Nachdem wir uns im Rahmen von Hellraiser: Revival bereits ausführlich mit den Arbeiten von Clive Barker auseinandergesetzt haben, beehrt uns der Meister des Horrors nun abermals. Mit Lord of Illusions taucht Barker innerhalb seiner dritten und letzten Regiearbeit aus dem Jahr 1995 abermals in die Welt des Okkulten ein und vermischt das Thema mit einer eher klassisch gestrickten Detektivgeschichte. Wir haben 4K UHD und Blu-Ray Remastered aus dem Hause Capelight ausführlich getestet.


Vertrieb: Capelight Pictures
Erstveröffentlichung: 1995






Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise vorab kostenlos von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.
Der Film
In den frühen Achtzigerjahren schart der Sektenanführer William Nix (Daniel von Bargen) irgendwo in der endlosen Ödnis der Mojave-Wüste und verspricht seinen Jüngern nicht nur unendliche Weisheit, sondern ist zudem fest davon überzeugt, als einziger das Ende der Welt abwenden zu können. Klingt erstmal nach akuter Spinnerei, ist aber brandgefährlich, denn um dieses Ziel zu erreichen, plant Nix ein Menschenopfer in Form der gekidnappten Dorothea darzubringen. Um dieses abscheuliche Vorhaben zu verhindern, haben sich die ehemalige Sektenmitglieder Philip Swann und Caspar Quaid zusammengetan, um das Mädchen zu befreien und den irren Schwarzmagier endgültig aufzuhalten.

Der kann am Ende trotz seiner Kräfte nicht verhindern, mithilfe einer Eisenmaske gebannt und anschließend an einem unbekannten Ort verschachert zu werden, verspricht aber vorher – ganz wie es sich für solche Schauergestalten gehört – irgendwann zurückzukehren. Dreizehn Jahre, New York City: Der Privatdetektiv Harry D’Amour (Scott Bakula) ist nach seinem letzten Fall inklusive übernatürlichem Einschlag komplett am Ende seiner Kräfte und benötigt dringend Luftveränderung. Da kommt ihm der Auftrag, im sonnigen Los Angeles einem Versicherungsbetrug nachzugehen, natürlich gerade recht. Bei seinen Untersuchungen stößt D’Amour zufällig auf den mittlerweile ergrauten Quaid, der kurz zuvor von Nix’ loyalstem Gefährten Butterfield und dessen bulligem Kompagnon brutal gefoltert worden ist. Mit seinen letzten Atemzügen macht der sterbende Hellseher Harry klar, dass er vom Schicksal dazu auserkoren ist, gegen die Mächte der Finsternis zu kämpfen und warnt außerdem vor Nix’ bevorstehender Wiederkehr.

Währenddessen bewohnt Philip Swann (Kevin J. O’Connor) mit seiner attraktiven Ehefrau Dorothea (Famke Janssen) ein luxuriöses Domizil in den Hügel von Hollywood. Die ahnt aufgrund des Zeitungsberichts über den Mord an Quaid, dass sich auch ihr Gatte im Fadenkreuz der Mörder befindet und überzeugt D’Amour gerade noch rechtzeitig vor seinem Heimflug, den Schutz von Philip zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe, plant der weltberühmte Bühnenmagier doch in Kürze die Premiere seiner neuesten Zaubershow vor ausverkauftem Haus. Tatsächlich kommt Philip während der Vorführung ums Leben, allerdings nicht verursacht durch die beiden Killerkultisten, sondern als Folge eines scheinbar schlecht geplanten Zaubertricks durch eine Reihe herabfallender Schwerter. Entschlossen, das Geheimnis hinter diesem seltsamen Unfall aufzudecken, taucht Scott tief in die Welt der Zaubertricks ein und muss dabei erkennen, dass Philips bahnbrechende Tricks durch echte Magie herbeigeführt worden sind, die ihm sein ehemaliger Mentor Nix einst beigebracht hatte.

Während sich Scott und Dorothea im Verlauf der Ermittlungen immer näher kommen, ahnt der Privatdetektiv, dass die Witwe mindestens ebenso viele Geheimnisse verbirgt wie ihr verblichener Ehemann. Und auch Butterfield bleibt nicht untätig und sucht weiterhin fieberhaft nach dem Versteck seines Meisters. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Schein und Realität immer weiter zu verschwimmen drohen, befinden sich die Protagonisten schon bald in einem Wettlauf gegen die Zeit, an dessen Ende sich das Schicksal der Welt zu entscheiden droht…
Die Rezension
In seiner dritten und letzten Regiearbeit widmete sich Autor Clive Barker seiner persönlichen Faszination für die Bühnenmagie. Dafür adaptierte er seine zehn Jahre zuvor veröffentlichte Geschichte mit dem Titel The Last Illusion und überarbeitete einige der bestehenden Elemente für sein Drehbuch um. Die Figur des Harry D’Amour war seitdem in mehreren Publikationen von Barker aufgetreten und sollte im Rahmen des Films ihr Debüt auf der großen Leinwand feiern. Dabei steht der Privatdetektiv archetypisch für den klassischen Schnüffler aus den Vierzigerjahren, wie ihn unter anderem Humphrey Bogart zu Lebzeiten so grandios porträtiert hatte – nur, dass sich D’Amour nicht mit betrogenen Ehefrauen und Co. herummühen muss, sondern mit dem Übernatürlichen. Also in etwa das, was Geisterjäger John Sinclair hierzulande bereits erfolgreich seit den frühen Siebzigern tut.

Nun ist Clive Barker – und das hat er auch seit jeher unverblümt zugegeben – eher Autor als Regisseur. Zwei Berufe, die sich ganz fundamental voneinander unterscheiden, denn wo der Autor sich alle Zeit der Welt nehmen kann, um Charaktere einzuführen und einen Spannungsbogen aufzubauen, muss ein Filmemacher all das auf eine möglichst passende Laufzeit komprimieren, ohne dabei das Pacing aus den Augen zu verlieren. Allesamt Dinge, an denen Lord of Illusions leider konstant scheitert. Nach dem atmosphärisch dichten und vielversprechenden Einstieg passiert lange Zeit erstmal gar nichts, stattdessen verheddert sich der Film fortlaufend in mittelmäßigen Dialogen und nimmt erst zum blutigen Finale wieder Fahrt auf. Selbst zwischendrin eingestreute Sex- und Gewaltszenen täuschen nicht darüber hinweg, dass die gesamte Handlung samt Charaktere permanent über dünnes Eis manövriert und dabei durchgehend mit mindestens einem Fuß im Wasser steht.

Das große Problem ist, dass der Film konsequent zwischen Okkulthorror und Film Noir hin- und herpendelt, ohne dabei glaubwürdige Synergien zwischen den Genres zu entwickeln. Egal, welchem Lager man eher anhängt, richtig gut bedient wird hier keines davon. Und obwohl Scott Bakula sich wirklich abmüht, das beste aus seiner inkonsequent geschriebenen Rolle zu machen, kann selbst der ehemalige Captain der Enterprise nicht verhindern, dass Lord of Illusions zwischen Anfang und Ende absolutes Mittelmaß ist. Zwar wird das Werk über die Jahre etwas wohlwollender betrachtet als damals, dennoch gilt der Film anhaltend als Barkers schlechteste Regiearbeit. Der zwölf Minuten längere Director’s Cut, der auf Bestreben der Produzenten herausgeschnittene Dialoge und kleinere Härten wieder einfügte, erklärt manche Handlungsaspekte nachvollziehbarer als die Kinofassung und ist definitiv die bessere Fassung, macht deswegen aber nicht automatisch einen besseren Film.

Während Famke Janssen, die sich damals zeitgleich durch ihre Mitwirkung in GoldenEye praktisch über Nacht als weltweites Sexsymbol etabliert hat, einmal mehr als Femme Fatale überzeugt, wirkt Kevin J. O’Connor eher fehlbesetzt und auch B-Movie-Ikone Daniel von Bargen bleibt als Oberschurke Nix eher blass. Wirklich überzeugend ist allenfalls die Arbeit der Maskenbildner und Tricktechniker. Alles in allem ist Lord of Illusions einer dieser Filme, der auf jede gute Idee zuverlässig zwei schlechte folgen lässt. Und das ist am Ende selbst für eingefleischte Fans von Clive Barker einfach zu wenig. Wer glaubt, ein Film Noir vor den Kulissen des sonnigen Los Angeles wäre eine gute Idee, der schmiert auch Butter auf ein Nutellabrot!
4K UHD und Blu-Ray Remastered: Das Bild
Der seit jeher von Capelight Pictures vertriebene Film wurde hierzulande erstmals 2018 auf Blu-Ray ausgewertet und hinterlässt trotz seines nicht ganz so angestaubten Alters leider nicht den besten Eindruck, was primär an dem damals zum Einsatz gebrachten, eher mittelmäßigen Master liegt. Die dazugehörige Scheibe leidet unter einer mittelmäßigen Auflösung, bildet Details im Allgemeinen nicht gerade gut ab und auch das veraltete Encoding trägt seinen Teil zu dem negativen Eindruck bei. Hinzu kommt außerdem, dass sich die Erstauflage sehr anfällig für Überstrahlungen auf farbneutralen Flächen zeigt und häufig etwas zu viel Rot ins Bild mischt, wodurch das in einigen Szenen sehr präsente Blau unnatürlich ins Violette abdriftet. Wer sich das einmal im Detail ansehen möchte, kann das bei unseren Freunden von Caps-a-holic tun.
Für die Neuauflage als 4K UHD und Blu-Ray Remastered nutzen Capelight Pictures nun einen frischen Transfer in 4K vom ursprünglichen 35mm-Analogmaterial, welcher von Shout! Factory bereits Mitte letzten Jahres zunächst für die Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten erstellt worden worden ist und mit einiger Verspätung jetzt auch den Weg zu uns gefunden hat – übrigens weiterhin ausschließlich in Form des Director’s Cut. Die Blu-Ray Remastered löst bereits sichtbar besser auf und arbeitet feinere Details bei Kleidung und Umgebungen besser heraus, auch Gesichter profitieren in Nahaufnahmen sichtbar vom neuen Master und wirken etwas plastischer. Bestehende Verschmutzungen und Beschädigungen gehören der Vergangenheit an. Das ursprüngliche Filmkorn ist nicht mehr ganz so anfällig für Unruhen vor farbneutralen Hintergründen wie bisher und verleiht dem Film einen anhaltend stimmigen, cineastischen Look. Farblich dominieren auch dieses Mal erdig-warme Paletten, was gut zum ewig sonnigen Los Angeles passt, innerhalb des kurzen Zwischenspiel in New York City dagegen eher fremd anmutet.
Primärtöne werden auf Basis dieser Grundvoraussetzungen gelegentlich etwas unschön eingefärbt. Das sieht immer noch besser aus, als im Rahmen der Erstauflage, trotzdem bleibt Differenzierung ein Problem. Gleiches gilt für die bestehende Überstrahlungstendenz, denen die Blu-Ray Remastered nicht durchgehend überzeugend entgegenwirken kann. Dafür gibt’s sattes Schwarz bei anhaltend stimmiger Durchzeichnung – in der Summe also erstmal ein ordentlicher Mehrwert zur alten Veröffentlichung, obwohl nach oben hin noch Luft für weitere Verbesserungen vorhanden ist. Und genau die gibt es in Form der nativ auflösenden 4K UHD, die neben einem erweiterten Farbraum Support für HDR10 und Dolby Vision an Bord hat – beides wurde von Capelight Pictures nochmal komplett neu aufgesetzt. Im direkten Vergleich ist der auflösungsunterschied eher marginal, selbst in Nahaufnahmen. Ebenso wird die Körnung von der 4K UHD kaum besser gehändelt, was aber in Ordnung geht, da die Blu-Ray Remastered in den Segmenten bereits absolut abliefert.
Dafür wirkt die 4K UHD insgesamt harmonischer. Farblich ist mehr Grün im Spiel, wodurch der hohen Gelb-Braun-Dominanz der Blu-Ray etwas entgegengewirkt wird. Dadurch erhalten Primärtöne mehr Raum zum Atmen und auch die Gesichter wirken stellenweise gesünder. Das dunklere Mastering sorgt ebenso für einen stimmigeren Gesamteindruck, ohne den ursprünglichen Look zu verfälschen. Beim Schwarz legt die Scheibe nochmal eine Schippe Kraft obendrauf, gleichzeitig werden Spitzlichter besser gehändelt. Insgesamt also ein sinniges Upgrade, welches auch die letzten Kritikpunkt erfolgreich ausmerzt und für Enthusiasten die absolut erste Wahl darstellt.
4K UHD und Blu-Ray Remastered: Ton und Extras
Beim Ton gibt es weitaus weniger Überraschungen, denn die verlustfreien Masterspuren im Format DTS-HD MA 5.1 für’s Deutsche und Englische sind identisch zur bestehenden Erstauflage – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Sämtliche Dialoge im Center bleiben anhaltend gut verständlich, schwanken allerdings über den gesamten Film hinweg etwas in Sachen Kraft. Ausgeglichen wird dieses Manko mit guter Räumlichkeit, die Umgebungsgeräusche und den Score gleichermaßen aktiv ins Geschehen einbindet. Auch spezifischere Effekte können sich trotz des allgemeinen Alters der Tonspuren hören lassen. Viel mehr als das lässt sich ausnahmsweise gar nicht sagen.

Deshalb hängen wir die Extras auch direkt mit dran. Da haben wir zunächst den Audiokommentar von Regisseur und Autor Clive Barker, der das Geschehen nicht nur mit allerlei Anekdoten aus der Produktion begleitet, sondern auch angenehm selbstkritisch agiert und ehrlich aufzeigt, wo die Probleme des Films liegen. Und das alleine ist schon wunderbar sympathisch. Ebenfalls mit an Bord ist das Making-of, dazu gibt’s noch einen erweiterten Blick hinter die Kulissen und auch die für die Filmherstellung so wichtigen Schöpfer der Storyboards sind mit einem Interview vertreten. Eine Handvoll Deleted Scenes, Bildergalerie und ein paar Trailer dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen und wer mag, kann den komplette Score des Films nochmal in Form einer isolierten Tonspur genießen.

Verpackt werden die beiden Silberlinge – bestehend aus 4K UHD und Blu-Ray Remastered – in einem gewohnt hochwertig verarbeiteten Mediabook, welches entgegen sonstiger Gewohnheiten dieses Mal ohne das typische Begleitbuch von Capelight Pictures auskommen muss. All das gibt es für knapp vierzig Euro, wer die Blu-Ray bereits besitzt, kann über den hauseigenen Shop für etwas weniger als fünfzehn Euro auf 4K UHD upgraden, was wie immer eine tolle Sache ist.

“Normalerweise steht Clive Barker für expliziten Grusel, der die Grenzen der Realität oftmals überschreitet. In Teilen ist das auch bei Lord of Illusions der Fall – aber eben nur in Teilen. Denn hier mischt sich das Ganze zu sehr mit einer uninspirierten und stellenweise auffällig fehlerhaften Detektivgeschichte, wodurch die wenigen guten Momente, in denen der Meister des Horrors sein wahres Können zeigen könnte, viel zu sehr in den Hintergrund geraten. Da bleibt man mit den übrigen Regiearbeiten des Autors weit besser bedient. Wer trotzdem einen Blick riskieren will, kann bei Blu-Ray Remastered und 4K UHD beherzt zugreifen, denn das neue Master überragt die bisherigen Veröffentlichungen beim Bild um Längen, während Ton und Ausstattung trotz kleinerer Mankos anhaltend gut bleiben.”

Quelle Bildmaterial: ©Capelight Pictures. All rights reserved.
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