Review | The Blood of Dawnwalker

Vorsicht, bissig!

Wenn sich einige der zentralen Köpfe hinter The Witcher zusammentun, um über vier Jahre hinweg etwas gänzlich neues zu erschaffen, kann das im Ergebnis eigentlich nur gut werden. Das Ergebnis ist The Blood of Dawnwalker, ein düsteres Action-RPG voller Blutsauger, schwieriger Entscheidungen…und leider auch jeder Menge Probleme. Warum uns der Ausflug in die mittelalterlichen Karpaten trotzdem unterhalten hat, erklären wir im Test.

Entwickler: Rebel Wolves

Publisher: Bandai Namco Entertainment

Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series

Veröffentlichungsdatum: 03. September 2026

Preis: ab 69,99€*

Altersfreigabe: ab 18 Jahren

Metacritic | OpenCritic | IMDB


Kostenpflichtige Zusatzinhalte
Ungeschnitten


Hinweis: Entsprechende Rezensionsexemplare sind von uns auf eigene Kosten gestellt worden.

Fluch und Segen

Im alten Europa tobt die Pest, Millionen Menschen werden qualvoll dahingerafft. Und weil man der tödlichen Krankheit weder mit Stoßgebeten, noch großzügig am ganzen Körper verteilten Fäkalien beikommt, ist man mittlerweile zu drastischeren Maßnahmen übergegangen und merzt die Infizierten einfach mit Schwert und Feuer aus. Was bleibt einem auch anderes übrig, schließlich ist die Heilkunde im Jahr 1347 in etwa so weit fortgeschritten wie die Pubertät von Philipp Amthor – nämlich gar nicht. Entsprechend düster sieht es im etwas abgelegenen Sangora-Tal aus. Zumindest so lange, bis sich dort die Vrakhir an die Spitze der Nahrungskette gesetzt haben. Und wenn euch der Name zu kompliziert ist, nennt sie doch einfach ganz klassisch Vampire…weil sie typische Vampirdinge machen: Blut saugen, sich bei Sonnenlicht verstecken und mit Silber haben sie es auch nicht gerade. 

Pestilenz, Armut und Blutsauger: Das Leben ist nicht leicht für Coen und seine Sippe. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Gleichzeitig sind die leichenblassen Gesellen völlig immun gegen die Pest und können mit ihrem Blut sogar akut Kranke innerhalb von Sekunden heilen. Ein Umstand, den sich die Beißer natürlich vergolden lassen, nämlich in Form regelmäßiger Zwangsaderlässe – man hat ja schließlich Durst! Leider ist Lord Brencis ein ziemlicher Feinschmecker, der gnadenlos jeden ausmerzt, dessen Blut er für schwächlich erachtet. Und genau dieses Schicksal ereilt nun auch die Mutter von Coen. Der erstgeborene Sohn einer einfachen Bauernfamilie kann nur zusehen, wie Brencis und seine Offiziere die ohnehin schon geistig nicht mehr ganz gesunde Frau vor den versammelten Dorfbewohnern zu Tode prügeln. Doch statt damit ein abschreckendes Exempel zu statuieren, wagen die Bürger insgeheim den Aufstand gegen ihre Unterdrücker und wollen dafür zunächst die hiesige Silbermine plündern.

Oberschurke Brencis will unsere Familie opfern. Das nehmen wir natürlich nicht ohne weiteres hin. Dafür haben wir allerdings nur dreißig Tage Zeit. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Leider tappen die Rebellen mit ihrem Vorhaben mitten in eine sinistre Falle, in deren Folge ein Großteil der Dörfler niedergemetzelt wird, während die Familie von Coen verschleppt wird und in exakt dreißig Tagen bei einem okkulten Ritual als Opfer herhalten soll. Nur Coen selbst wird von Brencis in einen Vrakhir verwandelt, doch dabei geht irgendetwas auf wundersame Weise gründlich schief: Anders als seine neuen Artgenossen aktivieren sich die vampirischen Kräfte samt Klauen und Zähnen nämlich ausschließlich nachts, während er tagsüber wieder zum Menschen wird. Mithilfe dieser neu gewonnenen Fähigkeiten muss Coen einen Weg finden, seine Familie aus den Klauen der Blutsauger zu retten, bevor die ganze Sippe auf dem nächstbesten Altar landet…

Spiel auf Zeit

Was nun auf den ersten Blick vielleicht ein wenig generisch klingen mag, entpuppt sich spätestens nach dem Prolog als gleichermaßen hervorragend geschriebenes wie inszeniertes Action-RPG, welches zu jedem Zeitpunkt pure Witcher-DNA ausstrahlt. Das unverbrauchte Setting trägt dazu ebenso viel bei wie die interessant geschriebenen Charaktere. Es kommt selten vor, dass man als Spieler ein wirkliches Bedürfnis entwickelt, sich mit möglichst jedem Talbewohner wenigstens einmal ausführlich zu unterhalten. Und das solltet ihr grundsätzlich tun, denn nicht selten könnt ihr dabei nützliche Infos ergattern, an deren Ende sich so mancher Schatz finden lässt – oder zumindest eine neue Nebenquest, bei denen sich in der Regel ebenfalls satte Belohnungen abstauben lassen. Dass sämtliche Dialoge von hochwertigen deutschen Sprechern vertont worden sind, ist dabei ein netter Extrapunkt.

Pferde reiten dürfen wir im Spiel zwar nicht, dafür aber tagsüber mit mörderischer Geschwindigkeit durch die Pampa rennen. Bei Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich Coen stilvoll in einen schnellen Wolf. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Klingt immer noch irgendwie generisch? Dann kommt hier der entscheidende Twist: All diese Aktivitäten fressen Zeit. Nicht etwa nur die Zeit, die ihr vor dem Bildschirm verbringt, sondern auch im Spiel selbst! Dreißig Tage habt ihr Zeit, bis eure Familie auf der Schlachtbank der Vampire landet, wobei jeder Tag in insgesamt sechzehn Zeiteinheiten aufgeteilt ist. Eine Schatzkiste auszugraben kostet in der Regel zwei Einheiten, auch im Rahmen der Haupt- und Nebenquests geht immer mal wieder ein Vorrat der kostbaren Ressource drauf. 

The Blood of Dawnwalker erscheint neben einer regulären Standard Edition auch als höherwertige Edition mit ein paar zusätzlichen Extras, darunter Soundtrack und einem digitalen Artbook. Auf die Spielbalance wirkt sich jedoch nichts davon aus. Entsprechend unserer Statuten verzichten wir daher auf eine zusätzliche Abwertung.

Es ist dementsprechend unmöglich, sämtliche Aufgaben abzuschließen, die euch The Blood of Dawnwalker zu bieten hat. Das bedeutet natürlich auch, dass wir nicht jedem Hilfsbedürftigen auf unserer Reise helfen können, wodurch die moralische Zwickmühle umso mehr Gewicht erhält. Und das macht die ganze Sache dann schon um einiges spannender, findet ihr nicht auch? 

Mithilfe der Türme können wir einen Blick in die Ferne werfen. Das geht aber nur Nachts, da es Coen tagsüber an passenden Kletterfähigkeiten mangelt. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Glücklicherweise werdet ihr vom Spiel nicht mit Gewalt durch die Handlung gepeitscht. Zeit ist zwar kostbar, aber ihr erhaltet genug davon, um bis zum toll inszenierten und mit mehreren Enden versehenden Finale einen Großteil der mittelalterlichen Welt mitsamt ihrer zahllosen Gefahren in Ruhe entdecken zu können. Dem Rest könnt ihr euch dann ganz bequem im Anschluss widmen, oder das Abenteuer im Rahmen von New Game Plus einfach erneut durchspielen und dabei einen gänzlich anderen Pfad einschreiten. Erhalten wir unsere Menschlichkeit, oder ergeben wir uns ganz den Versuchungen der Vrakhir? Das liegt dank umfangreichem Entscheidungssystem ganz allein bei euch. Beide Pfade haben ihren ganz eigenen Reiz, vor allem auch deswegen, weil Coen als Protagonist des Spiels nachvollziehbar mit dieser Bürde kämpft und es einfach Spaß macht, diese nachvollziehbar dargestellte Entwicklung mitzuerleben und natürlich auch mitzugestalten.

Die Kräuterkundlerin des Dorfes hat das Massaker als eine der wenigen überlebt und hilft uns bei unseren ersten Schritten als Vampir. Später lässt sich die resolute Zauberin auch als Romanze gewinnen. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Aber wie schreiten wir denn eigentlich in der Geschichte voran? Um überhaupt zu Brencis vorstoßen zu können, müssen wir erstmal dessen Aufmerksamkeit erregen. Und das geht natürlich am besten, indem wir seine drei Offiziere aus der Welt räumen, die jeweils eigene Teile des Tals unter ihrer Kontrolle haben. Haben wir die Gebiete ausreichend angegriffen, bitten die Obermacker zum letzten Gefecht. Möglichkeiten dafür gibt’s mehrere, so können wir z.B. Bluttransporte angreifen oder Camps räumen. Die Bosskämpfe fühlen sich allesamt angenehm unterschiedlich an und machen viel Spaß. In der Welt existieren jedoch auch abseits davon zahllose besonders starke Gegner, denen ihr euch stellen könnt oder gelegentlich sogar stellen müsst. Ein bisschen mehr Abwechslung bei der allgemeinen Gegnervielfällt hätte allerdings nicht geschadet, so nutzt sich der Mix aus Soldaten und Wildtieren leider etwas schnell ab. 

Die Rebellen arbeiten im Untergrund gegen die Vampire und sind eine der ersten verbündeten Fraktionen, denen wir auf unserer Reise begegnen. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Wie lange euch The Blood of Dawnwalker am Ende beschäftigt, lässt sich anders als normalerweise nicht genau sagen, da sich der Umfang extrem danach richtet, für welche Schwierigkeitsstufe ihr euch zu Beginn entscheidet und wie ihr die Geschichte am Ende abschließt. Theoretisch könnt ihr die Geschichte innerhalb von fünf bis zehn Stunden abschließen, realistischer sind auf normaler Stufe jedoch mindestens vierzig Stunden für die Hauptgeschichte und nochmal so viel für ein Mindestmaß an Nebenaktivitäten – und das gilt nur für den ersten Durchgang, denn aufgrund des hohen Wiederspielwerts kann euch das Spiel locker weit bis in den Herbst hinein beschäftigen, wenn ihr es denn wollt. Langweilig ist es mir im Test zumindest nie geworden, im Gegenteil: Was Rebel Wolves hier aufgefahren haben, ist zumindest erzählerisch und atmosphärisch allerbeste Genrekost, die sich aufgrund ihrer nie aufdringlich wirkenden Zeitkomponente angenehm vom Rest abhebt und Lust auf mehr macht. Ein Hintertürchen für ein mögliches Sequel wird am Ende zumindest angeteasert.

Seitenschmerzen

Dann gibt’s aber eben auch Momente, wo mich das Spiel derart zur Weißglut getrieben hat, dass ich kurz davor war, entnervt abzubrechen. Und das bringt uns zu dem in meinen Augen größten Problem von The Blood of Dawnwalker, nämlich seinen Kämpfen. Dabei haben sich die Macher für ein direktionales Gefechtssystem entschieden, sehr ähnlich zu Kingdom Come: Deliverance, aber weit weg von dessen gnadenloser Umsetzung. Statt einfach blind auf eure Feinde einzuprügeln, müsst ihr zusätzlich zum dazugehörigen Button nämlich auch eine Angriffsrichtung bestimmen. Schlagt ihr zu oft aus derselben Richtung zu, erhöht sich die Chance auf einen Block. Abwechslung ist also Trumpf. Zugeschlagen kann wahlweise von links, rechts, oben oder unten, auf die Diagonale hat man dagegen verzichtet – diesen Regeln unterliegen übrigens auch eure Widersacher.

Wildtiere zu parieren ist besonders knifflig, da die Biester ihre Angriffe nicht so genau ankündigen wie humanoide Gegner. Dafür wehren sie unsere Angriffe nicht ab. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Gleichzeitig müsst ihr ein Gespür dafür entwickeln, aus welcher Richtung eure Feinde zuschlagen und entsprechend parieren. Gelingt es euch, diesen Moment perfekt abzupassen, öffnet sich euch eine kurze Gelegenheit für einen nicht abwehrbaren Konter. Nebenbei existiert auch eine Möglichkeit zum Universalparieren. Die blockt zuverlässig Angriffe aus jeder erdenklichen Richtung, kostet aber ordentlich Ausdauer, die ihr leider auch zum Angreifen oder Wegrollen benötigt. Gerade auf höheren Schwierigkeitsstufen ist kluges Ressourcenmanagement überlebenswichtig, da Coen hier bereits nach kürzester Zeit die Puste ausgeht und man während der Aufladephase komplett schutzlos ist. Entsprechende Symbole helfen euch dabei, auch gegen mehrere Gegner gleichzeitig nie den Überblick über das Geschehen zu verlieren, es ist in der Umsetzung also einfacher, als es vielleicht in Textform klingen mag. Ein bisschen Übung müsst ihr vielleicht investieren, aber spätestens nach ein paar Stunden geht das mechanisch richtig gut von der Hand.

Während Vampire gerne von der Decke hängen, versumpft Coen gerne mal in der Umgebung – nur einer von vielen ärgerlichen Bugs im Spiel, die vor allem auf höheren Schwierigkeitsstufen schnell zum Game Over führen können…neben zig anderen Unzulänglichkeiten. Da kommen wir um eine dicke Abwertung leider nicht herum. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Zumindest so lange, wie Coen nicht an irgendeinem gottverdammten Objekt in der Spielwelt hängen bleibt. Und das ist im Verlauf des Tests so oft passiert, dass man es nicht einfach ignorieren kann. Spätestens dann versagt meist auch die Kamera zuverlässig. Befinden wir uns einmal aktiv in einem Kampf, können wir aus diesem außerdem nicht fliehen. Selbst die Zielaufschaltung wendet sich mit Beharrlichkeit gegen den Spieler und sorgt mitunter dafür, dass man in die falsche Richtung pariert. Das ist in der Summe schon frustrierend, wenn man auf den regulären Schwierigkeitsstufen unterwegs ist, wird aber spätestens dann zur absoluten Tobsuchtsgarantie, wenn man sich zum Beispiel aus Trophäengründen an die größtmögliche Herausforderung wagen will. Die streicht sämtliche Indikatoren und Hilfen, lässt uns gerade genug Ausdauer für zwei aufeinanderfolgende Hiebe und fordert einem nahezu perfektes Timing ab, wollen wir nicht nach zwei Schlägen oder weniger endgültig ins Gras beißen.

Untote Kreaturen schlagen eher langsam zu, dafür aber umso kräftiger. Man findet sie vor allem in alten Ruinen und dann, wenn man es am wenigsten braucht. | PlayStation 5 Pro, Ausgeglichener Modus

Versteht mich nicht falsch, ich schätze eine gute Herausforderung. Aber im Angesicht derartiger Fehler ist die hier gebotene Erfahrung einfach unfair! Gegen einen, maximal zwei Gegner wäre das noch irgendwie zu stemmen, aber wenn man es schon zu Anfang häufig gegen vier oder mehr Soldaten mit unterschiedlichen Angriffsmustern – und Geschwindigkeiten aufnehmen muss, deren Attacken wir hinter Bäumen oder anderen Objekten nicht erkennen und wir gleichzeitig versuchen, uns verzweifelt aus dem wiederholten Feststecken zu befreien, ist das einfach nur eine Katastrophe in Sachen Spieldesign samt Balancing. Da müssen die Macher in meinen Augen definitiv nochmal ran. Bis dahin solltet ihr diese Herausforderung lieber hinauszögern, oder besser ganz darauf verzichten. Mit Spaß hat das definitiv nichts zu tun, für mich ist der Modus aktuell schlicht unspielbar.

Tag oder Nacht, was darf es sein?

Dabei hat das Kampfsystem durchaus einiges zu bieten, denn neben der direktionalen Komponente müssen wir auch abwägen, in welcher Gestalt wird gegen die Diener der Vampire antreten wollen. Tagsüber ist Coen wie erwähnt ein Mensch, der zwar Magie wirken kann, aber keinen Zugriff auf seine Blutsaugerkräfte hat und daher zwangsläufig auf reguläre Waffen und Heilitems angewiesen ist. Nachts sind wir dagegen zwangsläufig auf frischen Lebenssaft angewiesen, wenn wir unsere Lebensenergie wieder aufladen wollen – mit passendem Talent geht das sogar direkt im Kampf, abseits davon können wir aber auch Wildtiere aussaugen. Das ist schon deshalb ratsam, weil man nie weiß, ob ein NPC nicht noch irgendwann eine wichtige Rolle auf unserer Reise spielen wird. Ebenso haben wir die Wahl, ob wir weiterhin mit Schwertern und Co. zuhauen wollen, oder nicht lieber unsere messerscharfen Klauen zum Einsatz bringen. Letzteres hat mir so viel besser gefallen, dass ich Kämpfe tagsüber nach Kräften vermieden habe – auch deswegen, weil sich die Eingaben gelegentlich ein wenig verzögert angefühlt haben, was zu dem Frusthaufen von vorhin noch dazugerechnet werden muss.

Mit Leichen reden geht, aber lautlose Attentate nicht? Schwach, liebes Entwicklerteam! | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Was mich extrem enttäuscht hat ist, dass es im Spiel keinerlei Schleichmechaniken gibt. Hallo?! Wir sind immerhin eine Kreatur der Nacht. Mit langen Klauen und Teleportationsfähigkeiten! Eine solche Komponente zwingt sich doch absolut auf und hätte das Gameplay auf höheren Stufen sehr viel weniger zugänglicher gemacht, speziell in den ersten Stunden. Von der spielerischen Abwechslung ganz zu schweigen. Stattdessen bleibt uns immer nur der Weg nach vorne, wodurch selbstverständlich immer gleich sämtliche Wachen im Umfeld auf unsere Fährte gerufen werden. Immerhin stehen euch eine ganze Palette verschiedener Talente zur Verfügung, die sich auf die drei Kategorien Schwertkampf, Zauberei und Vampirismus verteilen. Ihr könnt euren bevorzugten Stil also individuell ausbauen, solltet dabei jedoch bedenken, dass ihr zwischen Tag und Nacht immer nur anteilig auf euer Fähigkeitenarsenal zugreifen könnt. 

Geralt lässt grüßen! Das Inventar verfügt über eine hohe Tragekapazität, wird allerdings schnell unübersichtlich. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Während sich Basisfähigkeiten inklusive dazugehöriger Stufen problemlos freischalten lassen, benötigen wir für die hochwertigen Talente erst passende Lehrbücher, die wir nicht selten im Nachlass besiegter Bossgegner oder beim Plündern der mit Fragezeichen versehenen Punkte auf der Karte erhalten. Aus Kräutern und Fleisch lassen sich Heil- und Verstärkungstränke aller Art herstellen, aber auch das geht nicht ohne Rezept. Tasche und Inventar wurden optisch wie inhaltlich praktisch direkt aus The Witcher III: Wild Hunt übernommen, die Tragekapazität ist großzügig und wenn es doch mal an Platz mangelt, können wir überschüssige Items in die Lagertruhe verschieben oder beim nächstbesten Händler verkaufen. Schmiede und Co. existieren ebenfalls und geben euch Zugriff auf einige der besten Waffen und Rüstungen im Spiel, wenn ihr die passenden Materialien beschaffen könnt. 

Oh, diese Technik…

The Blood of Dawnwalker wurde auf Basis der Unreal Engine 5 erschaffen, bei der man jedes Mal eine Chance von fünfzig Prozent hat, ob das in der Umsetzung funktioniert, oder eben nicht. In dem Fall gilt gegenwärtig leider letzteres, denn selbst auf absoluten Hochleistungsrechnern kämpfen die Käufer momentan mit den typischen Mikrorucklern und unstetigen Frametimes. Dazu gesellen sich häufige Texturnachlader, gelegentlich lassen sich auch Fehler bei der sonst sehr stimmigen Beleuchtung finden. Kurz vor Release kam es dann zu einem gewaltigen Aufschrei aus der Community, nachdem die Entwickler bekanntgegeben haben, dass das Spiel auf den Konsolen nicht über einen Leistungsmodus verfügen würde, sondern nur über einen Grafikmodus sowie einen ausgeglichenen Modus – wobei das unter den Bedingungen ziemlich paradox ist. 

Dynamisch aufgelöst wird in jedem Modus - auch auf der PlayStation 5 Pro. Verglichen mit dem Ausgeglichenen Modus und dem Grafikmodus nimmt der Leistungsmodus einen Großteil der Vegetation aus dem Spiel und skaliert die dynamische Auflösung aggressiver nach unten.

Angesichts des immensen Drucks kam der Leistungsmodus zum Release dann doch noch. Aber richtig gelungen ist der ebenfalls nicht, man merkt, dass das Ding etwas überhastet implementiert worden ist. Durchgehend flüssige 60 Bilder pro Sekunde werden nicht erreicht, vor allem in der größten Stadt im Tal bricht die Leistung sichtbar ein. Hinzu kommt, dass die Vegetation in diesem Modus auf ein absolutes Minimum zusammengestrichen wurde, was dem Spiel viel Atmosphäre raubt. Nicht, dass man sich in den Gebüschen groß verstecken könnte, das hatten wir ja schon! Aber wenn dann auch noch die dynamische Skalierung aggressiv am unteren Rand agiert, sieht das insgesamt nicht mehr sonderlich schön aus – trotz anhaltend stimmiger Beleuchtung und Partikelkulissen. Auf PlayStation 5 Pro sieht das übrigens nur minimal besser aus. Der Grafikmodus erreicht maximal 30 Bilder pro Sekunde, sieht auch auf einige Entfernung dramatisch besser aus, leidet aber anhaltend unter Rucklern, während der (exklusiv für 120-Hertz-Geräte verfügbare) ausgeglichene Modus aufgrund der wankelmütigen Frametimes ebenfalls nicht wirklich geschmeidig wirkt. 

Die größte Stadt im Spiel leidet besonders unter Leistungsproblemen, obwohl die Straßen stellenweise überraschend entvölkert wirken. | PlayStation 5 Pro, Leistungsmodus

Das wird umso mehr zum Problem, weil wir es hier mit einem Spiel zu tun haben, wo Reaktionszeit ein zentraler Faktor des Gameplays ist. So kam es zusätzlich zu den vielen Ärgernissen nicht selten vor, dass ich wegen einem plötzlichen Ruckler den Löffel abgegeben habe. Die Entwickler wussten schon, warum sie das Feature zum Schnellspeichern so prominent im Hauptmenü platziert haben. Das ist alles so schade, weil Rebel Wolves wirklich eine stimmige und sehr immersive Welt geschaffen haben, die zwar innerhalb der Szenerie eher abwechslungsarm daherkommt, aber dazwischen viel Liebe zum Detail erkennen lässt. Gleiches gilt für die Animationen der Charaktere, die in den vor allem in den Zwischensequenzen einen guten Eindruck hinterlassen. Ein halbes Jahr zusätzliche Entwicklungszeit hätte insgesamt wohl nicht geschadet. Es bleibt wirklich nur zu hoffen, dass das Team einen Großteil dieser zahlreichen und keineswegs kleinen Schwierigkeiten schnell durch Updates in den Griff bekommt. Anderenfalls könnte das Interesse speziell mit dem Koloss, der da Mitte November auf uns zukommt, rasend schnell zum Erliegen kommen. Von dem offensichtlich geplanten Sequel einmal ganz abgesehen. 

“The Blood of Dawnwalker hat unglaublich viel unter seiner Haube, dass mich als Genrefan und vor allem begeisterter Witcher-Spieler sofort in seinen Bann zieht: Eine spannende Story, ein unverbrauchtes Setting und jede Menge spielerische Freiheit. Sogar die im Vorfeld mit viel Argwohn betrachtete Zeitkomponente erweist sich in der Praxis als fair und gleichzeitig auch fesselnd, da wir eben nicht die ganze Welt in dreißig Tagen retten können und so zu schweren Entscheidungen gezwungen werden. Wenn das Ganze jedoch auf eine derart problembehaftete Umsetzung trifft, wird’s mit einer hohen Wertung plötzlich sehr schwierig. Die vielen Fehlerteufelchen wirken sich arg negativ auf die Kämpfe aus, der schwerste Modus ist gegenwärtig lächerlich unfair und die schlecht optimierte Technik macht auf wirklich jeder Plattform in irgendeiner Form Ärger. Mein Rat für Unentschlossene: Wartet noch einige Wochen ab, denn aktuell gibt es einfach zu viele offene Baustellen, die den Spielspaß merklich trüben. Die fehlende Schleichtkomponente ist da noch gar nicht miteingerechnet!”

  • Unverbrauchtes, extrem stimmiges Setting
  • Tolle, durchgehend düstere Atmosphäre
  • Angenehm kompromisslose Inszenierung
  • Ansehnliche Licht- und Partikelkulissen
  • Filmreife Videosequenzen
  • Durchgehend hervorragend geschriebene Charaktere
  • Optionale Romanzen wirken angenehm unaufdringlich
  • Zeitdruck zwingt regelmäßig zu moralischen Entscheidungen
  • …ohne sich dabei je aufdringlich anzufühlen
  • Hohe spielerische Freiheit dank umfangreicher Talentbäume und mehrerer Stile
  • Direktionales Kampfsystem lässt sich leicht erlernen
  • Tag- und Nacht mit jeweils eigenen Kampfmechaniken
  • Gewaltiger Gesamtumfang…wenn man will!
  • Überraschend motivierende Nebenaktivitäten
  • Detaillierte Karte
  • Guter Wiederspielwert, dank dynamischem Handlungsfluss und individueller Charakterentwicklung
  • Mehrere Enden möglich
  • Neues Spiel Plus
  • Lohnenswerte optionale Aufgaben
  • Mehrere reguläre Schwierigkeitsstufen für jeden Anspruch
  • Faire Lernkurve
  • Freies Laden und Speichern jederzeit möglich
  • Gute Tutorials
  • Umfangreiches Glossar
  • Gelungene deutsche Vertonung
  • Passender Soundtrack
  • Zugängliche Bedienung
  • …die mit Gamepad aber am besten von der Hand geht

  • Permanente Leistungsschwankungen über sämtliche Plattformen und Modi
  • Extrem frustfällige Kämpfe, unter anderem durch Kamera- und Zielprobleme, Feststecken in Objekten, fehlende Fluchtfunktion und mehr
  • In Kombination mit den inkonsequenten Frametimes gelegentlich wahrnehmbare Eingabeverzögerungen
  • Höchste Schwierigkeitsstufe im Angesicht von Fehlern und schlechtem Balancing komplett spaßbefreit und häufig unfair
  • Talente und Rast nur an Gebetssteinen möglich
  • Keinerlei Schleichmechaniken
  • Überschaubare Gegnervielfalt
  • Inventar schnell unübersichtlich
  • Gelegentlich wahrnehmbare Eingabeverzögerung
  • Kleinere Übersetzungsfehler im Rahmen der deutschen Texte

Sämtliches Bildmaterial ist Eigentum des jeweiligen Herstellers.

*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.

©2026 M-Reviews.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*