Review | Kingdom Hearts Collection [I~III]

Spiel's noch einmal, Sora

Zählt man die vielen Wiederveröffentlichungen von Kingdom Hearts über sämtliche Plattformen zusammen, ist die Reihe nicht mehr weit weg vom Spitzenreiter Skyrim. Mit der Kingdom Hearts Collection [I~III] werden nun auch Nintendo Switch 2, XBOX Series X|S und PlayStation 5 mit nativen Portierungen bedacht. Das ist erstmal löblich, wirft aber auch jede Menge Fragen auf – besonders in Hinblick auf den stolzen Preis, den Square Enix verlangt. Wir stellen die Sammlung in unserem Kurztest vor. 

Entwickler: Square Enix

Publisher: Square Enix

Plattform: PlayStation 5 | Nintendo Switch 2 | XBOX Series

Veröffentlichungsdatum: 08. Oktober 2026

Preis: 79,99€*

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Metacritic | OpenCritic | IMDB


Echtgeldinhalte
Kostenloses Upgrade
Ungeschnitten


Eine fast vollständige Sammlung

Die zentrale Frage wollen wir vorneweg beantworten: Lohnt sich die Collection, wenn man die Titel bereits in irgendeiner Form besitzt? An Angeboten mangelt es jedenfalls nicht, zumindest auf PlayStation 4 und XBOX One stehen mehrere Bundles zur Verfügung, die dank Abwärtskompatibilität allesamt problemlos auf den jeweiligen Nachfolgemodellen spielbar sind – und das zu einem sehr viel niedrigeren Preis! Stolze achtzig Euro verlangen Square Enix für die Neuauflage, die weder über neue Inhalte verfügt, noch vollständig ist. Letzteres deswegen, weil das Rhythmusspiel Melody of Memories anhaltend durch Abwesenheit glänzt und weiterhin separat erworben werden muss. Alles andere ist enthalten, von den Anfängen auf PlayStation 2 bis zu Kingdom Hearts III mitsamt DLC offeriert die Sammlung mehrere hundert Stunden Spielspaß.

Zwanzig Jahre Kingdom Hearts in einer Collection – da kommt einiges an Charakteren und Handlung zusammen. Auf den dazugehörigen Scheiben findet sich leider trotz ausreichend Platz nur ein Bruchteil davon wieder, der Löwenanteil muss heruntergeladen werden. | PlayStation 5

Dass man auf der Nintendo Switch 2 zwangsläufig einen großen Teil des Aufgebots herunterladen muss, leuchtet wohl ein. Dass man jedoch auch auf XBOX Series X und PlayStation 5 nur einen Bruchteil der benötigten Daten auf dem dazugehörigen Silberling untergebracht hat, dagegen nicht. Schließlich wiegt das ganze Ding kombiniert gerade einmal 35 Gigabyte. Das ist direkt nach dem viel zu hohen Preis Ärgernis Nummer Zwei, auch wenn sich das mit einer angemessen schnellen Internetverbindung problemlos lösen lässt, da die Debatte um vollständig bestückte Datenträger im Angesicht der geplanten Abschaffung physischer Medien seitens Sony zuletzt jedoch nochmal ordentlich zugenommen hat, hinterlassen die mager bestückten Scheiben leider einen etwas bitteren Nachgeschmack. 

Spärliche Neuerungen

Wie bereits erwähnt, bietet die Collection spielerisch nichts neues. Als Basis der Portierungen hat man dieses Mal auf die jeweiligen PC-Versionen zurückgegriffen, für die man seinerzeit mithilfe von KI sämtliche Umgebungstexturen hat hochskalieren lassen. Ein Feature, auf welches bisherige Konsolenversionen, die allesamt auf Basis der Remaster für PlayStation 3 erstellt worden sind, bisher verzichten mussten. Gleiches gilt für die teils überarbeiteten Menüs, vor allem das Speichern und Laden wird nun nicht mehr über das Betriebssystem der Konsole gehändelt, sondern nativ über die entsprechenden Titel. Dadurch lassen sich nun sehr viel mehr Spielstände erstellen. 

In Kingdom Hearts III treffen Sora und Co. erstmals auf Figuren von Pixar. Hier wird Prinzessin Elsa nicht nur von Prinz Hans gejagt, sondern auch von den Schurken der Organisation XIII. | PlayStation 5

Eine Rechtfertigung für die saftige UVP ist das natürlich nicht, denn man muss schon direkt vor dem Bildschirm sitzen, um die verbesserte Texturdarstellung überhaupt als solche erkennen zu können – besonders innerhalb des typischen Zeichentricklooks der älteren Titel, während die Ableger der achten Generation davon ohnehin nicht betroffen sind. Die bieten dafür sehr viel kürzere Ladezeiten als über die bestehende Abwärtskompatibilität. In der Summe nichts, was man nicht auch mit einem Update hätte lösen können. Und wenn nicht, wäre zumindest ein preislich faires Upgrade zu erwarten gewesen. 

Der erzählerische Übergang zwischen den ersten beiden Teilen liegt auch hier anhaltend nur als Videosammlung vor. | PlayStation 5

Das gibt’s hier tatsächlich auch, aber nur dann, wenn man die Spiele digital gekauft hat. Besitzer physischer Versionen gucken ersatzlos in die Röhre und müssen den vollen Preis berappen. Da zeigt sich leider wieder einmal, welchen Stellenwert das physische Medium für Square Enix hat. Alle anderen zahlen nur die Hälfte, exklusiv auf der Nintendo Switch 2 können bestehende Spielstände der bisher nur als Cloud-Versionen zur Verfügung stehenden Spiele übernommen werden. Auf PlayStation 5 und XBOX Series X geht das nicht. Ferner hat man dort die Anzahl freischaltbarer Trophäen kräftig zusammengestampft, Platin gibt es für den ersten und dritten Teil sowie seltsamerweise Dream Drop Distance, alle anderen Titel müssen komplett ohne Erfolge und Co. auskommen. 

Zwanzig Jahre Wirrwarr

Über die Spiele selbst kann man anhaltend streiten, tatsächlich kenne ich keine Reihe, über die derart diskutiert wird. Für die einen ist die Kombination aus bekannten Charakteren aus den Universen von Disney und Final Fantasy ein anhaltender Feuchttraum, während andere in der mit den Jahren immer verworreneren Handlung vollständig überfordert sind. Dass man sämtliche roten Fäden aus zwei Jahrzehnten dann im Rahmen von Kingdom Hearts III alle irgendwie zu einem halbwegs sinnvollen Abschluss bringen wollte, war nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Entsprechend konfus fühlte sich das vorläufige Finale dann auch an.

Donald, Goofy und Sora haben ein Händchen für das Schließen ungewöhnlicher Allianzen. | PlayStation 5

Ein Umstand, der sich nur dann lösen lässt, wenn man nebenbei noch eine mehrstündige Zusammenfassung aller Ereignisse inklusive chronologischer Einordnung bei YouTube laufen lässt. Aber selbst mit einer verständlicheren und vor allem besser sortierten Handlung sind gerade die älteren Titel nicht sonderlich gut gealtert. Hakelige Bewegungen, eher langsames Gameplay und eine längst nicht mehr zeitgemäße Zielaufschaltung dürften vor allem Neueinsteigern ein paar ordentliche Knüppel zwischen die Beine werfen, ferner benötigt es zwingend umfangreiches Vorwissen über die jeweiligen Universen, welches die Spiele ebenfalls nicht liefern.

Kingdom Hearts II gilt für Fans der Reihe als ungebrochener Höhepunkt, leidet aber spielerisch unter seinem betagten Alter. | PlayStation 5

Ich will ehrlich zu euch sein: Ein Fan von Kingdom Hearts war ich nie, aus ebendiesen Gründen. Ich liebe Disney (zumindest die Klassiker), ich liebe Final Fantasy (da gilt in etwa das gleiche), aber mit dem Zusammentreffen bin ich nie warmgeworden. Mit den ersten Teilen aus oben genannten Gründen, mit der Mitte aufgrund der sehr experimentellen Spielmechaniken – unter anderem das Kartensystem von Chains of Memory. Diese für Handheld und Co. programmierten Titel könnte man natürlich einfach auslassen, weil die aber auch ihren Teil zum großen Ganzen beitragen und man dafür ja genauso bezahlt hat, wie für alles andere auch, kommt man um diese Ableger nur schwerlich herum. 

Wer träumt nicht davon, einmal gemeinsam mit Captain (!) Jack Sparrow die Meere zu besegeln? Außer Amber Heard vielleicht. | PlayStation 5

Mit der neuen Collection habe ich mein Glück nun abermals versucht und bin doch wieder an dieselben Grenzen gestoßen. Verwundern darf das kaum, schließlich sind es doch immer noch genau dieselben, spielerisch unveränderten Spiele. Wer mit der Reihe bisher nicht warmgeworden ist, wird es also auch dieses Mal nicht anders erleben. Potenzielle Neueinsteiger, die Lust auf das ganze Franchise haben, sind mit den wesentlich günstigeren und inhaltsgleichen Sammlungen besser bedient – schon deswegen, weil die Spiele dort vollständig auf den Silberling transferiert worden sind. 

Ideal für unterwegs

Wirklich lohnenswert ist das Upgrade im Grunde nur für Besitzer einer Nintendo Switch 2, da dort sämtliche Titel erstmals komplett nativ von der Hardware gestemmt werden können, anstelle wie bisher ausschließlich via Cloud auf die Konsole gestreamt. Die älteren Titel laufen allesamt mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde und schließen somit nahtlos an die bestehenden Fassungen auf PlayStation 4 und XBOX One an und sehen sowohl im Dock als auch unterwegs wunderbar scharf aus. Problematisch wird es erst mit Kingdom Hearts III und Kingdom Hearts: Birth by Sleep, die damals beide auf Basis der Unreal Engine 4 entwickelt worden sind und wesentlich mehr Ressourcen fressen. 

Birth by Sleep bleibt auch im Rahmen der Neuauflage ein Fiasko in Sachen stabiler Bildrate. | PlayStation 5

Anhaltend genug offenbar, um die Hardware der Nintendo Switch 2 kräftig ins Schwitzen zu bringen. Dort bewegen sich die beiden Spiele nämlich insgesamt auf einem Niveau, welches man irgendwo zwischen PlayStation 4 Pro und XBOX One X verorten kann – also je nach Modus bei dynamischen Auflösungen zwischen 1080p und 1440p. Die außerdem nicht begrenzte Bildrate ist je nach Situation zusätzlich extrem wankelmütig und pendelt sich im Schnitt bei 40 Bildern pro Sekunde ein, kann aber auch durchaus mal dramatisch unter diesen Wert fallen. Das ist insgesamt sehr enttäuschend und meiner Meinung nach weit weg von dem, was unter den Gesichtspunkten einer präzisen Optimierung möglich gewesen wäre. 

Der klassische Zeichentricklook der frühen Tage hat sich bis heute gut gehalten. | PlayStation 5

Auf PlayStation 5 und XBOX Series X gibt es dagegen natives 4K und durchgehend flüssige 60 Bilder pro Sekunde, lediglich das notorisch mies optimierte Birth by Sleep leidet auch dort anhaltend unter krassen Einbrüchen. Gewaltige Unterschiede zu den via Abwärtskompatibilität auf gleicher Hardware abgespielten Titeln gibt es also abseits besserer Stabilität und höherer Auflösungen nicht. Beide Aspekte verändern das bekannte Spielerlebnis nur sehr gering, es wird also auch hier überwiegend Minimalismus gelebt. Und falls ihr gehofft habt, dass Square Enix dieses Mal endlich die fantastische deutsche Synchro der Originale auf PlayStation 2 nachlegt, wird einmal mehr enttäuscht. 

“Kingdom Hearts bleibt auch mit der jüngsten Neuauflage ein gespaltenes Schwert. Die Geschichte der Reihe ist ein notorisches Durcheinander, die älteren Titel haben sich spielerisch längst überlebt und wer kein eingefleischter Fan von Disney und Final Fantasy ist, versteht hier ohnehin nur Bahnhof. Gleichzeitig kann ich verstehen, warum die Reihe von Millionen Spielern bis heute so akribisch geliebt und verteidigt wird. Was man aber nicht verteidigen kann, ist die Lieblosigkeit, welche im Rahmen der Collection aus sämtlichen Poren trieft. Für lächerlich überteuerte achtzig Euro bekommt man hier anhaltend keine komplett vollständige Reihe, Besitzer bestehender Versionen auf PlayStation und XBOX bekommen abseits hochskalierter Texturen und nativer Menüs nichts neues geboten. Auch die technischen Verbesserungen des dritten Teils rechtfertigen den horrenden Preis zu keinem Zeitpunkt. Profitieren dürften hier am ehesten Besitzer einer Nintendo Switch 2. Alle anderen sind mit dem, was sie bereits haben, anhaltend gut bedient.”

  • Mehrere hundert Stunden Spielzeit in einer Collection
  • Anhaltend einzigartiges Aufeinandertreffen von Disney und Final Fantasy
  • Kingdom Hearts III auf PlayStation 5 und XBOX Series mit stabilieren Bildraten, höherer Auflösung und kürzeren Ladezeiten
  • Natives Speichern und angepasste Menüs
  • Verglichen mit bestehenden Fassungen kaum Neuerungen
  • Inhaltlich komplett identisch zu älteren Veröffentlichungen
  • Melody of Memories weiterhin nicht enthalten
  • Birth by Sleep mit anhaltend starken Performanceproblemen
  • Spielerische Qualität schwankt teilweise stark
  • Ältere Titel gameplay-technisch schlecht gealtert
  • Komplett konfuse Geschichte
  • Datenträger auf PlayStation 5 und XBOX Series X nur mit Minimalbestückung
  • Zusammengestrichene Erfolge
  • Kingdom Hearts I und II immer noch ohne deutsche Synchronfassung
  • Völlig überzogener Preis
  • Kein Rabatt für Besitzer physischer Vorgängerversionen

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