Review | 4K UHD | Blu-Ray Remastered | West Side Story

Der Traum von Amerika

Basierend auf dem unsterblichen Musical von Leonard Bernstein schufen Regisseur Robert Wise und Choreograph Jerome Robbins mit West Side Story eine nicht minder legendäre Filmadaption, die mit zehn Oscars© bis heute zu den meistprämierten Filmen der Geschichte zählt. Oft zitiert und parodiert, ist das Thema bis heute hochaktuell. Nun gibt es das Meisterwerk mit brandneuem Master aus dem Hause Capelight Pictures. Wir haben 4K UHD und Blu-Ray Remastered für euch gesichtet. 

Vertrieb: Capelight Pictures

Erstveröffentlichung: 1961

Veröffentlichungstermin: 20. August 2026

Darsteller: Natalie Wood, Richard Beymer, Russ Tamblyn, Rita Moreno und andere

Format: 4K UHD | Blu-Ray Remastered

Preis: ab 16,99€*

Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

IMDB | Metacritic




Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise vorab kostenlos von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.

Der Film

In den Fünfzigerjahren ziehen zahllose Jugendbanden durch die Straßen von New York City. Die überwiegend aus weißen Amerikanern bestehenden Jets stehen seit längerer Zeit auf erbittertem Kriegsfuß mit den rivalisierenden Sharks, die sich vor allem aus puerto-ricanischen Einwanderern zusammensetzen. Eine Massenschlägerei kann gerade noch rechtzeitig durch das Eingreifen der Polizisten Lieutenant Schrank und Officer Krupke verhindert werden. Beide machen den Raufbolden klar, dass man ihnen beim kleinsten Verstoß gegen das Gesetz sämtliche Knochen brechen wird. Davon unbeeindruckt, halten die Jets unter ihrem Anführer Riff (Russ Tamblyn) Kriegsrat, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Man beschließt, sich Unterstützung beim ehemaligen Gründungsmitglied Tony (Richard Beymer) zu holen und Bernardo – den Boss der Sharks – gemeinsam zum finalen Entscheidungskampf herauszufordern. 

Fast wäre es zwischen den rivalisierenden Jets und Sharks zu einer Massenschlägerei am hellichten Tag gekommen. Die gerade noch rechtzeitig angerückten Polizisten quittieren das mit einer deutlichen Ansage. | 4K UHD

Tony, der mit der Gewalt auf den Straßen eigentlich abgeschlossen hat und versucht, sich ein friedliches Leben mit ehrlicher Arbeit aufzubauen, erklärt sich notgedrungen zur Mithilfe bereit. Bei einem großen Tanzabend, zu dem sich auch die Sharks angemeldet haben, soll die Herausforderung ausgesprochen werden. Gleichzeitig kommt Bernardos Schwester Maria (Natalie Wood) in die Vereinigten Staaten und will in Begleitung ihres Bruders mitsamt dessen Freundin Anita (Rita Moreno) ebenfalls an der Veranstaltung teilnehmen. Während der ausgiebigen Feierlichkeiten kommt es zu einer Begegnung zwischen Tony und Maria – für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Wohlwissend, dass Bernardo eine Verbindung wie diese niemals akzeptieren würde und zudem längst eine Ehe mit seinem Kumpel Chino vorgesehen hat, halten beide ihre Beziehung zunächst geheim.

Ein Blick und plötzlich scheint die Zeit stillzustehen. Maria und Tony verfallen einander direkt bei ihrer ersten Begegnung. Damit sind Probleme automatisch vorprogrammiert.| 4K UHD

Die Liebe zu Maria bringt Tony in der Folgezeit in immer größere Bedrängnis, da die beiden verfeindeten Banden noch immer auf den großen Kampf hinarbeiten und ihm darin eine bedeutsame Rolle zugedacht worden ist. Beim Versuch, das blutige Aufeinandertreffen im letzten Augenblick zu verhindern, kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe, welche die Rivalität endgültig eskalieren lässt und die jungen Liebenden zu entzweien droht. Während Tony mit den moralischen Folgen seiner Tat hadert, blasen die Sharks zum Rachefeldzug – und das ausgerechnet genau in dem Moment, wo Tony und Maria aufgrund einer böswilligen Intrige annehmen, der jeweils andere sei bereits getötet worden…

Die Rezension

Es gibt Kultfilme. Und es gibt Filme für die Ewigkeit. West Side Story ist beides. Das gleichnamige Musical wurde 1957 uraufgeführt und entwickelte sich schnell zu einem absoluten Publikumsmagneten. Keine andere Produktion – auch nicht im Kino – vermochte es zu diesem Zeitpunkt, das Lebensgefühl einer neuen Generation derart authentisch abzubilden. Der zunehmende Zuzug von Menschen aus dem Ausland, die ihren ganz persönlichen Amerikanischen Traum realisieren wollten, transformierte vor allem die Großstädte in rasantem Tempo und ließ die bereits bestehende Bandenkriminalität weiter ansteigen. Um genau dieses Thema hat Leonard Bernstein seine Geschichte zweier Liebender gestrickt, die nicht ganz zufällig starke Parallelen zu William Shakespeares Romeo und Julia aufweist.

Den lateinamerikanischen Frauen mangelt es weder an Temperament, noch an Rhythmusgefühl. | 4K UHD

Dabei ergreift die Handlung niemals Partei für eine der rivalisierenden Seiten, sondern zeichnet für sämtliche Probanden nachvollziehbare Motive auf. Es geht gar nicht so sehr darum, was nötig ist, um als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen, sondern viel mehr darum, welche Opfer erbracht werden müssen, um die Sinnlosigkeit darin zu erkennen, überhaupt gegeneinander zu kämpfen. Dass das ähnlich wie in der Vorlage am Ende in einem bittersüßen wie tragischen Finale resultiert, braucht man dabei kaum erwähnen. Songs wie America thematisieren außerdem unverhohlen die Chancenungleichheit der Einwanderer in einer immer noch sehr rassistisch geprägten Gesellschaft, was sich mühelos in die heutige Gegenwart übertragen lässt und maßgeblich zur Zeitlosigkeit des Werks beiträgt – Musical wie Film gleichermaßen. 

Die verbotene Liebe zwischen Tony und Maria muss sich immer neuen Belastungsproben stellen. | 4K UHD

Zum Entstehungszeitpunkt des Films gab es unter anderem mit The Sound of Music bereits extrem erfolgreiche Adaptionen bekannter Musicals. Hier wollte man das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist. Nur wenige Jahre nach der Erstaufführung beauftragte Rechteinhaber MGM den versierten und meiner Meinung nach zu Lebzeiten hochgradig unterschätzten Regisseur Robert Wise mit einer passenden Umsetzung für die Lichtspielhäuser. Da der aber mit dem Genre keinerlei Erfahrung aufwies, holte er sich kurzerhand Unterstützung von dem bekannten Choreographen Jerome Robbins. Der hatte einst die ursprüngliche Idee für West Side Story gehabt und kümmerte sich gerne um die kreativen Aspekte der Verfilmung. Das Resultat der gemeinsamen Expertise sollte neue Maßstäbe für das Genre setzen, an denen sich ähnlich gestrickte Verfilmungen auch heute noch weitestgehend orientieren. 

Die Anführer von Jets und Sharks begegnen sich zum Entscheidungskampf. Doch der verläuft anders, als geplant und tritt eine verheerende Katastrophe in Gang… | 4K UHD

Alleine der Aufbau der Handlung wird vollständig durch Tanz vorangetrieben. Die jeweiligen Banden werden für den Zuschauer ohne ein einziges gesprochenes Wort eingeführt, die Bewegungen der Darsteller werden zum alleinigen Narrativ. Und das funktioniert hier auf eine derart meisterhafte Art und Weise, dass man von der ersten Minute an den Bildschirm gefesselt wird. Für den einzigartigen Look des Films kombinierte man Studiokulissen mit realen Schauplätzen in New York. Die Darsteller setzen sich überwiegend aus etablierten Musicaldarstellern zusammen, wobei einige bereits in anderen Rollen im Rahmen diverser Aufführungen von West Side Story tätig waren. Ursprünglich hatte man geplant, Carol Lawrence als Maria zu besetzen, da diese die Rolle bereits auf der Bühne dargestellt hatte, entschied sich am Ende aber doch für die 1981 unter anhaltend mysteriösen Umständen verstorbene Natalie Wood, da man Lawrence nach ersten Testaufnahmen für zu alt betrachtete. 

Schrank will das Bandenproblem in seinem Viertel endgültig beseitigen und will dabei notfalls auch mit unlauteren Mitteln arbeiten. | 4K UHD

Da Wood ähnlich wie ein großer der restlichen Darsteller jedoch nicht über ausreichende Stimmkapazitäten verfügte, wurden deren Gesangsparts in der Postproduktion von professionellen Sängern ersetzt – damals übrigens eine sehr geläufige Praxis, mit denen man das beste aus beiden Welten auf der Leinwand vereinen konnte. Mit etwas weniger als sieben Millionen Dollar Budget produziert, spielte der Film inflationsbereinigt über vierzig Millionen Dollar an den Kinokassen ein. Das ist tatsächlich nicht wenig, wenn man bedenkt, dass der lediglich in den Dialogen synchronisierte und während der Gesangseinlagen komplett im O-Ton gehaltene Film zur damaligen Zeit nicht gerade einen internationalen Hit versprechen ließ. Ausgezeichnet mit zehn Oscars© und zahllosen weiteren Preisen blieb der Film vor allem ein amerikanisches Phänomen, der erst mit späteren, vollständig übersetzten Musicalfassungen im Rest der Welt allmählich ein weitläufigeres Publikum begeisterte. 

Damals konnte man sein Glück noch frei vom Balkon aus besingen, ohne gleich einen Stiefel im Gesicht zu haben. | 4K UHD

Und jeder dieser Preise ist verdient, angefangen bei Rita Moreno als Beste Nebendarstellerin, deren Darstellung als Anita jede Szene bereichert, in der sie zu sehen ist. Hier stimmt am Ende wirklich alles. West Side Story ist ein zeitloses Meisterwerk mit herausragender Ausstattung und tollen Songs, die auch nach fünfundsechzig Jahren nichts von ihrer Sogwirkung verloren haben. Wer diesen zweieinhalbstündigen, audiovisuelle Rasch der Extraklasse noch nicht gesehen hat, hat Kino nie wirklich erlebt. Das 2021 von Regisseur Steven Spielberg abgedrehte und zurecht gefloppte Remake braucht angesichts dessen kein Mensch – erst recht nicht, wenn das Original anhaltend so unverschämt gut ist. 

4K UHD und Blu-Ray Remastered: Das Bild

Da man den Film ähnlich wie die damaligen Monumentalfilme zu einem absolut spektakulären visuellen Ereignis machen wollte, wurde anders als in den allermeisten Fällen auf 65mm-Analogfilm gedreht und in der Postproduktion auf 70mm gefinisht. Auf die verbliebenen fünf Millimeter pflanzte man eine Mehrkanal-Magnettonspur, mit der man lange vor Dolby Surround und Co. echte Räumlichkeit erschaffen konnte. Hier zwar nur auf die Front beschränkt – dazu gleich mehr im Audiosegment -, aber für einen Film wie diesen natürlich ein immenser Mehrwert. In der Konsequenz bedeutet das, dass Filme im selben Format ohne zusätzlich implementierte Magnettonspur natürlich einen etwas größeren Bildausschnitt offerieren. Ein Umstand, der gleich noch wichtig wird. 

Obwohl die alte Blu-Ray (Slider →) bereits auf einem 4K-Master fußt, ist das Ergebnis im Angesicht der umfangreichen Nachbearbeitung ziemlich mäßig. Der konstante Rotstich verpasst den Darstellern einen krassen Sonnenbrand, es gibt Unruhen beim Filmkorn und die künstliche Nachschärfung verstärkt den unrealistischen Look zusätzlich. Die Blu-Ray Remastered (Slider ←) liefert den authentischeren, natürlicheren und angenehmeren Look.

Um den einzigartigen Look des Films zu verstehen, muss man sich zwangsläufig mit den speziellen Gegebenheiten des 65mm-Materials auseinandersetzen. Mit einem circa dreimal so großen Bildfeld wie das gebräuchlichere 35mm-Format können pro Frame weitaus mehr Bildinformationen und Details gespeichert werden, womit die Aufnahmetechnik qualitativ sogar mühelos mit neueren 4K-Produktionen mithalten kann. Das wirkt sich natürlich auch entsprechend auf Körnung und Laufruhe aus. Gleichzeitig entsteht eine einzigartige Bildtiefe, die Elemente im Vordergrund sehr klar vom Hintergrund abhebt, und auch die Farben sind sehr viel intensiver in ihrer Darstellung, als man es normalerweise gewohnt ist. Und genau aus diesen Aspekten resultiert die unverkennbare Optik von West Side Story.

Verglichen mit der Blu-Ray Remastered (Slider →) intensiviert die dunkler gemasterte 4K UHD (Slider ←) die Farben weiter und agiert bei den Kontrastflanken etwas aggressiver. Außerdem gibt es nochmal mehr Plastizität und eine bessere Durchzeichnung bei feinen Details.

Nur ist davon innerhalb der bestehenden Blu-Ray nicht mehr ganz so viel zu erkennen. Die Erstauflage von 2011 basierte zwar bereits auf einem 4K-Scan vom analogen Originalmaterial, lässt im Angesicht der Entstehungszeit dennoch einige Wünsche offen. Zunächst einmal wurde das Bild umfangreich gefiltert, was in den seltensten Fällen ein gutes Zeichen ist, aber im Angesicht der damals vorherrschenden Sehgewohnheiten gar nicht verwunderlich ist. Alleine die digitale Rauschfilterung hat zahllose Details aus dem Film getilgt, der anschließende Nachschärfungsprozess verstärkt den unnatürlichen Gesamteindruck nur noch weiter. Sehr präsent ist außerdem ein dauerhafter Magenta-Einschlag, wodurch das im Film omnipräsente Rot extrem überstrahlungsanfällig wirkt und auch eigentlich farbneutrale Flächen häufig eingefärbt werden, während Gesichter seltsam ins Orange abdriften. 

Der Magenta-Einschlag der alten Blu-Ray (Slider →) ist bereits während der Eröffnungsszene allgegenwärtig, auch die chronische Überstrahlungstendenz lässt sich anhand des Fahrzeugclusters im rechten Bereich sowie den Häuserfassaden deutlich ausmachen. Die 4K UHD (Slider ←) beseitigt diese Probleme, löst besser auf geht farblich mehr ins Grüne.

In der Summe wirkt die alte Blu-Ray einfach nicht stimmig und ist weit entfernt vor der ursprünglichen Intention der Macher. Nun haben wir als Cineasten das große Glück gehabt, dass Capelight Pictures ganz kurz vor dem Produktionsbeginn der geplanten Neuauflage nochmals ein völlig neues Master zur Verfügung gestellt bekommen haben – dieses Mal als umfangreich restauriertes 4K Digital Intermedia auf Basis eines Scans in 8K vom Originalnegativ, inklusive HDR10 und Dolby Vision. Natürlich kann man nicht absehen, wie das ursprünglich für die Verwendung vorgesehene Master am Ende ausgesehen hätte, angesichts der finalen Veröffentlichung ist jedoch klar: Die damit verbundene Verzögerung beim Release hat sich ab-so-lut gelohnt! Was zunächst ein wenig seltsam anmutet ist die Tatsache, dass die Neuauflage am oberen und unteren Rand sichtbar beschnitten worden ist. Das ursprüngliche Format von 2,20:1 ist hier nämlich nicht mehr gegeben.

Als besondere Eigenart des neuen Masters fehlt oben und unten aus unerklärlichen Gründen etwas Bild, gut sichtbar anhand der fast vollständig aus der Szene gefallenen Deckenlampe. Wir grübeln immer noch darüber, warum das so ist. Der Mehrwert der Neuauflage überwiegt allerdings bei weitem.

Aus welchen Gründen diese Differenz entstanden ist, bleibt mir rätselhaft, auch weil der bestehende Scan ja auf demselben Material basiert und im Format damit eigentlich identisch sein müsste. Dadurch geht einem jetzt nichts essentielles verloren, aber das ist wohl eines der vielen ungelösten Mysterien der Filmgeschichte (neben der Tatsache, dass die unsäglich nervige Rachel Zegler immer noch in Hauptrollen gecastet wird). Wie dem auch sei, positiv fällt direkt zu Anfang auf, dass der Magenta-Einschlag der Erstauflage komplett verschwunden ist – bereits innerhalb der Blu-Ray Remastered. Stattdessen dominieren wieder klassisch-analoge Gelb-Grün-Paletten mit wunderbar knalligen Highlights. Und auch die charakteristisch feine Körnung des 70mm-Materials kann durch den Verzicht auf Rauschfilterung wieder vollumfänglich hervortreten. Alleine der Zugewinn an Plastizität in den Gesichtern ist wirklich sensationell, zusätzlich löst die neue Blu-Ray bis in den Hintergrund sichtbar besser auf. 

Die alte Blu-Ray (Slider →) lässt Marias Oberteil fast ausbluten und produziert im Hintergrund merkliche Unruhen. Auch hier geht der Punktsieg klar an die 4K UHD (Slider ←) inklusive neuem Master und angenehmerem Grading. Wäre auch seltsam, wenn es anders wäre.

Im Kontrastbereich offeriert die Scheibe kräftigere Farben ohne die bisherige Überstrahlungstendenz und langt auch im Schwarz intensiver zu, ohne die Durchzeichnung dadurch akut aus der Ruhe zu bringen. Selbst die Spitzlichter des nächtlichen New Yorks bekommt die Neuauflage präziser hin. Das ist ein Gewinn auf ganzer Linie und macht in jedem Fall Lust auf alles, was die 4K UHD im Direktvergleich eventuell einen Ticken besser hinbekommt…oder sogar noch mehr. Denn wo die Unterschiede zwischen einer bereits sehr guten Blu-Ray Remastered und der 4K UHD normalerweise eher gering ausfallen, erhält man hier tatsächlich einen zusätzlichen, nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Die nativ auflösende Scheibe legt bei der Detailwiedergabe nämlich nochmal zu und arbeitet selbst feine Schweißperlen und weiter entfernte Aufschriften im Hintergrund präzise heraus.  

Nochmal ein Vergleich zwischen Blu-Ray Remastered (Slider →) und 4K UHD (Slider ←). Letztere bringt noch einen Ticken mehr Grün ins Bild und verfügt über eine bessere Kontrastdynamik. Spätestens bei einem Blick auf die Zaunmaschen am rechten Bildrand lässt sich der Auflösungsgewinn nicht mehr verleugnen.

Primärtöne, vor allem Rot und Gelb, werden weiter intensiviert, ohne auszubluten. Generell tendiert die 4K UHD zu etwas aggressiveren Kontrastflanken, was sich aber näher am ursprünglichen Look orientieren dürfte, der ganz bewusst sehr farbenfroh und kraftvoll gehalten worden ist. Wie gut das auf dem heimischen Bildschirm aussieht, hängt maßgeblich von dessen Kalibrierung ab. Gerade die hauseigenen “Lebhaft”-Presets vieler Geräte könnten in dem Fall ziemlich anstrengende Resultate produzieren, darauf sollte man also eher verzichten. Dolby Vision liegt hier hauchfein vor HDR10 und liefert besonders in dunkleren Einstellungen ein etwas harmonischeres Bild, alles in allem sind die beiden Varianten aber nahe beieinander. In dieser Form wurde West Side Story in jedem Fall für die Ewigkeit konserviert und sieht einfach überwältigend gut aus!

4K UHD und Blu-Ray Remastered: Der Ton

Synchronfassungen von Musicals sind meistens ziemlich bescheiden, weil die Songs in der Regel im Originalton belassen werden und man die übersetzten Dialoge dazwischen einfach über die Originalspur setzt. Zu einer Zeit, als die entsprechende Technik nach heutigen Maßstäben eher mittelmäßig war, entsteht dadurch nicht selten eine hörbare, qualitative Diskrepanz. Vor allem dann, wenn die auf einer Mehrkanalspur aufbaut, die ja spezifisch den Zweck verfolgt, dass die Stimmen mit den dazugehörigen Darstellern korrekt positioniert mitwandern. In der bisherigen deutschen Synchronfassung als Teil der alten alten Blu-Ray bleiben die Stimmen konstant in der Mitte, was komplett fremdartig klingt. Hinzu kommt, dass die Synchronfassung in der Gesamtdynamik arg beschnitten rüberkommt, während die Stimmen durchgehend kraftlos klingen. Für ein Musical eine absolute Katastrophe. 

Nicht nur die Songs klingen dank der aufwändig restaurierten Tonspur besser als je zuvor! | 4K UHD

Auftritt: Capelight Pictures – mal wieder. Denen ist es offenbar gelungen, in irgendeinem Archiv ein VHS-Tape der deutschen Fassung inklusive unverfälschter Tonspur aufzutreiben, die man nochmal umfangreich aufbereitet und dann mit einer ebenfalls restaurierten englischen Originalspur kombiniert hat. Das Resultat ist eine komplett neue, verlustfreie Masterspur im Format DTS-HD MA 5.1, die in der Summe dramatisch überlegen klingt und nicht nur die Dialoge, sondern vor allem die Songs in bisher ungekannt klarer und strukturierter Form ins Heimkino katapultiert. Die Stimmen wandern jetzt korrekt mit den dazugehörigen Darstellern, präsentieren sich gemessen am ursprünglichen Alter wunderbar kraftvoll und dynamisch, während die Instrumente des begleitenden Orchesters klar voneinander differenziert über sämtliche Boxen verteilt werden. 

Die Jets sind kampfbereit und motiviert. | 4K UHD

Dass ein fünfundsechzig Jahre alter Film eine derart immersive und differenzierte Klangkulisse bietet, ist einfach nur toll und vielleicht sogar ein wichtigeres Kaufargument, als die stark verbesserte Bildqualität. Die neue Abmischung bietet ein geniales Mittendrin-Gefühl, wie man es wahrscheinlich selbst damals im Kino nicht geboten bekam. Wer es lieber ein bisschen klassischer, bzw. authentischer mag, kann alternativ auf eine ebenfalls verlustfreie, lineare PCM-Stereospur zurückgreifen, die auf demselben Fundament aufbaut. Ein Feature, auf das der O-Ton ausnahmsweise einmal verzichten muss. Schön, wenn der Spieß einmal umgedreht wird. 

Die Extras

Das gewohnt stabil konstruierte Mediabook mit dem ikonischen Originalmotiv als Cover beinhaltet sowohl 4K UHD als auch Blu-Ray Remastered, außerdem eine zusätzliche Blu-Ray für die Extras. Als physische Beigabe gibt es ein mit achtundvierzig Seiten überdurchschnittlich umfangreiches Begleitheft, den dazugehörigen Text hat die Kulturjournalistin Kathrin Horster beigesteuert. Für die jeweiligen Songs liegt beiden Scheiben ein ergänzender Audiokommentar von Stephen Sondheim bei, während auf der Bonusdisc viel Fanservice in Form von Retrospektiven aller Art geboten wird. Das umfangreiche Material befasst sich vor allem mit dem anhaltenden Impact des Musicals und der Verfilmung bis in die heutige Zeit, blickt aber auch nochmal detaillierter auf die Choreographien zurück. Ein paar Trailer, eine alternative Eröffnungssequenz und diverse Storyboards runden die Veröffentlichung gelungen ab. 

“Ich war ja schon als Kind großer Fan von Musicals – der Liebe meiner Mutter zum Phantom der Oper sei Dank. Daran hat sich bis heute tatsächlich nichts geändert. Umso mehr hat es mich gefreut, in die interessante Geschichte von West Side Story und dessen anhaltender kultureller Bedeutung eintauchen zu dürfen. Der Film bietet eine exzellente Alternative für alle, welche die toll inszenierte Geschichte mit all ihren wunderbaren Songs und Tänzen bevorzugt von der Couch genießen wollen. Dabei ist das Original dem Remake immer noch weit überlegen. Anders verhält es sich bei der Neuauflage im Heimkino, denn Blu-Ray Remastered und 4K UHD überragend die bestehenden Veröffentlichungen in Bild und Ton bei weitem und bringen allerbeste Musicalstimmung ins Heimkino. Gute Extras und eine gewohnt sammlertaugliche Aufmachung resultieren in einer der besten Veröffentlichungen des Jahres.”


Quelle Bildmaterial: ©Capelight Pictures. All rights reserved.

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