Unter den zahllosen Verfilmungen von Stephen-King-Werken gibt es wohl kaum eines, welches weniger mit der Vorlage zu tun hat, als The Running Man. Die gleichnamige Neuauflage von 2025 folgt dem Buch deutlich strikter, zum großen Hit hat es dennoch nicht gereicht. Jetzt darf Glen Powell im Heimkino um sein Leben rennen – und wir sind in Form von Blu-Ray und 4K UHD gleich hinterher!


Vertrieb: Paramount Pictures via LEONINE Distribution
Erstveröffentlichung: 2025






Hinweis: Da das Material der 4K UHD häufig sehr dunkel ist und Screenshots kein HDR abbilden können, haben wir das Bildmaterial zur besseren Sichtbarkeit teilweise aufgehellt.
Der Film
In naher Zukunft zeichnet sich ein dystopisches Bild der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein gewaltiges Netzwerk aus Medienkonzernen beherrscht den Alltag der Bürger bis in den letzten Winkel und kontrolliert insgeheim auch die Regierung. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in bitterer Armut und in den verfallenen Slums bedeutet bereits eine Grippe Lebensgefahr, weil Medikamente kaum verfügbar oder schlicht nicht bezahlbar sind. Die Propaganda des Netzwerks ist allgegenwärtig und sadistische Unterhaltungssendungen sollen den Pöbel weiter abstumpfen lassen. Dass dem Land unter der Oberfläche längst ein ausgewachsener Aufstand droht, soll möglichst niemand mitbekommen.

Der in den Slums lebende Arbeiter Ben Richards (Glen Powell) sehnt sich nach einer besseren Zukunft für sich und seine junge Familie, steht durch seinen Einsatz für Menschenrechte am Arbeitsplatz aber mittlerweile auf der Schwarzen Liste eines jeden vom Netzwerk kontrollierten Unternehmens. Als Töchterchen Cathy erkrankt und dringend Geld für die Behandlung aufgebracht werden muss, entschließt sich Ben in seiner Verzweiflung, am Casting für eine der gut bezahlten Netzwerkshows teilzunehmen. Die unverhohlen nach außen getragene Verachtung und Wut für die herrschende Klasse hat zweifelhaften Erfolg: Statt wie erhofft bei einer der harmloseren Formate eingesetzt zu werden, wird Ben als Teilnehmer für The Running Man auserkoren. Bei der mit Abstand erfolgreichsten Show des Landes müssen drei Zivilisten in Aussicht auf eine horrend hohe Geldprämie dreißig Tage vor einem Killerkommando fliehen, auch die Bevölkerung darf bei der Menschenhatz mithelfen. Überlebt hat das Format bisher jedoch noch niemand.

Doch der aalglatte Produzent Dan Killian (Josh Brolin) ist fest davon überzeugt, dass Ben es schaffen kann. Mit Versprechungen und Schmeicheleien überredet er den zunächst ablehnend auftretenden Familienvater zur Teilnahme. Für die Sicherheit von Frau und Kind würde man sorgen und der erste Vorschuss ist bereits mehr als genug für die lebensrettenden Medikamente. Doch es dauert nicht lange, bis Killian sein wahres Ich offenbart: Unter Mitwirkung des elektrisierenden Moderators Bobby T. (Colman Domingo) und manipulierten Einspielern wird Ben der tobenden Menge als arbeitsfauler Aufwiegler und Landesverräter präsentiert. Zwölf Stunden bleiben ihm und den beiden anderen Kandidaten, ehe sich die vom gnadenlosen Jäger McCone (Lee Pace) angeführte Killertruppe an die Verfolgung macht.

Ausgestattet mit etwas Bargeld, gefälschten Ausweisen und ein paar Verkleidungen aus der Fälscherwerkstatt von Kumpel Molie (William H. Macy) beginnt Ben seine Flucht durch das Land, wobei jedweder Versuch, auf die wahren Zustände im Land durch die eingesendeten Videotapes aufmerksam zu machen, vom Sender durch Zensur und Manipulation im Keim erstickt wird. Während die anderen Teilnehmer nach und nach von den Jägern zur Strecke gebracht werden, gelingt es Richards mit viel Glück, Tag und Tag zu überleben und mausert sich damit immer mehr zu einer Gallionsfigur für die nahende Revolution. Doch das Netzwerk setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den zunehmend unkontrollierbaren Ben aus dem Weg zu räumen. Dabei übersehen Killian und Co., dass ein Tier genau dann am gefährlichsten ist, wenn es in die Ecke gedrängt wird…
Die Rezension
Ich würde nicht so weit gehen, und The Running Man als Remake bezeichnen. Tatsächlich haben wir es hier anders als bei der Erstadaption von 1987 mit einer sehr viel vorlagetreueren Umsetzung des von King unter seinem kurzlebigen Pseudonym Richard Bachman veröffentlichten Buches (im deutschsprachigen Raum übrigens unter dem Titel Menschenjagd) zu tun, dass der übrigens in gerade einmal einer Woche schrieb. Unter der Mitwirkung von Arnold Schwarzenegger wurden die medienkritischen Inhalte vom Zentrum der Handlung weitestgehend an den Außenrand verbannt, stattdessen muss sich Richards dort äußerst blutigen Gladiatorenkämpfen stellen und auch der Hintergrund der Figur ist ein vollständig anderer. Zugegeben, als typisches und herrlich kompromissloses Actionspektakel seiner Ära hat der Film durchaus seine Daseinsberechtigung. Wenig überraschend trotzdem, dass King sich von den Ergebnissen alles andere als begeistert zeigte.

Ganze vier Filme wurden im letzten Jahr basierend auf dessen Werken ins Kino gebracht, nun eben endlich auch die bereits seit langem geplante Neuverfilmung von The Running Man. Verantwortet vom Briten Edgar Wright, der vor allem durch seine kultige Cornetto-Trilogie bekannt geworden ist, konnte man dafür einen versierten Regisseur verpflichten, der zusammen mit Michael Bacall dann auch gleich das dazugehörige Drehbuch verfasste. So richtig konsequent war man dabei leider wieder nicht, denn das berüchtigte Ende des Buches wird hier lediglich angedeutet, nur um dem Zuschauer unmittelbar darauf eine völlig konstruiert wirkende Alternative aufzutischen, die einfach nur völlig hanebüchen ist. Dass man den anfänglich recht vielversprechenden Pfad – sei es aus persönlichen Gründen oder schlicht Interferenz seitens des Studios – nicht konsequent zu Ende gegangen ist, ist ziemlich enttäuschend.

Der Look von Co-Op City weiß zu gefallen, vor allem weil er insgesamt eher auf einem bodenständigen Futurismus fußt, der gar nicht so unglaubwürdig für die echte nahe Zukunft ist. Und auch der politische sehr linke Anstrich der Vorlage wird von Anfang an deutlich zur Schau gestellt. Dabei versucht der Film leider stets krampfhaft, Bezüge auf die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten herzustellen, die so in der Praxis gar nicht existieren: Ein böser Polizeistaat, der seine Bürger unterdrückt und Meinungen kontrolliert…das ist ganz weit von der Realität entfernt und trifft im Grunde auch auf jede kommunistische Diktatur zu, woraus wir einmal mehr lernen, dass Extremismus Scheiße ist – ganz gleich aus welcher Richtung er kommt. Vor allem Richards’ Begegnung mit der linientreuen Amelia wirkt dadurch unfreiwillig komisch. Generell ist der Film immer dann am schwächsten, wenn er die Zuschauer zu belehren versucht.

Hinzu kommt, dass man mit Glen Powell zwar einen durchaus charismatischen Hauptdarsteller gewinnen konnte, der den Richards speziell in der ersten Stunde mit herrlich aggressiver Energie gibt, innerhalb der zweiten Hälfte angesichts zunehmend effektreicher Actionsequenzen aber leider immer mehr ins Generische abdriftet und erst zum Finale wieder richtig aufspielen kann. Ich denke, dass der Film im Kleinen viel besser funktioniert hätte. Angefangen damit, dass Ben im Buch ein eher kränklicher und schwacher Mann ist, während Powell offensichtlich öfter mal im Fitnessstudio vorbeischaut. Gerade die ruhigen Momente, in denen man die Paranoia und die Isolation der Figur durch die stringente Kameraführung als Zuschauer miterlebt, als wäre man selbst der Gejagte, sind mit am effektivsten! Dass die Macher diesen Pfad spätestens mit der Explosion des Veteranenheims so früh verlassen, ist ärgerlich und sorgt dafür, dass man ab diesem Zeitpunkt zunehmend ermüdet – bei einer Laufzeit von zwei Stunden und siebzehn Minuten ist der Film für meinen Geschmack gute zwanzig Minuten zu lang.

Fast durchgehend überzeugen können dafür die Nebendarsteller. Vor allem Josh Brolin ist als sinistrer Produzent absolut grandios und könnte so mühelos auch den Schurken in einem Bond-Film mimen, während Colman Domingo den Showmaster mit viel Energie performt. Von William H. Macy hätte ich gerne noch mehr gesehen, während der ewig jugendliche Michael Cera als pyromanischer Anarchist leider eine komplette Fehlbesetzung darstellt. Katy O’Brian ist als klassische Kampflesbe einfach nur nervig und wirkt komplett forciert, so dass man deren Ableben im Film gar nicht genug feiern kann. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass man als Zuschauer immer noch derart hartnäckig mit solch schwachsinnigen Figuren gequält wird, die es so im Original natürlich ebenfalls nicht gegeben hat. Richtig gut dagegen ist Lee Pace, der als maskierter Killerkommandeur McCone eine beängstigend-bedrohliche Gelassenheit ausstrahlt und leider viel zu spät in den Fokus der Handlung gerät.

Alles in allem hat mich The Running Man über weite Strecken gut unterhalten, leidet aber trotz guter Vor- und Ansätze wie schon die erste Adaption von 1987 unter dem Problem, sich irgendwann dem rasanten Effektkino zu ergeben und die Vorlage dabei einmal mehr aus den Augen zu verlieren. 110 Millionen Dollar hat das Werk gekostet, gerade einmal etwas mehr als die Hälfte konnte davon weltweit wieder eingespielt werden. Woran liegt das, fragt ihr? Handwerklich ist der Film bis auf ein paar offensichtliche Logiklöcher absolut solide gemacht. Was die Macher aber nicht verstanden haben ist, dass die Zuschauer die politische Schwarzmalerei einfach satthaben und mittlerweile sehr konsequent alles boykottieren, was sich anhaltend an moralischen Belehrungen versucht, egal ob das durch die Vorder- oder Hintertür geschieht. In der Form hätte der Film vor vier oder fünf Jahren wahrscheinlich ein deutlich größeres Publikum angezogen. So rennt dieser Film trotz sehenswerter Momente einfach viel zu spät ins Ziel.
4K UHD und Blu-Ray: Das Bild
Gedreht wurde vollständig digital, und zwar mit der ARRI Alexa 35, die speziell dafür entwickelt worden ist, einen eher analogeren Look zu produzieren. Für das dystopische Setting des Films ist das natürlich ideal. Außerdem kam eine ganze Menge verschiedener Objektive zum Einsatz, um beispielsweise Szenen, in denen Richards sich während seiner Flucht selbst film, visuell noch einmal ein wenig vom Rest abzuheben. Gefinisht wurde in der Postproduktion als 4K Digital Intermediate. Davon profitiert bereits die reguläre Blu-Ray, die nur wenige Wünsche offenlässt. Die Schärfe ist durchgehend hervorragend, feinere Details wie Bartstoppeln, Schmutzpartikel und die vielen Beschriftungen überall in der Stadt werden gut erkennbar wiedergegeben. Selbst in dunklen Szenen agiert die Blu-Ray routiniert und punktet mit kraftvollem Schwarz und einer guten Durchzeichnung. Die feine Körnung bleibt dabei durchgehend stabil, auffällige Unruhen lassen sich keine feststellen.
Farblich dominieren erdige Paletten mit gelb-bräunlichem Einschlag, was sich nicht nur an der Umgebung, sondern auch in den Darstellergesichtern manifestiert. Das sieht bisweilen ein wenig ungesund aus, geht aber nie so weit, dass man sich wirklich daran stören müsste. Farbliche Highlights, primär natürlich das allgegenwärtige Neon-Rot, erhalten dabei immer noch ausreichend Raum zur Entfaltung. Alles in allem ist die Blu-Ray für meinen Geschmack etwas zu hell gemastert und versumpft am Horizont gelegentlich unschön. Im Angesicht sonst guter Ergebnisse ist das aber höchstens Kleinkram, den man der Sorgfalt halber am Rande erwähnen kann, den Filmgenuss jedoch zu keinem Zeitpunkt negativ beeinflussen.
Die 4K UHD löst nativ auf, kommt mit einem erweiterten Farbraum nach Rec.2020, dazu gibt’s Support für HDR10 und Dolby Vision. Verbesserungen gibt’s eher im Detail – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade in Nahaufnahmen kann die Scheibe regelmäßig von der vierfach höheren Auflösung profitieren und arbeitet Feinheiten nochmal besser heraus als die schon sehr gute Blu-Ray. Im Ergebnis steht ein messerscharfer Gesamteindruck, der in Verbindung mit der unaufdringlicheren Körnung wirklich keine Wünsche mehr offenlässt. Gleichzeitig wurde die 4K UHD etwas dunkler abgemischt, wodurch das Bild insgesamt stimmiger und plastischer wirkt. In der Konsequenz wird im Hintergrund regelmäßig besser durchgezeichnet. Die erdigen Farbpaletten bleiben erhalten, wirken im Direktvergleich aber eine Ecke kraftvoller. Gleichzeitig wird besser differenziert, was vor allem den Primärtönen zugutekommt und Darstellergesichter gleichzeitig gesünder wirken lässt. Kräftigere Schwarzanteile runden das grundsolide Upgrade optimal ab.
4K UHD und Blu-Ray: Der Ton
Während man sich im Rahmen der Blu-Ray mit einer deutschen Tonspur im Format Dolby Digital 5.1 begnügen muss, darf man sich bei der 4K UHD über ein Upgrade auf Dolby Atmos mit verlustfreiem TrueHD-Kern freuen. Für Paramount ein kleines Wunder, welches wir aber natürlich dankbar annehmen. Dabei ist die reguläre Fassung bereits gut hörbar, bindet den Subwoofer aktiv und kraftvoll in die Action- und Showsequenzen ein, was durch die sauber differenzierte Effektkulisse in einem tollen Raumklangerlebnis resultiert. Der stimmige Score breitet sich ebenfalls über sämtliche Lautsprecher aus, während Dialoge im Center durchgehend klar verständlich bleiben. Da gibt’s gar nichts zu bemängeln, sehr wohl aber noch zu verbessern.

Wandert man nämlich von dort zur 4K UHD hinüber, klingt das auf der regulären Ebene im Gesamtergebnis nochmal eine Ecke präziser und dynamischer. Gleiches gilt für den Tieftonbereich. Der Score wandert auf die zusätzliche Höhenebene, die hier ausnahmsweise einmal richtig gefordert wird und besonders die Studiosequenzen deutlich immersiver gestaltet. Erst hier hat man wirklich das Gefühl, selbst im Publikum zu sitzen. Aber auch die Action kommt nicht zu kurz. Gerade innerhalb der zahllosen Schießereien entfaltet sich eine eindrucksvolle, dreidimensionale Kulisse im Raum, bei der man sich nicht selten intuitiv wegducken möchte, weil die Kugeln aus allen Richtungen pfeifen. Selbst kurz vor Schluss gibt’s während der Flugsequenz nochmal schöne Effekte. Die englische Tonspur agiert auf demselben, hohen Niveau. In diesem eher schwachen Jahr ist das mit eine der besten Abmischungen, die ich im Heimkino hören durfte.
Die Extras
Blu-Ray und 4K UHD haben einen Audiokommentar von Regisseur Edgar Wright, Hauptdarsteller Glenn Powell und Drehbuchautor Michael Bacall an Bord, der wirklich Spaß macht und mit optionalen deutschen Untertiteln vorliegt. Ein Großteil der Featurettes bleibt aber exklusiv der 4K UHD vorbehalten. Dabei handelt es sich in Teilen lediglich um zusammengefasstes Material aus dem Film, zum Beispiel die Videosequenzen der Runner und sämtliche Showsegmente samt Werbespots. Dazu gesellt sich noch ein kurzer Einblick in die Stuntarbeit, während die Arbeit der Masken- und Kostümbildner mit fast fünfundzwanzig Minuten überraschend viel Aufmerksamkeit erhält.

Die spannenderen Inhalte haben es zum Glück auch auf die Blu-Ray geschafft. Das knapp halbstündige Making of liefert tiefe Einblicke in den Dreh, eine weitere gute Viertelstunde befasst sich mit dem Produktionsdesign, um Stephen Kings düstere Vorlage möglichst glaubwürdig zum Leben erwecken zu können. Außerdem werden die Hunter und Runner nochmal im Detail vorgestellt. Insgesamt eine nette Zusammenstellung, die anders als oft wirklich informativ und daher auf jeden Fall einen Blick wert ist. So unsauber, wie man die Extras aufgeteilt hat, wäre eine zusätzliche Blu-Ray Disc jedoch vielleicht eine bessere Idee gewesen.

“Obwohl The Running Man deutlich näher an der Vorlage agiert als die bald vierzig Jahre alte Adaption mit Arnold Schwarzenegger, unterhält mich letztere bis heute sehr viel besser. Denn obwohl bis zum fragwürdigen Ende eine Menge solider Action geboten wird und auch der Look absolut überzeugen kann, nervt der Film mit seiner permanent geschwungenen Moralkeule sowie teils furchtbar aufgesetzt wie unsympathisch wirkenden Nebencharakteren. Richtig glänzen können hier neben Glen Powell vor allem die Schurken. Spaß macht’s mit einigen Abstrichen trotzdem, ein zweites Mal würde ich mir den Film aber anders als die Erstverfilmung nicht ansehen wollen. Der schon sehr guten Blu-Ray steht eine in Bild und Ton nochmals ordentlich überlegene 4K UHD gegenüber, umfangreiche Extras gibt es obendrauf.”

Quelle Bildmaterial: ©Paramount Pictures. Im Vertrieb von LEONINE Distribution. All rights reserved.
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