Damals revolutionäre Puppentricks, ein fantastischer David Bowie in der Hauptrolle, dazu geniale Musik und magische Bilder: Die Reise ins Labyrinth brachte 1986 alle Zutaten für einen potenziellen Blockbuster mit, mauserte sich aber erst auf VHS zum Kultfilm einer ganzen Generation. Zum 40. Geburtstag veröffentlichen Sony Pictures den Film nun als schicke Sammleredition mit tonnenweise Extras und einer aufgewerteten 4K UHD.


Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment im Vertrieb von PLAION Pictures
Erstveröffentlichung: 1986






Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise vorab kostenlos von PLAION Pictures zur Verfügung gestellt worden.
Der Film
Die Pubertät ist für keinen eine schöne Zeit. Für die fünfzehnjährige Sarah (Jennifer Connelly) kommt erschwerend hinzu, dass ihre Stiefmutter ein elitärer Besen ist und der Vater nie Zeit für sie hat. Die ganze Aufmerksamkeit wird stattdessen ihrem ungeliebten Halbbruder Toby gewidmet. Als Sarah auf den kleinen Schreihals aufpassen soll und mit dessen Allüren völlig überfordert ist, wünscht sie sich verzweifelt, ihr Halbbruder solle doch von den Kobolden geholt werden – ganz so, wie es auch in ihrem Lieblingsbuch geschieht. Ein Wunsch, den sie kurz darauf schon wieder bereut. Doch es ist bereits zu spät, denn die Kobolde sind tatsächlich sehr real und verschleppen Toby in das Schloss des charismatischen Koboldkönigs Jareth (David Bowie).

Und der lässt sich auch durch sämtliches Bitten und Flehen nicht dazu überreden, den Wunsch rückgängig zu machen, bietet Sarah aber trotzdem einen Ausweg: Sollte es ihr gelingen, binnen dreizehn Stunden das gewaltige Labyrinth rund um das Schloss zu durchqueren, wird er Toby freilassen. Sollte sie jedoch scheitern, wird er ihren Halbbruder in einen Kobold verwandeln. Gestrandet im Ödland und mit der unerbittlich ablaufenden Zeit im Nacken, gelingt es Sarah mithilfe des mürrischen Zwergs Hoggle, den Eingang zum Labyrinth zu finden. Doch der magische Irrgarten wartet mit allerlei Gefahren auf, die Sarah um jeden Preis von ihrem Vorhaben abhalten sollen. Sogar der Versuch, ihren Weg mithilfe von Lippenstift zu markieren, wird von den ansässigen Kreaturen geschickt vereitelt.

Doch zum Glück sind ihr nicht alle Elemente im Labyrinth bösartig gesinnt. Neben Hoggle schließt sich bald auch der gutmütige Troll Ludo dem gefährlichen Unterfangen an. Doch Jareth ist keineswegs gewillt, den kleinen Toby einfach ziehen zu lassen und legt den tapferen Abenteurern auf ihrem Weg zum Schloss immer neue Steine in den Weg. Dabei lernt Sarah allmählich, worum es im Leben wirklich geht und wie sehr sie eigentlich an ihrem Halbbruder hängt. Erkenntnisse, welche sich in der kommenden Auseinandersetzung mit dem Koboldkönig möglicherweise als extrem nützlich erweisen könnten…falls man nicht vorher im Moor des ewigen Gestanks versinkt. Igitt!
Die Rezension
Inspiriert von ähnlich gestrickten Filmen wie Der Zauberer von Oz, hatte Jim Henson schon lange den Wunsch, einen Beitrag zu jenem Genre zu leisten, welches einst seine Generation in jungen Jahren so sehr verzaubert hatte. Entsprechend zahlreich sind auch die inhaltlichen Parallelen, in deren Mitte einmal mehr ein junges Mädchen steht, welches im Verlauf der Handlung durch die ihr auferlegten Prüfungen eine bemerkenswerte Wandlung vollzieht und am Ende ein ganzes Stück erwachsener aus dem bestandenen Abenteuer hervorgeht. Eine Wandlung, die von Jennifer Connelly glaubhaft dargestellt wird. Die damalige Jungschauspielerin hatte sich bereits zwei Jahre zuvor durch ihre exzellente Darstellung in Sergio Leones Es war einmal in Amerika für größere Aufgaben empfohlen – der Beginn einer bis heute erfolgreichen Karriere.

Connelly verkörpert hier eine modernisierte Dorothy Gale, deren Darstellung in den frühen Achtzigern schon längst nicht mehr modern und dementsprechend schwer zugänglich für die damalige Jugend war. Dabei konnte sie sich gegen eine ganze Reihe nicht minder prominenter Mitbewerber durchsetzen, unter anderem Sarah Jessica Parker und Marisa Tomei. Mit einem spielfreudigen David Bowie als sinistrem Gegenspieler, der praktischerweise auch gleich noch ein paar Songs zum Film beisteuerte, hatte man zumindest auf dem Papier alle nötigen Zutaten zusammen, um die Millennials scharenweise in die Lichtspielhäuser zu locken. Die Tricks wurden von Industrial Lights and Magic umgesetzt, George Lucas selbst fungierte zudem als Produzent. Leider eben nur auf dem Papier, denn das mit aufwändigsten Puppentricks und Kulissen realisierte Abenteuer wollte zunächst kaum jemand sehen, woran auch der Name des Star-Wars-Schöpfers höchstselbst nichts zu ändern vermochte. Und damals war nichts, wirklich gar nichts, größer als Star Wars!

Die Gründe dafür sind zahlreich. Zum einen fielen die Kritiken allenfalls durchwachsen aus, kritisiert wurde vor allem fehlende Spannung und eine uninspirierte Handlung, andererseits wurde der Kinosommer ’84 von Filmen wie Top Gun und Ferris macht blau dominiert, gegen die das Puppenspektakel fast schon wieder altbacken rüberkam. Dieser erneute Misserfolg trug maßgeblich dazu bei, dass Jim Henson das Filmemachen im Anschluss komplett an den Nagel hängte, ehe er 1990 schließlich starb. Ein unverdientes Ende für den Vater der Muppets, der den späteren Kultstatus seiner Werke nicht mehr erleben konnte, denn genau wie Der Dunkle Kristall wurde Die Reise ins Labyrinth in späteren Kritiken wesentlich wohlwollender bedacht. Mit dem Aufkommen der VHS als Massenphänomen wurde ein völlig neues Publikum erschlossen, wodurch sich nachträglich doch noch ein guter Erfolg einstellte. Beide Filme scharren bis heute eine loyale Anhängerschaft um sich.

Tatsächlich ist Die Reise ins Labyrinth kein schlechter Film, aber eben auch kein Meisterwerk. Erzählerisch wird hier vor allem Genrekennern nichts neues geboten und die Gesangseinlagen von David Bowie, dessen Talent unbestreitbar war, fühlen sich in meinen Augen arg deplatziert an. Verglichen mit Der Dunkle Kristall ist dies der zugänglichere Film, da er nicht den Fehler begeht, komplett von Puppen getragen zu werden, sondern einen Menschen in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Auch ist die Grundstimmung nicht so düster. Ich persönlich habe den Film genossen, würde ihn mir jetzt aber auch kein zweites Mal ansehen wollen. Dafür bin ich wahrscheinlich gute zwanzig Jahre zu spät geboren wurden. Aber ich verstehe in Teilen, warum Hensons Spätwerk von so vielen Menschen allen Alters geliebt wird. Es hat eben jede Generation ihren eigenen Zauberer von Oz. Und das ist ganz wunderbar so.
Das Bild
Der damals selbstverständlich komplett analog gedrehte Film wurde erstmals 2009 in High Definition aufgelegt, federführend auch damals unter dem Banner von Sony Pictures. Die dazugehörige Erstauflage in Form der Blu-Ray ist ein klassisches Produkt ihrer Zeit und leidet vor allem unter heutigen Gesichtspunkten unter zahllosen Schwächen. Angefangen beim Master selbst, welches wie so viele andere aller Wahrscheinlichkeit nach entstanden ist, als wir uns gerade im Übergang zwischen analogem und hochauflösendem Fernsehen befanden. Und genau das fasst den Gesamteindruck der Blu-Ray eigentlich ganz wunderbar zusammen, denn man bekommt hier nichts halbes, aber auch nichts ganzes. Die Scheibe tut sich sichtbar schwer damit, feinere Details vernünftig aufzulösen. Hinzu kommt, dass das veraltete Encoding regelmäßig Schwierigkeiten damit hat, die Körnung ausgeglichen zu händeln.
Vor allem auf hellen oder dunklen Oberflächen bilden sich immer wieder Cluster. Insgesamt hinterlässt das Bild einen leicht gefilterten Eindruck, wobei anschließend nochmal nachgeschärft wurde, was häufig in unnatürlich anmutenden Konturen gipfelt, um die sich weitere Unruhen bilden. Farblich tendiert die Erstauflage innerhalb der Realweltszenen eher ins Rötliche, worunter nicht nur neutrale Flächen zu leiden haben, sondern auch die Gesichter der Darsteller eher fiebrig rüberkommen. Mit dem Wechsel in die Welt des Koboldkönigs driftet es dann mehr ins Gelbgrün ab, was ebenfalls nicht allzu gut aussieht. Wie eingangs erwähnt, tut sich die Veröffentlichung sichtbar schwer damit, zu irgendeinem Zeitpunkt eine gesunde Mitte zu finden. Die Kontraste stellen da abschließend keine Ausnahme da, denn vor allem in dunkleren Szenen mangelt es an allen Ecken und Enden an Zeichnung. Nein, das geht in der Summe in jedem Fall besser.
Zum 30. Jubiläum ließ man bei Sony einen komplett frischen Scan in 4K vom ursprünglichen 35mm-Analogmaterial vornehmen. Ausgestattet mit einem erweiterten Farbraum nach Rec.2020 und Support für HDR10 ist der verglichen mit der alten Blu-Ray eine echte Offenbarung. Was hier alleine durch schiere Auflösung aus dem Material herausgekitzelt wird, ist wirklich sensationell und lässt einen den Film noch einmal völlig neu erleben. Es gibt im Grunde keine Einstellung, die nicht in irgendeiner Form Details offenbart, die man vorher allenfalls erahnen konnte. Darüber liegt eine durchgehend feine, wunderbar natürlich anmutende Körnung, welche auch in den dunkleren Einstellungen mit hoher Stabilität glänzt. Farben präsentieren sich ausgeglichener und vor allem natürlicher mit anhaltend knalligen Highlights, während neutrale Flächen nicht mehr unansehnlich eingefärbt dargestellt werden. Und im Kontrastbereich darf man sich über kräftiges Schwarz bei anhaltend guter Durchzeichnung freuen.
Fünf Jahre später – nämlich jetzt – gibt es eine weitere Neuauflage in 4K, die im Kern auf demselben guten Master basiert und dank einhundert Gigabyte umfassendem Datenträger gute zwanzig Megabit mehr Bitrate pro Sekunde offeriert, wodurch primär die ohnehin schon sehr feine Körnung nochmals hauchfein besser gehändelt wird. Dazu gibt’s wie schon bei der Neuauflage von The Da Vinci Code – Sakrileg jetzt auch Dolby Vision. Im direkten Vergleich mit dem bestehenden Mastering in HDR10 muss man jedoch abermals sehr genau wissen, wonach man mit dem Auge suchen muss, um die Unterschiede zu erkennen. Hier und da wirkt die Neu-Neuauflage hauchfein dynamischer im Schwarz. Alles andere, von der Auflösung bis über die Farbgebung, ist komplett identisch. Falls ihr die 30. Anniversary Edition bereits im Regal stehen habt, könnt ihr euch die erneute Anschaffung also mit gutem gewissen sparen.
Der Ton
Beim der Klangbestückung muss man typisch Sony wieder einmal ein Downgrade hinnehmen, denn wo die alte Blu-Ray noch mit Dolby TrueHD 5.1 aufgewartet hat, verfügte die Neuauflage zur 30. Anniversary Edition bereits nur noch eine komprimierte Fassung in Dolby Digital 5.1, welche für die Neu-Neuauflage (das Wort wird auch in der Wiederholung nicht schöner) konsequent übernommen worden ist. Die hört sich für meinen Geschmack insgesamt etwas weniger dynamisch im Tiefdruckbereich an, bietet aber eine anhaltend gute Räumlichkeit mit klar verortbaren Effekten. Auch der wunderbare Soundtrack von Trevor Jones besticht mit gut abgemischter Präsenz, gleiches gilt für die Dialoge im Center. Dieses ganz leicht muffige, was viele Synchronfassungen dieser Zeit an sich haben, lässt sich zwar nicht verleugnen, die Verständlichkeit wird jedoch durchgehend gewährleistet.

Die englische Originalfassung liegt dagegen in Dolby Atmos vor, klingt in der Summe klarer und offeriert genau jene Dynamik, die man bei der deutschen Fassung anteilig vermisst. Die zusätzliche Höhenebene erweitert das Geschehen minimal in den Raum und nutzt die wenigen echten Möglichkeiten dafür entsprechend aus. Auf ein großes Effektgewitter darf man sich hier aber nicht einstellen, denn nach dem noch recht eindrucksvoll von oben prasselnden Regenschauern in den Eröffnungsminuten beschränkt man sich für den Rest des Films hauptsächlich auf zuschlagende Türen oder kleinere Umgebungsgeräuschen. Keineswegs genug, um der englischen Tonspur groß hinterher trauern zu müssen. Die Neu-Neuauflage (das letzte Mal, versprochen!) bietet dafür aber erstmals noch eine originale Stereospur für beide Sprachen inklusive Französisch, die für Puristen durchaus interessant sein dürfte und ihren ganz eigenen Charme entfaltet. Reinhören lohnt sich also!
Die Extras
Schon die Edition zum 30. Jubiläum war großzügig mit vielen neuen Extras bestückt und bot im Vergleich zu der eher mickrig bestückten Erstauflage tonnenweise spannendes Material, darunter auch zahlreiche Retrospektiven mit Cast und Crew. All das gibt’s hier erneut, ausgelagert auf eine zusätzliche Blu-Ray. Der Großteil der Extras liegt in HD vor, lediglich die umfangreiche Dokumentation sowie das halbstündige Featurette Eine Reise durchs Labyrinth: Die Suche nach der Koboldstadt liegen anhaltend in Standardauflösung vor. Gänzlich neu sind mehrere Aufnahmen vom Vorsprechen, außerdem gibt’s ein kleines Tutorial für alle, die sich auch einmal an der im Film gezeigten Kontaktjonglage versuchen wollen. Mit einer Gesamtlaufzeit von über zweieinhalb Stunden enthält man hier einen faszinierenden Einblick in die komplexe Herstellung eines ganz und gar außergewöhnlichen Films.

Neben der 4K UHD liegt der Box auch eine Blu-Ray mit dem Film bei, welche ebenfalls auf dem zeitgemäßen neuen Master basiert, beide Fassungen werden mit dem bekannten Audiokommentar von Konzeptdesigner Brian Froud zu passenden deutschen Untertiteln ausgeliefert. Star der Show dürfte allerdings die Box selbst sein, die mit ihrem veredelten Hardcoverschuber und wunderschöner Goldprägung eine Zierde für jedes Sammlerregal darstellt. Ein doppelseitig bedrucktes Poster, sechs Artcards inklusive Umschlag sowie ein 64-seitiges Booklet mit Texten von Stefan Jung und ausführlichen Bilderstrecken runden die edle Veröffentlichung perfekt ab. Alternativ gibt es noch eine leicht abgespeckte Variante, die sich aber ebenfalls sehenlassen kann.

“Die Reise ins Labyrinth mag visuell heute nicht mehr ganz so eindrucksvoll wirken wie zur Zeit seiner Erstveröffentlichung, aber die schöne Geschichte, ein spielfreudiger Cast und die wunderbar detailverliebten Puppen entfalten auch fünfunddreißig Jahre später immer noch einen gewissen Reiz, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Für ein ganz junges Publikum ist und bleibt das Werk aber stellenweise etwas zu gruselig. Die 4K UHD bleibt eine Augenweide und sieht dank Dolby Vision nochmal einen Ticken besser aus. Für Sammler ist die Box dank fantastischer Aufmachung und der gewaltigen Menge an Extras Pflicht. Wer den Film bisher verpasst hat, dürfte langfristig kaum eine bessere Möglichkeit finden, den spät zum Kult avancierten Jugendklassiker nachzuholen.”

Quelle Bildmaterial: ©Sony Pictures Home Entertainment. Im Vertrieb von PLAION Pictures. All rights reserved.
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