Review | Warhammer 40,000: Boltgun II

E1M1 ist so 1993...

Das vor drei Jahren veröffentlichte Warhammer 40,000: Boltgun war damals eine meiner persönlichen Highlights des Jahres. Die liebevolle Hommage an DOOM transformierte den immerwährenden Kampf um das Universum gekonnt in einen klassischen VGA-Shooter mit Pixeloptik und verkaufte sich bestens. Nun steht mit Boltgun II endlich ein Sequel in den Startlöchern. Das bleibt der ursprünglichen Formel weitestgehend treu und hat neben zahlreichen neuen Gegnern und Waffen sogar eine komplett neue Heldin mit an Bord. Wir durften vorab unseren Dienst für das Imperium leisten und waren einmal mehr hellauf begeistert!

Entwickler: Auroch Digital

Publisher: Big Fan Games

Plattform: PC | PlayStation 5 | Nintendo Switch 2 | XBOX Series

Veröffentlichungsdatum: 14. Oktober 2026

Preis: 24,99€*

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Metacritic | OpenCritic


Echtgeldinhalte
Ungeschnitten


Häresie? Nicht während unserer Schicht!

In der fernen Zukunft des 40. Jahrtausends gibt es nichts als Krieg – und das wird wahrscheinlich auch bis in alle Ewigkeit so weitergehen, zumindest wenn es nach den Mächten des Chaos geht. Als das Imperium die Nachricht ereilt, dass sich die vier Chaosgötter zusammengetan haben und in einem isolierten Sternensystem für Unruhen sorgen, entsendet man den verdienten Ultramarine-Veteran Malum Caedo und die Battle Sister Nyra Veyrath zusammen mit einer gewaltigen Flotte, um den finsteren Treiben Einhalt zu gebieten. Doch selbst diese mit gewaltiger Feuerkraft ausgestattete Streitmacht ist gegen den verantwortlichen Drahtzieher Vashtorr chancenlos. 

Vashtorr hat ein diabolisches Gerät gebaut, mit dem sich auf einen Schlag ein ganzer Planet zerstören lässt. Klar, dass wir den finsteren Chaosdiener um jeden Preis aufhalten müssen. | PlayStation 5 Pro

Das diabolische Genie hinter den grausigen Maschinengeschöpfen der Chaos Space Marines aktiviert eine mysteriöse Maschine im Inneren eines der lokalen Planeten und erzeugt damit eine Explosion, welche die komplette Flotte innerhalb von Sekunden weitestgehend in Schutt und Asche legt. Die wenigen Überlebenden – darunter natürlich auch unsere beiden Helden – wollen verhindern, dass sich dieses destruktive Ereignis wiederholt. Um das zu erreichen, müssen sie die nahegelegenen Planeten von der Präsenz des Chaos befreien und die Maschine dadurch von ihrer Energieversorgung abschneiden. Und wen kümmert dabei schon die zahlenmäßig deutliche Überlegenheit des Gegners, solange man über den nötigen Glauben an den Imperator verfügt? 

Kraft und Geschwindigkeit

Dass die Space Marines in ihren Powerrüstungen zwar zäh, aber nicht gerade agil sind, weiß man spätestens seit dem Vorgänger. Auch dieses Mal spielt sich der wiederkehrende Malum eher wie ein klassischer Tank, der die Horden des Chaos bevorzugt aus der Distanz bekämpft und dank seiner dicken Panzerung viel Schaden einstecken kann. Mit Neuzugang Nyra, die als Teil des Adepta Sororitas zu den fanatischsten Anhängern der imperialen Glaubenslehre zählt, bringen die Macher nun eine willkommene Alternative ins Spiel. Die hat zwar nicht ganz so viele Lebenspunkte unter der Haube und verfügt auch nicht über die nötige Kraft, schwerere Waffen zu bedienen, macht diesen Nachteil aber durch ihre unvergleichliche Geschwindigkeit und verbesserte Nahkampffertigkeiten mühelos wett. Dadurch spielen sich beide Charaktere angenehm unterschiedlich und kommentieren das Geschehen passend dazu auch einzigartig. 

Dabei stehen den beiden Kämpfern jeweils komplett eigene Spezialfertigkeiten zur Verfügung, welche den angenehm individuellen Spielstil zusätzlich unterstreichen. Hinzu kommt, dass beide im Rahmen der insgesamt dreißig umfangreichen Missionen einen komplett eigenständigen Pfad beschreiten. Wer also alles sehen will, was Warhammer 40,000: Boltgun II zu bieten hat, muss das Spiel zwangsläufig mit beiden Charakteren abschließen. Je nachdem, für welche der insgesamt vier fair ausbalancierten Schwierigkeitsstufen ihr euch vorher entscheidet, dauert es bis zum finalen Abspann gute zehn bis zwölf Stunden, was gemessen an dem absolut fairen Preis völlig in Ordnung geht, zumal ihr dafür nicht nur spielerisch, sondern auch optisch eine Menge Abwechslung serviert bekommt. In den jeweiligen Leveln wimmelt es vor Secrets und Verbesserungen, es lohnt sich also, die oft verzweigten Areale gründlich abzusuchen. Falls ihr euch dabei mal verirrt, lässt sich per Knopfdruck jederzeit eine praktische Wegmarkierung einblenden. 

Zeitweise darf das Todeskorps von Krieg an unserer Seite kämpfen. Gelegentliche Kollateralschäden lassen sich dabei leider nur schwer vermeiden. | PlayStation 5 Pro

Im dichten Dschungel bekommen wir es beispielsweise mit den Dienern des Chaosgottes Nurgle zu tun, während sich die Anhänger des alten Schädelfetischisten Khorne inmitten von Eis und Schnee gemütlich gemacht haben. Im Koop dürfen wir die Kampagne zwar leider (!) nicht erleben, dafür kämpft gelegentlich eine Einheit des Todeskorps von Krieg an unserer Seite. Die abgehärteten Veteranen blicken dem Tod prinzipiell gelassen entgegen, was ganz praktisch ist, da die mir im Verlauf des Tests öfter mal vor die Flinte gelaufen sind. Wer sich ein bisschen mit dem Universum auskennt, weiß aber, dass es sich dabei um ein absolut kalkuliertes Risiko handelt und die Truppen der regulären Armee im Notfall eher entbehrlich sind. Beim Franchise geht es seit jeher um gewaltige Schlachten und obwohl das ganz große Schlachtgefühl eines Warhammer 40,000: Space Marine II hier noch nicht aufkommen will, ist das in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. 

Das ist mein Bolter. Es gibt viele davon, aber dieser gehört mir!

Die Entwickler haben Wert darauf gelegt, dass sich die Bosskämpfe von der grauen Masse abheben, was auch gelungen ist. Wobei das Wort Masse hier nicht negativ ausgelegt werden darf, denn Warhammer 40,000: Boltgun II hat im Vergleich mit dem Vorgänger über vierzig neue Gegnermodelle spendiert bekommen. Kenner wissen, dass jeder Chaosgott über eigene Spezialeinheiten verfügt, zum Beispiel die Noise Marines des Tzeentch oder Väterchen Nurgles hauseigene Plague Marines. Diese und viele andere ergänzen die bestehende Riege in Form anhaltend detailverliebt animierter Pixelmännchen ganz hervorragend – und nein, das ist kein Widerspruch! Lediglich die narrative Präsentation bleibt weiterhin eher dünn, so dass die ohnehin überschaubare Handlung auch dieses Mal weitestgehend über Texteinblendungen zwischen den Missionen vorangetrieben wird. Und das ist bei aller Liebe zur Nostalgie dann doch etwas zu wenig. 

Gegen die gefährlichsten Diener des Chaos, welche uns gelegentlich in Form von Bosskämpfen heimsuchen, benötigen wir jede Menge Feuerkraft. | PlayStation 5 Pro

Das ist deswegen schade, weil alles anderes richtig stimmig wirkt. Der nostalgische Pixellook funktioniert immer noch prächtig, wenn man sich denn dafür erwärmen kann. Gleichzeitig macht es jede Menge Spaß, die Diener des Chaos mithilfe des umfangreichen Waffenarsenals in ihre Einzelteile zu zerlegen – besonders, weil sich das Gemetzel aufgrund des gelungenen Trefferfeedbacks genau so wuchtig anfühlt, wie es klingt. Spätestens, wenn man es auf höherer Schwierigkeit zeitgleich mit ganzen Horden aufnehmen muss und dazu die grandiose Musik von Mick Gordon aus den Boxen hämmert, fühlt man sich trotz der ungewöhnlichen Optik, als wäre man mittendrin in einem adrenalingetriebenen Kampf auf Leben und Tod. Da unser Servoschädel immer noch über eine sehr zynische Ader verfügt, dürfen wir uns zwischendurch über anhaltend amüsante Kommentare freuen, was die Nerven kurzzeitig angenehm beruhigt. 

Mit dem Melter schmelzen wir den anrückenden Zombiehorden problemlos das Fleisch von den Knochen. | PlayStation 5 Pro

Die vier Schwierigkeitsstufen sind gut ausbalanciert und bieten für jeden Spieler eine passende Herausforderung, optionale Hilfen lassen sich auf Wunsch ohne Strafe zuschalten. Wichtig ist, dass ihr immer in Bewegung bleibt und eure schwindenden Ressourcen zeitnahe mithilfe der omnipräsenten Drops wieder auffüllt, die dafür allerdings über weite Strecken gerade einmal genug Unterstützung gewähren, damit ihr euren Weg weiter fortsetzen könnt. Dadurch wird das Grundprinzip “Wer stehenbleibt, stirbt” optimal unterstützt. Die für mich wichtigste Verbesserung im Gameplay ist der Wegfall von Resistenzen, der einen im Vorgänger noch dazu gezwungen hat, regelmäßig die Waffen zu wechseln. Dadurch erhalten wir mehr spielerische Freiheit und können jederzeit die Munition nutzen, die uns zur Verfügung steht. Wird es dann doch mal knapp, haben wir je nach Charakter immer noch ein Energie- oder Kettenschwert, von dem wir als nahkampfaffine Nyra ohnehin regelmäßig Gebrauch machen.

Retro trifft Moderne

Dass das Spiel auf den ersten Blick aussieht, als wäre es bereits vor dreißig Jahren veröffentlicht worden, täuscht. Unter der Haube werkelt nämlich die Unreal Engine 5, die im Vergleich zum Erstling für eine nochmal schickere Beleuchtung und hübschere Partikelkulissen sorgt. Die Mischung aus moderner Technik und altehrwürdigen Praktiken wie zweidimensionalen Sprites, welche sich immer in Richtung unseres Charakters drehen, funktioniert immer noch überraschend gut und beweist die Zeitlosigkeit dieser klassischen Konzepte, die seinerzeit aus der Not heraus geboren worden sind, dass für alles andere schlicht keine Rechenkapazität vorhanden war. Atmosphärisch machen die Entwickler ebenfalls alles richtig. Architektur und Symbolik bleiben unverkennbar und katapultieren einen mitten ins kriegsverseuchte Universum mit all seinen einzigartigen Designs hinein – selbst, wenn man sich als Teil einer jüngeren Generation anfänglich vielleicht noch an die visuelle Präsentationen gewöhnen muss.

Hübsch inszenierte Zwischensequenzen wie diese hätten wir uns im weiteren Spielverlauf häufiger gewünscht. So dümpelt die Kampagne erzählerisch leider konsequent vor sich hin. | PlayStation 5 Pro

XBOX Series X und PlayStation 5 liefern bereits ein knackig-scharfes Bild, welches sich trotz dynamischer Skalierung regelmäßig mindestens in der Nähe von nativem 4K bewegt und lediglich auf höheren Schwierigkeitsstufen etwas aggressiver skaliert, da ihr es dort wie bereits erwähnt grundsätzlich mit mehr Gegnern gleichzeitig zu tun bekommt und die Rechenlast entsprechend ansteigt. Dafür darf man sich auch im Angesicht zahlloser Feinde über durchgehend geschmeidige Bildraten freuen, die je nach Plattform sogar 120-Hertz-Displays unterstützen, wodurch die ohnehin schon schnelle Action nochmal ein gutes Stück rasanter wirkt. Auf der Nintendo Switch 2 bleibt es dagegen bei 60 Bildern pro Sekunde, was allerdings immer noch völlig ausreicht. Mikroruckler, Abstürze und Co. konnten wir plattformübergreifend keine feststellen, das Spiel läuft wie aus einem Guss und lädt so schnell durch, dass man kaum Gelegenheit hat, sich mit den dazugehörigen Tooltips auseinanderzusetzen. 

Ärger von allen Seiten: Stehenbleiben wird nicht nur in dieser ungastlichen Sumpflandschaft schwer bestraft. | PlayStation 5 Pro

Die Bedienung geht unabhängig vom System schnörkellos von der Hand, Genrevielspieler fühlen sich hier garantiert sofort heimisch. Praktisch: Via einfachem Tastendruck können wir über das Hauptmenü jederzeit einen Schnellspeicherstand anlegen und laden, was höchstens dann ein wenig nerven kann, wenn man in der Eile versehentlich die falsche Schultertaste betätigt und versehentlich in einer ausweglosen Situation speichert, anstatt zu laden. Daher ist es ratsam, trotzdem weiterhin auf regulärem Wege ein paar Spielstände anzulegen. Gesprochen wird ausschließlich Englisch, deutsche Untertitel sind jedoch verfügbar und auch die Menütexte wurden allesamt komplett lokalisiert. 

“Warhammer 40,000: Boltgun II baut gekonnt auf den Stärken des Vorgängers auf und verbessert sich abseits der anhaltend leider sehr nüchtern inszenierten Geschichte in praktisch allen Aspekten. Die neue Klasse spielt sich spürbar anders und ist eine willkommene Alternative für alle, denen der bisherige Protagonist in seiner fetten Powerrüstung zu stoisch ist, während der Verzicht auf RPG-Mechaniken mehr spielerische Freiheit offeriert. Auch in Sachen Level- und Gegnerdesign gibt es wesentlich mehr Abwechslung als bisher, während der nochmals aufgehübschte Pixellook in Kombination mit modernen Effekten gerade für mich alten Sack extrem stimmig wirkt. Ein Koop-Modus wäre wünschenswert gewesen, aber auch auf Solopfaden habe ich das Sequel durchgehend genossen. Für den kleinen Preis wird hier teilweise mehr geboten, als in so manchem AAA-Titel zum Vollpreis. Unter diesen Aspekten kann Teil III für mich gar nicht schnell genug erscheinen.”

  • Visuell ungebrochen toller Mix aus Retro und Moderne…
  • …welcher die Atmosphäre der Vorlage zu jedem Zeitpunkt gelungen einfängt
  • Detaillierte Pixelmodelle
  • Abwechslungsreiche Areale
  • Zeitlos hervorragend umgesetztes Run-and-Gun-Gameplay
  • Mehr spielerische Freiheit durch Verzicht auf Resistenzen
  • Umfangreiches, facettenreiches Arsenal
  • Zwei unterschiedliche Helden mit angenehm differenzierten Spielstil…
  • …exklusiven Waffen und Fertigkeiten…
  • …und eigenständiger Kampagne
  • Über vierzig neue Gegnermodelle
  • Gelungene Bosskämpfe
  • Vier fair ausbalancierte Schwierigkeitsstufen…
  • …inklusive optionaler Hilfen
  • Viele versteckte Secrets
  • Epischer Soundtrack
  • Wuchtige Klangkulissen
  • Sauber lokalisierte Untertitel
  • Zugängliche Bedienung
  • Navigationshilfe ist Gold wert
  • Schnellladen- und Speichern jederzeit möglich
  • Unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis
  • Natives Speichern und angepasste Menüs
  • Inhaltlich anhaltend eher schwach…
  • …und erzählerisch steril

*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.

Sämtliches Bildmaterial ist Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers.

©2026 M-Reviews.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*