Das Geschäft mit den Neuauflagen scheint gut zu laufen für Square Enix. Neben Final Fantasy als zentralem Zugpferd hat man sich mit Dragon Quest über die letzten Jahre erfolgreich einem weiteren, vor allem in Japan seit Jahrzehnten beliebten Franchise angenommen. Das Remake zum siebten Teil präsentiert sich vor allem optisch extrem charmant, verweilt spielerisch wie erzählerisch im Angesicht moderner Konkurrenten allerdings nur im Mittelfeld.


Entwickler: HexaDrive
Publisher: Square Enix
Plattform: PC | PS5 | XBS | NS | NS2
Veröffentlichungsdatum: 05. Februar 2026
Preis: ab 59,99€*
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Metacritic | OpenCritic | IMDB



Weltenwachstum
Gibt es noch anderes Leben außerhalb der Insel Estard? Nein, wenn man den stoischen Einwohnern des kleinen Atolls Glauben schenken darf. Doch der junge Prinz Gismar ist fest davon überzeugt, dass irgendwo hinter dem Horizont noch mehr Zivilisationen existieren müssen. Auf der Suche nach Beweisen für seine Theorie vernachlässigt der Thronfolger regelmäßig seine royalen Pflichten – sehr zum Unmut seines Vaters, dem König. Nun glaubt Gismar, in den nahen Ruinen endlich fündig geworden zu sein. Als bester Freund und mindestens ebenso ambitionierter Abenteurer sind wir bei der Erkundung natürlich mit von der Partie. Dass wir dabei lediglich ein stummer Fischerjunge aus einfachem Hause sind, ist dabei nicht von Bedeutung.

Trotz gewöhnlicher Herkunft scheint uns doch ein Hauch des Besonderen zu umgehen. Fünf Monate eher als geplant auf die Welt gekommen und trotzdem kerngesund – alltäglich ist das nicht! Tatsächlich finden wir in den Ruinen eine alte Statue, die überraschend gesprächig ist und uns aufträgt, mehrere Fragmente einer alten Steintafel zu sammeln, die überall auf der Insel verstreut sind. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, dass uns das Abenteuer unseres Lebens bevorsteht, denn die komplettierte Tafel erweist sich als Schlüssel in die Vergangenheit. Und genau in die werden wir zusammen mit der Bürgermeistertochter Maribel urplötzlich hineingerissen. Dort haben sich finstere Kräfte breitgemacht, die es zu besiegen gilt, was uns nach einigen Überraschungen auch gelingt. In der Konsequenz werden nicht nur wir, sondern auch der gesamte Schauplatz zurück in die Gegenwart versetzt.

Im Königsschloss wird munter über diese Ereignisse diskutiert – neue Inseln tauchen schließlich nicht jeden Tag einfach so aus dem Meer auf. Dennoch: Die Neugierde ist geweckt, denn wenn es wirklich möglich ist, über Fragmente aus der Vergangenheit eine ganz neue Welt aus den Angeln zu heben, kann man der Versuchung, auch die restlichen Fragmente zu sammeln, unmöglich widerstehen. Dabei schließen sich uns mit der Zeit weitere Verbündete an. Doch wer ist überhaupt für den Zerfall der einstigen Welt verantwortlich? Nur eine von vielen Fragen, denen wir im Verlauf der Geschichte nachgehen müssen.
Weniger ist mehr, aber ein bisschen mehr wäre gut
Satte einhundertzwanzig Stunden Gesamtumfang bot die Originalversion, welche zu Beginn des Millenniums ausschließlich außerhalb von Europa für die PlayStation veröffentlicht worden ist. Wir durften erst fünfzehn Jahre später im Rahmen der ersten Neuauflage für den Nintendo 3DS legal Hand an den Titel legen. Für das Remake wurden zahlreiche Änderungen vorgenommen. Zunächst wurden jede Menge eher belangloser Inhalte aus dem Spiel entfernt, so dass sich der Gesamtumfang hier auf circa fünfzig bis sechzig Stunden beläuft.
Als einfacher Fischerjunge sehnen wir uns seit Kindheitstagen danach, die Welt zu entdecken. Wir starten das Spiel als Wassermagier mit ausgeglichener Mischung aus Schadens- und Unterstützungszaubern.

Der Thronfolger von Estard ist waghalsiger, als es ihm der königliche Stand eigentlich erlaubt. Er beginnt die Reise als klassischer Nahkämpfer, der sich später problemlos in einen widerstandsfähigen Beschützer weiterentwickeln lässt.

Die schlagfertige Bürgermeistertochter unseres Dorfes ist ein waschechter Wildfang mit ziemlich losem Mundwerk, aber eine wertvolle Verbündete. Mit ihren zahlreichen Elementarzaubern kann sie eine Vielzahl gegnerischen Schwächen abdecken.

Durch einen bösen Zauber wurde ein junger weißer Wolf – übrigens der letzte seiner Art – dauerhaft in einen Menschen verwandelt und begleitet uns seitdem auf unserem Abenteuer.

Die taffe Kriegerin stößt erst im späteren Spielverlauf zu uns, mausert sich dann aber zur ultimativen Nahkämpferin.

Obgleich ein Relikt vergangener Tage, das viel zu viel Zeit in einem tiefen Schlummer verbracht hat, setzt Sir Mervyn als klassischer Paladin die Kraft von Schwert und fortgeschrittener Arthritis entschlossen für uns ein. | Alle Bilder: Nintendo Switch 2, Dockmodus

Das verbliebene Material wurde neu arrangiert und stellenweise erweitert, was definitiv zu begrüßen ist, da Dragon Quest VII primär als episodenartiges Spiel konzipiert worden ist. Das Remake offeriert einen nachvollziehbareren Zusammenhang bei gleichzeitig weniger inhaltlichem Leerlauf. Wer das Original nicht kennt, wird sowieso nichts vermissen, alte Hasen dürfen sich über das im Ergebnis merklich gradlinigere Erlebnis freuen. Das Gefühl, um bedeutsame Inhalte gebracht worden zu sein, hatte ich über den Testverlauf zu keinem Zeitpunkt.
Zusätzlich zur regulären Edition erscheint Dragon Quest VII Reimagined auch in einer höherpreisigen Edition mit einer zusätzlichen Arenaquest, kleineren Boostern und alternativen Kostümen. All diese Inhalte lassen sich auch einzeln erwerben. Nichts davon wirkt sich negativ auf die Spielbalance auf, zumal die entsprechenden Items einem lediglich den Start etwas vereinfachen. Wir verzichten daher auf eine zusätzliche Abwertung.
Den episodenhaften Charakter kann das Spiel jedoch auch innerhalb des Remakes nie ganz abschütteln. Das mag nett für Leute mit wenig Zeit sein, die glücklich mit der Tatsache sind, innerhalb von circa zwei-bis drei Stunden eine in sich abgeschlossenen Kurzgeschichte inklusive obligatorischem Boss-Dungeon abzuschließen. Wer es jedoch lieber immersiver mag, sollte vor dem Kauf lieber erstmal die kostenlose Demo anzocken und schauen, ob das Konzept im Angesicht moderner Genretitanen wie Clair Obscure: Expedition 33 und Co. nicht doch etwas zu…altbacken erscheint. Ich will an dieser Stelle nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber wo der verzweifelte Kampf gegen die geheimnisvolle Malerin das Genre sowohl spielerisch wie erzählerisch auf ein neue Level hebt, verweilt Dragon Quest VII Reimagined konsequent bei klassischen Spielansätzen.

Das beinhaltet den üblichen Mischmasch aus Dialog- und Volltextpassagen, den chronisch schweigsamen Protagonisten und eine arg vertraute Rollenverteilung der jeweiligen Charaktere. Auch die Handlung entwickelt sich eben so, wie man es von den meisten älteren Genrevertretern gewohnt ist – das gilt umso mehr, wenn man schon einmal ein Dragon Quest gespielt hat. Die rundenbasierten Kämpfe funktionieren ebenfalls nach ganz klassischem Prinzip. Später schalten wir noch ein Berufssystem frei, mit dem wir unsere Helden neuen Professionen zuführen können. All das wird von einem klassischen Stufensystem begleitet. Und so funktionell das in der Summe – auch aufgrund der im Vergleich zum Original dramatisch entschlackten Menüs – sein mag: Nichts von alledem fühlt sich zu irgendeinem Zeitpunkt richtig frisch an.

Das größte Problem mit der episodenhaften Erzählstruktur liegt für mich in dem Punkt, dass die Bindung unter den insgesamt sechs Charakteren nie richtig vertieft wird. Deren jeweilige Motivationen bleiben chronisch oberflächlich, stattdessen rückt das Spiel den Fokus zu sehr auf die handelnden Figuren innerhalb des jeweiligen Abschnittes, mit denen wir im späteren Handlungsverlauf jedoch kaum noch etwas zu tun haben. Mir fehlen diese typischen Lagerfeuermomente, wo man sich über die bisherige Reise austauscht, langsam zusammenwächst und dem finalen Boss am Ende des Spiels als absolute Einheit gegenübersteht. Versteht mich nicht falsch: Wenn ihr auf der Suche nach einem JRPG alter Schule in zeitgemäßem Grafikgewand seid, könnt ihr hier kaum etwas falsch machen. Erwartet ihr aber mehr als das, könnte es schwierig werden.
Wenn Panoramen auf Dioramen treffen
Wo die letzten beiden Compilations mit Neuauflagen der ersten drei Teile visuell noch in 2D-HD aufgebaut wurden, hat man sich hier für einen komplett neuen grafischen Ansatz entschieden. Der bekannte Pixellook weicht komplett dreidimensionalen Kulissen, die in ihrem Aufbau eher an Dioramen erinnern. Dabei wurde mit großer Liebe zum Detail gearbeitet, was auch für die zahllosen Charaktere und Monster gilt. Die Hauptfiguren wurden dabei mithilfe aufwändiger Scans von im Vorfeld modellierter Puppen auf Basis der Originalkonzepte des legendären Akira Toriyama ins Spiel implementiert, was im Ergebnis wirklich fantastisch aussieht. Lediglich die Tatsache, dass der kantige Prinz Gismar eine erschreckende Ähnlichkeit zur Marionette von Matt Damon aus Team America: World Police aufweist, wollte mich bis zum Schluss einfach nicht mehr loslassen.

Angetrieben von der Unreal Engine 5, wartet das Spiel außerdem mit einer ansehnlichen Beleuchtung und hochwertigen Partikelkulissen auf. Bis auf wenige Ausnahmen lässt sich die Kamera dabei frei bewegen, ein simpler Knopfdruck befördert das Geschehen zurück in die Ausgangsposition. Durchgehend hochauflösende Texturen dürften selbst anspruchsvolle Augen zufriedenstellen. Die geringe Vielfalt der NPC’s sorgt allerdings dafür, dass man gefühlt immer wieder denselben Städtern | Dörflern begegnet, ein bisschen mehr Auswahl wäre nicht verkehrt gewesen. PlayStation 5 und XBOX Series X lösen in nativem 4K bei gleichzeitig durchgehend geschmeidigen 60 Bildern pro Sekunde auf, zusätzlichen Support für die PlayStation 5 PRO gibt es im Angesicht dieser bereits extrem zufriedenstellenden Parameter keine.
Ein Upgrade von der Nintendo Switch zur Nintendo Switch 2 ist nicht möglich. Falls ihr damit liebäugelt, in Kürze die Plattform zu wechseln, solltet ihr das beim Kauf des Spiels unbedingt berücksichtigen. Ferner beinhaltet die Box für die Nintendo Switch 2 wie so oft keine Speicherkarte, sondern lediglich einen Schlüsselcode für den eStore.
Etwas abseits davon bewegt sich die Nintendo Switch 2, die im Dock maximal 1080p schafft, aber dieselben Assets nutzt. Deren Vorgänger muss sich mit halbierter – aber immer noch stabiler Bildrate – und einer nochmals niedrigeren Auflösung begnügen. In der Form ist das Ding immer noch gut spielbar, verliert jedoch einen Großteil seiner visuellen Anziehungskraft. Gesprochen wird wahlweise Englisch oder Japanisch, die deutschen Texte sind serientypisch mit etwas gewöhnungsbedürftigen Schnodderbegriffen á la Tschüssikowski durchzogen, was mir persönlich etwas unschön an der Immersion knabbert.

Davon einmal abgesehen sind mir anders als bei so manch anderem Release der letzten Zeit keine Rechtschreibfehler aufgefallen und ich möchte positiv unterstellen, dass die Übersetzung nicht KI-gestützt angefertigt worden ist, sondern das Ergebnis sorgfältiger Handarbeit. Begleitet von einem stimmigen Soundtrack und einer über sämtliche Plattformen schnörkellosen Bedienung, können wir unseren Test wunderbar wohlwollend abschließen.

„Dragon Quest VII Reimagined verbirgt unter dem visuell wunderschön inszenierten Gewand ein ganz klassisches JRPG – im Guten wie im Schlechten. Gerade im Angesicht moderner Genrevertreter mit dem Mut, mittlerweile angestaubte Mechaniken mit frischen Impulsen effektiv in die Gegenwart zu katapultieren, baut das Remake in nahezu jeder Hinsicht auf altbackenen Aspekten auf, die sich gleichermaßen durch die erzählerischen wie spielerischen Anteile ziehen. Wer bewusst danach sucht, wird über knapp sechzig Stunden gut bedient, auch wenn die Hauptcharaktere im Rahmen des episodenhaften Narrativ leider bis zum Ende überraschend blass bleiben. Wer es zeitgemäßer mag, ist mit Maelle und Co. besser bedient. Technisch hinterlässt die Neuauflage mit Ausnahme der Nintendo Switch dagegen einen rundum gelungenen Eindruck. Darauf kann man für die Zukunft absolut aufbauen!“


- Wunderschöne Kulissen im typischen Diorama-Stil…
- …mit freier Kamerabewegung abseits weniger Ausnahmen
- Schicke Beleuchtung und Partikelkulissen
- Detailverliebte Hauptcharaktere und Monster…
- …im unverkennbaren Stil von Akira Toriyama
- Filmreif animierte Zwischensequenzen
- Bis zu sechzig Stunden Gesamtspielzeit
- Unaufdringliche Nebenmissionen
- Fair ausbalancierte Schwierigkeitsstufen für wirklich jeden Anspruch
- Viele sinnvolle Komfortverbesserungen im Vergleich zum Original (z.B. Menüs, optionale Hilfen und Karten)
- Erkundung wird immer belohnt
- Gute englische und japanische Sprecher
- Fehlerfrei lokalisierte Texte
- Stimmiger Soundtrack
- Schnörkellose Bedienung über sämtliche Plattformen und Peripherie

- Episodenhafte Erzählstruktur ist Fluch und Segen zugleich
- Helden mit wenig Substanz und Tiefgang
- Spielprinzip wirkt im Angesicht moderner Genrevertreter oft nicht mehr zeitgemäß
- Erzählerisch überwiegend bekannte und vorhersehbare Kost
- Arg überschaubare NPC-Vielfalt
- Deutsche Texte aufgrund der Wortwahl etwas gewöhnungsbedürftig
- Nintendo Switch technisch deutlich hinter den übrigen Plattformen
- Anhaltend kein freies Speichern und Laden
- Matt Damon!?

Entsprechende Rezensionsmuster sind von uns auf eigene Kosten zur Verfügung gestellt worden. Dafür haben wir die Nieren unseres Praktikanten Jürgen verkauft. Er ist bisher noch nicht aus Brasilien zurückgekommen.
*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen.
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