Alles – das ist eine empirische Gewissheit – muss irgendwann einmal enden. So auch die Geschichte von Max und Chloe, die nach über zehn Jahren nun zu endgültigem Abschluss gebracht wird. Und obwohl Life is Strange Reunion nach dem eher durchwachsenen Vorgänger vor allem erzählerisch vieles richtig macht, gibt es in anderen Belangen noch immer einiges zu kritisieren. So oder so: Fans der Reihe sollten sich schonmal einen Vorrat Taschentücher zurechtlegen.


Entwickler: Deck Nine
Publisher: Square Enix
Plattform: PC | PS5 | XBS
Veröffentlichungsdatum: 26. März 2026
Preis: 49,99€*
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
IMDB | Metacritic | Opencritic


Hinweis: Der folgende Absatz enthält maßgebliche Spoiler über die zentrale Auflösung des Vorgängers. Wer diesen vor Beginn des Finales nachholen will, sollte den betreffenden Teil überspringen und direkt zum nächsten Teil springen.
Time after Time
Knapp ein Jahr ist vergangen, seit Max Caulfield ihre Kräfte genutzt und zwei Realitäten miteinander verschmolzen hat um ihre beste Freundin Safi vor dem Tod zu retten. Dass so ein verheerender Eingriff in die Realität nicht ohne Folgen bleibt, weiß die talentierte Fotografin nur zu gut. Nur ein enger Kreis – darunter der liebenswürdige Astrophysiker Moses – weiß, was damals wirklich geschehen ist. So eben auch, dass Safi ebenfalls über besondere Kräfte verfügt und nach Belieben ihre Gestalt wechseln kann. Seitdem ist über die ganze Affäre weitestgehend Gras gewachsen. Niemand denkt mehr groß darüber nach, warum über jemand getrauert worden ist, der sich offenkundig bester Gesundheit erfreut. Man blickt nach vorne. Der Zukunft entgegen.

Max ist mittlerweile fest an der Universität angestellt und kehrt gerade von einer dreitägigen Reise zurück, als sie eine alarmierende Nachricht von Moses erreicht: Während ihrer Abwesenheit ist ein Protest außer Kontrolle geraten, nun droht ganz Caledon in einem Flammenmeer zu versinken! Obwohl Max mit Vollgas nach Hause eilt, kann sie nicht verhindern, dass Moses und viele andere bei dem Inferno ihr Leben verlieren. Im letzten Moment nutzt sie ihre Gabe, um durch ein Polaroidfoto zurück durch die Zeit zu reisen und die Geschehnisse zu verhindern. Eine Mammutaufgabe, denn es verbleiben weniger als zweiundsiebzig Stunden, um herauszufinden, wer für diese verhängnisvollen Ereignisse verantwortlich ist. An Verdächtigen herrscht jedenfalls kein Mangel, denn wie sich herausstellt, haben viele Grund, die Universität zu hassen.

Neben der jüngst zurückgekehrten Safi, die ihre Absichten wie immer geschickt hinter vertrauten Gesichtern zu verstecken weiß, gerät auch der neue Dekan Owen Teller in den Fokus der Ermittlungen. Der will die Universität nämlich komplett modernisieren und Max möglichst schnell vor die Türe setzen, weil Physik und Co. nun einmal einträglicher sind als Fotografie. Im Mittelpunkt der drohenden Katastrophe scheint außerdem eine ominöse Geheimgesellschaft zu stehen, deren Mitglieder ebenso wie ein Teil der lokalen Einwohner sauer darüber sind, dass rücksichtslos immer mehr Eigentum für den zukünftigen Bedarf des Campus enteignet wird. Als Max während ihrer Nachforschungen wieder einmal in akute Gefahr gerät, steht plötzlich niemand geringeres als ihre Jugendfreundin Chloe vor ihr!

Die ewige Rebellin wird seit längerer Zeit von unheimlichen Visionen geplagt und hat sich nach zehn Jahren Funkstille auf den Weg zu Max gemacht, um den Gründen dafür nachzugehen. Nach einem hochemotionalen Wiedersehen wird beiden schnell klar, dass das Feuer und die Visionen in enger Verbindung zueinander stehen müssen. Doch je näher die beiden mithilfe ihrer ganz eigenen Talente zum Kern der Wahrheit vorstoßen, desto gefährlicher wird auch das Spiel mit der Zeit. Und wir wissen ja: Am Ende hat alles Konsequenzen…
Ein würdiger Abschluss
Nachdem uns Life is Strange: Double Exposure mit zahlreichen offenen Fragen in den Abspann entlassen hat, steuert das Team von Deck Nine nun endlich dem definitiven Finale der Geschichte von Max und Chloe entgegen und beendet damit einen Handlungsstrang, der vor zehn Jahren unter der Federführung von Don’t Nod seinen ikonischen Anfang nahm. Während wir das Original mit einer der höchsten Wertungen in der Geschichte von M-Reviews.de angemessen gewürdigt haben, konnte uns die Jahre später nachgeschobene Neuauflage weniger begeistern. Umso besser, dass sich die Macher hier auf alte Stärken besonnen und dem geliebten Gespann einen mehr als würdigen Abschied beschert haben. Natürlich nur dann, wenn ihr im Verlauf der Handlung nicht zu oft die falschen Entscheidungen trefft.

Am grundlegenden Spielprinzip hat sich wenig überraschend nichts geändert: Während sich die spielerische Interaktion anhaltend auf ein Minimum beschränkt, stehen Charaktere und Dialoge im Vordergrund der mit knapp sieben Stunden erneut sehr kurz ausgefallenen Geschichte. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass man hier genau jene fehlende zweite Hälfte nachgelegt bekommt, die man im Angesicht des völlig überstürzten Endes beim Vorgängers so offensichtlich vermisst hat – besonders im Angesicht der Tatsache, dass der seinen Kunden dennoch den Vollpreis abverlangt hat. Lediglich auf das Episodenkonzept früherer Ableger hat man verzichtet. Etwas günstiger ist Life is Strange: Reunion zudem auch zu haben. Alles andere bleibt, wie gehabt. Wichtig ist die Substanz.

Und hier liefert das Team einen der besten Einträge seit dem Erstling ab. Denn obwohl man das Szepter lediglich übernommen und nicht selbst geschmiedet hat, versteht es Deck Nine exzellent, bestehende und eigene Charaktere zusammenzuführen, gleichzeitig aber auch Akteure des Vorgängers in den Hintergrund zu rücken, die vielleicht nicht ganz so gut funktioniert haben – zum Beispiel die völlig an der Realität vorbeigezeichnete Transfrau Gwen.
Obwohl das Spiel die wichtigsten Ereignisse der vorherigen Abenteuer von Max und Cloe kurz zusammenfasst, solltet ihr wenigstens erweiterte Kenntnisse über den direkten Vorgänger mitbringen – der wird nämlich ziemlich oberflächlich behandelt, was euch um extrem viel wichtiges Hintergrundwissen bringt.
Auch von Diamond hören wir nur, wenn wir ganz genau aufpassen. Dass wir die sympathische Figur aus Double Exposure demnächst als Titelheldin in ihrem eigenen Spiel wiedersehen werden, gilt für mich allerdings als sicher. An queeren Charakteren mangelt es anhaltend nicht, im Gegenteil: Als Hetero würde man an der Caledon University wahrscheinlich eher auffallen.

Das diese progressive Utopie einen selbst als Konservativen nicht weiter stören muss, liegt nur daran, dass sich die Figuren nicht darüber definieren, sondern schlicht grundsympathisch sind und über Persönlichkeit verfügen. Und genau das ist eben der zentrale Unterschied. Im Mittelpunkt steht natürlich einmal mehr die fantastische Dynamik zwischen Max und Chloe, die sich perfekt ergänzen und dabei regelmäßig für ein paar Lacher gut sind (Stichwort „Blutwein“). Und dann sind da noch diese leisen, intimen Momente zwischendurch, bei denen man einfach merkt, dass diese beiden einfach zusammengehören, auf diese oder jene Weise. Begleitet von einem gewohnt melancholischen Soundtrack weckt der Titel beste Erinnerungen an den Erstling und baut bis zum tränenreichen Ende konsequent-gelungen auf diesen auf. Viel besser hätte man den Abschied kaum gestalten können. Nur vielleicht etwas länger.
Mittel und Wege
Dafür lohnt es sich, im Anschluss einen zweiten Durchgang zu wagen. Die Auswirkungen eurer bisherigen Entscheidungen auf den Prüfstand zu stellen und herauszufinden, was passiert, wenn man sich hier und da für das Gegenteil entscheidet. Sammelkram gibt’s natürlich auch einigen und vieles davon hilft euch dabei, nicht die falsche Person als potenziellen Brandstifter zu beschuldigen. Life is Strange: Reunion ist in erster Linie ein Detektivabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag. Um die nötigen Hinweise zu erhalten, müssen Max und Chloe ihre jeweils einzigartigen Talente nutzen. Denn wo unsere Lieblingszeitreisende einfach die Uhr zurückdrehen kann, um Fehler zurückzudrehen und damit Gespräche immer wieder neu beeinflussen kann, geht Chloe mit der ihr innewohnenden Schlagfertigkeit ans Werk und diskutiert ihre Gesprächspartner bevorzugt mit Dreistigkeit und Sarkasmus über den Haufen.

Innerhalb der Kapitel schlüpft ihr abwechseln in beide Charaktere, was euch die Lokalitäten im Spiel inklusivere deren Bewohner auf jeweils ganz eigene Art erleben lässt. Die deutschen Sprecher leisten gute Arbeit, für mich haben die englischen Originalsprecher seit dem ersten Teil aber einen besonderen Platz in meinem Herzen. Umso erfreulicher, dass man über das Menü problemlos seine ganz persönliche Präferenz wählen kann. Die hiesige Übersetzung ist nicht immer perfekt und mogelt mir zu oft herbeigedachte Begriffe in die Dialoge, größere Lokalisierungsfehler in den dazugehörigen Untertiteln sind mir abseits von gelegentlichen fehlenden Kommata jedoch nicht aufgefallen. Ferner könnt ihr eine Vielzahl von Hilfen zuschalten, die euch unter anderem Orte oder Gegenstände von Interesse dauerhaft anzeigen.
Aus der Zeit gefallen
So sehr mir die Geschichte auch gefallen hat, so sehr musste ich im Verlauf mehrerer Durchgänge regelmäßig mein Näschen über die Technik rümpfen. Der bereits auf Basis der Unreal Engine 5 umgesetzte Vorgänger litt an hässlichen Schatten, gelegentlichen Animationsaussetzern, Clippingfehlern und (selbst im Rahmen des serientypischen visuellen Stils) vielen hässlichen Umgebungen samt Charakteren. All das wurde auch ins Finale übernommen, lediglich die Mimik zentraler Charaktere kommt halbwegs glaubwürdig rüber. Beleuchtung und Partikeleffekte können sich ebenfalls sehen lassen. In allen anderen Aspekten wirkt Life is Strange: Reunion dagegen optisch nicht mehr zeitgemäß, stellenweise gar unfertig.

In allen anderen Aspekten wirkt Life is Strange: Reunion dagegen optisch nicht mehr zeitgemäß, stellenweise gar unfertig. Support für die PlayStation 5 Pro gibt es abermals nicht, so dass ihr auch dort lediglich zwischen einem in 4K auflösenden Grafikmodus bei 30 Bildern pro Sekunde, oder alternativ einem Leistungsmodus in 1080p bei immerhin flüssigen 60 Bildern pro Sekunde wählen müsst – und wirklich schön sehen die beide nicht aus. Bei einer so schludrigen Optimierung und dem vielen Potenzial, welches die Macher im Rahmen der technischen Möglichkeiten ihrer Engine auf dem Boden zurückgelassen haben, vergisst man schnell, dass man es hier überhaupt mit einem Titel für die Current Generation zu tun hat.

Größere Bugs sind uns zum Glück keine aufgefallen, die Steuerung ist überschaubar und problemlos in der Umsetzung. Besondere Features für den DualSense wären schön gewesen, da die Trigger doch relativ häufig zum Einsatz kommen. Insgesamt hat man abseits des Writings nirgendwo mehr gemacht, als für das Minimum notwendig gewesen wäre. Das kann man kleinen Studios verzeihen, aber nicht solchen, die mit Square Enix einen nicht gerade finanzschwachen Publisher im Rücken haben. Vielleicht mit ein Grund, warum der keinem Presseorgan weltweit zum Release ein Muster zur Verfügung stellen wollte.

„Wie titelt schon der Soundtrack so wunderbar zu den letzten Minuten: „A fitting end“, ein passendes Ende. Und das ist es auch! Wenn Max und Chloe ein letztes Mal gemeinsam die (Campus-)Welt retten, bleibt vor allem bei Fans garantiert kein Auge trocken. Offen bleiben hier lediglich jene Fragen, deren jeweilige Antwort ihr im Verlauf des Spiels verpasst habt. Wenn die Macher dieses Niveau inhaltlich halten können, stehen der Reihe definitiv noch einige spannende Jahre mit vielen interessanten neuen Charakteren bevor. All das aber bitte mit zeitgemäßer Optik, mehr Bewegungsfreiheit und größerem Umfang – an allen drei Punkten kränkelt’s hier nämlich ordentlich.“


- Hübsche Licht- und Partikelkulisse
- Überwiegend glaubwürdige Mimik (nur bei zentralen Charakteren)
- Ungebrochen sympathisches, dynamisches Heldenduo
- Viele interessante Nebencharaktere
- Sammelobjekte wirken sich direkt auf die Ermittlungen aus
- Entscheidungen mit spürbaren Konsequenzen
- Wichtige Entscheidungen vergangener Titel lassen sich vor Spielstart festlegen
- Befriedigendes, wunderbar emotionales Finale
- Grandiose englische und gute deutsche Sprecher
- Toller Soundtrack
- Schnörkellose Bedienung

- Grafisch fast durchgehend veraltet…
- …und chronisch verwaschen
- Anhaltend hässliche Flimmerschatten
- Unansehnliche Randcharaktere
- Pro Durchgang sehr kurz
- Massiv eingeschränkte Bewegungsfreiheit
- Deutsche Übersetzung weicht stellenweise merklich vom englischen Original ab
- Keine direkte Übernahme bestehender Spielstände

Entsprechende Rezensionsmuster sind von uns auf eigene Kosten gestellt worden.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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