Eine neue IP zu etablieren galt lange Zeit als erbliches Risiko. Doch die Zeiten haben sich geändert, mittlerweile ist die globale Spielerschar den formelhaften Fortsetzungen bekannter Marken überdrüssig geworden. Pragmata kommt daher genau zur richtigen Zeit. Warum es CAPCOM gelungen ist, mit dem Sci-Fi-Spiel eine fast perfekte Balance aus Klassik und Moderne zu erschaffen, erklären wir in unserem umfangreichen Testbericht.


Entwickler: CAPCOM
Publisher: CAPCOM
Plattform: PC | PS5 | XBS | NS2
Veröffentlichungsdatum: 17. April 2026
Preis: ab 59,99€*
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
IMDB | Metacritic | Opencritic


Mondsüchtig
In nicht allzu ferner Zukunft ist es der Menschheit erfolgreich gelungen, die Ressourcen des Mondes für ihre Zwecke einzusetzen. Die ermöglichen es nämlich, mithilfe gewaltiger 3D-Drucker nicht nur Roboter aller Art, sondern sogar ganze Städte in kürzester Zeit zu materialisieren. Unermüdlich arbeiten Forscher vor Ort darauf hin, mithilfe des Materials eines Tages auch menschliches Leben erschaffen zu können – oder zumindest entsprechende Organe. Nun ist der Kontakt zur Mondbasis plötzlich abgebrochen und der Techniker Hugh Williams und sein Team werden von der Erde entsendet, um der Ursache dafür auf den Grund zu gehen. Doch bereits kurz nach der Ankunft auf der scheinbar komplett verlassenen Station stirbt ein Großteil der Mannschaft durch ein plötzliches Mondbeben und nur Hugh überlebt die Katastrophe mit schwersten Verletzungen.

Zum Glück taucht in letzter Sekunde die Pragmata D-I-0336-7 auf und leitet die nötigen Rettungsmaßnahmen ein. Von Hugh aus Bequemlichkeit kurzerhand auf den Namen Diana getauft, entwickelt sich zwischen dem chronisch unterkühlten Techniker und seiner anhänglich-kindlichen Androidenbegleiterin schon bald ein immer engeres und väterliches Verhältnis, während beide verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit aus der Station suchen – ein Unterfangen, dass die offenbar außer Kontrolle geratene Künstliche Intelligenz IDUS um jeden Preis verhindern will. Weil sich dessen zahllose Roboterschergen von purer Feuerkraft ziemlich unbeeindruckt zeigen, ist Hugh auf der Reise durch die verschiedenen Forschungsbereiche zwangsläufig auf Diana angewiesen. Die kann die aggressiven Blechkumpanen nämlich mit ihren einzigartigen Fähigkeiten hacken und für kurze Zeit deren Schwachstellen offenlegen.

Bei der gemeinsamen Erkundung deckt das ungleiche Duo immer mehr jener tragischen Hintergründe auf, die erst zu diesem ganzen Schlamassel geführt haben. Und während Hugh zunehmend väterliche Gefühle für seine Begleiterin entwickelt, muss Diana die schwierige Entscheidung treffen, ob sie über ihren ursprünglichen Schöpfungszweck hinauswachsen und ihre Existenz in die eigenen Hände nehmen will…
Träumen Androide von elektrischen Schafen?
Pragmata weckt in mir wohlig-warme Erinnerungen an die glorreichen Zeiten der sechsten und siebten Konsolengeneration, als geschwindigkeitsgetriebene Third-Person-Titel wie zum Beispiel Vanquish mit einem komplett neuen Spielgefühl aufwarteten. Warum dieses Subgenre im Anschluss an diese Zeit völlig in der Versenkung verschwunden ist, ist mir bis heute schleierhaft. Ich freue mich, hiermit offiziell und nach viel zu vielen Jahren endlich sagen zu können: Es ist wieder da!

Kreativ verantwortet von Cho Yonghee, der seinerzeit bereits bei hochkarätigen Titeln wie Metal Gear Rising: Revengeance und Nier: Automata mitgearbeitet hat, kombiniert Pragmata das Gefühl temporeicher Action aus der Schulterperspektive mit einer hochgradig intuitiven Geschicklichkeitskomponente, welche das Spielgefühl zu keinem Zeitpunkt störend ausbremst. Ausweichen und Zielen, während wir uns auf der rechten Bildschirmhälfte gleichzeitig durch eine Schalttafel manövrieren müssen, mag zunächst abschreckend klingen, funktioniert nach kürzester Eingewöhnung aber einfach hervorragend. Die faire Lernkurve trägt dazu einiges bei und gibt den Spielern ausreichend Zeit, die Mechaniken zu erlernen, ehe wir es mit dem ersten von mehreren epischen Bossgegnern oder gefährlicheren Robotergesellen aufnehmen müssen. Wer aber chronische Schwierigkeiten mit einem Mindestmaß an Multitasking hat, sollte sich im Vorfeld darüber klar werden, ob Pragmata wirklich einen klugen Kauf darstellt.

Alle anderen dürfen sich auf eine hochgradig motivierende Spielformel freuen, die klassische Mechaniken geschickt für aktuelle Ansprüche zu modernisieren versteht, gleichzeitig aber auch Genreveteranen ein vertrautes Gefühl offeriert. Gleichzeitig dürfen wir uns auf hervorragend geschriebene Charaktere freuen, deren individuelle Wandlung über den Verlauf der Geschichte stets glaubwürdig präsentiert wird. Im Mittelpunkt steht dabei regelmäßig die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz und das Streben, mehr zu sein, als einem von der Bestimmung auferlegt worden ist. Einen Innovationspreis verdienen Setting und Story zwar nicht, dafür stimmt das Erzähltempo. Zudem ist es den Machern gelungen, dass man als Spieler zwangsläufig eine emotionale Bindung zu den beiden Hauptcharakteren aufbaut, die einen auch lange nach dem Abspann noch beschäftigen wird. Der flimmert je nach Geschick allerdings bereits nach gut acht Stunden über den Bildschirm.

Vorbei ist Pragmata damit aber noch lange nicht, denn neben Neues Spiel Plus – der euch leider anders als von CAPCOM gewohnt nicht mit bestehender Ausrüstung an den höchstmöglichen Schwierigkeitsgrad herantreten lässt – könnt ihr euch in einem speziellen Modus anschließend bereits besiegten Bossen in verstärkter Form erneut entgegenstellen und exklusive Belohnungen in Form von Waffen und Co. freischalten, die es im regulären Spielverlauf nicht zu finden gibt. Alles in allem ist dem Team bei CAPCOM ein mehr als gelungener Einstieg in ein (hoffentlich) neues Franchise gelungen. Jetzt muss sich der Mut zum Risiko nur noch an den Ladentheken auszahlen. Ich bin zuversichtlich, dass das klappt, denn so frisch und gleichzeitig vertraut, wie sich das Spiel in der Summe anfühlt, sind die allermeisten bestehenden Marken schon seit Jahren nicht mehr. Zentral ist dabei auch der Impuls an andere Entwickler | Publisher, endlich mal wieder etwas zu wagen, anstatt Bestehendes Jahr für Jahr immer weiter zu Tode zu melken.
Überlebenstechniken für Fortgeschrittene
Während ihr euch euren Weg durch die angenehm abwechslungsgestalteten Areale der Forschungsstation bahnt, nehmen die Herausforderungen beständig zu. Wo sich Gegner anfänglich mit kurzen Hacks sowie ein paar Schüssen aus der eher schwächlichen Pistole noch recht mühelos in ihre Einzelteile zerlegen lassen, fordern euch größere Kaliber deutlich mehr Feuerkraft und Skills ab. Für die regelmäßige Verschnaufpause und lebenswichtige Upgrades steht euch daher ein Schutzraum zur Verfügung, den ihr jederzeit aufsuchen könnt, sofern ihr die dazugehörigen Zugangspunkte freigeschaltet habt. Lange danach suchen muss man aufgrund der gleichermaßen fairen wie großzügigen Verteilung jedoch nie. Bei jedem Besuch werden all eure Trefferpunkte und Heilungsgegenstände kostenlos aufgefüllt, dafür erscheinen bisher besiegte Gegner mit Ausnahme von Bossen erneut. Manchmal lohnt es sich also, gut zu überlegen, ob eine Rast wirklich notwendig ist.

Neben rudimentären Stationen wie dem Shop und einer Aufwertungsmöglichkeit für Lebenspunkte, Primärwaffenschaden und Dianas Fähigkeiten öffnen dort mit zunehmender Stufe auch Datenbanken, ein Trainingssimulator und mehrere kindgerechte Gestaltungsmöglichkeiten. Ebenso warten im zunehmenden Spielverlauf regelmäßig neue Outfits für unsere beiden Helden, die allerdings lediglich kosmetischer Natur sind.
Pragmata bietet euch die Möglichkeit, für ein paar zusätzliche Euros weitere Goodies in Form von exklusiven Outfits und Co. zu erwerben. Da diese komplett optional sind und keinerlei Auswirkung auf die Spielbalance haben, verzichten wir auf eine zusätzliche Abwertung.
Je nachdem, wie gründlich ihr die Umgebung nach Ressourcen und freischaltbaren Items absucht, verwandelt sich der sterile Ruheraum schon bald in ein kunterbuntes Spielzimmer. Und auch der regelmäßige Plausch mit Diana lohnt sich – warum, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Unser freigeschaltetes Arsenal können wir beim Verlassen individuell zusammenstellen, die verfügbaren Plätze für Waffen und besondere Hacks sind jedoch selbst mit allen Upgrades auf ein überschaubares Maß begrenzt.

Das zwingt euch dazu, euren Spielstil immer wieder an die kommenden Herausforderungen (oder schlicht die individuelle Präferenz) anzupassen. Maximieren wir unsere Feuerkraft, oder doch lieber das Schadenspotenzial unserer Hacks? Verstärken wir erst unser offensives, oder unser defensives Arsenal? Ihr habt es in der Hand. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht, mit den einzigartigen Effekten des breit gefächerten Angebots zu experimentieren und mir schon mal Strategien für den zweiten Durchgang zurechtzulegen. Großer Grind ist dabei übrigens nicht erforderlich. Wer regelmäßig die Augen nach Ressourcenkisten und Co. Ausschau hält und nicht an jedem Gegner vorbeirennt, hat am Ende problemlos genügend Materialien auf Lager, um beinahe das gesamte Arsenal bis zum Maximum auszubauen.
Der Blick in die Zukunft
Und auch in technischer Hinsicht hinterlässt Pragmata weitestgehend einen herausragenden Eindruck. CAPCOMs hauseigene RE Engine zählt gegenwärtig zu den eindrucksvollsten Grafikmotoren überhaupt und hat zuletzt mit Resident Evil: Requiem erneut bewiesen, dass die Kompromisse zwischen Leistung und Qualität nicht groß sein müssen, wenn die dazugehörige Hardware richtig ausgenutzt wird. Dabei spielt der Einsatz von Raytracing einmal mehr eine bedeutende Rolle, während auf dem PC sogar das noch bessere Pathtracing unterstützt wird – sofern euer Rechenknecht über eine ausreichend starke Grafikkarte verfügt. Auf PlayStation 5 und XBOX Series peilen sowohl der Leistungs- als auch der Grafikmodus 60 Bilder pro Sekunde für geschmeidiges Gameplay an, wobei letzterer aber höher auflöst und mehr Priorität auf die Wiedergabequalität legt, was dann doch immer mal wieder in wahrnehmbaren Einbrüchen resultiert.

Der Leistungsmodus performt wesentlich näher am angepeilten Ziel, löst dafür aber lediglich in auf 4K hochskalierten 1080p auf, was sich im visuellen Ergebnis auch sichtbar widerspiegelt. Die allgemeine Qualität der Assets bleibt dabei identisch, auch an der Qualität des Raytracings wird nicht gerüttelt. Da eine schnelle Reaktionsfähigkeit bei Pragmata immens wichtig ist, empfehle ich den Leistungsmodus als beste Wahl für ein optimales Spielerlebnis. Deutlich mehr Abstriche muss die Nintendo Switch 2 hinnehmen, die lediglich auf Basis von durchschnittlich 540p auflöst und sowohl bei der Beleuchtung, als auch der allgemeinen Texturqualität deutlich hinter der Konkurrenz zurückbleibt. CAPCOM haben sich dabei gegen eine Limitierung der Bildrate entschieden, so dass hier im Schnitt Werte zwischen 30 bis 50 Bildern pro Sekunde erzielt werden. Spaßig ist das in der Praxis nicht, so dass die Portierung bei aller Ambition leider nicht empfohlen werden kann – zu negativ ist der Einfluss auf das allgemeine Spielgefühl.

Ganz anders sieht das auf der PlayStation 5 Pro aus, die abseits der ebenfalls sehr gut optimierten PC-Version die mit Abstand mit Abstand beste Option darstellt, wenn ihr Pragmata spielen wollt. Der Grafikmodus erzielt durchgehend flüssige 60 Bilder pro Sekunde bei gleichzeitig messerscharfer Wiedergabequalität, ermöglicht durch das brandneue PSSR 2. Der Leistungsmodus unterstützt 120 Hertz auf Kosten der Auflösung, sieht aber immer noch sehr gut aus. Mehr als ein nettes Extra ist das in meinen Augen nicht, da bereits der Grafikmodus keinerlei Wünsche offenlässt. Trotzdem ist es schön, dass zumindest die Möglichkeit vorhanden ist, den Titel jenseits von 60 Bildern pro Sekunde laufen zu lassen, auf circa 30 Bilder Mehrwert könnt ihr euch dabei durchschnittlich einstellen. Mein Erlebnis war über den gesamten Testzeitraum hinweg komplett fehlerfrei, Abstürze oder störende Fehler gab es keine.

Die Liebe zum Detail, die in die visuelle Umsetzung geflossen ist, kann man nur als bemerkenswert bezeichnen. Alleine die fantastische Haarphysik von Diana sieht in dieser Form längenbedingt nochmal einen Ticken eindrucksvoller aus als zuletzt in Resident Evil: Requiem. Beleuchtung und Effekte sind erstklassig, auch in die Animationen ist viel Arbeit geflossen. Gekrönt wird das Ganze von hervorragenden Sprechern, einem stimmigen Soundtrack und einer durchgehend zugänglichen Bedienung, wobei auch das haptische Feedback des DualSense gut ausgenutzt wird.

„Momentan scheint wirklich alles, was CAPCOM anfassen, zu Gold zu werden. Mit Pragmata ist es den Japanern gelungen, geliebte Erinnerungen an die glorreichen Third-Person-Titel längst vergangener Ären zu wecken und gleichzeitig modernes, frisches Gameplay zu offerieren. Verpackt in fantastische Technik und angetrieben von einem unwiderstehlich sympathischen Vater-Tochter-Gespann der etwas anderen Art ist das Sci-Fi-Abenteuer für mich bereits jetzt ein klarer Anwärter für das Spiel des Jahres. Wer mit Multitasking so seine Schwierigkeiten hat, sollte sich vielleicht vor dem Kauf die kostenlose Demo anschauen. Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Exemplare über die Ladentheken gehen, denn was hier geboten wird, verdient trotz kleinerer Schwächen mindestens ein Sequel!“


- Hervorragende Animationen
- Tolle Effekt- und Partikelkulisse
- Atmosphärische Beleuchtung
- Abwechslungsreiche Areale
- Wunderbar geschriebene Charaktere
- Spannende und emotional erzählte Geschichte
- Hochgradig motivierendes Gameplay…
- …welches klassische und moderne Elemente perfekt miteinander kombiniert
- Trotz Hacking durchgehend angenehm schnelles Gameplay…
- …bei gleichzeitig permanent gewährleistetem Gefühl, die volle Kontrolle zu haben
- Abwechslungsreich designte Rätselpassagen
- Gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrade
- Faire Lernkurve
- Viel zu entdecken
- Exzellente Sprecher
- Stimmiger Soundtrack
- Schnörkellose Bedienung über sämtliche Plattformen hinweg
- Übersichtliche Menüs

- Setting insgesamt nicht mehr ganz frisch
- Mit circa acht Stunden Spielzeit etwas kurz
- New Game Plus ohne Unterstützung für höhere Schwierigkeitsgrade
- Zielfindung gelegentlich etwas problematisch
- Kameraführung nicht immer optimal
- Technisch auf Nintendo Switch 2 sehr schwach




Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise von CAPCOM zur Verfügung gestellt worden.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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