Im Angesicht des anhaltenden Angriffskrieges der Russen ist es fürwahr nicht einfach, Videospiele auf ukrainischem Boden zu entwickeln. Doch trotz anhaltender Bombardierung ist es den mutigen Menschen bei Frogwares gelungen, The Sinking City 2 endlich fertigzustellen. Das verdient einige Anerkennung – und der erneute Abstieg in den Wahnsinn der Lovecraft-Mythologie selbstredend einen umfangreichen Test.


Entwickler: Frogwares
Publisher: Frogwares
Plattform: PC | PlayStation 5 | XBOX Series
Veröffentlichungsdatum: 18. August 2026
Preis: ab 49,99€*
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Hinweis: Entsprechende Rezensionsexemplare sind uns freundlicherweise kostenlos vorab von Frogwares zur Verfügung gestellt worden. Slawa Ukrajini!
Gefährliche Neugier
Sein halbes Leben hat Calvin Rafferty mit der Jagd nach okkulten Artefakten zugebracht. Nun ist es dem Abenteurer gelungen, einen uralten Folianten aufzutreiben, mit dessen Hilfe eine Reise in eine andere Welt ermöglicht wird. Gemeinsam mit seiner Partnerin Faye, die seine Vorliebe für das Übernatürliche teilt, wagt Calvin im schönen Jahr 1929 den Übergang…und muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass sich die Angebetete mit natürlichen Mitteln nicht wieder in die Realität zurückholen lässt. Auf der Suche nach einem Weg, die Folgen des Rituals rückgängig zu machen, muss Calvin einen weiteren Folianten bergen. Dafür ist zum Glück keine Weltreise erforderlich, denn das begehrte Werk befindet sich praktischerweise in der Sammlung der Stadtbibliothek von Arkham, in der wir unsere Odyssee auch beginnen.

Wäre da nicht die Tatsache, dass die Flussstadt in letzter Zeit aufgrund eines immer weiter ansteigenden Wasserpegels langsam unterzugehen droht. Gleichzeitig haben sich überall in der Stadt Monster ausgebreitet, die gnadenlos Jagd auf all jene machen, die dumm genug sind, im Angesicht der drohenden Katastrophe immer noch dort zu verharren…oder schlicht keine Chance auf ein Entkommen hatten. Das hält uns natürlich nicht davon ab, uns trotzdem raus in den Regen zu begeben. Bewaffnet mit Revolver, Karten und einer geheimnisvollen Maske, die sich auf dem Gesicht von Faye manifestiert hat, schnappen wir uns das erstbeste Boot und begeben uns auf eine Reise ins düstere Ungewiss. Dabei können wir noch nicht ahnen, dass dies lediglich der Beginn eines Albtraums ist, dessen Ausmaße selbst der Fachmann für das Okkulte nicht einmal erahnen kann…

Kenner des Vorgängers werden sich in den ersten Stunden sofort heimisch fühlen, aber auch Neueinsteiger brauchen keine Angst vor dem Einstieg in das Gruselabenteuer haben, denn The Sinking City 2 wartet mit komplett neuen Charakteren auf und erzählt eine gänzlich eigenständige Geschichte. Gute fünfzehn Stunden benötigt ihr je nach gewählter Schwierigkeit bis zum Abspann, wobei auf der einfachsten Stufe sogar eine optionale Funktion für Unverwundbarkeit zugeschaltet werden kann. Auf höheren Stufen zu spielen würde ich dagegen nicht empfehlen.Warum das so ist, erkläre ich euch später noch einmal im Detail.
The Sinking City 2 erscheint neben der regulären Standard Edition auch als zehn Euro teurere Deluxe Edition, die euch mit einigen zusätzlichen Goodies versorgt. Da die allerdings keinen nennenswerten Einfluss auf die Spielbalance haben, verzichten wir auf eine gesonderte Abwertung im Rahmen unseres geltenden Regelwerks.
So oder so: Während wir im ersten Kapitel noch klassisch mit dem Boot durch die überfluteten Straßen schippern und bei der Suche nach dem erwähnten Folianten zunächst abermals einiges an Backtracking hinnehmen müssen, wird es im Rahmen der nächsten Abschnitte dann zum Glück etwas linearer. Die Macher haben zumindest in dem Punkt aus den Fehlern des Vorgängers gelernt, wo einen das ständige Hin und Her irgendwann mindestens so zuverlässig in die Irre getrieben hat, wie die alten Götter höchstselbst.
Leben und Sterben in Arkham
Mir gefällt sehr gut, dass jedes Areal eine eigene, in sich weitestgehend abgeschlossene Geschichte erzählt, in deren jeweiligem Rahmen wir nicht selten auf einige exzentrische Gesellen stoßen, denen wir erst einmal helfen müssen, bevor sich uns der Weg zu unserem finalen Missionsziel öffnet. Zahllose Notizen und andere Gegenstände von Interesse vertiefen unser Wissen um die Welt samt Bewohner, können uns aber auch wertvolle Hinweise für die zahllosen Codeschlösser und Co. offenbaren, denen wir in schöner Regelmäßigkeit begegnen.

Begleitet wird das Abenteuer immer mal wieder von einigen Zwischensequenzen, die zumindest mit sauber lokalisierten Untertiteln aufwarten. Auf eine deutsche Synchronisation hat man ebenso verzichtet wie auf eine Veröffentlichung des Spiels in physischer Form. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern um Kosten zu sparen. Und unter diesem Gesichtspunkt ist das, zusätzlich zu der ohnehin schwierigen Herstellung, absolut verständlich. Die englischen Sprecher leisten gute Arbeit und dürften allenfalls diejenigen stören, die eine vollständige Lokalisierung kompromisslos zur Kaufbedingung machen. Hin und wieder dürfen wir uns außerdem kleineren Nebenaufgaben widmen. Die belohnen uns bei Abschluss zumeist mit Talentpunkten, oder kostbaren Upgrades für unser Waffenarsenal. Pro Areal gibt es einen neuen Schießprügel, unter anderem dürfen wir den Kreaturen des Wassers mit Schrotflinte und Thommy Gun ordentlich einheizen – zumindest so lange, wie es unser chronisch begrenzter Munitionsvorrat zulässt.

Nachschub lässt sich zwar in jedem der großzügig verstreuten Speicherräume an der Werkbank herstellen, die dafür notwendigen Ressourcen wachsen allerdings nicht auf Bäumen und müssen oft unter zusätzlichen Gefahren mühsam in der Welt zusammengeklaubt werden. Die auf vier Bäume verteilten Talente ermöglichen es uns dagegen, unter anderem Nahkampfschaden zu erhöhen oder schneller durch das Arsenal zu schalten, wobei nur eine begrenzte Anzahl an Talenten gleichzeitig aktiviert werden kann. Um alles freizuschalten, benötigen wir nicht wenige der dazugehörigen Punkte, weshalb es sich lohnt, unsere gefundenen Hinweise für Zusatzpunkte auf dem Deduktionsboard logisch zusammenzufügen – Sherlock Holmes lässt grüßen! Auch dafür stehen zwei Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, wobei der einfachere Modus uns auch ohne die dazugehörigen Schlussfolgerungen weiterkommen lässt.
Atmosphäre hui, Action pfui!
Was man in jedem Fall positiv hervorheben muss, ist die packende Atmosphäre des Spiels. Die Entwickler haben mit Arkham und seinem Umland eine beklemmende Kulisse geschaffen, die uns permanent daran erinnert, dass die gefühlt die ganze Welt kurz davor ist, elendig in den Fluten zugrunde zu gehen. Und das haben die Ukrainer nicht nur visuell, sondern auch akustisch richtig gut umgesetzt. Dass dabei auf nicht immer subtile Weise auch die eigenen Kriegserfahrungen im eigenen Land eingeflossen sind, lässt das Erlebnis für den Spieler regelmäßig besonders unangenehm werden. So werden wir beim Kampf durch ein altes Irrenhaus mit Röntgenaufnahmen und Krankengeschichten von im Kampf grausam verwundeten Soldaten konfrontiert, was wirklich nicht ohne ist. Man kann diesen Menschen gar nicht genug wünschen, dass der Krieg im Osten alsbald sein Ende findet.

Auf der anderen Seite ist es Frogwares trotz großer Versprechungen abermals nicht gelungen, die Actionpassagen mitsamt gelegentlicher Bosskämpfe in irgendeiner Form spaßig zu gestalten. Schon das Original litt unter seinen furchtbar aufgesetzten und repetitiven Kampfsequenzen, das Sequel bildet da leider keine Ausnahme. Im Gegenteil, die arg überschaubare Gegnervielfalt inklusive immer gleicher Schwachstellen ödet einen in Windeseile an. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass wir aufgrund der schier unendlichen Anzahl enger Korridore immer wieder zum Kampf und damit auch zum Verbrauch unserer kostbaren Munition gezwungen werden. Und da die Gegner die leidige Angewohnheit haben, einfach in schöner Regelmäßigkeit einfach wiederaufzutauchen, bleibt uns irgendwann nur noch die Flucht, was aber nur so lange gutgeht, wie wir nicht längere Zeit an einem Ort verbringen müssen, um dort beispielsweise irgendein Rätsel zu lösen. Während der Erkundung der Anstalt verfolgt einen zudem ein lästiger schwarzer Schatten, der sich uns in den unglücklichsten Momenten immer wieder in den Weg stellt und sich allenfalls für ein paar Sekunden verscheuchen lässt.

Momente wie diese gibt es in The Sinking City 2 leider zuhauf, so dass ich regelmäßig in Versuchung gekommen bin, den Controller entnervt in die nächste Ecke zu ballern. Man merkt sehr, dass die Entwickler um jeden Preis in die Richtung eines aktuelleren Resident Evil umschwenken wollten. An diesem Vorhaben – das muss man so brutal sagen – ist man leider gescheitert. Das ist keine Frage von Budget und Mitarbeitermenge, sondern schlicht ein Problem der gestalterischen Umsetzung. Denn anders als bei der übermächtigen japanischen Survival-Horrorreihe vergeht die spielerische Freiheit – also auch die Option zur Vermeidung von Kämpfen – hier im Angesicht fataler Designprobleme, welche diesen Ansatz über weite Strecken schlicht unmöglich machen. Gerade deshalb rate ich davon ab, auf höheren Schwierigkeitsstufen zu spielen, wo der Titel im Angesicht dieser Probleme einfach arg unfair gegenüber den Spielern ist. Selbst das rudimentäre Feature zum Ausweichen funktioniert oftmals nicht wie gewünscht, weil die dazugehörige Animation so stocksteif ist, dass man über die Richtung nur bedingte Kontrolle hat. Das, oder die Gegner ignorieren den rettenden Hechtsprung einfach und hauen uns trotzdem eins auf die Mütze.

Es genügt in der Summe eben nicht, sich die Grundkonzepte bei der Konkurrenz abzuschauen, wenn man diese anschließend nicht auf funktionelle Weise in das eigene Konzept einzubauen versteht. Hätten Frogwares sich konsequenter auf die ureigenen Stärken besonnen und mehr Fokus auf Erkundung und Storytelling gelegt, statt einen immer wieder in dieselben, nervigen Encouter zu zwingen, wäre unglaublich viel gewonnen. So bleibt das Kampfsystem anhaltend eine zentrale Schwäche des Spiels, welche den Wertungspegel unangenehm nach unten zieht. Spätestens, wenn wir uns zum Ende hin mit einem Granatwerfer wie Rambo durch immer neue Gegnerhorden ballern, leidet auch die bis dahin mehr als grundsolide Atmosphäre. Und das ist schlicht verdammt ärgerlich, denn gute Ansätze sind vorhanden. Die stimmige Adaption von H.P. Lovecrafts Mythen zählt zwar am Ende immer noch zu den besseren, verbaut sich aber durch grobe Schnitzer im Design jedweden Aufstieg in höhere Begeisterungssphären.
Sind das Tentakel, oder freuen Sie sich nur, mich zu sehen?
Angetrieben wird das okkulte Horrorabenteuer von der Unreal Engine 5 in der neuesten Version. Softwarebasiertes Lumen sorgt für eine gewohnt stimmige Beleuchtung, während in Echtzeit berechnete Reflektionen die dichte Atmosphäre zusätzlich bereichern. Auch die Effekte können sich sehen lassen. Auf den Konsolen können wir klassisch aus zwei Modi wählen, nämlich einem Grafik- und einem Leistungsmodus. Ersterer löst deutlich höher als sein Pendant auf, was in einem wunderbar scharfen Bild resultiert. Dazu gesellen sich nochmals verbesserte Beleuchtungs- und Reflektionstechniken. Maximal 30 Bilder pro Sekunde sind dabei möglich, richtig gut spielbar ist der Titel damit allerdings nicht, stattdessen fühlen sich die ohnehin schon von Problemen geplagten Kämpfe dadurch nur noch ungenauer und frustrierender an.

Der Leistungsmodus mit seinen flüssigen sechzig Bildern pro Sekunde spielt sich merklich runder, sieht dafür aber dramatisch schlechter aus. Knapp über 1080p, dazu FSR4 als mittlerweile veraltete Skalierungstechnik resultieren in einem durchgehend matschigen Bild, welches vor allem aus der Nähe absolut nicht schön ausschaut. Gleichzeitig wird man hier um einen Großteil der stimmigen Echtzeitspiegelungen gebracht. Um das ein wenig zu verdeutlichen, haben wir uns einmal um ein Vergleichsbild bemüht, wie wir es sonst eher bei unseren Filmbesprechungen nutzen. Leider muss man dazu noch sagen, dass die PlayStation 5 Pro zumindest zum Zeitpunkt unseres Tests keinerlei gesonderte Unterstützung erhalten hat und Fragen über einen eventuellen Support in der Zukunft leider unbeantwortet geblieben sind. Momentan gehen wir also davon aus, dass sich an dem aktuellen Zustand nichts ändern wird, was für Besitzer der hochpreisigen Konsole natürlich bitter ist, zumal mit PSSR oder dessen Nachfolger hier sicher einiges verbessert worden wäre.
Untermalt wird das Geschehen von einem gelungenen Soundtrack, der das dystopische Endzeitszenario passend untermalt. Steuern lässt sich The Sinking City 2 am besten via Gamepad. Mit Maus und Tastatur kommt man zwar ebenfalls brauchbar zum Abspann, aber alleine die Menüführung geht mit einem Controller deutlich besser von der Hand. Größere Bugs sind uns im Verlauf der Testphase keine aufgefallen. Gelegentlich kam es mal zum Absturz, was aber spätestens mit der finalen Version behoben werden sollte. Die werden wir uns natürlich nachträglich noch einmal ganz genau ansehen, um eventuellen Änderungen auszumachen und unsere Wertung gegebenenfalls entsprechend anpassen. So viel aus Arkham, ich haue mir jetzt eine schöne Ladung Tintenfischringe im Backteig in die Heißluftfritteuse.

“Ein gelungenes Sequel sollte zwei Sachen anpeilen: Auf den Stärken aufbauen und bekannte Schwächen beseitigen. The Sinking City 2 ist leider nur im ersten Aspekt erfolgreich gewesen. Denn während Story, Atmosphäre und Design trotz kleinerer Schwächen zu gefallen wissen und verglichen mit dem Vorgänger für eine deutlich rundere Gesamterfahrung sorgen, sind die Kämpfe nicht nur anhaltend katastrophal, sondern nochmal eine Stufe nerviger als sie es bereits waren. Anstatt das Sequel krampfhaft an Resident Evil auszurichten, hätte man lieber ein bisschen mehr Silent Hill wagen sollen. So bleibt unter dem Strich wieder nur ein zufriedenstellendes, aber zu keinem Zeitpunkt wirklich überragendes Spiel. Fans des Erstlings werden trotzdem ihre Freude haben, alle anderen sollten sich allerdings überlegen, ob sie statt dem Ticket nach Arkham nicht doch lieber in den Schnellzug Richtung Raccoon City wechseln wollen.”


- Atmosphärische Beleuchtung
- Ansehnliche Partikel- und Effektkulissen
- Extrem stimmiges Setting…
- …welches den Cthulhu-Mythos gelungen interpretiert
- Abwechslungsreiche Schauplätze…
- …die allesamt eigene Geschichten erzählen
- Hauptgeschichte mit einigen überraschenden Wendungen
- Grundsolider Gesamtumfang mit circa fünfzehn Stunden Spielzeit
- Erkundung wird stets belohnt
- Gut designte Rätsel
- Lohnenswerte optionale Aufgaben
- Mehrere Schwierigkeitsgrade…
- … teils mit optionalen Zusatzhilfen
- Faire Lernkurve
- Sauber lokalisierte deutsche Untertitel
- Gute englische Sprecher
- Passender Soundtrack
- Zugängliche Bedienung…
- …die mit Gamepad aber am besten von der Hand geht

- Leistungsmodus im Vergleich zum Grafikmodus mit deutlichen Einschnitten
- Eher steril wirkende Zwischensequenzen
- Kopiert mechanisch etwas zu deutlich von den großen Vorbildern…
- …ohne in der Umsetzung ein qualitativ ähnliches Level zu erreichen
- Teils klobige Animationen
- Geschichte geht designbedingt atmosphärisch zum Ende hin die Luft aus
- Einstieg dank häufigem Backtracking spielerisch etwas zäh
- Geringe Gegnervielfalt…
- …wodurch die Gefechte schnell repetitiv wirken
- Anhaltend katastrophales Kampfsystem…
- …dass einen immer wieder in Encounter zwingt
- Kaum Alternativen zum Kampf aufgrund fehlender Fluchtmöglichkeiten
- Höhere Schwierigkeitsgrade schlicht unfair
- Langweilige Bosskämpfe
- Wege ohne Rückkehr werden als solche nicht gekennzeichnet
- Kaum Wiederspielwert

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