Während uns der Einzelhandel wie jedes Jahr behäbig davon überzeugen will, uns bereits im August heißhungrig auf Lebkuchen, Marzipan und Co. zu stürzen, muss man bei Electronic Arts wieder einmal Gründe finden, warum Fans weiterhin zuverlässig knapp achtzig Euro für einen neuerlichen Aufguss ihrer Fußballsimulation ausgeben sollten. Mit The Grounds soll ein komplett neuer Modus die Spielerherzen abseits des regulären Rasens überzeugen – das klappt leider nur bedingt, wie unser Test zu EA Sports FC 27 erklärt.


Entwickler: EA Canada | EA Romania
Publisher: EA Sports
Plattform: PC | PS4 | PS5 | XB1 | XBS | NS | NS2
Veröffentlichungsdatum: 25. September 2025
Preis: ab 69,99€*
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB



Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise kostenlos vorab von Electronic Arts zur Verfügung gestellt worden.
The Grounds oder: Auf der Suche nach noch mehr Geld
Semi-offene Hubs sind in Sportspielen längst keine Seltenheit mehr, 2K macht seit Jahren vor, wie es geht. Nun springen auch Electronic Arts auf den Zug auf und haben mit The Grounds erstmals eine sehr ähnlich gestrickte Komponente in EA Sports FC 27 implementiert. Bevor wir dort voll durchstarten dürfen, müssen wir uns aber erstmal einen Avatar erstellen. Wahlweise männlich oder weiblich darf er sein, spielerische Unterschiede entstehen dadurch keine, lediglich die Art der narrativen Begleitung fällt je nach gewähltem Geschlecht anders aus. So werden die Herren der Schöpfung von Kylian Mbappé in der Welt begrüßt, während die holde Weiblichkeit von Chloe Kelly empfangen und herumgeführt wird. Durchaus prominente Gesichter der Fußballwelt also, die aber derart hölzern vertont worden sind, dass man sich nach einer Weile fast freiwillig an ein Ultraschallgerät zur Marderabwehr hocken will.

Haben wir uns im angenehm umfangreichen Editor ausgetobt und die ersten Schritte in The Grounds erfolgreich hinter uns gebracht, stehen uns zahlreiche Minispiele und andere Aktivitäten zur Verfügung. Maximal einhundert Spieler dürfen sich gleichzeitig auf einem Server tummeln, allzu lange mussten wir bei der Suche nach Mitspielern nicht warten. Das gilt aber auch nur für die vielfrequentierten Events, denn bei weniger beliebten Aktivitäten kann die Wartezeit deutlich höher ausfallen. Frei bewegen dürft ihr euch währenddessen nicht, stattdessen werdet ihr mit den übrigen Spielern in einem Wartekäfig eingepfercht – nein, das ist tatsächlich kein Witz.

Es ist ärgerlich, dass Teile des Modus schon wenige Tage nach Release komplett tot zu sein scheinen. Ein unglücklicher Trend, der sich in den nächsten Wochen auch auf andere Bereiche ausweiten dürfte, denn die Macher haben insgesamt nur sehr wenig getan, um Spieler langfristig motiviert an die neue Komponente zu binden. Wer sich bereits mit dem nahezu identisch gestrickten Äquivalent aus dem Hause 2K nicht arrangieren konnte, wird hier nicht minder schnell an seine Spaßgrenze stoßen. Clubs hat man einfach in The Grounds implementiert, Minispiele wie Bucketball verlieren nach kurzer Zeit ihren Reiz und auch mit der Langzeitmotivation sieht es gegenwärtig alles andere als gut aus.

Das liegt zum einen an der drögen Gesamtpräsentation inklusive völlig veralteter Bewegungsanimationen, zum anderen an der auch hier omnipräsenten Echtgeldspirale. Über die Premiumklamotten kann man streiten, die zahlreichen käuflichen Booster werden allerdings relativ schnell verpflichtend, wenn ihr langfristig irgendeine Chance in den Aktivitäten mitsamt deren lächerlich überlegenen Gegnern haben wollt.
Aufgrund von Pay-2-Win und Pay-2-Shortcut im Ultimate Team und The Grounds, sowie den aus exklusiven spielerischen Vorteilen innerhalb des kostenpflichtigen Season Pass, ziehen wir insgesamt zwanzig Punkte von der Gesamtwertung ab.
Hinter dem ganzen System verbirgt sich im Kern leider ähnlich wie bei 2K nur der Zweck, euch zusätzlich zu den Season Passes und dem ohnehin bereits bis zur Unkenntlichkeit monetarisierten Ultimate Team nochmal zusätzliches Geld aus den Taschen zu ziehen. Als Free-2-Play-Titel könnte man darüber irgendwie hinwegsehen, bei einem Vollpreis von mindestens siebzig Euro jedoch nicht. Das ahnden wir auch dieses Jahr im Rahmen unserer Wertung.

Das große Problem der Reihe ist, dass sie sich seit Jahren immer weiter von ihrer Kernkompetenz abgewandt hat. Damit hat sie denselben traurigen Weg wie die FIFA eingeschlagen, die zwar längst nicht mehr Lizenz- und Namensgeber ist, die Seele des Fußballs aber immer schäbiger dem Profit opfert. EA Sports FC 27 schlägt in eine absolut identische Kerbe. Fehlen eigentlich nur noch kostenpflichtige Mannschaftspakete, mehrminütige Werbeblöcke zwischen den Partien oder gleich ein Zähler, der für jede Minute, die man in den Menüs verbringt, nochmal zusätzlich abrechnet. Dass das Spiel in manchen Ländern mittlerweile ab 16 Jahren freigegeben wurde, weil sich diese aggressiven Glücksspielmechaniken durch immer mehr zentrale Komponenten ziehen, ist in meinen Augen noch viel zu wenig Strafe für so viel Dreistigkeit.
Ein Minimum an Arbeit
Abseits davon hat sich verglichen mit dem Vorjahr abseits der üblichen Tweaks, die man genauso gut als kostenloses Update hätte anbieten können, abermals kaum etwas geändert. Ultimate Team hat mit Kampagnenzentrale und Galerie zumindest optisch ein bisschen was neues zu bieten, bleibt unter der Haube aber pure Abzocke, bei der ohne fette Zusatzinvestitionen langfristig kein Blumenkorb zu gewinnen ist, da es auf regulärem Wege nahezu unmöglich ist, an wirklich hochwertige Karten zu gelangen. Im Karrieremodus greifen jetzt realistischere Transfermechaniken, die unter anderem mit Echtzeitdaten der Plattform TransferRoom gespeist werden. So finden zunächst Vorgespräche mit potenziellen Neuerwerben statt, es müssen Bedingungen ausgehandelt werden und natürlich wird sich ein bekannter Star zweimal überlegen, ob er sich einem Wald- und Wiesenverein anschließen will.

Eine schöne Neuerung, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die allgemeine Präsentation auch hier anhaltend völlig veraltet ist. Solange die Reihe anhaltend konkurrenzlos bleibt, kommt man damit sicher weiterhin irgendwie durch. Sollte jedoch irgendwann mal ernstzunehmende Konkurrenz auf dem Spielfeld auftauchen, dürfte es ganz schnell kritisch werden. Das ist und bleibt das große Problem an Lizenztiteln, denn warum anstrengen und irgendwas ändern, wenn das Produkt an sich alternativlos ist? Keine Frage, leidenschaftliche Hobbymanager und Taktiker werden an der Karriere anhaltend ihre Freude haben, aber selbst denen muss doch mal auffallen, dass sie für viel Geld jedes Jahr wieder nur das absolute Minimum an Veränderungen bekommen.

Auf dem Rasen sieht es nur bedingt besser aus: Man hat hier ein wenig an der Defensive geschraubt, so dass die Balleroberung nun komplett in den Händen des Spielers liegt und einem nicht mehr automatisch vom Computer abgenommen wird. Finde ich gut, funktioniert auch gut. Das gilt ebenso für die verbesserte Ballphysik, dank der sich das Leder nun viel realistischer verhält und anders als früher nicht mehr so magnetisch an den Spielerfüßen haftet. Und mehr ist es dieses Jahr tatsächlich nicht. Falls ihr euch fragt, warum unsere Besprechungen zu EA Sports FC jedes Jahr kürzer werden: Das liegt nicht daran, dass wir keine Lust auf das Spiel hätten. Es gibt nur einfach immer weniger, über das wir schreiben könnten. Lediglich die Anzahl an Beschwerden nimmt konstant zu. Irgendwie sollte das doch andersrum sein, oder?
Gemischte Tüte
Noch viel behäbiger bleibt EA Sports FC 27 in Hinblick auf seine grafische Präsentation, die nämlich meistens immer nur dann auf ein neues Level gehoben wird, wenn zeitgleich dazu auch eine neue Konsolengeneration an den Start geht. Da wir auf die aber voraussichtlich noch maximal ein paar Jahre warten müssen, gibt es an der Technikfront wenig überraschend nichts neues zu berichten. Dass man bei über 21.000 Spielern verteilt auf achthundert Mannschaften aus aller Welt nicht jeden einzelnen in den Körperscanner schicken und mit individuellen Bewegungen ausstatten kann, leuchtet ein. Dennoch bleiben die visuellen Diskrepanzen zwischen den akribisch digitalisierten Starspielern und der überwältigenden Masse an eher mittelmäßig dargestellten Talenten anhaltend offensichtlich. Die sieht man regulär zwar auch überwiegend aus der klassischen Vogelperspektive, aber beim Einzug und in Wiederholungen fallen die Unterschiede sichtbar auf.

Atmosphärisch liefert der Titel insgesamt immer noch ab, besonders die tolle Stadionatmosphäre bleibt ungebrochen gut und hat mit zahlreichen individuellen Fangesängen und Co. einiges zu bieten. Aber auch beim Publikum sollte man besser nicht zu genau hinschauen. Das Spiel sieht insgesamt nur so lange gut aus, solange alles möglichst weit entfernt ist. Von nahem lässt sich allerdings kaum noch verbergen, dass die Reihe so langsam überreif für eine grafische Frischzellenkur ist und nicht jedes Manko dadurch aus der Welt geschafft werden kann, dass man alle Nase lang mal ein wenig an der Beleuchtung justiert. Das Gerüst, auf dem all das aufbaut, ist nämlich schon klapprig und wenn man nicht aufpasst, stürzt das ganze Konstrukt darüber irgendwann zusammen. Auf der Nintendo Switch kann man das Spiel ohnehin keinem mehr empfehlen, während man auf der Nachfolgerkonsole zwar inhaltlich und optisch dasselbe Paket wie auf den restlichen Plattformen bekommt, dieses jedoch anhaltend nur mit maximal 30 Bildern pro Sekunde.

Den dazugehörigen Kommentar liefern wie immer Frank Buschmann und Wolff Fuss, die auch dieses Jahr wieder einen passablen Job machen. Die Menüs kommen angenehm aufgeräumt daher, ein umfangreicher Soundtrack mit über hundert Interpreten sorgt für die passende Untermalung. Ein Gamepad bleibt auch am PC unerlässlich, wer die Vorgänger gespielt hat, wird hier ohne weiteres ins Geschehen finden, denn an der grundlegenden Bedienung hat sich – wie in so vielen anderen Belangen auch – einmal mehr nichts geändert. Und das war der Abpfiff, der Schiedsrichter schleift sich erschöpft vom Platz.

“Mit jedem neuen EA Sports FC sehne ich mich zurück in die guten alten Zeiten, als die Korruption der FIFA noch nicht ganz so offensichtlich nach außen getragen wurde und man sich bei Electronic Arts wenigstens noch Mühe gegeben hat, die alljährliche virtuelle Fußballerfahrung über das absolute Mindestmaß hinaus zu verbessern. Der diesjährige Ableger ist vor allem daran interessiert, uns im Rahmen des inhaltlich uninspirierten und visuell grausig präsentierten The Grounds abseits der üblichen Groschengräber noch mehr Kohle abzuluchsen. Abseits davon gibt’s allenfalls kleinere Tweaks, die man genauso gut auch kostenlos auf den Vorgänger hätte patchen können. Das ist in der Summe nicht nur viel zu wenig, es ist schlicht eine Unverschämtheit, zumal die Reihe auch grafisch immer mehr stagniert. Selbst eingefleischte Fans sollten sich wirklich überlegen, ob sie all das Jahr für Jahr weiter unterstützen wollen.”


- Teils hochdetaillierte Spielermodelle
- Anhaltend tolle Stadionatmosphäre
- Unerreicht gewaltiges Lizenzpaket
- Umfangreiche Auswahl an Modi für jeden Geschmack
- Sinnvolle Verbesserungen, wenngleich überwiegend eher im Kleinen
- Umfangreiche Tutorials
- Sieben Schwierigkeitsgrade für jeden Anspruch
- Abwechslungsreicher Soundtrack
- Immersive Klangkulisse
- Gute deutsche Kommentatoren
- Zugängliche Bedienung via Gamepad

- Präsentation insgesamt nicht mehr zeitgemäß
- Anhaltend hohe visuelle Diskrepanz zwischen den Spielern
- The Grounds mit hässlicher Präsentation…
- …wenig Langzeitmotivation…
- …und langfristigem Echtgeldzwang
- Omnipräsente Pay-2-Win- und Pay-2-Shortcut-Komponente im Ultimate Team…
- …und ein frech strukturierter Season Pass, der zusätzlich kostet
- Karrieremodus mit anhaltend veraltetem Layout
- Insgesamt extrem zurückhaltend mit Neuerungen…
- …und kaum mehr als das übliche Roster-Update zum Vollpreis
- Extrem viel Recycling bei Assets, Modellen und Co.
- Unpräzise Maus- und Tastatursteuerung am PC

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