Blu-Ray: „The Quintessential Quintuples, Volume 1 & 2“

                                                         Getestet und verfasst von General M 

                                          Ab sofort erhältlich als Blu-Ray, DVD und via Crunchyroll

81vn3y1o1eL. SL1500 Manga ist facettenreich, so viel sollte mittlerweile jedem klar sein. Ein Subgenre, mit dem wir uns bisher noch nicht auseinandergesetzt haben, ist das sogenannte Harem – ein Wort, dass auch im westlichen Sprachgebrauch bekannt ist. Darin geht es primär um Geschichten, in denen sich ein oder mehrere Männer unter einer Vielzahl Frauen wiederfinden. Gerade unter Young Adults erfreut sich das Genre zunehmender Beliebtheit, einer der bekanntesten Vertreter ist The Quintessential Quintuplets. Frei nach der Vorlage von Negi Haruba macht das Quartett nun als Animeserie auch den deutschsprachigen Markt unsicher. Wir haben die ersten beiden Volumes für euch gesichtet – und waren positiv überrascht.

Die Volumes 1 & 2

Trotz seiner hohen intellektuellen Fähigkeiten sieht es im Leben des Schülers Futaro Uesugi alles andere als rosig aus. Die Mutter ist früh gestorben, der Vater hat einen immensen Schuldenberg angehäuft und Freunde hat der notorische Einzelgänger auch nicht. Lediglich um seine kleine Schwester Reiha kümmert er sich liebevoll. Als Futaro das lukrative Angebot erhält, der wohlhabenden Ichika Nanako Nachhilfeunterricht zu geben, kann er nicht ablehnen. Der Schock sitzt tief, als sich herausstellt, dass er sich am Morgen unwissentlich mit jener Ichika in der Schulcaféteria aneinandergeraten ist und sich dabei auch noch über deren miserable Noten lustig gemacht hat. Klar, dass die rothaartige Schönheit von ihrem neuen Lehrer nun nichts mehr wissen will. Fest entschlossen, die Sache alleine des Geldes wegen zu begradigen, folgt Futaro Ichika heimlich nach Hause. Dort wartet bereits der nächste Hammer, denn die vier Mädels, von denen sie dauernd umzingelt wird, sind nicht etwa Klassenkameradinnen, sondern allesamt deren Zwillingsschwestern!

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Nino, Mitsuki, Yotsuba und Itsuki haben zwar ähnlich miese Noten, unterscheiden sich in Sachen Persönlichkeit und Aussehen aber komplett voneinander. In einer Sache sind sich die Mädchen aber einig: Sie brauchen definitiv keinen Nachhilfelehrer. Nur die quirlige Yotsuba ist von Anfang an bereit, mitzuarbeiten. Der Rest setzt dagegen alles daran, den unliebsamen Gast schnellstmöglich wieder loszuwerden. Doch um den Schuldenberg der Familie endlich abtragen zu können, entwickelt Futaro bei der Betreuung der Schwestern immense Widerstandskräfte. Fest entschlossen, die widerspenstige Quartett an einen Tisch zu bringen und deren Abschluss zu retten, will der Einstein nach und nach eine Schwester nach der anderen auf seine Seite bringen. Eine Mammutaufgabe, die sich auch mit brillantem Schulwissen kaum lösen lässt, zumal ihn die Mädchen von einem Abenteuer ins nächste reißen. Doch mit viel Zeit und Geduld gelingt es Futaro, sich langsam für die Schwestern zu erwärmen und entdeckt dabei auch ganz neue Facetten an sich selbst…

Die Rezension

Man nehme fünf unterschiedliche Schwestern, einen komplett überforderten Nachhilfelehrer, rühre einmal kräftig um und schmecke anschließend mit einer guten Prise Humor ab. Fertig ist The Quintessential Quintuplets, eine der in meinen Augen gelungenderen Mischungen aus den Genres Harem und Romantic Comedy. Die Vorlage, welche übrigens den Kodansha Award 2019 für die beste Shonen-Veröffentlichung einheimsen konnte, wurde vom Studio Bibury Animation mit viel Liebe zum Leben erweckt. Man merkt, dass hier Fans am Werk waren, das haben auch die Zuschauer entsprechend honoriert. Dank dem Erfolg der ersten Staffel durften die Macher nachlegen und die bereits vollendete Geschichte auch auf dem Fernsehschirm auserzählen. Ein abschließender Kinofilm läuft diesen Mai in Japan an. Wer also Gefallen an der Serie findet und nicht wie so oft nach einer komplett offen ausgehenden Staffel einen Berg Mangas für das richtige Ende lesen will, kann aufatmen. 

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Was die Vorlage ebenso wie die Serie so gelungen macht, ist die feine Balance zwischen Dramatik, Humor und Romantik. Getragen wird das Format aber im Kern von seinen sympathischen Charakteren. Der Anfang lässt vermuten, dass sich Futaro früher oder später mit einer der Schwestern vor dem Traualtar wiederfinden wird und natürlich werde ich an dieser Stelle nicht verraten, um wen es sich dabei handelt. Aber diese hoffnungsvolle Prämisse für Neuankömmlinge gleich zu Beginn anzudeuten, ist in jedem Fall eine gute Idee. So möchte man umso mehr mitfiebern, wie sich die ganze Geschichte entwickelt. Der Weg zum Finale ist zum Glück anders als erwartet nicht geprägt von Kitsch und Klischees. Story und Charaktere entwickeln sich glaubhaft und in gesundem Tempo, das Verhältnis zwischen Futaro und den fünf Schwestern ist stets nachvollziehbar. Klar gibt es manchmal ein bisschen Slapstick, aber das hält sich in Grenzen und wirkt nie übertrieben dargestellt. Gleichzeitig legt die Serie geschickt falsche Fährten, wenn es um die zukünftige Herzensdame geht. Man sollte sich also nie zu sicher sein. 

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Auch in den ruhigeren Momenten weiß The Quintessential Quintuples zu gefallen. Armut ist gerade in Japan immer ein schwieriges gesellschaftliches Thema. Wie sehr sich Futaro für seine Familie aufopfert, kommt regelmäßig durch und trägt maßgeblich dazu bei, den mürrischen Einzelgänger trotz seiner Macken sympathisch wirken zu lassen. Bei allem Unglück, dass er bereits erlebt hat, wünscht man ihm sein Happy End. Gleiches gilt für die Schwestern, die anfangs alles andere als nett wirken und den leidgeprüften Lehrer sogar mit Schlaftabletten außer Gefecht setzen. Aber auch hier wird mit der Zeit deutlich, dass sich hinter den Fassaden interessante Individuen verbergen, die trotz ihres behüteten Daseins allesam eigene Sorgen, Träume und Ängste haben. Ich hatte mit den ersten acht Episoden eine Menge Spaß und kann allen Interessierten nur raten, mal einen Blick zu riskieren – ihr werdet unter Garantie nicht enttäuscht! 

Die Blu-Ray´s

Technisch gibt es an der ersten Animeveröffentlichungen in unserem Jahresportfolio 2022 überhaupt nichts zu bemängeln. Vier Episoden liegen pro Volume als Transfer in nativem 1080p vor, bei einer Gesamtlaufzeit von jeweils unter einer Stunde muss man sich über Kompressionsschwierigkeiten keine Sorgen machen. Auch feinere Details werden über die jeweilige Blu-Ray hervorragend wiedergegeben, man merkt, dass man es hier mit einer aktuelleren Produktion zu tun hat. Farblich kommen primär warme Paletten zum Einsatz, besonders die einzelnen Schwestern mit ihren bunten Haarfarben und knalligen Outfits kommen prima zur Geltung, während Hauttöne angenehm neutral wiedergegeben werden. Im Kontrastbereich bleiben ebenfalls kaum Wünsche offen. Allerdings haben wir es hier mit einer jener Serien zu tun, die in hellen Szenen gerne mal bewusst überstrahlen. Dahingehend sind mir zwar in der Vergangenheit schon schlimmere Exemplare untergekommen, wer sich aber nicht gerade zu den Vielsehern zählt, könnte sich daran mitunter ein wenig stören. 

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Den Sound liefert KAZÉ wie immer zweisprachig in Deutsch und Japanisch, sauber lokalisierte Untertitel liegen auf Wunsch ebenfalls bei. Kodiert wird im verlustfreien Format DTS-HD MA 2.0, was angesichts der Dialoglastigkeit der Serie keinerlei Wünsche offenlassen dürfte. Gemessen am Referenzpegel haben wir es hier mit einer gelungenen Stereoabmischung zu tun. Das gesprochene Wort ist ausnahmslos bestens verständlich, gelegentlich wahrnehmbare Umgebungsgeräusche fügen sich gelungen in den Mix ein, gleiches gilt für den auch abseits der Serie sehr hörenswerten Soundtrack. Die erste Volume wird mit einem hochwertigen Sammelschuber ausgeliefert, die Disc selbst wird in einem Digipak ausgeliefert, macht im Regal also einiges her. Knapp vierzig Euro werden pro Volume fällig, was mir persönlich etwas viel erscheint, da es sonst abseits des titelfreien In- und Outros innerhalb der ersten Volume fortlaufend kein weiteres Bonusmaterial oder gar physische Beigaben gibt. 

Fazit

profilbildapril„Sieht so aus, als hätte ich mein erstes Herzensprojekt im neuen Jahr gefunden. Der immense Hype, den The Quintessential Quintuples im Heimatland Japan genießt, wird über die mit viel Liebe zur Vorlage umgesetzen Serienadaption nochmal sehr deutlich. Obwohl das Format keiner sonderlich innovativen Prämisse folgt, will man dank der gut geschriebenen Charaktere und der Aussicht auf das Happy End unbedingt dranbleiben. Auf großen Fanservice und übermäßige Klischees wird dankbarerweise verzichtet. Entstanden ist eine angenehm bodenständige Story mit gutem Gespür für Witz, Romantik und Drama, die wir garantiert bis zu ihrem Ende für euch verfolgen werden. Die dazugehörigen ersten Blu-Ray´s sind technisch sehr gelungen, Bild und Ton überzeugen nahezu auf ganzer Linie. Gemessen an den so gut wie nicht vorhandenen Extras könnten interessierte Zuschauer aber vom Preis abgeschreckt werden.“ 

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