In wenigen Tagen endet das Jahr 2025. Der Chef vom Dienst schaut in seinem Editorial zurück auf ein arbeitsreiches und herausforderndes Jahr, wagt eine vorsichtige Prognose für die Branche in 2026 und die künftigen Herausforderungen für M-Reviews. Bühne frei für einen etwas anderen Jahresrückblick.

Liebe Leser,
die Feiertage liegen mir nicht. Dabei freue ich mich eigentlich jedes Jahr wieder darauf, nur um sie am Ende mit anhaltender Regelmäßigkeit doch nicht genießen zu können. Dieses Gefühl von Stillstand widerstrebt mir im Inneren zutiefst. Ich liebe meine Arbeit und bin gerne fleißig. Wie ein sturer Torwächter halte ich mir bis zuletzt ein paar freie Slots im Portfolio offen, falls auf die letzten Meter doch noch etwas von Interesse eintrudelt. Spätestens, wenn die zahllosen Agenturen ihre digitalen Weihnachtsgrüße absenden, wird mir dann klar: „Das war’s dann wohl für dieses Jahr. Zeit, die Batterien wieder aufzuladen. Im kommenden Jahr geht es dann weiter.“ Nur um zu erleben, dass mich unmittelbar nach Verinnerlichung dieses Vorsatzes ein zunehmendes Gefühl innerer Unruhe überkommt. Jedes Mal nehme ich mir vor, den stetig wachsenden Pile of Shame an Spielen abzubauen und meiner durchaus eindrucksvollen Sammlung von Platin-Trophäen einige neue Pokale hinzuzufügen.
Anders als sonst nehmen wir zur Auflockerung des Artikels ausnahmsweise keine Bilder, sondern missbrauchen hemmungslos die Zitatfunktion. Wer mal 300€ an die Hyänen der Jurabranche blechen musste, weil er ein Foto vom Drachenlord nicht lizensiert hat, wird das verstehen. Alle anderen hoffentlich auch.
Dazu das Übliche: Völlerei, Ausschlafen und zeitnahe die üblichen Verdächtigen fest zementierter Weihnachtsklassiker im TV mitzunehmen, die man zwar problemlos jederzeit in besserer Qualität und ohne Werbeeinblendungen auch als Blu-Ray und Co. in den Player legen könnte, dann doch aus unerfindlichen Gründen wieder bei den regulären Ausstrahlungen landet. Und natürlich muss ich mich dringend bewegen! Meine Halswirbelsäule begleitet mich das Jahr zuverlässig als oft schmerzhafte Erinnerung daran, dass das Dasein als Workaholic seinen Preis hat, wenn man eben nicht mehr in den goldenen Zwanzigern ist, sondern Mitte Januar bereits achtunddreißig Lenze auf der Uhr zählt. Am Ende liege ich dann doch nur demotiviert auf dem Bett, schiebe Langeweile und verdränge die Schmerzen mit gelegentlichem Einwurf einer schwachen Ibuprofen. Eben grade genug, damit es weitergeht. Dass sich zum Ende dieses Jahres dann auch noch die Lendenwirbel gegen mich verschworen haben und mich seitdem regelmäßig mit stechenden und krampfartigen Schmerzen quälen, macht die Regeneration keineswegs einfacher, oder nährt das Gefühl weihnachtlicher Besinnlichkeit, welches ich doch eigentlich empfinden sollte, aber partout nicht empfinden kann.
Dann fühle ich mich ein bisschen wie der sogenannte Rechte Onkel, vor dem die Linken jedes Jahr wieder so eindringlich warnen, weil sein Dasein ja Gefahr läuft, das eigene und wohlkultivierte – gleichzeitig aber lächerlich verteidigungsschwache – Weltbild zu gefährden.
Bis zum heutigen Tage habe ich The Last of Us: Part II nicht durchgespielt. Ein Titel, den man im Angesicht der Tatsache, dass Sony die Reihe fast so behäbig neu auflegt, wie es Bethesda es mit The Elder Scrolls V: Skyrim getan hat, ja eigentlich fast schon durch Zufall irgendwann einmal durchgespielt haben muss. Nur, um das Vorhaben irgendwann zur Mitte hin aufgrund der abstrusen und identitätspolitisch völlig durchseuchten Handlung wieder abzubrechen. Dann fühle ich mich ein bisschen wie der sogenannte Rechte Onkel, vor dem die Linken jedes Jahr wieder so eindringlich warnen, weil sein Dasein ja Gefahr läuft, das eigene und wohlkultivierte – gleichzeitig aber lächerlich verteidigungsschwache – Weltbild zu gefährden. Und ich lande wieder bei meinen persönlichen Klassikern, Metal Gear Solid zum Beispiel. Natürlich aus sentimentalen Gründen auf Deutsch, obwohl die Synchronfassung unfreiwillig komisch ist. Nebenher schaue ich ein Video auf YouTube, wo irgendein Typ mit dickem schottischen Akzent und gewohnt weit aufgerissenen Gesichtsstrukturen im reißerischen Header seines Titelbildes mir in vier Stunden oder weniger erklärt, warum Metal Gear Solid KEIN gutes Spiel ist. Ein schöner Kontrast, der das Erlebnis im Gleichgewicht hält. Außerdem rege ich mich über diese Rage-Baiter wahnsinnig gerne auf.
Drogen? Um Gottes Willen, bei den Preisen!
Dabei gehen unzählige Tassen Tee (momentaner Favorit: Weißer Tee mit Pfirsich-Vanille-Aroma) über den Jordan und auch die wie fast alles andere auch schleichend immer geringer befüllten Tüten mit diesen sündhaft leckeren Pralinenkugeln leeren sich in Rekordzeit. Bin ich eigentlich einer der ganz wenigen Menschen, die nicht gerne Christstollen isst? Familiär gibt es dieses Jahr wenig zu feiern, ein überraschender Krankheitsfall im engeren Kreis hat einen tragischen Schatten über die grundsätzlich eher spartanisch begangenen Feierlichkeiten geworfen. Und als wäre das nicht schon genug Ärger, bin ich pünktlich zum Jahresende auch noch an eine Frau geraten, die mir erst spät enthüllt hat, dass sie eigentlich unter pathologischer Beziehungsangst leidet und mir damit auf die letzten Meter nochmal das Herz gebrochen hat – man hat ja noch nicht genug, über das man sich ärgern kann und alles kann so ein Schotte ja auch nicht abfedern. Wegsaufen kann man sich den Ärger nicht, wenn man wie ich einfach nichts verträgt und bereits ein guter Schluck Weißwein für einen unschönen Reflux in der Nacht sorgen kann. Drogen? Um Gottes Willen, bei den Preisen!
Die Rückkehr der Konservativen
Bei all dem Scheißdreck gibt es eigentlich auch viel Grund zur Freude. Konservative Berichterstattung erobert sich allmählich wieder ihren Platz an der Spitze zurück. Es ist toll, sich in der Hinsicht ein wenig wie ein Vorreiter zu fühlen, schließlich war M-Reviews immer ganz bewusst ein Gegenentwurf zu dem über die letzten zehn Jahre immer aggressiver durchgesetzten Trend stetig politisiert agierender Plattformen, die ihre Kernkompetenzen zugunsten zunehmender Moralisierung und Belehrung der Leserschaft immer weiter aus den Augen verloren haben. Gutes Geld wird’s wohl auch gegeben haben. Anstelle einer gesunden Auseinandersetzung mit Kritik wird dort rücksichtslos jedwedes Wiederwort mit Bann bestraft, wenn es der Auffassung bunthaariger und mit Pronomen aller Art bestückter Aushilfsschreiberlinge auch nur im Ansatz widerspricht. Besucht man heutzutage beispielsweise die Seite mit dem blauen Stern – in ihren ersten Jahren für mich und viele andere auf dem Schulhof DIE zentrale Instanz für kritischen Spielejournalismus -, wird schnell klar, dass von der ehemaligen Integrität nicht mehr viel übrig ist – und das gilt für viele andere ja auch.
Dass man sich gleichzeitig wundert, warum die Nutzerzahlen immer weiter zurückgehen und man überall im Netz mit Spott überzogen wird, ist ein ganz gutes Zeichen dafür, was passiert, wenn der Orientierungssinn nur noch zuverlässig den Weg zum nächsten Pride-Month anzeigt.
Wenn man sich das Editorial alter Ausgaben durchliest, mit welcher Inbrunst und welchem Stolz man sich gegen die Konventionen der Branche zur Wehr gesetzt hat (unvergessen zum Beispiel der Einsatz für Counter-Strike, welches im Angesicht einer beispiellosen medialen Hetzkampagne Gefahr lief, als Sündenbock nach einem Amoklauf im Giftschrank der damals noch extremst verbotsfreudigen Jugendschützer zu landen), ist davon heute nichts mehr übrig. Wer auf der Suche nach einem aktuellen Spieletest ist, findet die in der Regel nur hinter einer Bezahlschranke. Stattdessen gibt es inhaltlich oft völlig belanglose „Nachrichten“ zu Themen wie Anime und neuerdings LEGO. Dazwischen werden übersetzte Reddit-Posts aufgegriffen. Findet man da alles zuhauf, wenn man es schafft, dabei nicht versehentlich auf eine Werbeanzeige zu klicken – und selbst die sind mittlerweile wie alles andere auch mit so reißerischen Clickbait-Titeln versehen, dass man sich eigentlich nur denkt: Schämt euch. Schämt euch zutiefst. Dass man sich gleichzeitig wundert, warum die Nutzerzahlen immer weiter zurückgehen und man überall im Netz mit Spott überzogen wird, ist ein ganz gutes Zeichen dafür, was passiert, wenn der Orientierungssinn nur noch zuverlässig den Weg zum nächsten Pride-Month anzeigt.
Denn selbst ein dahergelaufener YouTuber mit der Fachkenntnis eines grünen Wirtschaftspolitikers – das ist die traurige Realität – wird bei der Mustervergabe eher bedacht als wir, solange er nur über genug Reichweite verfügt.
Dafür kann ich mich im Namen von M-Reviews eigentlich nur bedanken. Denn durch Praktiken wie diese hat unsere Seite in diesem Jahr erstmals die Marke von über einer Million einzigartiger Zugriffe geknackt und wächst seitdem stetig weiter. Richtig reich werden wir damit natürlich nicht, immerhin schalten wir keine Werbung und bieten auch keine aufsetzten Abo-Modelle an. Tatsächlich ist es manchmal sogar eine richtige Nullrechnung, schließlich bekommen wir anders als viele andere unsere Hardware nicht von den Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine kaputte Grafikkarte muss ebenso aus eigener Tasche ersetzt werden wie Spiele angeschafft werden müssen, die uns aufgrund immer knapperer Kontingente oder dubiosen Exklusivabkommen mit Plattformen, die eigentlich nur noch von einem bekannten Namen zehren, eben nicht zugestanden werden. Dass man uns in der Branche mittlerweile durchaus schätzt und respektiert, stellenweise vielleicht sogar fürchtet, ist natürlich viel wert. Gerade letzteres ist mit einem nicht geringen Gefühl von Stolz verbunden. Trotzdem müssen wir um unsere Muster kämpfen. Jedes Mal wieder. Denn selbst ein dahergelaufener YouTuber mit der Fachkenntnis eines grünen Wirtschaftspolitikers – das ist die traurige Realität – wird bei der Mustervergabe eher bedacht als wir, solange er nur über genug Reichweite verfügt.
…im Kern ist M-Reviews ein altmodisches, analoges Projekt, für eine altmodische, analoge Leserschaft.
Deshalb muss ich bei meinen Artikeln peinlichst genau darauf achten, dass im Hintergrund sämtliche Voraussetzungen dafür erfüllt werden, damit M-Reviews bei Google und Co. prominent platziert wird. Dieser sogenannte SEO-Wert ist allgegenwärtig und wird aufgrund von Stichworten, Verlinkungen und vielen, vielen anderen Aspekten errechnet. Ist der Wert hoch genug, landet man bei dazugehörigen Suchanfragen eher weit vorne. Ein entsprechend schlechter Score kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man abseits von Direktverlinkungen auf Social Media gar nicht weiß, dass wir einen Beitrag zu Produkt X im Portfolio haben. Und ja, im Kern ist M-Reviews ein altmodisches, analoges Projekt, für eine altmodische, analoge Leserschaft. Da hat die Reichweite Grenzen. Deshalb werden wir Ende 2026 auch langsam die Fühler Richtung YouTube ausstrecken. Es geht gar nicht anders, wenn man weiter wachsen will. Natürlich bleiben wir unserem Anspruch dabei weiter treu – das kann ich versprechen. Viele tolle Veröffentlichungen wurden bereits angekündigt, die Zukunft sieht definitiv fantastisch aus!
Wohin die Reise geht
Ganz weit oben auf dem Wunschzettel steht dabei natürlich Grand Theft Auto VI, welches sich zuletzt abermals verschoben hat. Dass uns da ein wahrer Koloss bevorsteht, wie er vielleicht alle zehn Jahre einmal auftaucht und schlagartig komplett neue Maßstäbe für die gesamte Industrie setzt, muss gar nicht weiter erwähnt werden. Ich persönlich glaube ja, dass die erneute Verschiebung nicht zwangsläufig deswegen stattfindet, um noch mehr Feinschliff in den Titel zu bringen, der wird längst Goldstatus haben. Allerdings hat sich die politische Wahrnehmung weltweit innerhalb eines Jahres derart verschoben, dass man nun vermutlich Inhalte anpassen muss, die dem aktuellen Zeitgeist eher entsprechen. Und ich weiß aus persönlicher Erfahrung mit Rockstar Games, wie viel Wert man auf perfekte Scores legt. Überlegt mal, was die Entwicklung gekostet haben muss. Welche Unsummen da reingeflossen sind. Da will man natürlich keinerlei Risiko eingehen.
Aber K.I. ist eben auch kein Ersatz für mangelndes Talent.
Und natürlich wird auch das Thema Künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle in der Spieleentwicklung einnehmen. Man wird darüber diskutieren, ob solche Inhalte einer Kennzeichnungspflicht unterliegen oder nicht. Ich bin per se nicht gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, gerade kleinere oder vielleicht auch unerfahrene Teams erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre persönliche Vision besser umsetzen zu können. Aber K.I. ist eben auch kein Ersatz für mangelndes Talent. Man merkt doch noch, wenn Dingen die menschliche Note fehlt. Ich habe das der Neugierde halber mal getestet und ChatGPT gebeten, eine Rezension zu verfassen, nachdem ich die Seite vorher mit zahlreichen Artikeln gefüttert habe. Das Ergebnis ist – wie ich leider zugeben muss – nicht ganz schlecht. Aber eben längst nicht gut. Es fehlen die Menschlichkeit, die Struktur, das Persönliche. Und natürlich bin ich froh, wenn das auch noch ganz lange so bleibt, damit ich mir weiterhin jedes Jahr mindestens ein paar limitierter Vans und ab und an eine Packung Fertigfrikadellen kaufen kann. Sobald der anfängliche Geruch vorübergezogen ist, gehen die bei aller Liebe zum Kochen echt klar.
Arbeitsspeicher wird im Preis weiter steigen. Wie alles andere eben auch.
Gleichzeitig werden wir auch 2026 wieder über die nur minimal angepassten Ableger aus den Bereichen Fußball, Basketball und Co. blicken, die so vollgestopft mit Mikrotransaktionen sind, dass es einem die stetig weniger werdenden Haare zu Berge stehen lässt. Wir werden uns fragen, ob im kommenden Jahr wirklich zum ersten Mal kein neues Call of Duty erscheinen wird und ob Sony endlich (!) eine vollumfängliche God-of-War-Collection für die PlayStation 5 veröffentlicht. Es wird erste konkrete Details zur neuen Konsolengeneration geben. Was taugt der neue Film von Christopher Nolan? Und wer ist dieser geheimnisvolle italienische Chef aus diesen widerwärtigen YouTube-Shorts? Arbeitsspeicher wird im Preis weiter steigen. Wie alles andere eben auch. Neue Remakes werden kommen, vielleicht sogar schon das Finale zu Final Fantasy VII. Gleichzeitig aber auch wieder viele Remaster, welche die Welt nicht braucht und nach denen keiner gefragt hat. Und die Community wird sich entschlossener als je zuvor gegen alles wehren, was ihr Hobby stört. Ich glaube wirklich, dass wir einem glorreichen Spielejahr entgegenblicken. Und freue mich darauf, von hier aus weiter daran mitwirken und darüber aufklären zu dürfen.
Die Year End Awards 2025
Zum Abschluss möchte ich gerne noch die Spiele des Jahres krönen. Unsere Year End Awards sind bisweilen immer eine kleine, aber feine Veranstaltung zum Jahresende gewesen. Etwas, von denen wir immer gehofft haben, dass sich die Preisträger darüber freuen, wenngleich die Auszeichnungen im Vergleich mit den längst media-massentauglich inzensierten Großereignissen wenig bedeutsam erscheinen mögen. Aber: Preis ist Preis. Und dieses Jahr war es teilweise WIRKLICH schwer, eine Entscheidung zu fällen. Würde man nur nach Wertung gehen, wäre es leicht. Wenn man jedoch manches nochmal nachwirken lässt, Monate später nochmal aufgreift, dann kann der Entscheidungsprozess sehr viel diverser ausfallen. Am Ende ist das hier daraus geworden:
Bestes Narrativ: Dispatch | AdHoc Studio
Die kreativen Köpfe hinter klassischen Telltale-Titeln wie Tales from the Borderlands und The Wolf Among Us haben sich unter neuer Flagge zusammengeschlossen und mit Dispatch ein Genre wiederbelebt, welches längst für tot gehalten wurde. Die über acht Episoden erzählte Geschichte eines gescheiterten Superhelden, der aus der Not heraus als Einsatzleiter für ein reformiertes Team aus Schurken rekrutiert wird, punktet mit grandiosem Humor, einem zeitlosen Look und wunderbaren Charakteren. Getroffene Entscheidungen wirken sich deutlich spürbar auf die filmreife Handlung aus, zwischen Romantik, Drama und Action ist wirklich alles dabei und ich kann eine zweite Staffel kaum erwarten. Für mich ganz nebenbei eine DER großen Überraschungen dieses Jahres.
Beste Grafik: Death Stranding 2 | Kojima Productions
In keinem anderen Spiel habe ich 2025 mehr Zeit verbracht. Das einzigartige Gameplay entfaltet nicht nur eine anhaltend unwiderstehliche Sogwirkung, sondern verfeinert die im Erstling etablierten Mechaniken gekonnt. Nur knapp am Spiel des Jahres vorbeigeschlittert, ist Death Stranding 2 in nahezu jeder Kategorie mindestens ein Kandidat für die engere Auswahl gewesen. Die von Guerilla Games entwickelte Decima Engine läuft hier gegenwärtig exklusiv auf PlayStation 5 zu absoluten Höchstleistungen auf und präsentiert fantastische Effekte mit herausragenden, fast lebensecht animierten Charakteren in einer atmosphärisch dichten Welt, der man sich einfach nicht entziehen kann. All das übrigens mit fast makelloser Performance, die einen auf sehr angenehme Weise vergessen ließ, wie viel Ärger einem die konkurrierende Unreal Engine 5 regelmäßig bereitet hat.
Beste Musik: Lorien Testard | Clair Obscure: Expedition 33 | Sandfall Games
Clair Obscure: Expedition 33 ist in meinen Augen das wichtigste Spiel des Jahres. Eine kleine Gruppe ehemaliger Ubisoft-Programmierer war es leid, anhaltend an immergleichen, formelhaften Titeln für die breite Masse zu arbeiten und ging kurzerhand eigene Wege. Dabei entstanden ist ein Spiel, dass für vierzig Euro mehr Spaß bietet, als jedes achtzig Euro teure AAA-Konstrukt nach Schema F. Sandfall Interactive ist es gelungen, erfolgreich gegen eine festgefahrene Industrie zu rebellieren und dürfte sich dabei so manchen Feind geschaffen haben. Hier wurde bewiesen, dass man mit wenig Personal und Geld Großes erschaffen kann, wenn man nur über Können und eine passende Vision verfügt. Der dazugehörige Soundtrack ist ein wahres Fest für die Ohren und nicht minder revolutionär. Über sieben Stunden Material mit einzigartigem Wiedererkennungswert hat Lorien Testard geschaffen, der die Stimmung und das Setting des Spiels zu jedem Zeitpunkt perfekt untermalt.
Bestes Gameplay: Clair Obscure: Expedition 33 | Sandfall Games
Seit langer Zeit hat mir rundenbasiertes Gameplay mit dynamischen Elementen nicht mehr so viel Spaß gemacht wie in Clair Obscure: Expedition 33. Nein, die Entwickler mögen das Rad nicht neu erfunden haben, aber sie haben es entstaubt, modernisiert und mit frischem Lack versehen. Mit fairer Spielbalance für jeden Anspruch, zig möglichen Builds und dem genialen Picto-System hat mich der Titel wie kein anderer in diesem Jahr begeistert und ist dabei wieder nur knapp an Death Stranding 2 vorbeigezogen – denn mal im Ernst, als Straßenbau-Tycoon in die virtuelle Geschichte einzugehen hat auch was verdammt befriedigendes.
Bester Mehrspielertitel: Battlefield 6 | Electronic Arts
Wo der Vorgänger mich derart enttäuscht hat, dass ich das Franchise auf ewig am Boden sah, erhob sich Battlefield 6 wie ein Phönix aus der Asche und trug mit anderen Titeln maßgeblich dazu bei, dass sich Call of Duty als ehemaliger Platzhirsch erstmals geschlagen auf die hintersten Plätze zurückziehen muss – wobei die Macher dazu natürlich auch selbst ordentlich was beigetragen haben. Battlefield 6 hat mir und meiner Crew (Markus | Norm | Manu | Sascha) über Wochen viel Freude bereitet. Bestehende Kritikpunkte werden nach und nach beseitigt, man hört auf das Feedback der Community und neue Inhalte werden regelmäßig nachgereicht. Das alles vor technisch sauberen Kulissen. Die maximal schwache Kampagne interessiert im Angesicht der genialen Action wirklich niemanden.
Bestes Aufbauspiel: Anno 117: Pax Romana | Ubisoft
Gutes aus deutschen Landen, das ist Anno 117: Pax Romana. Obgleich nicht gänzlich fehlerfrei, hat mich der Ausflug in die Antike über den ganzen Herbst begeistern können. Veteranen und Einsteiger werden hier gleichermaßen gut bedient, dazu gibt es zwei umfangreiche Kampagnen und einen motivierenden Endlosmodus. Wenngleich das Genre nicht mehr denselben Stellenwert genießt, wie noch vor zwanzig Jahren, ist hier neben dem knapp unterlegenen Jurassic World Evolution 3 ein tolles Beispiel dafür abgeliefert worden, warum wir dringend wieder mehr gute Aufbauspiele benötigen.
Bestes JRPG: Octopath Traveler 0 | Square Enix
Auf die letzten Meter des Jahres kam mit Octopath Traveler 0 nochmal eine absolute Offenbarung. Für das Genre war es ein gutes Jahr, neben Dragon Quest HD-2D Remake I & II war vor allem Trails of the 1st Sky ein ganz grandioser Beitrag zum Genre, den Fans unbedingt gespielt haben sollten. Obwohl Octopath Traveler vor allem optisch seine Wurzeln als Mobile Game nicht verleugnen kann, stimmt hier nahezu alles: Eine wendungsreiche Geschichte mit tollen Helden und Schurken, motivierendem Bausystem und einem herrlich dynamischen Kampfsystem beschäftigten für satte hundert Stunden. Ein absolutes Must-Play!
Größtes Ärgernis: Ryo Ga Gotoko und das 25. Jubiläum
Ryo-Ga-was? Die bisher so erfolgreichen Schöpfer hinter Yakuza bzw. Like a Dragon müssen sich eine gehörige Schelle abholen. Nicht nur, dass man das 25. Jubiläum der Reihe mit den eher lustlosen Neuauflagen der ersten drei Einträge innerhalb der Reihe versiebt hat (schlechte deutsche Übersetzung, wochenlange Probleme mit vergünstigen Upgrades auf Konsolen, teils veraltete Technik), auch das sture Festhalten an einem vorbestraften Sexualtäter für die Besetzung des kommenden Yakuza Kiwami 3: Dark Ties spaltet die Fangemeinde weiterhin. Während der ursprüngliche Studiochef ein vielversprechendes neues Projekt vorgestellt hat und endlich eine komplette Modernisierung des Bekannten wagt, baut das alte Studio zu sehr auf Bewährtes. Einen richtig guten Eindruck hat Kiwami 3 bisher nicht hinterlassen, im Februar wissen wir mehr.
Größte Freude: Der Niedergang von DEI in Videospielen
Über Jahre wurden Spieler mit linksgerichteten politischen Botschaften in Spielen tyrannisiert. Angefangen bei gendergerechten Texten bis hin zu abstrusen Charakteren, deren Persönlichkeit sich ausschließlich durch Geschlecht und Hautfarbe definiert hat. Dubiose Beraterfirmen verdienten sich im Hintergrund eine goldene Nase damit, Narrative in ihrem Sinne zu bearbeiten. Dass dabei ausschließlich verbrannte Erde zurückgeblieben ist und ein Studio nach dem anderen in die Pleite getrieben wurde, hat die Leute nicht interessiert. Mit der Offenlegung dieser Schattenpraktiken hat sich ein zunehmender Widerstand gebildet – mit Erfolg. Es wird heute sehr genau dokumentiert, wer an Projekten wie mitgearbeitet hat. Am Ende entscheidet eben immer noch der Käufer, was er will und was er eben nicht will. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg, wieder mehr realitätsbezogene Substanz in unser liebstes Hobby zu kriegen.
Spiel des Jahres: Clair Obscure: Expedition 33 | Sandfall Interactive
Die Wahl zum Spiel des Jahres fiel mir dieses Jahr besonders schwer. Mit Death Stranding 2 gab es einen äußerst hartnäckigen Mitbewerber nahe der Perfektion und ganz allgemein gab es in diesem Jahr viele starke Kandidaten aus sämtlichen Genres – außer Sport. Sport bleibt immer gleich. Sandfall Interactive haben mit Clair Obscure: Expedition 33 mehr getan, als nur ein herausragendes Spiel abzuliefern. Sie haben die Branche wachgerüttelt. Gezeigt, das ein Wagnis belohnt werden kann. Dass es einen Markt für frische Ideen gibt. Und das es ganz egal ist, wie viele A’s man vor sich herträgt. Unter ewig gleichem ist der berührend inszenierte Überlebenskampf von Verso, Maelle und Co. ein wahrer Augenöffner in allem, was gute Unterhaltung ausmacht. Und verdient sich damit mit Recht den Preis als bestes Spiel des Jahres.
Tja, so viel von mir. Wir lesen uns im neuen Jahr. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Lesern und Partnern, die dieses Projekt anhaltend so großartig machen. Kommt gut ins neue Jahr und sprengt euch um Gottes Willen nicht die Hände mit irgendwelchen Polenböllern weg. Sieht zwar lustig aus, aber versucht mit so Stumpen mal, ein Gurkenglas zu öffnen.

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