In der langen Reihe von Fortsetzungen, Ablegern und jüngst vor allem Neuauflagen gibt es wohl kaum einen Titel, der im Vorfeld derart viel Kritik einstecken musste wie Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties. Dabei hat der dritte Teil ein Remake dringend nötig gehabt. Und während das spielerisch durchaus gelungen ist, gibt’s am Ende tatsächlich auch einiges zu beanstanden. Was genau das ist, erklärt unser Test.


Entwickler: Ryu Ga Gotoku Studio
Publisher: SEGA
Plattform: PC | PS5 | XBS | NS2
Veröffentlichungsdatum: 12. Februar 2026
Preis: ab 54,99€*
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB


Mein Vater, der Yakuza
Nach den Ereignissen von Yakuza: Kiwami 2 hat sich Kazuma Kiryu endgültig vom Tojo-Clan losgesagt, um gemeinsam mit Ziehtöchterchen Haruka ein Waisenhaus auf der Insel Okinawa zu betreiben. Der selbst ohne Eltern aufgewachsene Kiryu will damit das Vermächtnis seines großen Vorbildes Kazama fortführen und Kindern ein neues, liebevolles Zuhause bieten. Das Vorhaben erweist sich selbst für den legendären Drachen von Dojima schnell als Herausforderung, denn es gibt nun einmal Probleme, die sich mit schierer Muskelkraft nicht lösen lassen. Insgesamt neun Kinder aller Altersklassen mit eigenen Interessen und Sorgen tummeln sich unter dem kleinen Holzhaus mit bester Lage am Meer. Obwohl das Geld chronisch knapp ist, hält die kleine Familie liebevoll zusammen. Der lange gehegte Traum scheint sich endlich erfüllt zu haben.

Das Idyll bekommt erste Risse, als eines Tages plötzlich ein Räumungsbescheid eintrudelt. Das Land soll für ein hochrangiges Prestigeprojekt der Regierung enteignet werden, über das auf dem Festland anhaltend erbittert gestritten wird – und der lokale Ryudo-Clan soll sicherstellen, dass das Vorhaben problemlos über die Bühne geht. Fest entschlossen, Haus und Hof zu verteidigen, prügelt sich Kiryu bis zum Patriarchen Nakahara durch. Und obwohl sich die beiden Männer im Kern sehr ähnlich sind, kann trotzdem keine gütige Einigung erzielt werden. Gleichzeitig versucht auch der dubiose Tamashiro, das Land um jeden Preis zu ergattern, nutzt dabei aber wesentlich brutalere Methoden. Die ganze Sache wird immer geheimnisvoller, als nicht nur auf Nakahara, sondern fast zeitgleich auch auf Tojo-Boss Dojima ein Anschlag verübt wird, der in der ganzen Sache ebenfalls irgendwie mit drinzuhängen scheint.

Als sich herausstellt, dass der Attentäter Kiryus totem Ziehvater wie aus dem Gesicht geschnitten ist, schlüpft er widerwillig erneut in seinen typischen Anzug und reist zurück nach Kamurocho, um der immer komplexer werdenden Affäre auf den Grund zu gehen. Das Rotlichtviertel hat sich seitdem optisch nicht groß verändert, unter der Oberfläche brodelt jedoch erneut ein Konflikt um die Macht. Eine neue Generation gewinnt stetig mehr Einfluss innerhalb des Tojo-Clans und jetzt, wo Daigo schwerverletzt im Koma liegt, kämpfen die dazugehörigen Akteure mit einer bisher ungekannten Brutalität um den Platz an der Spitze. Es dauert nicht lange, bis sich der Drache von Dojima und seine alten Freunde einmal mehr zwischen den Fronten eines perfiden Spiels wiederfinden…
Ein Blick zurück
Kenner des Originals inklusive des inhaltsgleichen Remasters wird die ganz kurz angeschnittene Geschichte sehr vertraut vorkommen. Und ja, wirklich nur ganz kurz, denn die drei Absätze zur Handlung umfassend gerade mal grob die ersten Stunden des Spiels. Was einem hier im Verlauf der knapp zwanzig bis fünfundzwanzig Stunden Spielzeit umfassenden Hauptgeschichte alles an Wendungen und gewohnt aberwitzigen Charakteren entgegengeworfen wird, könnte locker mehrere Seiten füllen. Mit Okinawa als neuem Schauplatz gab es damals endlich frischen Wind für Fans, die sich an Kamurocho und Sotenbori als bisherige Dreh- und Angelpunkte der Reihe allmählich sattgesehen hatten. Das Paradies unter Palmen schafft einen anhaltend tollen Kontrast zu den dichten Gassen und neonverseuchten Gegenden der Vorgänger, ist aber wesentlich kleiner ausgefallen als das Hawaii der moderneren Titel.

Die Geschichte von Yakuza 3 wird gemeinhin als eine der besten innerhalb der Reihe betrachtet. Vor allem der hohe Fokus auf eine etwas bodenständigere Erzählstruktur vor dem Hintergrund eines politischen Konflikts wurde nach den hemmungslos überzogenen Stories der Vorgänger gelobt. Die ruhigen Momente schaffen Raum für die emotionale Vertiefung, welche vor allem den Charakter von Kiryu auf wunderbare Weise erweitern. Und herrlich fiese Schurken – dazu gleich noch mehr – gibt es selbstredend auch. Anhaltend gelingt es keiner anderen Reihe derart gut, komische Momente mit einer so stringenten Ernsthaftigkeit und gleichzeitig auch absurder Brutalität zu verbinden. Im Ergebnis funktioniert das sehr viel besser, als es vielleicht klingt. Vorkenntnisse sind wünschenswert, aber nicht verpflichtend, denn zu Spielbeginn werden euch auf intelligent implementierte Weise kurze Zusammenfassungen aller bisherigen Ereignisse offeriert.

Dabei gilt wie immer (und ich weiß, ich sage das jedes Mal wieder): Wer das Spiel mit all seinen Facetten wirklich genießen will, muss zwangsläufig ein gewisses Grundverständnis für die japanische Kultur aufbringen. Aber warum brauchte ausgerechnet Yakuza 3 so dringend ein vollwertiges Remake? Der Titel erschien in der Frühzeit der PlayStation 3, also eine Zeit, wo die meisten Entwickler immer noch herauszufinden versuchten, wie man mit der komplexen Architektur der Konsole am besten umzugehen hat. Und wenngleich das spätere Remaster zumindest die bestehenden Probleme mit der Bildrate erfolgreich angehen konnte, ist Yakuza 3 optisch und ebenso spielerisch alles andere als ein zeitloses Spiel. Verglichen mit den beiden Nachfolgern, die ebenfalls für die PlayStation 3 konzipiert worden sind, muss man sich hier anhaltend mit einem extrem klobigen wie experimentellen Kampfsystem herumplagen, welches einem aufgrund der stetig blockenden Gegner bis zum Ende regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Gleichzeitig lässt das Original viele interessante Fragen offen. Dabei steht besonders die Figur des Yoshitaka Mine im Vordergrund. Der spielt nämlich nicht nur eine zentrale Rolle innerhalb der Handlung, sondern ist allgemein eine der bisher interessantesten Antagonisten im stetig wachsenden Yakuza-Kosmos. Dessen Motivationen werden im Original zwar aufgegriffen, jedoch im Angesicht der viel zu überschaubaren Auftritte des Charakters keineswegs so vertieft, wie es das erzählerische Potenzial eigentlich hergegeben hätte.
…und sie nennen es einen Mine!
Genau hier steigen wir nach langer Vorlaufzeit nun endlich in die Neuauflage ein, die zwar im Kern derselben Geschichte folgt, dazwischen aber zahllose Erweiterungen spendiert bekommen hat. Mit dem titelgebenden Dark Ties haben die Macher Mine eine eigenständige Story mit knapp fünf Stunden komplett neuem Material spendiert, in der wir den erinnerungswürdigen Fiesling inklusive komplett eigenem Kampfstil und exklusiven Aktivitäten erstmals selbst spielen dürfen.

Das alles wird als komplett eigenständiger Modus behandelt, den vor allem Neulinge im Idealfall erst nach Abschluss der regulären Geschichte angehen sollten, um krasse Spoiler zu vermeiden. Die erzählerische Qualität muss sich dabei zu keinem Zeitpunkt vor dem Hauptteil verstecken, im Gegenteil: Der Aufstieg des jungen Yakuza, der das Image seines Bosses Kanda verbessern soll, bereichert die ohnehin schon sehr emotionale Inszenierung mit gutem Mehrwert. Außerdem erhält nur Mine Zugang zur Hell’s Arena. Dabei handelt es sich um prozedural generierte Dungeons, wie man sie bereits aus Like a Dragon: Infinite Wealth kennt. Leider ähnlich bescheiden umgesetzt, denn die potthässlichen und schnell repetitiven Kellerumgebungen langweilen schnell, die ausgewiesenen Preise in Form von Geld und Items sind kaum der Mühe wert. Mit den einzigartigen Nebengeschichten lässt sich eure Zeit viel besser nutzen, als mit dieser unmotivierten Form der Beschäftigungstherapie.

Als ergänzende Dreingabe funktioniert Dark Ties durchaus, speziell wenn man sich nur auf die Handlung konzentriert. Für meinen Geschmack und zugunsten des Erzähltempos, wäre es möglicherweise klüger gewesen, das direkt in die Hauptgeschichte einzubetten. Die Intention ist gut, aber in Rohform präsentiert offenbart sich dann doch rasch ein Mangel an Charakterentwicklung, zudem muss Mine auf nahezu alle Individualisierungsoptionen von Kiryu verzichten. Abseits davon hat sich natürlich auch in den zentralen Abläufen einiges geändert – und nicht alles davon zum Guten, wie wir im folgenden Abschnitt einmal näher erklären wollen. Beginnen tut alles damit, dass die Macher wie so oft im Rahmen ihrer Neuauflagen einige Darsteller ausgetauscht haben…
Revisionismus, oder: Warum man das besser lassen sollte
…und genau das sorgt seit Monaten für einen waschechten Shitstorm im Internet, denn unter den Neuzugängen findet sich auch der japanische Schauspieler Teruyuki Kagawa, der 2019 wegen der sexuellen Belästigung zweier Hostessen in die Schlagzeilen geriet. So jemand – das ist sich die Community weitestgehend einig – hat in einem Spiel nichts zu suchen, besonders nicht in einem, dass diese schwierige Thematik in der Vergangenheit immer wieder kritisch zum Thema erhoben hat. Das Studio hat sich dazu erst spät geäußert, steht jedoch zu seiner Entscheidung. Rein darstellerisch macht Kagawa seine Sache zwar gut, ein fahler Nachgeschmack bleibt allerdings erhalten.

Kritisch wird es spätestens für mich als langjähriger Fan der Reihe, wenn im Rahmen entsprechender Neuauflagen aktiv Revisionismus betrieben wird, um damit eine Grundlage für weitere Remakes zu bilden, die ganz sicher (!) kommen werden. Ich kann und will nicht so sehr ins Detail gehen, wie ich es gerne möchte. Nur soviel: Das hier gezeigte Ende unterscheidet sich signifikant von dem, was man bisher kannte. Und das auf derart abstruse Weise, dass man sich zwangsläufig fragen muss, ob das von den Entwicklern wirklich ernstgemeint ist. Ergänzungen sollen Bestehendes bereichern, nicht ersetzen. Leider ist genau das hier passiert und kann nur darauf hinauslaufen, dass sich auch eine potenzielle Neuauflage von Yakuza 4 dramatisch vom Original unterscheiden wird.

Dem stehe ich gerade als Fan unglaublich kritisch gegenüber und man kann nur hoffen, dass sich die Macher mit dieser Entscheidung hintenraus nicht komplett verzocken. Die Zeit wird zeigen, ob die Sache gut ausgeht. Und gute Erweiterungen gibt es einige, wenn es denn gelingt, den Blick einmal weg von den eher fragwürdigen Entscheidungen abzuwenden. Wer sich im Rahmen des Originals beispielsweise gewünscht hat, mehr Zeit mit den Kindern des Sunflower Orphanage zu verbringen, kann das jetzt endlich tun! Zu diesem Zweck wurde ein komplett neuer, ökonomischer Kreislauf ins Spiel implementiert. Wobei, ganz so neu ist das in Teilen eigentlich nicht.
Vaterpflichten
Die Hausaufgabenhilfe beispielsweise präsentiert sich identisch zu den Berufsschulherausforderungen neuerer Ableger, Anbau und Ernteverwaltung von Gemüse kennt man wie auch das Kochen ganz ähnlich aus Like a Dragon: Ishin!, und Angeln konnte man im Original auch schon – wenn auch auf weniger zugängliche Weise. Zusätzlich dazu dürfen wir jetzt Kleidung häkeln, können diverse Tiere auf dem Grundstück halten und unsere Erträge gegen bare Münze auf dem Markt eintauschen. Mit den verdienten Moneten schalten wir neue Upgrades frei und erhalten damit stetig Zugang zu neuen animalischen Schützlingen oder Saatgut. Das ist dieses typische Aktivitätengrab, welches es in jedem Yakuza gibt. Eine auf den ersten Blick etwas unscheinbare Nebenkomponente, in die ihr zig Stunden versenken könnt und die bis zu einem gewissen Maße versteht, euch zu motivieren.

Zusätzlichen Zeitvertreib gibt es in Form eines taufrischen Modus, in der Kiryu die Patronage für eine rein weibliche Bikergang übernimmt und gemeinsam gegen eine rivalisierende Gruppe antritt, die Okinawa seit längerer Zeit terrorisiert. Dafür rekrutieren wir auf zahlreichen Wegen immer neue Mitglieder, die wir dann in immer neue Massenschlachten gegen feindliche Gangmitglieder führen. Dabei gewinnen die Motoradmullen nach erfolgreichem Revierkampf stetig an Erfahrung, steigen im Level auf und…einen Augenblick mal! Irgendwie klingt das doch verdächtig danach, als hätten die Macher den Clan Creator aus Yakuza 6 wiederverwertet und lediglich mit etwas frischer Farbe versehen. Jep, im Kern ist das auch so, von der Perspektive vielleicht einmal abgesehen. Spaß macht das aufgrund der Interaktionen zwischen Kiryu und den Mädchen trotzdem, auch wenn der Modus insgesamt etwas aufgesetzt rüberkommt.

Gekämpft wird in Yakuza 3 Kiwami & Dark Ties übrigens sehr ähnlich, wie in den Remakes der Vorgänger. Euch stehen also anhaltend mehrere Stile zur Verfügung, zwischen denen ihr jederzeit via einfachem Tastendruck hin- und herwechseln könnt. Manche sind besser im Kampf gegen starke Einzelgegner geeignet, mit anderen haltet ihr größere Gegnermassen effektiver in Schach. Jüngst scheint auf Okinawa ein neuer Dojo eröffnet zu haben, wo der Meister willigen Schülern nur zu gerne die Geheimnisse des lokalen Stils beibringt, wenn sie sich zuvor erfolgreich dessen zahlreichen Herausforderungen stellen. Der neue Stil ergänzt das bestehende Angebot sehr gut und kann sich auch optisch sehen lassen. Da kommen die zusätzlichen Moneten aus den neuen Verdienstmöglichkeiten gerade recht, denn Statusverbesserungen und das Erlernen neuer Fähigkeiten gehen serientypisch mit der Zeit ordentlich ins Geld.
Ey Aniki, wo is‘ mein Content?!
Dass jedes Yakuza für sich ein wahres Brett in Sachen Gesamtumfang ist, bei dem ihr inklusive aller Nebenaktivitäten, Herausforderungen und Co. bis zu hundert Stunden und mehr versenken könnt, muss ich den allermeisten von euch wahrscheinlich nicht mehr erzählen. Yakuza 3 Kiwami & Dark Ties bildet da aufgrund seines großflächigen Unterhaltungsangebotes keine Ausnahme. Klassiker wie Mah-Jongg und andere Casinospiele dürfen dabei selbstverständlich nicht fehlen. Oder lockt euch doch eher eine Partie Golf? Alternativ könnt ihr natürlich auch eine von mehreren Spielhallen aufsuchen und den Highscore in vollständig implementierten SEGA-Klassikern knacken. Die UFO-Catcher warten ebenfalls darauf, von euch geleert zu werden.

Doch mit der Zeit dämmerte mir langsam, dass hier irgendwas nicht zu stimmen scheint. Es begann als ein leises Zwicken im Nackenbereich und resultierte schließlich in der traurigen Gewissheit, dass die Macher zum ersten Mal im Rahmen der langlebigen Reihe nicht nur neue Inhalte hinzugefügt, sondern stattdessen auch jede Menge bestehende Inhalte gestrichen haben, die es im Original mitsamt Remaster noch gegeben hat. Der komplette Hostessen-Modus: Gestrichen. Minispiele wie die Aromamassage: Nicht mehr da. Die goldene Waffe als ultimative Belohnung: Sayonara. Fast ein Viertel der Substories: Weg! Und das ist in der Summe schon verdammt bitter. Ja, es ist immer noch mehr als genug Inhalt vorhanden, um euch über Tage vollumfänglich zu beschäftigen.

Allerdings wurde hier vor allem Content entfernt, der sich ohne einen gewissen Mehraufwand bei der Umsetzung nicht einfach so hätte implementieren lassen. Und das ist in der Summe bei weitem nicht wenig. Stattdessen hat man als Ersatz einfach Komponenten aus anderen Teilen wiederverwertet, was schon ziemlich traurig ist und einfach etwas, dass man in der Form von Ryu Ga Gotoko Studio bisher nicht gewohnt gewesen ist. Sogar das Gebiet von Okinawa wurde teilweise sichtbar beschnitten, wobei es besonders den Nordteil erwischt hat. Ebenso hat man Änderungen in Kamurocho vorgenommen. Nur um den Wegfall der ganzen Ausrüstungs-und-Waffenmechanik tut es mir nicht leid. Das System hat mir nie gefallen, da ist das vereinfachte System mit den Schmuckstücken deutlich angenehmer. Ich weiß, das ist nur ein schwacher Trost, welches die Enttäuschung kaum abzufedern vermag.
Die leidige Technik
Hübsche Partikeleffekte, detailverliebt inszenierte und animierte Hauptcharaktere, dazu filmreif inszenierte Zwischensequenzen in Echtzeit gerendert – diese drei Aspekte bilden seit jeher die zentralen Säulen der hauseigenen Dragon Engine, die hier ein weiteres Mal zum Einsatz kommt. In der Summe kann sich das alles weiterhin sehen lassen. Einen durchgehend überzeugenden Gesamteindruck kann der in nahezu allen übrigen Aspekten mittlerweile arg in die Jahre gekommene Grafikmotor aber nicht mehr hinterlassen. Das ist spätestens mit Like a Dragon: Infinite Wealth offensichtlich geworden. Durch die Last-Gen-Fassungen für PlayStation 4 und XBOX One haben wir uns übrigens basierend auf den damaligen Erfahrungen damit dieses Mal gar nicht erst gequält.

Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties leidet anhaltend an unübersehbaren Alterserscheinungen. Die regulären NPCs auf den Straßen unterscheiden sich qualitativ dramatisch von der zentralen Besetzung, was gerade im Rahmen der regulären Zwischensequenzen oft unschön unter Beweis gestellt wird. Eine durchgehende Vertonung gibt es weiterhin nicht, stattdessen wechseln sich vertonte Passagen mit Volltextabschnitten ab. Viele Umgebungstexturen hinterlassen einen matschigen, detailarmen Eindruck. Immerhin ist es den Entwicklern gelungen, die gravierenden Schwierigkeiten bei der Beleuchtung im Rahmen der Demo zu beseitigen. So richtig zeitgemäß wirkt die aber eben auch nicht mehr. PlayStation 5 und XBOX Series X lösen alternativlos in 1440p auf, dafür bleibt die Bildrate durchgehend flüssig bei stabilen 60 Bildern pro Sekunde.

PSSR wird unterstützt und sorgt auf PlayStation 5 Pro für einen wesentlich schärferen Gesamteindruck, die PC-Version lief im Test ebenfalls sehr sauber, während die Nintendo Switch 2 immerhin stabile 30 Frames bei maximal 1080p schafft. Wo Yakuza 3 und das Remaster ausschließlich englische Texte zur japanischen Sprache boten, gibt es nun erstmals auch eine englische Vertonung, während Deutsch wenigstens für die Texte vorhanden ist. Neue Passagen wurden im Japanischen mit den Originalsprechern ergänzt. Bedauerlicherweise hat man bei der hiesigen Übersetzung offenbar erneut mit KI gearbeitet, denn die deutsche Lokalisierung strotz nur so vor grammatikalischen Fehlern und legt auch bei der Übersetzung japanischer Begriffe eine eigenartige Willkür an den Tag, so dass das im Ergebnis alles andere als genussvoll ist.

Den gleichen Ärger hatten wir zuletzt schon bei Yakuza Kiwami und Yakuza Kiwami 2, wo erst nach mehrere Updates langsam Ordnung in das Chaos kam. Dass man hier dieselben Fehler begeht, wundert mich nach diesem Marathon überwiegender Enttäuschungen nun wirklich nicht mehr. Für die Bedienung ist ein Gamepad wie immer verpflichtend (denn ihr wisst ja: Echte Yakuza spielen nicht mit Maus und Tastatur!), dann geht die Steuerung aber serientypisch gut von der Hand. Nur die Kamera scheinen die Macher auf engen Räumen partout nicht in den Griff zu kriegen, denn wenn man es dort mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun hat, geht die Übersicht schneller über den Jordan als der Leumund von Gil Ofarim.

„Über lange Jahre habe ich den Yakuza-Titeln mit großem Enthusiasmus die Stange gehalten. Ich liebe das Franchise, seine Charaktere und die irrwitzige Inszenierung einfach! Was das Team allerdings mit Yakuza 3 Kiwami & Dark Ties abgeliefert hat, lässt mich über weite Strecken tief enttäuscht zurück. Die ursprüngliche Geschichte wurde seltsam abgeändert und die Zusatzkapitel mit Mine sind eher eine gemischte Tüte. Der viele gestrichene Content in Form von Minispielen bis hin zu ganzen Modi hinterlässt einen furchtbaren Beigeschmack, den die überwiegend aus im anderen Teilen wiederverwerteten Alternativen zu keinem Zeitpunkt angemessen ersetzen können. Da trieft die Lustlosigkeit aus jeder Pore. Zu tun gibt es immer noch massig, aber dennoch! Technisch werden die Alterserscheinungen des längst nicht mehr in jeder Hinsicht zeitgemäßen Grafikgerüsts immer unübersehbarer und die deutschen Texte strotzen nur so voller Fehler. Liebes Ryu Ga Gotoko Studio: Was ist denn nur mit euch passiert?!“


- Detailverliebte, klasse animierte Hauptcharaktere
- Okinawa und Kamurocho unterscheiden sich visuell angenehm voneinander…
- …und wirken glaubhaft belebt
- Zeitlos spannende, wendungsreiche und hochemotionale Geschichte…
- …mit fantastisch geschriebenen Charakteren
- Filmreif inszenierte Zwischensequenzen
- Immenser Gesamtumfang dank tonnenweise Nebenaktivitäten aller Art…
- …die einem aber nie aufgezwungen werden
- Serientypischer Humor
- Kampfsystem von Kiwami 2 und Co. fügt sich bestens ins Geschehen ein
- Nerviges Ausrüstungs- und Craftingsystem des Originals entfällt
- Neuer Okinawa-Kampfstil ist eine prima Ergänzung
- Spielbalance mit dringend notwenigen Anpassungen
- Herausragende japanische und sehr gute englische Sprecher
- Stimmiger Soundtrack
- Gewohnt gute Bedienung via Gamepad

- Massive visuelle Diskrepanz zwischen Hauptcharakteren und NPCs
- Häufig verwaschene, detailarme Umgebungstexturen
- Viele dröge und sterile Innenräume
- Geschichte mit fragwürdigen Änderungen
- Mindestens diskussionsbedürftige Neubesetzung von Goh Yamazaki
- Unmengen aus dem Original gestrichene Inhalte…
- …und verkleinerte Stadtbilder
- „Neue Modi“ in den Kernmechaniken fast vollumfänglich aus anderen Ablegern wiederverwertet
- Dark Ties abseits der Story eher uninteressant…
- …und mit insgesamt überschaubarem Mehrwert
- Deutsche Texte oft fehlerhaft oder inkonsequent übersetzt
- Keine Vollvertonung
- Anhaltende Kameraprobleme auf engem Raum
- Mit Maus- und Tastatur nahezu unspielbar

Entsprechende Rezensionsmuster sind uns freundlicherweise von SEGA zur Verfügung gestellt worden.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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