Über mehrere Jahre hinweg haben Fans kurzweiligen Horrors ein brauchbares Zuhause unter dem Dach der Dark Pictures Anthology gefunden. Und obwohl lange angekündigt, mussten wir auf den neuesten Ableger der Reihe – nämlich Directive 8020 – deutlich länger warten, als ursprünglich geplant. Die zusätzliche Entwicklungszeit hat dem Sci-Fi-Grusel zwar nicht geschadet, am Ende schaffen es Supermassive Games aber einmal mehr nicht, sich spürbar von der längst eingestaubten Formel zu lösen.


Entwickler: Supermassive Games
Publisher: Bandai Namco
Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series X|S
Veröffentlichungsdatum: 12. Mai 2026
Preis: ab 49.99€*
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Obwohl wir uns über Monate hinweg intensiv darum bemüht haben, ein offizielles Testmuster zur Verfügung gestellt zu bekommen, sind wir am Ende ebenso wie die allermeisten unserer hiesigen Mitbewerber leer ausgegangen. Da wir in all den Jahren aber keinen Titel der Reihe ausgelassen haben, wurde unser Exemplar für PlayStation 5 von uns auf eigene Kosten gestellt.
Zur besseren Ansicht haben wir das dank HDR im Ergebnis sehr dunkle Bildmaterial individuell aufgehellt.
Zukunftsängste
In wenigen Jahrzehnten steht die Erde unmittelbar vor dem ökologischen Kollaps. Längst hat eine verzweifelte Suche nach anderen, lebensfähigen Planeten für die Menschheit begonnen. Nun glaubt man, in dem weit entfernten Tau Ceti f einen geeigneten Himmelskörper gefunden zu haben. Tech-Milliardär LaMarcus Williams zögert nicht lange und lässt von seiner Megacorporation Corinth zwei identische Raumschiffe namens Cassiopeia und Andromeda bauen, die den schwierigen Anforderungen einer mehrjährigen Reise durch das All standhalten sollen. Und da Geld offenbar so gar keine Rolle bei diesem Unterfangen spielt, setzen sich die Crewmitglieder selbstredend ausschließlich aus den besten Wissenschaftlern ihres Fachs zusammen. Der Plan: Die Cassiopeia soll vor Ort zunächst die Lage abklären, während die mit viermonatiger Verzögerung nachträglich eintreffende Andromeda die erste Landung auf der Planetenoberfläche vornimmt.

Während der Großteil der Crew einschließlich des kommandierenden Offiziers Nolan Stafford die Reise im Hyperschlaf verbringt, überwachen die beiden Schlaftechniker Simms und Carter kontinuierlich den Zustand von Schiff und Besatzung. Die Jahre vergehen überwiegend ereignislos, bis kurz vor dem Ziel ein Meteorit durch die äußere Schiffshülle einschlägt und dabei einige Schäden anrichtet. Unter Einsatz ihres Lebens gelingt den Wissenschaftlern erfolgreich die Versiegelung, dabei bleibt jedoch unbeachtet, dass der angebliche Meteorit von einem außerirdischen Fremdkörper bewohnt wird, der sich in Windeseile im Schiff ausbreitet. Zwei Tage nach diesen Ereignissen erwacht nach und nach der Rest der Crew aus ihrem Dornröschenschlaf und ahnt schnell, dass an Bord irgendetwas nicht zu stimmen scheint.

Von den beiden Schlaftechnikern fehlt jede Spur und die teils stark beschädigten Videoaufzeichnungen lassen darauf schließen, dass Simms nicht mehr bei klarem Verstand ist. Tatsächlich entgeht Eisele bei der Suche nach Antworten nur knapp einem hinterhältigen Mordanschlag. Wenig später wird die Cassiopeia gezwungen, auf der Oberfläche notzulanden. Gefangen auf einer fremden Welt und ohne Aussicht auf Hilfe, müssen sich die Überlebenden einem feindseligen Organismus entgegenstellen, der jedes Crewmitglied perfekt imitieren kann. Und das ist nicht einmal die grausamste Wahrheit, der sich das Team auf Tau Ceti f stellen muss. Doch wie soll man gegen eine derart übermächtige Bedrohung bestehen, wenn die Grenzen zwischen Freund und Feind immer weiter verschwimmen?
Carpenter, Scott und alles dazwischen
Das alles kommt euch als Horrorfans irgendwie verdächtig bekannt vor? Kein Wunder, denn die Macher haben sich bei der Umsetzung von zahllosen Klassikern des Genres inspirieren lassen, hauptsächlich natürlich Alien und Das Ding aus einer anderen Welt – frei nach dem alten Motto “Lieber gut kopiert als schlecht geklaut”. Das Problem bei Directive 8020 ist nur, dass man dazwischen offenbar vergessen hat, wenigstens ein paar eigenständige Ideen einzubauen. Oder sagen wir wenigstens solche, die funktionieren. Supermassive Games ist es weder gelungen, die dichte Atmosphäre der Vorbilder einzufangen, noch zu irgendeinem Zeitpunkt irgendeine Form von Sympathie für die Charaktere zu erwecken. Die sind nämlich mit Ausnahme der prominent besetzten britischen Schauspielerin Lashana Lynch allesamt derart unsympathisch, dass man allzu oft versucht ist, sie dem Organismus mit Absicht zum Fraß vorzuwerfen.

Dazu trägt auch die fast durchgehend unmotivierte deutsche Vertonung bei, welche häufig so rüberkommt, als hätten die jeweiligen Akteure ihre Texte allesamt im Delirium vom Zettel abgelesen. Gleichzeitig störe ich mich als alter Dark-Pictures-Veteran an den vielen vertrauten Gesichtern, die seit Little Hope so beständig in immer neuen Rollen besetzt werden und trotzdem anhaltend so hölzern spielen, dass es einem physische Schmerzen bereitet. Supermassive Games täten gut daran, für zukünftige Ableger mal ein paar mehr neue Darsteller zu rekrutieren, anstatt immer nur den Hauptcharakter auszutauschen. Nochmal mag ich die Riege dieser längst ausgelutschten Schauspielkatastrophen einfach nicht mehr sehen. Die Geschichte ist selbst für Nichtkenner der Vorlagen extrem vorhersehbar, erst zum Ende hin gelingen dann doch ein-zwei angenehme Überraschungen, was im Verhältnis aber schlicht zu wenig ist, wenn man Directive 8020 nicht unmittelbar nach dem Abspann wieder völlig vergessen will.

Gleichzeitig hat man sich dazu entschieden, nicht nur den verbindenden Titel bisheriger Spiele im Zyklus – nämlich The Dark Pictures Anthology – komplett zu streichen, sondern dabei auch gleich noch den von Pip Torrens verkörperter Kurator als begleitendem Erzähler alternativlos wegzurationalisieren. Beides ergibt irgendwie keinen Sinn, da die Geschichte anhaltend im gleichen Kosmos spielt und sogar einen absolut essentiellen inhaltlichen Bezug zu einem früheren Ableger zieht. Wer mehr Kundschaft erreichen und sein Publikum dauerhaft ausbauen möchte, sollte das in erster Linie über inhaltliche Qualität tun und nicht über solche Tricksereien. Denn unter der Haube ist Directive 8020 ebenso Mittelmaß wie seine semi-verleumdeten Vorgänger. Kurzweilig, ja. Ideal für einen Couchabend mit Freunden, aber zu keinem Zeitpunkt mehr als das. Das mag im Angesicht des halbwegs fairen Preises noch ein Weilchen funktionieren, aber auch nur solange, bis irgendwann ein kompetenterer Mitbewerber auf der Bildfläche aufschlägt – und die Anforderungen dafür sind gar nicht mal so hoch.
Im Weltall hört dich niemand schnarchen
Gleichzeitig geht der bereits seit Until Dawn immer und immer wieder im Kern wiederverwerteten Gameplayformel allmählich die Luft aus. Zugutehalten kann man dem Spiel lediglich, dass es seine Todesszenen anhaltend mit herrlichem Ekelfaktor zu inszenieren versteht. Abgesehen davon kennt man seine Pappenheimer mittlerweile, entsprechend selten kann einen das Gezeigte noch erschrecken. Die allzu sterilen Umgebungen langweiligen schnell, es mangelt an visueller Abwechslung. Unzulänglichkeiten, von denen die erneute Unmenge an sammelbaren Objekten zu keinem Zeitpunkt ablenken kann. Gute sieben bis zehn Stunden dauert ein Durchgang im Schnitt, wobei man hier erstmals den essentiellen Vorteil hat, sich nicht mehr umständlich durch bestimmte Rücksetzpunkte arbeiten zu müssen, weil man gerne situationsbedingt andere Ausgänge herbeiführen möchte. Stattdessen könnt ihr über eine Zeitleiste nun bequem an mehreren vorgegebenen Punkten erneut ins Spiel einsteigen. Ein Gottesgeschenk, vor allem für diejenigen, die sich in früheren Titeln für die Erfolge bis zu sieben Mal durch die Geschichte quälen mussten, weil man für einzelne Sammelobjekte komplett andere Ereignisketten schaffen musste.

Wer es ein bisschen endgültiger mag, kann wahlweise den Überlebensmodus spielen, der einen von der Möglichkeit rascher Korrekturen komplett ausschließt. All eure dort getroffenen Entscheidungen sind also endgültig, unerwünschte Tode eingeschlossen. Dafür hat man den Zweispielermodus gestrichen und ohne Kurator gibt’s natürlich auch keinen Curator’s Cut. Was geblieben ist, ist der Filmabend, bei dem ein Controller an mehrere Spieler im Raum weitergereicht werden kann. Obwohl die Geschichte insgesamt etwas länger dauert als sonst, fühlt man sich hier doch um Inhalte betrogen. Und freilich ist der Wiederspielwert nur so hoch, wie es eure persönliche Motivation zulässt. Wer statt einem bestimmten Ende mit jedem Ausgang zufrieden ist, dürfte nach knapp sieben bis neun Stunden problemlos den Abspann erreichen.

Zwar hat man sich bemüht, den Charakteren innerhalb dieser Zeit mehr Persönlichkeit und Tiefe zu verschaffen, was aber angesichts der wie erwähnt chronischen unnahbar-unfreundlichen Riege kaum ins Gewicht fällt. Ein Inventar ist neu dazugekommen und fügt sich einigermaßen sinnvoll ins Geschehen ein, revolutionär ist das jedoch ebenso wenig wie die aufgesetzten Schleichpassagen, denen wir uns immer mal wieder zwischendurch stellen müssen.
Directive 8020 erscheint neben einer Standard Edition auch als knapp zehn Euro teurere Deluxe Edition, die neben alternativen Outfits und bestimmten Bildfiltern noch weitere digitale Extras wie den Soundtrack und das Artbook zum Spiel enthält. Die entsprechenden Inhalte lassen sich auch nachträglich erwerben. Auf die Spielbalance hat all das keinerlei Auswirkungen, dementsprechend verzichten wir auf eine zusätzliche Abwertung.
Was als gut gemeinte Idee ins Spiel implementiert worden ist, um Spielern eine Gelegenheit zum Durchatmen zu geben, entpuppt sich in der Realität als wenig funktionell, da es schlicht an einer guten Umsetzung mangelt. Die Verfolger laufen nämlich behäbig eine immer gleiche Route ab und bemerken uns oft erst, wenn wir uns ihnen unmittelbar auf kurze Entfernung direkt vor den Augen parken.
Neue Technik, alte Probleme
Während die Vorgänger allesamt noch auf Basis der Unreal Engine 4 programmiert worden sind, haben die Entwickler die längere Fertigungszeit genutzt und den Sprung auf deren Nachfolger gewagt. Damit einher geht unter anderem eine leicht verbesserte Animationsqualität, wenngleich sich die Charaktere immer noch etwas steif durch die chronisch dunklen Korridore bewegen. Deutliche Verbesserungen gibt es dagegen bei der Beleuchtung, welche maßgeblich zur Atmosphäre des Spiels beiträgt. Auf PlayStation 5 und XBOX kommt softwarebasiertes und von Raytracing gestütztes Lumen zum Einsatz, was auf den ersten Blick schon sehr gut aussieht, sich bei genauem Hinsehen jedoch arg anfällig für Unruhen entpuppt. Die PlayStation 5 Pro agiert hier hardwarebasiert und sieht im Direktvergleich dramatisch sauberer aus, wobei teilweise sogar Ergebnisse erzielt werden, die eindrucksvoll nahe an die exklusive Pathtracing-Option im Rahmen der PC-Version heranreichen.

Alle Konsolen haben gemein, dass sie über drei Modi verfügen. Angefangen beim klassischen Grafikmodus, der dynamisch zwischen 1440p und 1728p auflöst und die bestmögliche Wiedergabequalität offeriert, dafür aber maximal 30 Bilder pro Sekunde beschränkt bleibt. Anders als in manch anderen Titeln nicht die schlechteste Option, da wir es hier mit einem extrem cineastischen Abenteuer zu tun haben, welches nicht zwangsläufig auf eine höhere Bildrate angewiesen ist. Ein ausbalancierter Modus, der ausschließlich für Besitzer eines 120-Hertz-kompatiblen Displays zur Auswahl steht, schaufelt bei durchgehend 1440p zehn Bilder pro Sekunde zusätzlich auf den Prügel und ist vor allem auf PlayStation 5 Pro eine exzellente Alternative, da nur dort PSSR zur Hochskalierung genutzt werden kann, während das klassische TSR der übrigen Konsolen als Softwarelösung hier sichtbares Ghosting produziert.

Zu guter Letzt gibt es noch einen Leistungsmodus, der 60 Bilder pro Sekunde für ein maximal flüssiges Spielgefühl anpeilt und diese abseits der typischen gelegentlichen Mikroruckler auch über sämtliche Plattformen stabil erzielt. Dynamisch aufgelöst wird dabei zwischen 864p und 1440p, mit gemischtes Ergebnissen auf den Basiskonsolen, da die Skalierung auch hier leider nicht sauber funktioniert. Gleichzeitig wird die Beleuchtungsqualität sichtbar reduziert, es liegt also in eurem Ermessen, ob ihr zugunsten eines geschmeidigeren Spielgefühls freiwillig auf einen guten Teil der Gesamtatmosphäre verzichten wollt. Dank PSSR sieht der Modus auf PlayStation 5 Pro immer noch wunderbar scharf und vor allem dramatisch ruhiger aus, die qualitativen Abstriche bleiben jedoch erhalten. Eine Daseinsberechtigung hat in meinen Augen jeder dieser Modi und funktionell sind sie sowieso allemal.

Angenehm fällt am Rande auf, dass sich durch die zusätzliche Entwicklungszeit auch die Fehler in Grenzen halten. Wo die Vorgänger teilweise unter heftigen Animations- und Physikaussetzern gelitten haben, spielt sich Directive 8020 von Anfang bis Ende eine ganze Ecke runder. Und auch die Ladezeiten sind plattformunabhängig angenehm kurz. Die Bedienung geht mit Gamepad am besten von der Hand, während es der Steuerung am PC via Maus und Tastatur anhaltend an Präzision mangelt, was besonders in Momenten mit schneller Reaktionsfähigkeit schon mal in kritischen Fehlern enden kann. Die Möglichkeiten des DualSense werden insgesamt nicht voll ausgenutzt, lediglich die Einbindung des Mikrofons sorgt für ein bisschen zusätzliche Immersion bei speziellen Gesprächen. Der Soundtrack könnte für meinen Geschmack präsenter sein, dafür kann sich die allgemeine Geräuschkulisse absolut hören lassen – zumindest, sofern ihr über eine gute Heimkinoanlage oder alternativ ein Paar hochwertiger Kopfhörer verfügt.

“Wer nach der zusätzlichen Entwicklungszeit von Directive 8020 gehofft hat, dass Supermassive Games ihre Episodenreihe einer kompletten Erneuerungskur unterzogen würde, dürfte mit dem Ergebnis ziemlich enttäuscht werden. Denn während die meisten technischen Aspekte definitiv eine sichtbare Verbesserung erfahren haben, bleibt das Gameplay im Kern doch ebenso gleich wie die vielen wiederkehrenden und längst völlig verbrauchten Gesichter. Erzählerisch baut man zu sehr auf die großen Vorlagen, ohne dabei je deren individuelle Qualität zu erreichen, während die wenigen eigenen Ideen entweder zu spät kommen oder spielerisch nicht richtig zünden wollen. Wer Spaß an der kurzweiligen Reihe hat, wird auch hier einmal mehr annehmbar zu einem fairen Preis bedient. Wer dagegen schon mit den bisherigen Ablegern nicht wirklich warmgeworden ist, kann das überwiegend schockbefreite Sci-Fi-Gemetzel mit gutem Gewissen ignorieren.”


- Je nach Modus und Hardware überzeugende atmosphärische Beleuchtung
- Anhaltend herrlich überzogene Todesszenen
- Entscheidungen mit spürbaren Konsequenzen
- Guter Wiederspielwert
- …und praktischem Rückspulfeature
- Interessanter Erzähltwist zum Finale
- Überlebensmodus als netter Neuzugang
- Ungebrochen spaßiger Filmabend-Modus
- Gemessen am Genre angemessene Gesamtspieldauer
- Effektive Klangkulisse
- Verglichen mit früheren Ablegern angenehm fehlerfrei
- Exzellente Bedienung via Gamepad
- Angemessener Preis

- Eher generisches Sci-Fi-Setting ohne individuelle optische Identität
- Kaum eigene Ideen…
- …die dort wo vorhanden viel zu spät zünden
- Überwiegend vorhersehbare Geschichte ohne große Höhepunkte
- Kaum echte Horrormomente
- Fast durchgehend unsympathische Charaktere…
- …die sich zudem überwiegend aus stetig wiederkehrenden Seriengesichtern zusammensetzen
- Repetitive Schleichpassagen…
- …mit chronisch strohdummen Verfolgern
- Viel zu viel uninteressanter Sammelkram
- Ohne Zweispieler-Modus und Curator’s Cut…
- …und auch ohne Kurator
- Nicht immer überzeugende Animationsqualität
- Ausbalancierter Modus und Leistungsmodus mit sichtbaren Unruhen (PlayStation 5 und XBOX Series)
- Überwiegend miese deutsche Sprecher
- Generischer Soundtrack
- Unpräzise Maus- und Tastatursteuerung (PC)

Entsprechende Rezensionsmuster sind von uns auf eigene Kosten gestellt worden.
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