In seiner Jahrzehnte andauernden Karriere ließ sich Clint Eastwood weder als Darsteller noch als Regisseur je konstant auf ein bestimmtes Genre festlegen. So überrascht es kaum, dass er in den Siebzigern zwischen Western und Polizeifilmen auch eine tragende Rolle im prominent besetzten Roadmovie Die letzten beissen die Hunde übernahm. Nun liegt der Erstling von Michael Cimino erstmals als 4K UHD vor.


Vertrieb: Capelight Pictures
Erstveröffentlichung: 1974





Hinweis: Aufgrund technischer Schwierigkeiten können wir dieses Mal leider keine Vergleichsbilder anbieten.
Der Film
Wer kennt das nicht? Da will man in Ruhe die Kirche besuchen und irgendein Gangster eröffnet ohne Vorwarnung das Feuer auf den Pfarrer, während der gerade seine Predigt hält. So geschehen irgendwo im ländlichen Montana. Bei dem Weißkragen handelt es sich allerdings in Wirklichkeit um den untergetauchten Kriminellen John „Thunderbolt“ Doherty (Clint Eastwood), die Verfolger sind Teil seiner alten Bande und glauben, Doherty hätte sie nach einem gemeinsamen Bankraub vor vielen Jahren um deren Anteil betrogen. Ein Missverständnis, welches sich nur schwer klären lässt, wenn bei Sichtung immer gleich geschossen wird. So bleibt dem Kriegsveteranen wieder einmal nur die Flucht.

Zum Glück irrt der Vagabund Lightfoot (Jeff Bridges) just im selben Moment mit seinem frisch geklauten Wagen durch die Pampa. Dem verzweifelten Doherty bleibt keine andere Wahl, als sich auf das Fahrzeug zu werfen und kann seinen Verfolgern dadurch gerade noch entkommen. Der Beginn einer sehr ungewöhnlichen Männerfreundschaft, denn beide Charaktere könnten verschiedener nicht sein. Der eher wortkarge und langsam ergrauende Doherty hat anfänglich nur wenig Sympathie für das jugendliche Plappermaul auf dem Fahrersitz übrig, der für ein bisschen schnelles Geld nur zu gerne gegen das Gesetz verstößt, wenn es nicht mit zu viel Anstrengung verbunden ist. Gemeinsamen plant das Duo nun, sich der versteckten Bankraubbeute zu bemächtigen, während ihnen die beiden Gangster Red (George Kennedy) und Eddie (Geoffrey Lewis) weiterhin erbittert auf den Fersen sind.

Der Schock ist groß, als sich herausstellt, dass das Versteck – ein altes Schulgebäude – mittlerweile abgerissen wurde. Von den Verfolgern in die Ecke gedrängt, kommt Lightfoot auf die wahnwitzige Idee, dieselbe Bank doch einfach ein weiteres Mal auszurauben – man wüsste ja schließlich schon, wie sich das bewerkstelligen ließe. In der Folge sind die vier Männer gezwungen, ihre Differenzen beiseite zu legen und notgedrungen zusammenzuarbeiten. Um Kapital für den Raub zu beschaffen, muss sich das Quartett zunächst mit Gelegenheitsjobs herumplagen. Das von Anfang an durch tiefes Misstrauen geprägte Verhältnis wird durch die Tatsache, dass der leicht reizbare und gewalttätige Red sich zunehmend an den Provokationen von Lightfoot stört, immer weiter strapaziert. Bis die Emotionen endgültig überkochen, ist es nur noch eine Frage der Zeit…
Die Rezension
Nach dem sensationellen Überraschungserfolg von Easy Rider wollte plötzlich ganz Hollywood auf den trendigen Roadmovie-Zug aufspringen. So auch Clint Eastwood, der sich nach seinem jüngsten Abenteuer als brutaler Cop Harry Callahan um ein passendes Folgeprojekt bemühte. Begeistert von Michael Ciminos Drehbuch wollte Eastwood zunächst selbst Regie führen, erkannte aber das Potenzial in dem aufstrebenden Filmemacher und übernahm mit seiner Firma lediglich die Produktion. Eine brillante Idee, denn nur wenige Jahre später sollte Cimino für seinen zweiten Film Die durch die Hölle gehen satte fünf Oscars© einheimsen – Bester Film und Beste Regie inklusive. Dem rasanten Aufstieg folgte ein tiefer Fall, als sich sein 1980 fertiggestellter Spätwestern Heaven’s Gate zu einem der größten Flops der Filmgeschichte entwickelte und im Alleingang ein ganzes Genre ruinierte.

Mit einem Budget von unter fünf Millionen Dollar eher kostengünstig gedreht, besticht Die Letzten beißen die Hunde vor allem durch tolle Bilder und harte Action, weniger durch eine sonderlich innovative Geschichte, welche zudem von Logiklöchern nur so wimmelt. Zum Beispiel erklärt der Film nie, wie es den Gangstern immer wieder gelingt, „Thunderbolt“ und Lightfoot aufzuspüren. Ferner verharren sämtliche Charaktere von Anfang bis Ende stur in ihrem jeweiligen Rollenschema. Zwar macht es Spaß, dabei zuzusehen, wie diese vier gänzlich unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder frontal aufeinanderprallen, eine Weiterentwicklung findet jedoch zu keinem Zeitpunkt statt. Auch wird mir nicht wirklich klar, welche Botschaft der Film am Ende eigentlich vermitteln will, wo doch jedem Erfolg der Bande gleich wieder ein dramatischer Fehlschlag hinterhereilt.

Da hat man sich seinerzeit wohl mehr Gedanken darüber gemacht, wie sich die für den Film äußerst bedeutsame 20-mm-Oerlikon-Kanone möglichst prominent auf nahezu sämtlichen Plakaten platzieren lässt. Man muss in der Summe also schon einiges ausblenden können, um Die Letzten beißen die Hunde uneingeschränkt genießen zu können – angefangen bei dem strunzdummen deutschen Verleihtitel. Mich verwirrt außerdem der homo-erotische Unterton, welcher den Film permanent zu begleiten scheint, aber nie in irgendeinen sinnvollen Kontext zum Geschehen gestellt wird. Er ist einfach da. Ebenso omnipräsent ist Jeff Bridges, der für seine Rolle übrigens als einziger für einen Oscar© nominiert worden ist – angeblich sehr zum Verdruss von Clint Eastwood, der ferner sehr erbost über das schlechte Marketing gewesen sein soll und deswegen im Anschluss nie wieder einen Film mit United Artists | MGM gedreht hat.

Und ja, Eastwood hat sichtlich Mühe, gegen den komplett entfesselten Jeff Bridges anzuspielen, der einen deutlich effektiveren Ruhepol gut hätte brauchen können. So kann es bisweilen ein wenig anstrengend für den Zuschauer werden. Ganz fantastisch dagegen George Kennedy und Geoffrey Lewis als völlig konträre Gangster. Gerade ersterer spielt zum blutigen Showdown nochmal grandios auf und verleiht seiner Rolle etwas derart bedrohliches wie verabscheuungswürdiges, dass man fast vergisst, wer den sympathisch-blöden Captain in Die Nackte Kanone gespielt hat. Tja. Schauspiel. Wahnsinn. Es gibt also einiges, was für den Film spricht. Der funktioniert auf mehreren Ebenen, nicht nur als Kumpelfilm, sondern eben auch als Heistmovie, Actioner und Roadmovie – nur überragt er eben in keinem dieser Aspekte. Wer sich an der bunten Platte nicht stört und ein Paradebeispiel für den amerikanischen Film der Siebziger sucht, kann mit gutem Gewissen einen Blick riskieren.
4K UHD und Blu-Ray: Das Bild
Die Letzten beißen die Hunde wurde vor einigen Jahren bereits von Capelight Pictures auf Blu-Ray ausgewertet, die Basis dafür lieferte ein frischer Scan in 4K vom ursprünglichen 35mm-Analogmaterial aus dem Hause Kino Lorber, hier bereits mit der neuen Gradierung, da deren Erstauflage unter einer wirklich schlechten Farbgebung litt. Und da diese Fassung hier seit jeher die einzige auf Blu-Ray erhältliche ist, wollen wir in diesem Fall auch nicht von einem Remaster sprechen. Glücklicherweise hat sich die Scheibe ganz hervorragend gehalten. Die Detailwiedergabe ist gemessen am Alter des Materials durchgehend hervorragend, nur ganz selten gibt es herstellungsbedingt ein paar eher softe Shots. Vor allem die toll eingefangenen Landschaftsaufnahmen kommen über die Blu-Ray toll zur Geltung. Erdige Paletten stellen die farbliche Grundlage, was den Gesichtern gelegentlich einen etwas ungesunden Gelbstich verleiht und anteilig einfach materialbedingt ist.

Dabei bleibt immer genug Spielraum für knallige Highlights, gut zu sehen an den roten Krawatten der beiden Gangster und prinzipiell satt-blauem Himmel. Abseits der Gesichter gibt’s in Sachen Differenzierung und Dynamik wenig zu meckern. Neutrale Flächen werden nie unschön eingefärbt und im Kontrastbereich gibt es ebenfalls nicht zu bemängeln. In besonders dunklen Szenen können gelegentlich ein-zwei Details versumpfen, aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Die jetzt veröffentlichte 4K UHD kann man da eher als nachgereichtes Upgrade verstehen, angefangen mit der Tatsache, dass die auf demselben Master basiert. Wer sich damals bereits das Set bestehend aus Blu-Ray und DVD gekauft hat, kann die Scheibe übrigens zum kleinen Preis nachrüsten, was mehr als fair ist. Das lohnt sich auch, denn neben einer nativen Auflösung und dem erweiterten Farbraum nach Rec.2020 gibt’s auch Support für Dolby Vision und HDR10.

Die 4K UHD löst nicht nur auf dem Papier sichtbar besser auf, sondern demonstriert das auch in der Praxis. Besonders feine Details wie kleinere Fältchen, Schweißperlen oder Kleidungstexturen werden besser herausgearbeitet. Die über die Blu-Ray bereits sehr unaufdringliche Körnung wird hier auflösungsbedingt nochmals feiner ausgegeben, wodurch die Laufruhe weiter verbessert wird. Die Paletten sind identisch, dafür bringt die Scheibe nochmal bessere Differenzierung sowie mehr Dynamik und Kraft ins Bild. Ferner wird in dunklen Szenen besser durchgezeichnet und neutrale Flächen mit höherer Strahlkraft versehen. Gesichter wirken insgesamt gut gebräunt und nicht so im Ansatz kränkeln wie noch innerhalb der Blu-Ray. Ein definitives Upgrade, für dass sich die lange Wartezeit definitiv gelohnt hat.
4K UHD und Blu-Ray: Der Ton
Nichts neues zu berichten gibt es dagegen bei der Klangbestückung. Die deutsche Synchronfassung liegt anhaltend als überarbeitete Stereospur im Format PCM 2.0 vor, während für den O-Ton noch ein alternativer 5.1 – Upmix im verlustfreien Masterformat vorliegt. Ein wirkliches Highlight ist die jedoch nicht, man hat die einzelnen Elemente hier so gut wie möglich zu separieren versucht, eine glaubwürdige oder gar dynamische Räumlichkeit bleiben einem die dafür verantwortlichen Tontechniker schuldig.

Die Dialoge klingen für das stattliche Alter des Films überraschend gut und Klaus Kindler als Sprecher von Clint Eastwood zu hören, ist sowieso immer ein Vergnügen. Ja, hier und da fehlt hörbar Dynamik, aber da habe ich über die Jahre schon weit schlechtere Spuren bewertet. Wenn die Bande zum Beispiel die Bankwand aufsprengt, steht das akustisch ganz kurz vor dem Übersteuern. Für einen fünfzig Jahre alten Film geht das gerade noch so in Ordnung. Die englische Tonspur klingt da insgesamt etwas weniger angestaubt, ist aber wie so oft ein Stück leiser eingepegelt.
Die Extras
Nicht minder überschaubar ist dieses Mal auch das Bonusmaterial ausgefallen. Das 24-seitige Booklet mit einem Begleittext von Stefan Jung liegt dem identisch aufgemachten Mediabook wieder mit bei. Neu ist der Audiokommentar von Dokumentarfilmregisseur Nick Redman, Drehbuchautor Lem Dobbs und Essayistin Julie Kirgo. Der liegt zwar nur in englischer Sprache vor, ist aber dankbarerweise komplett deutsch untertitelt abrufbar und absolut hörenswert. Zwei Trailer und eine isolierte Audiospur mit der Filmmusik sind auch noch mit an Bord, das war’s aber schon.

„Die Letzten beißen die Hunde wirkt auf mich ein wenig wie ein Schnellschuss im Angesicht der aufziehenden Roadmovie-Manie zur Mitte der Siebziger. Unter dem Dach vereinen sich zahlreiche Elemente, die sich zwar allesamt überraschend gut miteinander vertragen – was vor allem dem tollen Cast zu verdanken ist -, aber doch nie zu einer gänzlich nachvollziehbaren Konvergenz finden. Für manche ein Klassiker, bevorzuge ich dann doch lieber Easy Rider. Fans des Films kommen mit der nun nachgereichten 4K UHD voll auf ihre Kosten, vor allem die Bildqualität legt im Vergleich zur bereits sehr guten Blu-Ray nochmal zu. Ton und Extras bleiben dagegen Mittelmaß.“

Quelle Bildmaterial: ©Capelight Pictures. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.
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