyklus ohnehin nur knapp überstanden habt und demselben Problem nun erneut gegenübersteht. Ebenso wird das häufige Backtracking mit der Zeit zu einem echten Frustfaktor.

Betrachtet man es positiv, ist jeder neue Zyklus auch eine neue Chance, es besser zu machen. Schließlich lernt man mit der Zeit. Ebenso lassen sich Ausrüstung, Werte und Co. mithilfe gefundener Ressourcen stetig verbessern, was eben auch dafür sorgt, dass die in der Welt auffindbaren Waffen stärker werden. Und von denen gibt’s eine ganze Menge. Zu Beginn startet ihr lediglich mit einer einfachen Pistole, später findet ihr aber eine ganze Palette unterschiedlichster Schrotflinten, Sturmgewehren und futuristischen Exoten, die allesamt eigene Vor- und Nachteile offerieren. Zeitig gut abgepasstes Nachladen setzt euch in aggressiven Gefechten zusätzlich unter Druck, belohnt euch aber mit nützlichen Kurzzeitboni. Gleichzeitig könnt ihr besonders mächtige Spezialwaffen in den Kampf führen, die aber eure Schildenergie aufzehren. Und die lädt sich nur dann wieder über einen gewissen Standard auf, wenn ihr mit eurer Barriere erfolgreich mehrere blaue Gegnerprojektile absorbiert. Die roten und gelben Kugeln solltet ihr dagegen nach Möglichkeit vermeiden, sofern ihr nicht bestimmte Modifikationen findet, mit denen sich die Dinger besser händeln lassen.

In SAROS greifen zeitgleich mehrere Mechaniken zusammen. Ausweichen, Parieren, Absorbieren und dabei ja nicht die Finger von der Feuertaste lassen. Gleichzeitig müsst ihr regelmäßig Geschicklichkeitspassagen meistern, was mithilfe der zahlreichen Gadgets, die ihr im zunehmenden Spielverlauf einsetzen könnt – darunter zum Beispiel ein Greifhaken und die Möglichkeit, an spektralen Strängen zu reisen – aber stets gut von der Hand geht. Der Rest ist nicht minder intuitiv, lässt sich jedoch erst mit der Zeit richtig meistern. So ist es gewollt und daran gemessen funktioniert das System extrem gut. Dabei könnt ihr euch ebenso die Eclipse zunutze machen. Ist die erstmal ausgelöst, lassen sich in der Welt deutlich mehr Ressourcen und bessere Ausrüstung finden, dafür werden aber auch die Gegner um einiges stärker. Die Wahl liegt letztendlich ganz bei euch. Insgesamt werden euch hier also deutlich mehr Möglichkeiten als noch in Returnal zur Verfügung gestellt, um der Hölle von Carcosa mit möglichst wenigen Toden zu entkommen.
Schönheit trifft auf Geschwindigkeit
In den ersten Stunden werdet ihr immer wieder auf zunächst unpassierbare Pfade stoßen, hinter denen sich nicht selten kostbares Bergungsgut und andere Materialien finden lassen. Es lohnt sich, bereits erfolgreich absolvierte Biome später noch einmal durchzuspielen, um die wertvolle Beute nachträglich einzusacken. Das Gute ist, dass sich die dortigen Gegner nicht an euren Fortschritt anpassen und sich dadurch sehr viel leichter in Einzelteile zerlegen lassen, was sich einfach herrlich anfühlt. Rache ist schließlich Blutwurst! Die vielseitigen Biome sind aber auch ohne diesen zusätzlichen Anreiz wert, erkundet zu werden. Von gebleichten Ruinen über giftige Sümpfe bis hin zu verfallenen Festungen ist SAROS ein wunderschöner Fieberalbtraum, wie ihn sich Ridley Scott oder H.R. Giger kaum besser hätte ausmalen können. Eine ordentliche Prise Hieronimus Bosch gibt’s obendrauf.

Die Unreal Engine 5 lässt aber nicht nur atmosphärisch dank stimmiger Beleuchtung die Muskeln spielen, sondern zaubert gleichzeitig auch noch einige der schönsten und dichtesten Partikelkulissen dieser Generation auf den Bildschirm. All das bei dauerhaft geschmeidigen 60 Bildern pro Sekunde – mit Ausnahme der Zwischensequenzen, was aber zu keinem Zeitpunkt störend ins Gewicht fällt. Lediglich beim Übergang zurück ins regulären Gameplay lassen sich kurz kleinere Ruckler ausmachen. Das Basismodell löst dynamisch zwischen 1080p und 1260p aus und skaliert von dort auf 4K hoch. Aufgrund der veralteten Technologie dahinter lassen sich Unruhen leider nicht vermeiden, hinzu kommt ein durchgehend eher weiches Bild, was besonders auf größeren Displays nicht ganz so toll aussieht.

Sehr viel besser wird’s auf der PlayStation 5 Pro. Hier wird nicht nur höher aufgelöst – nämlich zwischen 1440p und 1620p -, es kommt auch das taufrische PSSR 2 zum Einsatz. Und das funktioniert derart gut, dass man schon sehr genau hinschauen muss, um zu erkennen, dass wir es hier nicht mit nativem 4K zu tun haben. Ich kann diese Technik gar nicht genug loben und obwohl gerade bei feineren Details immer noch kleinere Unruhen zu erkennen sind, ist der gesamtqualitative Zugewinn wirklich immens. Der treibende Soundtrack ist ein Highlight für sich und via Spotify und Co. ein perfekter Begleiter für jede Session in der Stemmstube des Vertrauens. Und auch die deutschen Sprecher können sich hören lassen und klingen nur ganz selten mal etwas hölzern. Ladezeiten sind quasi nicht vorhanden, was besonders im Übergang zwischen den Zyklen für einen absolut nahtlosen Übergang sorgt.
Der DualSense als heimlicher Star
Dass wir der Bedienung einen eigenen Absatz widmen, ist bisher noch nie vorgekommen, im Falle von SAROS aber mehr als gerechtfertigt. Denn was die Macher aus den Möglichkeiten des DualSense herausgeholt haben und mehr noch, wie sie diese nutzbringend in die Spielerfahrung eingebracht haben, hebt die Immersion auf eine komplett neue Stufe. Im Vordergrund steht dabei das haptische Feedback, wodurch sich die vielen Waffen nicht nur im Spiel komplett unterschiedlich anfühlen, sondern dieses aufgrund der Trigger auch noch kongenial in den Abzugsfinger übertragen. Es gibt im Grunde keine Situation, in der das Pad nicht in irgendeiner Form rumort und sei es nur, dass es herrlich intensiv auf Treffer aller Art reagiert.

Ginge es darum, den Star dieser Generation auszumachen, würde ich den gar nicht so sehr in der Konsole selbst suchen, dahingehend sind PlayStation 5 und XBOX Series X in meinen Augen eher enttäuschend. Aber der DualSense, wenn er denn richtig ausgenutzt wird, ist wirklich ein famoses Stück Peripherie und es ist nur zu hoffen, dass darauf zukünftig ebenso weiter aufgebaut wird wie auf PSSR. Features wie diese dürften die kommenden Generationen maßgeblich prägen und wer auf der Suche nach einem absoluten Showcase für die gegenwärtigen Möglichkeiten dieser beiden Technologien ist, kommt um SAROS absolut nicht herum.

Zum Ende hin noch ein kurzer Kommentar dazu, warum sich unsere Rezension so verzögert hat: Leider ist uns mitten im Durchgang ein extrem übler Bug untergekommen, durch den es uns nicht möglich gewesen ist, das Gebiet nach den Sümpfen zu betreten, da ein dafür nötiges Event nicht ausgelöst werden konnte. Da unser Zeitplan extrem eng getaktet ist und wir für einen Testbericht in der Regel nur wenige Tage Zeit haben, blieb uns nichts andere übrig, als das Problem über unseren Pressekontakt an den Entwickler weiterzureichen. Der hat dann tatsächlich reagiert und den Fehler behoben. Das muss man einfach mal loben.

“Ich muss ja zugeben, dass ich das Genre der Roquelites bisher zuverlässig gemieden habe. Was mir alleine Returnal seinerzeit nervlich abverlangt hat, ließ Sekiro wie ein gemütliches Picknick im Park wirken. SAROS verzeiht einem da deutlich mehr und erweitert die Überlebensmöglichkeiten dramatisch, bleibt dabei jedoch anhaltend fordernd, ohne je unfair rüberzukommen. Das Lernen und stetige Verbessern steht im Vordergrund des motivierenden Spielprinzips, diesbezüglich liefern Housemarque einmal mehr einen absoluten Hit ab. Schwächen beim Erzählfluss und die daraus resultierenden Konsequenzen bei der Wahrnehmung des Protagonisten sind für uns allerdings gewichtig genug, um den Aufstieg in höhere Wertungssphären zu verhindern – daran ändern auch die fantastische Präsentation und die einfach nur sensationelle Bedienung nichts. Wer nach einer ordentlichen Challenge für das kommende Sommerloch sucht und an der WM keinerlei Interesse hat, wird hier trotzdem bestens bedient.”


- Hochatmosphärische Präsentation…
- …vor unverbrauchtem und jederzeit einnehmendem Sci-Fi-Setting
- Abwechslungsreich gestaltete Biome
- Referenzverdächtige Beleuchtung
- Grandiose Partikeleffekte
- Geschmeidige Animationen
- Hochgradig motivierendes Spielprinzip
- Extrem taktisches, reaktions- und tempogetriebenes Gameplay…
- …leicht zu erlernen, aber herausfordernd zu meistern
- Sehr gutes Belohnungsgefühl bei jedem überstandenen Encounter
- Hart, aber immer fair
- Epische Bosskämpfe
- Umfangreiches Waffenarsenal mit zahlreichen Variationen
- Hohe Freiheit bei Builds und Herangehensweise
- Solider Gesamtumfang…
- …mit gutem Wiederspielwert
- Erkunden wird meist immer belohnt
- Überwiegend solide deutsche Sprecher
- Filmreifer Soundtrack
- Überwältigende Klangkulisse (abhängig vom externen Equipment)
- Intuitive Bedienung
- Herausragend implementierte DualSense-Features

- Erzählerisch etwas schwach
- Protagonist wirkt über weite Strecken unsympathisch…
- …da zentrale Verständnisaspekte viel zu spät enthüllt werden



Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise von Sony Interactive Entertainment zur Verfügung gestellt worden.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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