4K UHD | Blu-Ray: „Ghostbusters: Legacy“

                                                    Getestet und verfasst von General M 

81CxA6qovpL. SL1500 Es grenzt an bittere Ironie, dass ich die Rezension zur Heimkinoveröffentlichung von Ghostbusters: Legacy ausgerechnet an dem Tag begonnen habe, an dem mich die traurige Nachricht zum Tod von Ivan Reitman, der Kopf hinter dem Original von 1984, erreicht hat. Vielleicht war es Schicksal, dass die Verantwortung für die (zweite) Wiederbelebung des legendären Franchises ausgerechnet in den Händen von dessen Sohn Jason lag – der wusste mit dem titelgebenden Vermächtnis deutlich besser umzugehen als Paul Feig mit seinem Damengespann wenige Jahre zuvor. Warum das so ist und wieso der Film besonders Fans garantiert nicht mit trockenen Augen entlassen wird, klärt unser Review zu Blu-Ray und 4K UHD.

Der Film

Die Nachricht vom Tod ihres entfremdeten Vaters – dem ehemaligen Geisterjäger Dr. Egon Spengler – löst bei der alleinerziehenden und hochverschuldeten Großstädterin Callie (Carrie Coon, Windows) kaum Trauer aus. Schließlich hat sich der exzentrische Wissenschaftler bereits vor vielen Jahren entschieden, die Familie zu verlassen und sein Leben als Eigenbrötler irgendwo entfernt auf dem Land fortzuführen. Weil der Familie in Chicago aber höchstens die Obdachlosigkeit winkt, entschließt sich Callie in ihrer Not, vorläufig mit ihren beiden Kindern Trevor (Finn Wolfhard, Es) und Phoebe (McKenna Grace, Captain Marvel) in dem heruntergekommenen Bauernhaus ihres Vaters unterzukommen. Für die introvertierten Kids gleicht der Umzug einer endgültigen Vereinsamung. Dabei ist besonders Phoebe eine mehr als talentierte Wissenschaftlerin und steht ihrem unbekannten Opa damit in nichts nach. 

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Tatsächlich entpuppt sich das Haus als abrissreifes Objekt, in dem es sich nur schwer heimisch werden lässt und dass von den lokalen Kleinstädtern bereits zu Lebzeiten des vorherigen Besitzers nach Kräften gemieden wurde. Als Phoebe jedoch durch Hinweise aus dem Jenseits auf eine unter der Wohnzimmerdiele versteckte Geisterfalle stößt und diese auf der Suche nach dessen Funktion ihrem Lehrer Gary Grooberson zeigt (Paul Rudd, Ant-Man), ist das erst der Beginn eines fulminaten Abenteuers. Denn der gelangweilte Geologe, der momentan seltsamen Erdaktivitäten in der Gegend nachgeht, erkennt die Geisterfalle sofort als Hinterbleibsel der einst überall bekannten Ghostbusters. Gemeinsam mit ihrem Klassenkameraden Podcast öffnen Phoebe und Gary die Falle auf dem Schulparkplatz und befreien damit versehentlich einen mächtigen Geist, der auf seiner Flucht in Richtung einer längst verlassenen Mine ganz in der Nähe ein heilloses Chaos anrichtet. 

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Ausgerüstet mit einem Protonenpack und dem von Trevor wieder hergerichteten ECTO-1 macht sich die Gruppe daran, den entflohenen Spuk wieder in die Falle zu verfrachten. Was keiner ahnt: Der Geist ist ein Diener der uralten sumerischen Gottheit Gozer, die von den ursprünglichen Geisterjägern vor Jahrzehnten nur mit viel Müh und Not davon abgehalten werden konnte, ganz New York mit einem gewaltigen Marshmallowmann zu zerstören. Jetzt strebt Gozer erneut danach, Zugang zur Welt der Menschen zu erlangen. Und als neuen Schlüsselmeister/Torwächter hat sie sich ausgerechnet Callie und Grooberson auserkoren, die gerade im Begriff sind, einander näher zu kommen. Zeit für Trevor und Phoebe zu beweisen, wie sehr ihnen die Geisterjagd im Blut liegt…

Die Rezension 

Bis in die späten Neunziger Jahre hinein erwuchs aus den Ghostbusters ein regelrechtes Franchise. Zeichentrickserien, Actionfiguren und vieles mehr sorgten dafür, dass Venkman, Stantz und Co. auch bei einem jüngeren Publikum bekannt wurden. Noch heute schart sich eine große Fangemeinde um die Geisterjäger, stets beseelt von der Hoffnung, dass die Reihe irgendwann einmal würdevoll weitergeführt wird. Eine Hoffnung, die mit dem losen Sequel von 2016 einen herben Dämpfer verpasst bekam. Denn trotz zahlreicher Referenzen und kleiner Gastauftritte von einem Großteil der Originaldarsteller (mit Ausnahme von „Egon“-Darsteller Harold Ramis, der bereits 2014 verstarb) mangelte es dem Film an Seele und Substanz. Um die weitere Zukunft der Ghostbusters stand es sehr schlecht. 

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Letztendlich entschieden sich die Verantwortlichen dazu, die ursprüngliche Zeitlinie der Saga fortzusetzen. Ideen dafür gab es bereits seit Jahrzehnten, diese stießen jedoch bei Bill Murray nur auf sehr wenig Begeisterung. Und es war klar, dass die Reihe kaum ohne ihren großen Star weitergehen durfte. Das von Dan Aykrod maßgeblich mitgestaltete Ghostbusters: The Video Game galt inoffiziell als dritter Teil der Reihe und verarbeitete viele der seinerzeit am ehesten brauchbar wirkenden Ideen. Für die Fans natürlich nur ein schwacher Trost. Und so kam es, wie es eben kommen musste: Die Zeit schritt unerbittlich voran, die Darsteller von einst traten zusehend ins Rentenalter ein und dann starb wie bereits erwähnt auch noch Harold Ramis. Trotzdem begann man unmittelbar nach dem Flop der Neuauflage von 2016 mit den Planungen an einem wirklich verdienten Nachfolger. Für Jason Reitman, der sich seine Sporen als Regisseur bisher ausschließlich im Independent-Segment verdient hatte, sollte es der erste große Blockbuster werden – und eine Gelegenheit, erstmals bei einem Filmprojekt eng mit Papa Ivan zusammenzuarbeiten. Es sollte auch die Einzige werden.

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Reitman, der gemeinsam mit Gil Kenan auch das Drehbuch zum Film schrieb, hatte bei der Arbeit am neuen Film ein klares Ziel: Das Franchise zurück in die Hände der Fans zu legen und das Zepter der Ghostbusters an eine neue Generation weiterzureichen. Und nun kann man endlich sagen: Beide Vorhaben sind am Ende mehr als nur gelungen. Ghostbusters: Legacy gelingt es formidabel, nicht nur eine nachvollziehbare Brücke zu seinen beiden Vorgängern zu bauen, sondern auch dessen Essenz einzufangen, ohne dabei Bekanntes einfach zu kopieren. Kernthema des Films ist dabei nicht die Jagd nach Geistern, sondern die Familie und wie diese über ein ganz und gar ungewöhnliches Vermächtnis zusammenfindet. Getragen von einem hervorragend besetzten Cast, welcher mit ganz viel Spielfreude ans Werk gegangen ist, seinem frischen Setting, tollen Tricks und einem guten Gespür für eine ausgeglichene Mischung aus Action, Humor und ruhigeren Momenten ist Ghostbusters: Legacy tatsächlich das Sequel geworden, auf welches die Fans seit so langer Zeit vergeblich warten mussten. 

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Knappe zweihundert Millionen Dollar konnte der Film weltweit an den Kinokassen einspielen, was bei einem geschätzten Budget von geschätzt fünfundsiebzig Millionen Dollar auf den ersten Blick nicht viel sein mag. Aber gemessen an den pandemiebedingt geschlossenen Kinos und den zahlreichen damit verbundenen Verschiebungen seitens Rechteinhaber Sony kann man das Ergebnis definitiv als Erfolg verbuchen. Auch die Kritiker zeigten sich fast ausschließlich beeindruckt, die Zeichen für eine Fortsetzung stehen also sehr gut. Es gibt noch viele Geschichten, die erzählt werden können. Eine gute Basis dafür ist definitiv vorhanden. Gleichzeitig gelingt es dem Film auf wunderbare Weise, den Abschied der Leinwandhelden einer ganzen Generation darzustellen. Das unglaublich emotionale Finale lässt garantiert kein Auge trocken. Kurzum, ein würdiges Sequel, ein würdiger Neustart…all das und mehr ist Ghostbusters: Legacy, und als solcher gehört der Film in jede gut sortierte Sammlung. 

UHD und Blu-Ray: Das Bild

Ghostbusters: Legacy wurde komplett digital mit Kameras der Marke ARRI Alexa LF gedreht, die ihr Material mit einer Maximalauflösung von 4.5K auf den Speicher brennen. Darauf basierend entstand in der Postproduktion ein 4K Digital Intermediate, was angesichts der Effektlast des Films durchaus überrascht. Dieses Master dient nun auch den Heimkinoveröffentlichungen auf Blu-Ray und 4K UHD als Basis, wobei sich Enthusiasten bei letzterem zum ersten Mal seit viel zu langer Zeit wieder über eine komplett native Scheibe freuen dürfen. Verpflichtend ist diese allerdings nicht, denn bereits die Blu-Ray liefert ein nahezu perfekt aufgelöstes Bild und lässt auch anderweitig kaum Wünsche offen. Messerscharf in jeder Einstellung, werden selbst feinste Texturen bei Gesichtern, Kleidung und Hintergründen optimal herausgearbeitet.

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Kritisieren möchte man hier höchstens, dass sich der Film insgesamt etwas ZU sauber präsentiert, wenn es um Aspekte wie Körnung geht – von solcher ist über den gesamten Film nämlich absolut nichts zu sehen. Das allgemeine Setting und die vielen Bezüge zu den Vorgängern wären prädestiniert dazu gewesen, sich für einen etwas bodenständiger wirkenden, analogeren Look zu entscheiden. Aber das sei nur im Rahmen einer persönlichen Präferenz erwähnt. Farblich kitzelt der Film das letzte Quentchen Leistung aus der Blu-Ray heraus. Spätestens mit der Transition in ländlichere Gefilde dominieren erwartungsgemäß erdig-warme Paletten, die Hauttöne bleiben davon aber weitestgehend verschont und erhalten sich eine angenehme Natürlichkeit. Für knallige Highlights sorgen unter anderem die Lichtstrahlen der Protonenpacks und natürlich auch die überwiegend farbenfroh inszenierten Geister. Wirklich toll ist zudem, wie gut es der Blu-Ray gelingt, die Kontrastgebung zu händeln. So sattes Schwarz hat das Format zuletzt bei Men in Black: International geliefert. Von dem Film mag man halten, was man will, aber als Technikreferenz ist die Scheibe immer noch exemplarisch. Hier kann man wirklich bedenkenlos zugreifen, denn eine besser gemasterte Blu-Ray dürfte es in absehbarer Zeit kaum geben. 

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Die 4K UHD hat nun die schwierige Aufgabe, potenzielle Käufer von ihrem Mehrwert zu überzeugen. Bedenkt man aber, dass zwischen Blu-Ray und 4K UHD gemessen an der Amaray gerade einmal eine Preisdifferenz von knapp vier Euro liegt, kann man sich das aber eigentlich sparen. Natives 4K, dazu ein erweiterter Farbraum nach Rec.2020 sowie Support für HDR10 und Dolby Vision sind auf dem Papier schonmal gute Argumente, die in der Praxis aber allesamt kaum zur Geltung kommen. Die 4K UHD kitzelt auflösungsbedingt höchstens noch letzte Details bei kleinen Schriftzügen heraus, was man aber höchstens dann erkennt, wenn man mit der Nase direkt auf dem Bildschirm klebt. Anderweitig steht man vor ähnlichen „Problemen“, denn abgesehen von einem Minimum mehr allgemeiner Sättigung bei den Farben und gleichbleibend exzellenten Kontrasten ist auch in diesen Gefilden kein wirkliches Upgrade auszumachen. Auffällig ist höchstens, dass die 4K UHD einen guten Tick dunkler daherkommt, ein visueller Unterschied resultiert daraus aber ebenfalls nicht. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob mich das enttäuscht oder eben nicht. 

UHD und Blu-Ray: Der Ton

Die deutsche Tonspur liegt sowohl bei Blu-Ray als auch 4K UHD im verlustfreiem Format DTS-HD MA 5.1 vor, während man dem englische Track zumindest über die UHD ein Upgrade auf Dolby Atmos spendiert hat. So oder so, schon in der Anfangssequenz wird der Heimkinoanlage ordentlich Feuer unter dem Hintern gemacht. Bedrohliches Rumoren tönt aus dem Subwoofer, während Blitz und Donner von allen Seiten den Eindruck erwecken, man befände sich gerade selbst mitten in einem apokalyptischen Unwetter. Was hier an facettenreicher Aktivität aus den Boxen dröhnt, ist wirklich abnormal. Und dieses phänomenale Level hält der Film dann auch bis zum Abspann knapp zwei Stunden später aufrecht, begleitet von einer Dynamik, welche ich in dieser Form und in diesem Format lange nicht mehr gehört habe. Nicht minder vorbildlich ist die Implementierung bzw. Klangqualität der Dialoge, welche auch in effektreichen Momenten stets klar verständlich bleiben.

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Mit dem richtigen Equipment erwartet euch hier im Heimkino ein tolles Showcase, von welchem sich die meisten Majors eine dicke Scheibe abschneiden können. Dass es aber noch besser geht, beweist der englische Atmos-Track der 4K UHD. Hier schlägt die Anfangssequenz noch immersiver zu. Wenn einschlagende Blitze und das dazugehörige Getöse direktional von oben auf einen einprügeln, fühlt man sich endgültig in der Immersion der Szene gefangen. Selbst die Bässe kommen dann nochmal wuchtiger zur Geltung. Und auch der Rest des Films wird immer wieder von tollen dreidimensionalen Sounds begleitet. Nichts davon fühlt sich falsch platziert an, im Gegenteil: So und nicht anders muss Dolby Atmos klingen! Momente dafür gibt es zum Glück reichlich, enttäuscht hat keiner davon. Was das Format im Vergleich zur bereits exzellenten deutschen Tonspur an zusätzlicher Räumlichkeit offeriert, ist so gut, dass man wirklich traurig darüber sein darf, dass Sony diese Tonspur leider wieder nicht auf Deutsch anbietet. 

Die Extras

Eine gute Stunde Bonusmaterial findet sich an Bord des Sets, den Anfang macht ein knapp zwanzig Minuten langes Making-Of, welches besonders für Fans sehr interessant sein dürfte. Der steinige Pfad zu Ghostbusters: Legacy, die Herangehensweise des Regisseurs bei dessen Umsetzung und dessen Wunsch, zurück zu den Wurzeln des Franchises zu gehen, werden hier neben vielen anderen Aspekten und Einsichten nochmal deutlich zum Ausdruck gebracht. Nostalgisch wird´s, wenn die Originaldarsteller in „Ghostbusters: Ein Rückblick“ nochmal auf vergangene Tage zurückschauen, während „Ein Blick voraus“ über die Zukunft des Franchises sinniert. 

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„Ausrüstung für Technikfreaks“ kümmert sich ganz um die Gadgets des Films und „Die Wiederbelebung von ECTO-1“ zeigt, wie schwierig es war, die Kultkarosse zurück auf die Leinwand zu bringen. Natürlich darf auch ein Featurette über die Special Effecs nicht fehlen. Abschließend werden nochmal sämtliche Referenzen und Anspielungen auf die vorherigen Filme zusammengefasst gezeigt, eine kurze Deleted Scene rundet das vielseitige Bonusmaterial ab. Offene Fragen dürfte es im Anschluss daran keine mehr geben. 

Fazit

profilbildapril„So und nicht anders setzt man ein kultgewordenes Franchise fort! Unter der Regie von Jason Reitman gelingt es Ghostbusters: Legacy, nicht nur Fans der Originale zufriedenzustellen, sondern auch losgelöst davon den Grundstein für eine ganz neue Generation Geisterjäger zu legen. Bei allem Fokus auf die Familie als Kernthema der Handlung und der von Anfang bis Ende stimmigen Charakterzeichnung bis in die Nebenrollen hinein kommt natürlich auch die Action nicht zu kurz. Für mich bietet das Sequel zur originalen Zeitline alles und mehr, als ich mir im Vorfeld davon versprochen hätte. Dazu gibt´s eine referenzverdächtige Blu-Ray, die von der nur geringfügig besseren 4K UHD kaum getoppt werden kann. Auch das Bonusmaterial ist gelungen. Hätte Sony die deutsche Tonspur ebenfalls in Dolby Atmos ausgeliefert, wäre es perfekt gewesen. Das ist gemessen an dieser rundherum gelungenen Veröffentlichung aber auch das einzige Manko.“ 

                                                Quelle Bildmaterial: „©2021 Columbia Pictures Industires, Inc.
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