Review | 4K UHD | Blu-Ray Remastered | Robin Hood – König der Diebe

...und sagt Weihnachten ab!

Die Abenteuer von Robin Hood begeistern bis heute ganze Generationen, weit über dessen englische Ursprünge hinaus. Klar, dass sich auch Hollywood immer wieder auf den Stoff gestürzt hat – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Die mit Abstand bekannteste Realfilmadaption dürfte zweifellos der 1991 entstandene Robin Hood – König der Diebe mit Kevin Costner sein. Und genau die bringen NSM Records nun mit Verspätung erstmals auch hierzulande als 4K UHD und Blu-Ray Remastered auf den Markt. Wir haben uns eines der längst vergriffenen Mediabooks gesichert und alle Fassungen umfangreich auf den Prüfstand geschickt.

Vertrieb: NSM Records

Erstveröffentlichung: 1991

Veröffentlichungstermin: 30. September 2026

Darsteller: Kevin Costner, Alan Rickman, Mary-Elizabeth Mastrantonio, Morgan Freeman, Christian Slater und andere

Format: 4K UHD | Blu-Ray Remastered

Preis: 44,95€*

Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

IMDB | Metacritic




Hinweis: Die 4K UHD beinhaltet Kino- und Langfassung in Form von Seamless Branching, wodurch es beim Abspielen auf manchen Playern – vor allem bei Panasonic – zu regelmäßigen Mikrorucklern bei der Wiedergabe kommen kann. Diese sind hardwarebedingt und kein Fehler bei der Produktion der Disc.

Der Film

Zu den Zeiten des Dritten Kreuzzuges zieht der britische Adelssprosss Robin von Locksley (Kevin Costner) unter dem Banner des englischen Königs Richard Löwenherz aus, um das von den Sarazenen besetzte Jerusalem im Namen des Christentums zurückzuerobern. Nachdem das Unterfangen gescheitert ist, finden sich Locksley und sein Jugendfreund Peter im Folterkeller des Feindes wieder, wo ihnen ein noch grausameres Schicksal als der Tod droht. Nur mithilfe des ebenfalls eingekerkerten Mauren Azeem (Morgan Freeman) gelingt erfolgreich die Flucht, nur Peter lässt bei dem Ausbruch heldenhaft sein Leben. Nach einer vier Monate langen und beschwerlichen Reise erreichen die ungleichen Kameraden endlich die englische Küste. Doch das geliebte England hat sich während der langen Abwesenheit anders als Locksley nicht zum Guten verändert. 

Haus weg, Land weg, Vater tot und England kurz vor dem Abgrund: Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenenschaft erkennt Robin die geliebte Heimat nicht mehr wieder. | 4K UHD

Ein satanischer Geheimbund unter Führung des Sheriffs von Nottingham (Alan Rickman) will sich die Abwesenheit des Königs zunutze machen und die Macht im Inselreich übernehmen. Die Bevölkerung leidet nicht nur unter der unmenschlichen Steuerlast, auch der anhaltende Terror vom Cousin des Sheriffs und seinen Männern heizen die Unruhen immer weiter auf. Jeder Königstreue, der dagegen aufbegehrt, wird brutal aus dem Weg geräumt. Locksley ahnt noch nicht, dass sein eigener Vater dieser Intrige bereits zum Opfer gefallen ist und verfällt in tiefen Zorn, als er bei seiner Rückkehr zum Familienlandsitz nur noch Ruinen, Leichen und den verstümmelten Diener Duncan als einzigen Überlebenden vorfindet. Entschlossen, England von der Tyrannei zu befreien, schlägt sich der entrechtete Robin kurzerhand in den Sherwood Forest und baut dort zusammen mit einer Gruppe vogelfreier Gleichgesinnter den Widerstand auf. 

Guy von Gisborne steht in den Diensten des Sheriffs und wird von Robin immer wieder besiegt. | 4K UHD

Zuvor muss er jedoch seiner ehemaligen Jugendliebe Marian (Mary-Elizabeth Mastrantonio) die traurige Nachricht vom Ableben ihres Bruders Peter überbringen. Das Wiedersehen fällt nicht gerade ohne Spannungen aus, da sich die Lady nicht im Guten an den einst so tollkühnen Rebellen erinnert und es außerdem zu einem erneuten Aufeinandertreffen mit den Männern des Sheriffs kommt. Der Schurke erkennt auch dank seiner schwarzmagisch versierten Ziehmutter rasch, dass Robin nicht nur seinen Eroberungsplänen gefährlich werden kann, sondern auch der angedachten Vermählung mit Marian. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis die Widerständler aufgrund ihrer anhaltenden Überfälle auf die Vasallen des Sheriffs in Bevölkerung als Helden gefeiert werden. Doch der Sheriff ist keineswegs gewillt, den Kampf um die Krone einfach aufzugeben und schlägt erbamunglos zurück…

Die Rezension

Die Legende von Robin Hood kennt bis heute weit über die Grenzen von England hinaus noch immer jedes Kind und war zumindest während meiner Schulzeit fester Bestandteil des Englischunterrichts. Die Geschichte wurde nicht nur in unzähligen Leinwandadaptionen und Theaterstücken adaptiert, sondern auch in Form mehrerer Videospiele. Warum auch nicht? Das Thema ist mindestens so zeitlos wie Raubüberfälle im Wald, vielseitig interpretierbar und für jedes Alter zugänglich. Ein historischer Nachweis für die Existenz von Robin Hood konnte bis heute nicht erbracht werden, was zwangsläufig wohl auch bedeutet, dass dessen ikonische grüne Hosen lediglich ein Werk der Fantasie sind. Und doch steckt hinter solchen Legenden nicht selten ein Körnchen Wahrheit oder zumindest ein nachvollziehbarer Ursprung. Hier diente der Name damals tatsächlich eher als Sammelbegriff für die zahllosen Diebe, die allerdings wohl nicht ganz so ehrenhaft ihrem Tagwerk nachgegangen sein dürften. 

Während Robins Abwesenheit ist Marian zu einer schönen und starken Frau herangewachsen. Das ist leider auch dem Sheriff nicht entgangen, der die Lady nur zu gerne ehelichen möchte – notfalls auch gerne gegen deren Willen. | 4K UHD

Nach den kultigen Verfilmungen mit dem unsterblichen Errol Flynn in der Hauptrolle und einer kindgerechten, aber nicht minder gelungenen Zeichentrickadaption aus dem Hause Walt Disney blieb es lange Zeit ziemlich ruhig um den legendären Vagabunden. Das änderte sich schlagartig zum Ende der Achtzigerjahre. In Hollywood sah man das Mantel-und-Degen-Genre reif für eine Rückkehr und so kam es, dass zeitgleich mehrere Autoren gleichermaßen unabhängig voneinander an frischen Adaptionen des bekannten Materials arbeiteten. Dass 20th Century Fox schon lange Pläne für eine zeitgemäße Verfilmung gehegt hatten, war unter den Studios ein offenes Geheimnis. Umso mehr fühlten sich die Verantwortlichen von ihren Mitbewerbern betrogen, als mit Morgan Creek Productions und TriStar Pictures zwei weitere Firmen in das Rennen einstiegen. 

Auch ein blindes Huhn findet mal einen Mauren. | 4K UHD

Von da an war es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn jeder Beteiligte wusste, dass der erste fertige Film wahrscheinlich auch der mit Abstand erfolgreichste sein würde. Schließlich zahlt niemand bei Verstand mehrfach für eine im Kern identische Geschichte. Trotzdem sollten alle drei Projekte relativ eng beieinander im Herbst 1991 in die Kinos kommen. 1.2 Millionen Dollar hatten Morgan Creek Productions nach einem erbitterten Bieterwettstreit für den Entwurf der beiden Drehbuchautoren Pen Densham und John Watson hingeblättert, nun brauchte man auch einen entsprechend zugkräftigen Hauptdarsteller. Kevin Costner war spätestens seit Der mit dem Wolf tanzt einer der gefragtesten Darsteller überhaupt und stand sowohl bei MCP als auch TCF weit oben auf der Wunschliste. 

Will Scarlet steht den Plänen Robin von Locksleys anfangs kritisch gegenüber, hat für seinen persönlichen Groll aber einen guten Grund. | 4K UHD

Doch der lehnte die Rolle zunächst ab, da ihm das Drehbuch nicht gefiel. Erst, als man bei Morgan Creek dessen langjährigen Freund und Kollaborateur Kevin Reynolds für die Regie verpflichtete, sagte Costner doch noch zu. Reynolds selbst gab in einem späteren Interview ungeschönt zu, dass er sehr wohl darum wusste, dass man ihn lediglich als Köder angeheuert und mit knapp zwei Millionen Dollar Gage verglichen mit Costners 7.5 Millionen Dollar zudem auch finanziell eher abgespeist hatte. TriStar Pictures stiegen daraufhin aus dem Rennen aus, da man sich im Angesicht dieser überwältigenden Starpower keine Chancen auf einen Erfolg ausrechnete. Twentieth Century Fox blieben dagegen auf Kurs, entschied sich allerdings mit der Zeit dafür, das eigene Projekt unter dem Titel Robin Hood – Ein Leben für Richard Löwenherz nur noch im Rahmen eines Fernsehevents auszustrahlen. Der erbitterte Wettstreit war vorbei. Doch die Probleme sollten gerade erst anfangen. 

Robin und der Sheriff stehen sich zum alles entscheidenden Duell gegenüber. Es geht um alles: England, Rache und eine Frau. Wie romantisch! | 4K UHD

Unter anderem beim restlichen Cast, denn während Morgan Freeman als Azeem relativ schnell feststand, sollte eigentlich Robin Wright die Rolle der Lady Marian einnehmen, wurde aber nur Wochen vor Drehstart aufgrund ihrer Schwangerschaft durch Mary-Elizabeth Mastrantonio ersetzt. Alan Rickman sagte erst zu, nachdem man ihm völlig freie Hand bei der Ausgestaltung seines Charakters versprach, während Sean Connery für seinen kurzen Gastauftritt auf seine übliche Gage verzichtete und den Part von König Richard Löwenherz für eine günstige Viertelmillion übernahm, die er symbolisch an ein Waisenhaus in seiner schottischen Heimat spendete. Gedreht wurde ab September 1990 an Schauplätzen in England und Frankreich, wobei man Realschauplätze mit Matte Paintings für einen möglichst realistischen Look geschickt miteinander kombinierte. Die Stadt Nottingham und das Innere der dazugehörigen Burg wurden dagegen in den altehrwürdigen Shepperton Studios errichtet. 

Katja Riemann hat auch übel abgebaut. Kleiner Scherz. Tatsächlich ist die Hexe Mortianna eine nicht zu unterschätzende Gegenspielerin und lenkt die Geschicke des Sheriffs aus dem Verborgenen. | 4K UHD

Costner, der sich intensiv auf seine Rolle vorbereitet und so unter anderem den Umgang mit Schwertern und Bögen trainiert hatte, stand aufgrund seines engen Zeitplans nur begrenzt zur Verfügung, gleichzeitig erlebte das Team vor Ort die Schrecken des englischen Wetters, wodurch die engmaschigen Dreharbeiten immer wieder ausgesetzt werden mussten. Weil aufgrund der Wetterlage teilweise sogar der Flugverkehr von Heathrow aus umgeleitet werden musste, flogen regelmäßig Flugzeuge über das Set hinweg und ruinierten ganze Szenen. Kombiniert mit dem anhaltenden Druck seitens der Geldgeber und verantwortlichen Produzenten wurde die Stimmung am Set immer aufgeheizter. So kam es unter anderem zu einem Streit darüber, ob Costner die Rolle mit englischem Akzent spielen sollte, oder nicht – am Ende wurde es ein kruder Mischmasch, über den man sich vor allem in der englischen Presse lustig machte. 

Bruder Tuck ist einem guten Humpen nicht abgeneigt. Wäre die Kirche strenger gegenüber dem Konsum von Bier, gäbe es wohl wesentlich weniger Mönche. | 4K UHD

Mit zwei Wochen Verzögerung wurden die ursprünglichen Arbeiten im Januar 1991 erfolgreich fertigstellt. Während die erste, von Kevin Reynolds und seinem Cutter Peter Boyle erstellte Schnittfassung beim Testpublikum auf überwältigende Begeisterung stieß, erkannten die Produzenten entsetzt, dass dies nicht etwa auf die Leistung von Kevin Costner zurückzuführen war, sondern auf die seines filmischen Gegenspielers Alan Rickman. Der mimte den Sheriff nämlich mit derartig überwältigendem Charisma und hinterhältigem Witz, dass er dem eigentlichen Hauptdarsteller dabei in jeder seiner Szenen komplett die Show stahl. Doch Reynolds weigerte sich, die gewünschten Änderungen umsetzen, so dass man dessen Abwesenheit nutzte, um Boyle aus dem Schneideraum auszusperren und Costner selbst den Final Cut zu überlassen. 

Robin plant eine offene Rebellion gegen den Sheriff und sein Gefolge. Jetzt müssen die Aussätzigen im Sherwood Forest nur noch von seinem Vorhaben überzeugt werden. | 4K UHD

Darüber kam es wenig überraschend zum Zerwürfnis zwischen den beiden Freunden, denn Reynolds war von den Änderungen absolut nicht begeistert, verließ das Projekt drei Wochen vor der Uraufführung und verweigerte im Anschluss jedwede Mitwirkung an der Promotion. Erst als sich der große finanzielle Erfolg des Films abzuzeichnen begann, versöhnten sich die beiden wieder. Bei einem Reingewinn von über dreihundert Millionen Dollar ist das auch nicht die schlechteste Idee. Die Kritiken fielen allerdings überwiegend gemischt aus. Die überraschend düstere Interpretation des bekannten Stoffes stieß nicht überall auf Zustimmung, während die Darstellung Costners ebenso häufig kritisiert wurde wie das unausgeglichene und inkonsequente Drehbuch. Lediglich der viel zu früh verschiedene Alan Rickman wurde durchgehend gelobt, was auch absolut verdient ist, da er den Film hier wirklich fast komplett im Alleingang stemmt. Heimlicher Sieger des Films ist außerdem Bryan Adams, dessen Titellied die weltweiten Charts über Monate komplett dominiert hat. 

Raue Zeiten verlangen raue Maßnahmen. Zum Glück kann Marian wunderbar auf sich selbst aufpassen. So gut kann Emanzipation im Mittelalter sein! | 4K UHD

In der Retrospektive lassen sich diese Kritikpunkte tatsächlich noch mal ein wenig besser nachvollziehen als damals. Robin Hood – König der Diebe (im englischen Original eigentlich nur Prinz) tut sich extrem schwer damit, seine überraschend düstere Atmosphäre mitsamt einiger überraschend expliziter Darstellungen auf der einen Seite, und seinen Anspruch als unterhaltsames Popcornkino auf der anderen Seite über die Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden in eine nachvollziehbare Balance zu bringen. Der Film sieht sehr englisch aus, fühlt sich aber durchgehend amerikanisch an. Die humorvollen Momente wollen partout nicht in die gezeigte Retro-Dystopie passen, oder umgekehrt, wenn man es denn eher von der Seite sehen will. Es mangelt einfach durchgehend an Konsequenz. Am Ende pendelt sich der Film irgendwo zwischen mittelalterlichem Drama und Abenteuerfilm ein, schwankt dazwischen jedoch derart orientierungslos hin und her, dass einem als Zuschauer immer wieder schwindelig wird. Daran ändert auch der exzellente Score von Michael Kamen nichts. 

Azeem kann sehr viel mehr, als nur den Blick nach Osten zu suchen. | 4K UHD

Effekte und Ausstattung sind zwar hervorragend, oftmals wirkt die Action aber überzeichnet und weit weg von dem eher realitätsnahen visuellen Ansatz. Man merkt zu jeder Zeit, dass das ursprüngliche Skript während der Dreharbeiten fast täglich Änderungen unterworfen war. Alles in allem ist Robin Hood – König der Diebe trotz gravierender Schwächen ein unterhaltsamer Film und immer noch DIE zentrale Adaption einer ganzen Generation von Kinogängern. Die späteren Versuche weiterer Reboots – unter anderem 2010 von Ridley Scott und 2018 von Otto Bathhurst – konnten an diesen Erfolg nicht anknüpfen, so dass das Genre seitdem einmal mehr in der Versenkung verschwunden ist, nur darauf wartend, dass es sich eines Tages erneut aus der Asche erhebt. Bis dahin bleibt die Version mit Costner (ausgezeichnet mit der Goldenen Himbeere 1992), Rickman und Co. im Rahmen der Neuzeit das Maß aller Dinge. Nicht ganz verdient, aber so ist es nun einmal. Die frühen Neunzigerjahre waren eben wilde Zeiten.

Kinofassung und Langfassung

Dass es überhaupt zwei verschieden Fassungen des Films gibt, wissen tatsächlich nur wenige. Überwiegend jene, die Robin Hood – König der Diebe damals in der Urfassung im Kino gesehen haben. Dabei handelt es sich um die Version, die von Costner als ungenannter Mitproduzent gegen den Willen von Kevin Reynolds erstellt und um zahlreiche Szenen mit dem Sheriff von Nottingham erleichtert worden ist, um den Hauptdarsteller in ein präsenteres Licht zu rücken. Auch kleinere Handlungserweiterungen fielen der Schere zum Opfer. Als Warner Bros. als neue Rechteinhaber den Film 2003 erstmals auf DVD herausbrachten, fügte man diese Stellen wieder hinzu, wodurch allerdings ein sehr präsenter Kontinuitätsfehler entsteht, in der ein eigentlich um seine Zunge erleichterter Schreiber plötzlich wieder in der Lage ist, problemlos zu sprechen. SCHWARZE MAGIE! 

Das Konzil der Schwarzmagier darf nur in der Langfassung tagen... | 4K UHD

Klarzustellen ist, dass es sich bei dieser Langfassung NICHT um einen Director’s Cut des Regisseurs handelt. Dafür hätte man Kevin Reynolds Gelegenheit und Mittel einräumen müssen, den Film komplett nach seinen eigenen Vorstellungen neu zu schneiden. Trotzdem gilt die verlängerte Version als insgesamt stimmiger und unterhaltsamer. Mehr Rickman geht sowieso immer, aber auch in Sachen Verständlichkeit der Hintergründe mancher Charaktere schließt die Langfassung einige offene Lücken. Wer sich die Erweiterungen gerne einmal im Detail anschauen will, kann das bei unseren geschätzten Kollegen von Schnittberichte.com gerne tun. Deshalb ist es zunächst nicht wirklich schlimm, dass die Kinofassung seitdem komplett aus dem TV verdrängt worden ist, wo seit jeher nur noch die längere Version ausgestrahlt wird.

…und auch die Hintergründe des Sheriffs werden in der Kinofassung nicht so offensichtlich. | 4K UHD

Sehr viel problematischer ist, dass man im Zuge der Neuveröffentlichung auf DVD auch eine komplett neue Synchronfassung im Format Dolby Digital 5.1 erstellt hat, wo die Kinofassung lediglich über Stereoton verfügte. Die zuvor entfernten Szenen wollte man nämlich nicht im englischen O-Ton belassen, gleichzeitig waren die Originalsprecher entweder nicht verfügbar oder anteilig bereits verstorben. Nur Frank Glaubrecht, Jürgen Kluckert und Katja Nottke sprachen ihre jeweiligen Rollen erneut, während Dialogregisseur Lutz Riedel anstelle von Peter Fricke die Rolle des Sheriff von Nottingham übernahm, was vor allem bei Kennern der Kinoversion auf erhebliche Kritik stieß. 

Frank Glaubrecht spricht Kevin Costner in beiden Fassungen, kommt in der Kinoversion aber trotzdem besser rüber. | 4K UHD

Mit Recht, muss man sagen, denn die Neusynchronisation ist der Originalfassung qualitativ weit unterlegen, nimmt sich einige seltsame Freiheiten bei der Übersetzung heraus und klingt grundlegend steril. Außerdem ist Riedel eine komplette Fehlbesetzung für Rickman und entwertet dessen legendäre Darbietung damit über weite Strecken komplett. Erst Ende 2019 erschien dann unter dem Label von NSM Records ein erstes Set, welches erstmals auch die Kinofassung mit der originalen Synchronfassung enthielt. Und genau die haben wir für unseren anstehenden Bild- und Tonvergleich glücklicherweise noch im Regal stehen gehabt, direkt neben der Erstveröffentlichung von Warner Home Entertainment. Also bestens bestückt für ein ziemliches Stück Arbeit.  

4K UHD und Blu-Ray Remastered: Das Bild

Die alte Blu-Ray mit der Langfassung von Warner Bros. ist eine einzige Katastrophe und agiert gesamtqualitativ nur hauchfein vor der DVD. Kein Wunder, schließlich nutzen beide Veröffentlichungen dasselbe Master. Kaum Schärfe, Zeichnung ist praktisch keine vorhanden, Farben wirken komplett kraftlos und im Kontrastbereich sieht es auch nicht besser aus. Hinzu kommt ein völlig veraltetes Encoding. Die von NSM Records 2019 veröffentlichte Box inklusive Lang- und Kinofassung ist trotz sehr viel besserer Aufmachung und Ausstattung insgesamt kaum besser. 

Die bestehenden Blu-Rays (Slider →) sind komplett detailbefreit, völlig verwaschen, farblos und von Kompressionsartefakten durchseucht. Das neue Master, hier in Form der 4K UHD (Slider ←) wischt damit gnadenlos den Boden auf und überragt um Welten.

Erst drei Jahre später nahm sich das englische Edellabel Arrow dem Film erneut an, dieses Mal wurde ein komplett neuer Transfer in 4K von ursprünglichen 35mm-Analogmaterial angefertigt, umfangreich restauriert und anschließend mit HDR10 gemastert. Und genau dieses Master haben NSM Records nun für den deutschsprachigen Markt lizensiert. Entgegen unserer bisherigen Gewohnheiten wollen wir uns zunächst erstmal die 4K UHD anschauen, die natürlich auch einen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 an Bord hat. Im Direktvergleich mit den alten Blu-Rays hat die himmelweit die Nase vorne, wobei der mit Abstand größte Mehrwert durch die schiere Auflösung des neuen Masters zustande kommt. Es ist praktisch egal, wohin man blickt: Vegetation, Texturen, Gesichter, Haare…die Neuauflage legt in jedem Segment dramatisch zu und lässt einen den Film in dieser Form nochmal komplett neu entdecken. Und das so sehr, dass ich mir anmaßen möchte zu sagen, dass man nach der ersten Sichtung unter Garantie nie wieder zu den alten Veröffentlichungen oder den regelmäßigen TV-Ausstrahlen greifen wird, weil die Unterschiede wirklich so gravierend ausfallen.  

Wohin man auch blickt: Gegen die 4K UHD (Slider ←) ist die alte Blu-Ray (Slider →) komplett unterlegen. Da gibt's selbst DVDs, die besser aussehen.

Auch farblich hat sich einiges getan, angefangen bei den Darstellern. Vorher kränklich-blass und grünstichig, bringt das neue Grading mehr Orange ins Spiel und lässt die Darsteller nun merklich gesünder wirken. Generell wird der Film nun sehr von erdig-warmen Paletten dominiert, was gut zum Setting passt, auch wenn sich manch einer eventuell eine etwas natürlichere Farbgebung gewünscht hätte. Dafür differenziert die UHD sehr gut und färbt neutrale Flächen wie zum Beispiel den Horizont nicht ein, zudem strahlen Primärtöne – gut sichtbar während der Szenen im Wald oder zum Finale bei Richards Wappenrock – anhaltend kraftvoll durch. Obendrauf gibt’s sichtbar kraftvolleres Schwarz, in den vielen dunklen Sequenzen wird hervorragend durchgezeichnet, nur ganz selten wird es mal etwas sumpfig, aber der Film ist stellenweise wirklich elendig finster. Spitzlichter wie zum Beispiel die omnipräsenten Kerzen überstrahlen nicht. Außerdem stellt das neue Master das ursprüngliche amerikanische Bildformat 1,85:1 wieder her, wo die bestehenden Fassungen noch konsequent 1,78:1 aufwiesen, es gibt am linken und rechten Rand also einen etwas größeren Bildausschnitt zugunsten der typischen schwarzen Ränder am oberen und unteren Bereich. 

Die Blu-Ray (Slider →) überstrahlt rechts oben am Horizont komplett, ist nahezu vollständig definitionsbefreit und wirkt linksseitig schon wie ein Aquarell. Die 4K UHD (Slider ←) zeigt den einzig wahren James Bond inklusive umliegende Kulissen so, wie es ursprünglich ausgesehen hat. Vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

Weshalb wir uns dazu entschieden haben, zuerst die 4K UHD und dann die Blu-Ray Remastered zu besprechen, liegt in den deutlichen Unterschieden bei der Darstellung von Filmkorn. Wo das bei den bestehenden Veröffentlichungen aufgrund der technischen Gegebenheiten im Grunde kaum ein Thema gewesen ist, verfügt die UHD über eine sehr präsente Körnung, maßgeblich erzeugt durch das hier verwendete Filmmaterial – nämlich Agfa XT 320 -, welches dafür spezifisch ist. Im Ergebnis gefällt mir das sehr gut, da es ähnlich wie die erdigen Paletten hervorragend zu Alter und Stimmung des Films passt. Wer es lieber digitaler, bzw. ruhiger mag, wird an der 4K UHD keine Freude haben. Aber genau so wollten es die Macher nun einmal haben und als Purist ist es klasse, dass man diese ursprüngliche Vision nach all den Jahren erstmals wieder zu Gesicht bekommt. Hier folgt nun der Übergang zur Blu-Ray Remastered, die in zentralen Belangen ebenfalls einen sehr guten Eindruck hinterlässt, aber nicht ganz so gut differenziert, etwas weniger kraftvolle Farben offeriert und feine Details nicht mit derselben Präzision herausarbeitet wie die überlegene 4K UHD. 

Die 4K UHD (Slider ←) ist etwas dunkler abgemischt, als die Blu-Ray Remastered (Slider →). Wichtiger ist allerdings, das letztere über sehr viel weniger Körnung verfügt, was erst im laufenden Bild völlig klar wird. Dafür kann man hier bei genauem Hinsehen erkennen, dass sich bei der Blu-Ray in den Wolken kleinere Rauschcluster bilden. Ein klassisches Anzeichen dafür, dass hier in irgendeiner Form nachgeholfen worden ist.

Viel interessanter ist, dass die dort noch sehr präsente Körnung hier wieder drastisch zurückgefahren worden ist. Hier ist in jedem Fall mit Rauschfilter gearbeitet worden, was dem Endergebnis zwar nichts wegnimmt, aber in der Summe doch nochmal einen ganz anderen Look erzeugt. Ich vermute, dass das Master in seiner ursprünglichen Form nicht gut auf Blu-Ray ausgesehen hat. Wie gesagt, der Film ist über weite Strecken sehr dunkel, es gibt so manch harsche Kontrastflanke und es ist absolut möglich, dass das Format schlicht damit überfordert gewesen ist, all das bei einer anhaltend starken Körnung ohne Unruhen oder Artefakte wiederzugeben, weshalb man sich letztendlich dazu entschieden hat, die Körnung zu reduzieren. Im Ergebnis sieht das immer noch angenehm analog und filmisch aus, nur eben nicht mehr ursprünglich. Das gilt für Kino- und Langfassung gleichermaßen, obwohl man hier beide Fassungen auf jeweils eigenen Silberlingen untergebracht hat. 

Keine Ahnung, was der Blu-Ray (Slider →) mehr zusetzt: Das völlig veraltete Master oder das furchtbare Encoding. Statt Texturen und Zeichnung gibt's dort nämlich nur Artefakte im blassen Gesicht von Lady Marian. Die 4K UHD (Slider ←) kriegt das um ein vielfaches besser hin.

Letztendlich stellen beide Versionen ein krasses Upgrade dar, welche die bestehenden Fassungen hemmungslos aus dem Ring prügeln. Da es momentan sowieso keine Möglichkeit gibt, 4K UHD bzw. Blu-Ray Remastered einzeln zu erwerben, offeriert euch das Set zwangsläufig beides. So kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und für sich herausfinden, welche Fassung optisch eher dem persönlichen Geschmack entspricht. Beide haben ihre Daseinsberechtigung und gegeben an den technischen Limitierungen der Blu-Ray hat man die Sache hier wirklich gut gelöst. 

4K UHD und Blu-Ray Remastered: Der Ton

Beim Ton bleibt es unverändert. Die Kinofassung beinhaltet die Originalsynchronisation von 1990 im verlustfreien Format DTS-HD MA 2.0, während die Langfassung ausschließlich die Neuvertonung enthält und im Format DTS-HD MA 5.1 vorliegt. Beide dafür immerhin mit anhaltend korrigierten Tonhöhen. Für den O-Ton sieht es übrigens identisch aus. Trotz Seamless Branching gibt es also auch dieses Mal keine Option, die erweiterte Version mit alter Synchronisation zu hören – oder umgekehrt. Damit mag für manch einen ein wichtige Kaufargument entfallen und ich denke, dass man bei einer Differenz von gerade einmal zwölf Minuten Material, welches sich außerdem nicht aus einzelnen Frames zusammensetzt, locker noch einen Mittelweg hätte anbieten können. Die Internetpiraten haben das ganz offensichtlich mühelos hinbekommen. 

Die Rebellen werden von Nottinghams Truppen erbarmungslos unter Feuer genommen. | 4K UHD

Wo alles beim alten bleibt, bleiben natürlich ebenso Stärken und Schwächen erhalten. Die Neusynchronisation bezieht vor allem den Score von Michael Kamen mehr in die Räumlichkeit mit ein, bleibt davon abgesehen aber weitestgehend auf die Front beschränkt und macht kaum Gebrauch vom Subwoofer, während die ursprüngliche Kinofassung mit präsenteren und vor allem besseren Dialogen glänzt. Hier ist die Urfassung klar zu bevorzugen, da sie authentischer klingt und nicht so künstlich aufgeblasen wie die Langfassung. Beim O-Ton verhält es sich relativ ähnlich. Etwas dynamischer und kraftvoller geht der hin und wieder zu Werke, die große Offenbarung bleibt weiterhin aus. 

Die Extras

Das alte Set von NSM Records war bereits großzügig mit Extras bestückt, angefangen bei der gewohnt schicken Aufmachung im limitierten Mediabook mit dem ursprünglichen Plakatmotiv. Genau das gibt es nun erneut, allerdings mit zwei zusätzlichen Motiven, die mir persönlich allerdings nicht allzu sehr zusagen. Das man so behäbig versucht, den einzigartigen Stil des legendären und im letzten Jahr verstorbenen Drew Struzan zu imitieren, stößt mir anhaltend sauer auf. Auch dieses Mal sieht dieser Versuch sehr künstlich und lieblos aus. Da bleibe ich lieber beim Bewährten, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Auch das umfangreiche Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach liegt wieder mit bei. Mit Abwesenheit glänzt dagegen leider die von Arrow erstellte, 67-minütige Dokumentation Here We Are Kings, die absolut sehenswert ist. 

Ende gut, alles gut? | 4K UHD

Auch Artbook, Postkarten und Poster werden uns leider vorenthalten. Dafür gibt es allerlei bekanntes Material. Angefangen bei den beiden Audiokommentaren, zum einen mit Kevin Costner und Kevin Reynolds, zum anderen mit Morgan Freeman, Christian Slater sowie den beiden Drehbuchautoren. Letzterer macht deutlich mehr Spaß und ist vor allem sehr viel informativer als die eher nüchterne Begleitung der Kevins. Robin Hood: Der Mann, der Mythos, die Legende ist ein etwas mehr als halbstündiges EPK und setzt sich moderiert von Pierce Brosnan (!) hauptsächlich aus Interviews und Szenen vom Dreh zusammen, mit denen man den Film damals bei der Presse beworben hat. 

Enthalten sind außerdem ein Mitschnitt eines Auftritts von Bryan Adams aus dem Slane Castle in Irland, wo er seinen ikonischen Hit performt hat, Trailer und TV-Spots haben ebenfalls noch Platz auf den Silberlingen gefunden, abgerundet wird das Set mit einem separat vorliegenden Soundtrack und weiteren Interviews. Damit liegt die Veröffentlichung weit hinter der Ausstattung der Arrow-Veröffentlichung, kostet dafür aber auch weniger. Theoretisch zumindest, denn die limitierte Neuauflage ist bereits fast überall ausverkauft und wird gegenwärtig nur noch zu Mondpreisen auf gängigen Handelsplattformen angeboten. Ein anhaltend ärgerliches Geschäft. 

“Die vielen Probleme, die es rund um die Produktion von Robin Hood – König der Diebe gegeben hat, bleiben im fertigen Film offensichtlich. Dabei spielt es keine Rolle, was man eher bevorzugt: Kino- oder Langfassung. Beide Fassungen tun sich nämlich schwer damit, eine konsequente Identität zu finden und wissen nie so recht, ob sie mehr düsteres Drama oder leichtfüßiges Popcornkino sein wollen. Zudem bleibt Kevin Costner in der Rolle des englischen Nationalhelden eine Fehlbesetzung und ist dem in jeder Hinsicht überlegenen Alan Rickman völlig unterlegen. Dass der Film trotzdem so geschätzt wird, liegt neben dessen überragender Darstellung wahrscheinlich primär am Nostalgiefaktor. 4K UHD und Blu-Ray Remastered sind ein dramatisches Upgrade im Vergleich zu den alten Fassungen, hinterlassen aufgrund der komplett unterschiedlich gehändelten Körnung allerdings jeweils einen ganz eigenständigen Eindruck. Ton und Extras bleiben inklusive bestehender Restriktionen bei den Synchronfassungen identisch, was ein wenig schade ist, da man in beiden Belangen und vor allem verglichen mit der höherwertig ausgestatteten Version aus dem Vereinigten Königreich dann doch ein wenig hinter den Erwartungen zurückbleibt.”


Quelle Bildmaterial: ©Morgan Creek Productions Inc. Im Vertrieb von NSM Records. All rights reserved.

Entsprechende Testexemplare sind von uns auf eigene Kosten gestellt worden.

Sämtliches Bildmaterial ist Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.

*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen

©2026 M-Reviews.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*