NBA 2K22 – „Zwischen Mogelpackung und Monetengrab“

                                                     Getestet und verfasst von General M 

91DPkjJgO9S. SL1500 Neues Jahr, neues Glück! Nachdem NBA 2K21 selbst mit dem nachgereichten Upgrade für die neuen Konsolen niemanden so richtig begeistern wollte, soll der diesjährige Ableger die Dinge nun wieder in Ordnung bringen. 2K und Visual Concepts haben im Vorfeld zahlreiche Versprechen gegeben, nun liegt es einmal mehr an uns, diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dabei wird leider schnell klar, dass NBA 2K22 weniger an der Zufriedenheit des Spielers interessiert zu sein scheint als vielmehr an dem Inhalt seiner Brieftasche. Auf PC und Last Generation dagegen wird der Vorgänger nahezu unverändert mit neuem Namen und aktualisierten zum Vollpreis angeboten. Praktiken, die wir nicht unkommentiert lassen dürfen.

             Hinweis: Sämtliches Bildmaterial wurde auf der PlayStation 5 aufgenommen.  

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Probier´s mal mit Gemütlichkeit

Neben allen Kritikpunkten aus dem Vorjahr zeigten sich langjährige Fans besonders mit den Änderungen am Gameplay unzufrieden. Zu arcadig, zu unausgeglichen und von dem neu implementierten Shot Meter wollen wir gar nicht erst anfangen. Das Resultat: In NBA 2K22 spielen sich die Partien wieder etwas träger und bieten mehr Raum für taktische Überlegungen.  Die gegnerische Defense immer wieder mit denselben Tricks zu überlisten ist ebenfalls nicht mehr möglich, weil nicht nur die Ausdauer des ausführenden Spielers in solchen Fällen drastischer greift, sondern auch die Verteidiger sehr viel aufmerksamer auf dieses Vorgehen reagieren. 

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Der Wegfall dieser sogenannten Pick-and-Roll-Taktik macht die Partien wieder unvorhersehbarer, herausfordernder und vor allem realistischer. Gleichzeitig wurde die Wurfanzeige einmal mehr basierend auf dem Feedback der Spieler angepasst und funktioniert nun eine ganz Ecke intuitiver. Dank komplett neuer, wunderbar cineastischer Kameraperspektiven werden die dadurch erzielten Shots aus der Ferne nun eindrucksvoll in Szene gesetzt.  All das trägt dazu bei, dass sich NBA 2K22 endlich wieder wie eine richtige Simulation anfühlt. Davon abgesehen halten sich die Änderungen beim Gameplay aber in Grenzen, frei nach dem Motto: „Never change a running system“. 

Stadt, Land, Schiff

Wer das Spiel für PlayStation 5 oder XBOX Series X|S erwirbt, darf sich in diesem Jahr über einen komplett überarbeiteten Karrieremodus freuen. MyCity liefert euch, wie der Name schon sagt, eine komplette Stadt mit tonnenweise Möglichkeiten, euren im gewohnt umfangreichen Editior erstellten Superstar an die Spitze der NBA zu pushen. Alle anderen schauen dagegen  in die Röhre: Sowohl PC als auch PlayStation 4, XBOX One und Nintendo Switch wird der Schlüssel zur Stadt verweigert, stattdessen bekommt man die komplette Karriere auf einem wesentlich kompaketeren Kreuzfahrschiff als Hub serviert. Deshalb ist es natürlich auch nicht möglich, auf der PlayStation 4 erzielte Fortschritte auf den Nachfolger zu übertragen. Gemeinsam haben die unterschiedlichen Versionen lediglich die identisch ausstaffierte Wohnung, die unser Spieler zusammen mit Buddy Rick bewohnt. Sobald man jedoch aus der Haustür tritt, ist die Umgebung eine komplett differenzierte. 

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Die grundlegenden Möglichkeiten zur Spielerentwicklung sind natürlich grundsätzlich in allen Fassungen gegeben, aber die weitläufige Stadt mit all ihren Stores fühlt sich eben einfach wesentlich moderner und eindrucksvoller an. Der Übergang von alter zu neuer Technik ist immer schwierig, aber gerade die jährlich veröffentlichten Sportsimulationen erinnern mich stets mit einer gewissen Gnadenlosigkeit daran, wie schnell sich Zweiklassengesellschaften bilden, was durch so immense Unterschiede in der Präsentation natürlich nur noch verstärkt wird. So oder so, die Story selbst ist wie immer nicht der Rede wert und enthält nichts, was ich in den letzten Jahren nicht schon unzählige Mal in ähnlicher oder gleicher Form erlebt hätte. Was das angeht ist es also wirklich ziemlich egal, zu welcher Plattform ihr greift. Die Auswahlmöglichkeiten, wie ihr eure Karriere startet, sind im Rahmen von MyCity aber etwas umfangreicher und bieten mehr spielerische Freiheit. 

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Aber auch in der schillernden Metropole ist nicht alles Gold, was glänzt. Besonders via Skateboard und Fahrrad ist die Steuerung derart klobig geraten, dass man sich bereits nach kurzer Zeit komplett auf die Schnellreisefunktion beruft und entsprechende Trainingsmöglichkeiten am liebsten konsequent ignorieren möchte. Dann aber muss man sich selbst im Rahmen der neuen Konsolen mitsamt ihrer pfeilschnellen Festplatten auf Ladezeiten von bis zu einer halben Minute gefasst machen. Insgesamt ist die Performance des Spiels innerhalb der Stadt alles andere als sauber. Die Engine war nie für große Areale ausgelegt, das hat man in der Vergangenheit immer wieder gemerkt. Auf der PlayStation 5 hat sich das nicht wirklich geändert. Statt nämlich nur den aktuellen Teil der Umgebung zu rendern, wird hier die komplette Welt in den Konsolenspeicher gestopft. In der Folge kommt es immer wieder zu unschönen Rucklern und Slowdowns. 

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Alles in allem ist MyCity aber eines, nämlich ein gewaltiger Werbespot für die zahlreichen Marken im Spiel. Zwischen den sich überall tummelnden Avataren anderer Spieler, mit denen man aber abseits weniger kompetiver Herausforderungen weiterhin nicht interagieren kann, sind Hersteller für Bekleidung und Zubehör aller Art quasi omnipräsent und werden auch innerhalb der Zwischensequenzen bei jeder sich bietenen Gelegenheit erwähnt. Spätestens, wenn dann auch noch ein großer Versicherungsanbieter auffällig vermarktet wird, ist der Spaß aber vorbei. Was kommt als nächstes? Waschmittel und Babyspielzeug? Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass wir es hier nicht mit einem Free-2-Play-Titel zu tun haben. Und trotzdem geht NBA 2K jedes Jahr einen Schritt weiter in die Richtung, dass es sich so anfühlt. Dass sich ohne zusätzliches Echtgeld kaum, bzw. nur über unverhältnismäßig langen Grind brauchbare Fortschritte erzielen lassen, verstärkt diesen Eindruck nur noch mehr. 

Auf der Suche nach Neuerungen

Mit dem Debüt der WNBA im letzten Jahr kam auch die Enttäuschung darüber, dass die nicht minder talentierten Frauen im Basketball lediglich eine minimalistische Bühne spendiert bekamen. Einen weiblichen Charakter dürft ihr zwar auch in diesem Jahr nicht in eine vollwertige Karriere á la MyCity führen, dafür wurde den Athletinnen wenigstens ein etwas erweiterter Modus spendiert. Der präsentiert allerdings eher rudimentär. Zwar könnt ihr hier ebenso mit einem selbsterstellten Charakter an den Start gehen, Popularität und Werte aufzuleveln ist hier aber sehr viel einfacher gestrickt und motiviert kaum über längere Zeiträume. Gleichzeitig nerven die Kommentatoren in den dazugehörigen Partien mit ellenlangen Vorträgen über Gleichberechtigung und fokussieren sich viel zu wenig auf das eigentliche Spielgeschehen. So löblich es ist, dass auch den Damen mittlerweile virtuelle Plattformen in Sportspielen geboten werden, so frustrierend und enttäuschend bleibt deren Umsetzung. 

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Abseits davon wartet in diesem Jahr einmal mehr eine wahre Masse verschiedener Modi darauf, von interessierten Spielern bezwungen zu werden. In MyNBA, dem hauseigenen Managermodus des Spiels, darf man sich über massiv erweiterte Personalkomponenten freuen, auch das Badgesystem wurde komplett überarbeitet und das Training ist nun viel spezifischer an die aktuellen Bedürfnisse der Spieler anpassbar. Willkommene Veränderungen, die aber ebenfalls nur für PlayStation 5 und XBOX Series X|S gelten, denn alle übrigen Spieler bekommen weiterhin nur die Mechaniken des Vorjahres aufgetischt. Da merkt man nochmal die akute Lustlosigkeit wenn es darum geht, den Millionen und Abermillionen Besitzer einer Last-Generation-Konsole irgendetwas neues für ihr hart verdientes Geld zu bieten, obwohl neue Hardware momentan immer noch extrem schwer oder nur nur völlig überteuert zu kriegen ist. Sechzig Euro nur für aktualisierte Kader sowie das überarbeitete Shot Meter? Das ist schon verdammt dreiste Abzocke. 

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Selbstverständlich darf bei all den verschiedenen, aber sonst weitgehend identisch zum Vorgänger übernommenen Modi auch das MyTeam nicht fehlen. Obwohl man zu Beginn geringfügig stärkere Karten für sein Starterdeck erhält und der Einstieg dadurch etwas angenehmer gerät, bleibt der Modus komplett um VC und deren zusätzlichen Kauf via Echtgeld gestrickt. Wirklich konkurrenzfähige Karten sind nur in den teuersten Paketen enthalten, die über regulären Progress nahezu unerschwinglich bleiben. Es bleibt also nur der Griff zur Geldbörse, wenn man im kompetiven Wettstreit mit anderen Spielern nicht komplett untergehen will. Und genau auf diese Tatsache zielt NBA 2K22 ab. Wer also nicht gleich mit der hundert Euro teuren 75th Anniversary Edition auf den Court geht und weder Zeit noch Lust für unendliches Grinding aufbringen will, wird gnadenlos benachteiligt. Aufgrund von Pay-2-Win, Pay-2-Shortcut und Pay-2-Play im Rahmen von Karriere und MyTeam werten wir daher einmal mehr um maximal mögliche fünfzehn Punkte in der Gesamtwertung ab. 

Die Technik bleibt solide

Nach allem bereits erwähnten wird es wohl niemanden verwundern, dass die letztjährig für die neuen Konsolen aufpolierte Grafik weiterhin exklusiv Besitzern einer PlayStation 5 oder XBOX Series X|S vorbehalten bleibt. Atmosphärisch kann die Last Generation immer noch halbwegs überzeugen, an das Niveau der Nachfolger kommt das Geschehen aber wenig überraschend nicht heran. Auf PlayStation 4, XBOX One und Nintendo Switch mag das nachvollziehbar sein, warum man aber wie zuletzt schon EA Sports bei Madden 22 keinerlei Anstand macht, das Spiel in seiner bestmöglichen Form auf den PC zu bringen, bleibt in meinen Augen ein schlechter Witz. Erst Recht, weil unter anderem auf Steam mit Bildern aus der Next-Gen-Version geworben wird, was im Grunde nichts anderes als Betrug am Käufer ist. 

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Auf der neuen Hardware ist NBA 2K22 im Grunde identisch zur aufbereiteten Version des Vorgängers. Realistischer Schweiß, verbesserte Animationen und sich nahe an echten Partien orientierende Kameraperspektiven machen das Spiel trotz anhaltender Schwächen hinsichtlich Aussetzern bei K.I., Kollisionsabfrage sowie dem nicht immer nachvollziehbar reagierenden Publikum immer noch zum schönsten Sportsimulator am Markt. Lediglich die Augenpartien bekommen die Entwickler immer noch nicht so richtig zufriedenstellend hin. Angesichts der vielen positiven Aspekte bei der grafischen Präsentation ist das aber eher eine Kleinigkeit, denn sonst sehen die jeweiligen Spielern ihren echten Vorbildern wirklich frappierend ähnlich – auch wenn die gegenwärtigen Starspieler von NBA und WNBA immer noch bevorzugte Behandlung bei der möglichst detailgetreuen Nachbildung im Spiel erhalten. 60 Frames bei nativem 4K peilen PlayStation 5 und XBOX Series X|S an, was innerhalb der Partien auch problemlos gehalten wird. 

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Die Steuerung via Gamepad geht gut von der Hand, Veteranen werden sich sofort heimisch fühlen. Mit Maus und Tastatur sollte man aber am PC wie immer nicht spielen, darunter leidet die notwendige Präzision einfach viel zu sehr. Für Neueinsteiger gibt es eine Vielzahl Tutorials, die allerdings voraussetzen, dass man grundlegende Kenntnisse der einzelnen Begriffe mitbringt. Diverse Schwierigkeitsstufen gleichen eventuell vorhandene Nachteile aber gut aus und lassen sich für Anfänger wie Profis gleichermaßen fair regulieren. Der Soundtrack präsentiert sich gewohnt von Rapmusik dominiert, was Geschmackssache bleibt. Was die Entwickler aber für das kommende Jahr dringend angehen müssen, ist die allgemeine Menüführung. Die geht angesichts des schieren Umfangs an Modi und Möglichkeiten nämlich in komplettem Chaos auf und muss schleunigst entschlackt werden. 

Fazit und Wertung

profilbildapril„Auf dem Court überzeugt NBA 2K22 mit einigen willkommenen Tweaks und spielt sich damit endlich wieder taktischer und weniger arcadelastig. Abseits davon bleibt der diesjährige Ableger der Simulationsreihe trotz auf den ersten Blick tollen Großstadtsettings innerhalb der Karriere ein elendig geldgeiles Miststück. Sechzig bis hundert Euro muss man alleine für das Spiel lockermachen, nur um im Anschluss bei jeder Gelegenheit mit Werbung und zusätzlichem Investitionszwang heimgesucht zu werden, während sich online munter weiter die Hacker tummeln. Auf Konsolen der letzten Generation und PC wird man zum selben Preis nur mit fast vollständig aus dem Vorjahr wiederverwerteten Inhalten abgespeist und bekommt hier kaum mehr als ein Rosterupdate ohne grafische Verbesserungen oder den vielen Erweiterungen innerhalb der MyNBA-Komponente. Bei der WNBA ist noch jede Menge Luft nach oben vorhanden, während MyTeam trotz einfacherem Einstieg im Kern die altbekannte Abzocke bleibt. Wer bei all dem wirklich den vollen Preis auf den Tisch legt, hat es auch nicht anders verdient. Mein Tipp: Wer den Vorgänger bereits besitzt, kann ruhig ein Jahr aussetzen. Allen anderen empfiehlt es sich, noch ein paar Wochen und Monate abzuwarten. Spätestens dann bekommt man das Spiel nämlich wie sonst auch für zehn, maximal zwanzig Euro hinterhergeworfen. Und viel mehr ist es ganz ehrlich auch nicht wert.“ 

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PRO:

+ Vor allem auf XBOX Series X|S und PlayStation 5 realitätsnahe Präsentation
+ Komplett lizensierte NBA- und WNBA-Kader
+ Spieler und Spielerinnen mit überwiegend hohem Wiedererkennungswert
+ Nett designte Hub-City (nur PlayStation 5 und XBOX Series X|S)
+ Gewaltiger Pool an Modi
+ Mächtiger Editor
+ Sinnvoll erweiterte MyNBA-Komponente
+ An den richtigen Stellen überarbeitetes Gameplay
+ Viele Tutorials
+ Verschiedene Schwierigkeitsgrade für jedweden Anspruch
+ Guter (ausschließlich englischer) Kommentar bei NBA-Partien
+ Umfangreicher Soundtrack
+ Intuitive Bedienung via Gamepad

CONTRA:

– Karriere mit belangloser Story

– Wiederkehrende Performanceprobleme in MyCity…
– …inklusive langer Ladezeiten bei der Schnellreise
– Klobiges Bewegungsverhalten auf Fahrrad und Skateboard
– WNBA nur rudimentär erweitert, eine vollwertige weibliche Karriere gibt es weiterhin nicht
– Omnipräsenter Zwang zu Währungskäufen…
– …denen alternativ nur unverhältnismäßig langer Grind gegenüber steht
– Reguläre Spieler im MyTeam gegenüber Zahlschafen komplett chancenlos
– Draft nur via Echtgeld zugänglich
– Aufdringliche Werbung
– Nervige WNBA-Kommentatoren
– Die meisten Modi wurden 1 zu 1 aus dem Vorgänger übernommen
– Auf Last-Gen-Konsolen und PC kaum mehr als ein Rosterupdate zum Vollpreis
– MyTeam und Karriere mit Internetzwang
– Online angesichts der völlig frei agierenden Hacker quasi unspielbar
– Unübersichtliche, völlig überladene Menüs
– Unpräzise Bedienung via Maus und Tastatur 

                             GESAMTWERTUNG:    5.0/10 PS5/XBS
                                                                    4.0/10
PS4, NS, PC, XB1                                                                                                                      (um jeweils fünfzehn Punkte abgewertet)

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