Ein bisschen was ist über den Jahreswechsel liegengeblieben – unter anderem jede Menge Schnee. Leider ein wenig zwischen die Akten gerutscht ist dabei Freakier Friday. Die späte Fortsetzung zu Disneys Komödienhit von 2003 bringt die Originalbesetzung erneut zusammen und erweitert das bestehende Konzept um ein paar neue Ideen. Was im Kino abermals für einen Hit gereicht hat, muss sich nun in Form der Blu-Ray unserem Urteil stellen.


Vertrieb: The Walt Disney Company via LEONINE Distribution
Erstveröffentlichung: 2025


Der Film
Durch einen magischen Glückskeks tauschten Anna (Lindsay Lohan) und ihre Mutter Tess (Jamie Lee Curtis) vor vielen Jahren unfreiwillig die Körper und bekamen dadurch mit der Zeit ein ganz neues Verständnis für die Wünsche und Probleme der jeweils anderen. Mittlerweile hat die längst erwachsene Anna ihre Träume von einer Karriere als Rockmusikern aufgegeben und ist alleinerziehende Mutter von Harper, die nunmehr ebenfalls gegen ihre Mutter zu rebellieren beginnt und aufgrund ihrer Feindschaft mit der gleichaltrigen Mitschülerin Lily regelmäßig Ärger provoziert. Psychologin Tess ist mittlerweile erfolgreich als Autorin unterwegs, immer noch glücklich mit ihrem Ryan (Mark Harmon) liiert und hilft ihrer Tochter so gut es geht bei der Erziehung.

Nach einer erneuten Auseinandersetzung zwischen Harper und Lily muss Anna notgedrungen in deren Schule antanzen – und begegnet dort Lilys ebenfalls alleinerziehendem Vater, dem charmanten Eric (Manny Jacinto). Es dauert nicht lange, bis sich die beiden unsterblich ineinander verlieben und beschließen, alsbald gemeinsam vor den Traualter zu treten. Sehr zum Unmut der jeweiligen Töchter, welche die Aussicht auf ihr baldiges Dasein als Stiefschwestern alles andere als erstrebenswert finden. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass Lily eigentlich eine Modeschule in England besuchen will und Harper nun befürchtet, zwangsweise umziehen zu müssen. Als sich Tess, Harper, Anna und Lucy beim Junggesellenabschied von einer ominösen Wahrsagerin aus der Hand lesen lassen, kommt es erneut zur unfreiwilligen Persönlichkeitswanderung.

Während Anna im Körper ihrer Tochter landet, tauscht Tess mit Lily. Nach dem anfänglichen Schock wollen die verfeindeten Stiefschwestern in Spe die Umstände nutzen, um ihre jeweiligen Elternteile klammheimlich wieder auseinanderzubringen. Dabei kommt es erneut zu zahlreichen aberwitzigen Situationen, an deren Ende einmal mehr die wichtige Erkenntnis wartet, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, wenn man ihm nur mit ein wenig Offenheit und Verständnis begegnet…
Die Rezension
Über zwanzig Jahre, nachdem Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan als Mutter-Tochter-Gespann schon einmal miteinander die Rollen getauscht haben, bringt Regisseurin Nisha Ganatra das Duo erneut zusammen auf die große Leinwand. Dabei zeigt sich, dass sich an der hervorragenden Chemie zwischen den beiden Aktricen nichts geändert hat. Für Lindsay Lohan, die sich nach einer schwierigen Zeit lange aus Hollywood zurückgezogen hat und mittlerweile selbst Mutter und Ehefrau ist, hätte es wohl keine bessere Rolle für das späte Comeback geben können. Zwar sind die Jahre nicht gänzlich spurlos am ehemaligen Schwarm zahlloser Teenies (inklusive mir) vorübergegangen, das Gespür für komödiantisches Timing ist dagegen erhalten geblieben.

Kein Wunder also, dass Freakier Friday immer dann am besten ist, wenn Curtis und Lohan gemeinsam spielen. Der Schauspielnachwuchs geht dabei zwangsläufig eher unter. Bei der dabei freigesetzten Energie vergisst man als Zuschauer schnell, dass der Film nur wenige neuen Ideen anzubieten weiß und sich stattdessen mehr auf Bewährtes verlässt, bzw. dieses gerade so sehr erweitert, wie es eben nötig ist, damit das Ganze nicht zu sehr wie ein Remake wirkt. Das Wiedersehen mit einem Großteil des alten Casts sorgt für einen Hauch Nostalgie, bei dem man sich tatsächlich fragen muss, ob den wirklich schon so viel Zeit vergangen ist. Ein Blick in den Spiegel reicht dann aus, um diese Frage mit einem eindeutigen Ja zu beantworten, anschließend in Tränen auszubrechen und sich einen Schnaps zur Beruhigung einzuschenken, ehe man sich desillusioniert in den Schlaf weint.

Gleichzeitig ist der Film auch ein unverhohlener Liebesbrief an die Stadt Los Angeles – gerade in Hinblick auf die dramatischen Verwüstungen, die innerhalb der Brandkatastrophe Anfang letzten Jahres entstanden sind. Ein Großteil der Sets, darunter auch das Haus der Familie Coleman, welches bereits im ersten Teil genutzt wurde, ging in der Flammenhölle verloren. Das mag als weit, weit von diesen Ereignissen entfernter Zuschauer nicht ganz so emotional erscheinen, aber ich verstehe den besonderen Wert, den dieser Film für Cast und Crew haben muss. Trotz teils durchwachsener bis überdurchschnittlich mittelmäßiger (klingt paradox, ist aber so) Kritiken spielte der Film weltweit das Dreifache seiner Kosten wieder ein, was wieder einmal eindrucksvoll beweist, dass Nostalgie kein Ablaufdatum hat, wenn das Sequel handwerklich solide und mit angemessenem Respekt zum Erstling umgesetzt wird.

Da braucht es einen nicht überraschen, dass hinter vorgehaltener Hand bereits über einen dritten Teil diskutiert wird. Der dürfte aber noch eine ganze Weile auf sich warten lassen, allem voran deswegen, weil die Altersdifferenz der Darsteller eine zu rasche Fortsetzung unsinnig gestalten würde. Gleichzeitig kann man natürlich nicht erneut zwanzig Jahre verstreichen lassen. Aber hey, dass es überhaupt zu einem Sequel gekommen ist, kann einen nur freuen – dass es am Ende trotz Ideenarmut trotzdem wieder ein großer Spaß für mehrere Generationen geworden ist, umso mehr.
Das Bild
Um den analogen Look des Originals bestmöglich zu reproduzieren und eine gewisse Kontinuität zu erhalten, wurde mit der ARRI Alexa 35 gedreht. Die arbeitet zwar vollständig digital, produziert aber nicht diesen aalglatten Look moderner Filme und zwingt einen ferner nicht dazu, Körnung künstlich in der späteren Postproduktion einfügen zu müssen. Natürlich erkennt man den Unterschied zwischen analoger und digitaler Herstellung trotz allem, als Kompromiss funktioniert das Kamerasystem aber wirklich gut und dürfte in der Zukunft noch häufiger zum Einsatz gelangen. Leider hat sich der Konzern mit der Maus dazu entschieden, den Film im Heimkino lediglich auf Blu-Ray und DVD zu veröffentlichen, obwohl man mit guter Sicherheit sagen kann, dass hier als 4K Digital Intermediate gefinisht worden ist und dementsprechend durchaus Raum für eine 4K UHD vorhanden gewesen wäre.

Auf der Habenseite lässt die bestehende Blu-Ray im Grunde keinerlei Wünsche offen. Die Detailwiedergabe ist durchgehend exzellent und bildet feinere Details wie zum Beispiel Haarsträhnen und Texturen auf Kleidung sehr gut ab. Lediglich bei kleineren Schriftzügen im Hintergrund stößt die Scheibe an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, was aber keineswegs negativ ins Gewicht fällt. Farblich dominieren warme Töne, die teils wunderbar knallig wiedergegeben werden, ohne dass es zu unschönem Color Bleeding oder gar Artefakten kommt. Passend zum Setting wird das alles von einer eher erdigen Grundstimmung begleitet, wobei Gelb- und Grüntöne die dominante Kraft darstellen, verglichen mit anderen Filmen im Setting von Los Angeles (Sonne, Strand und Meer) aber angenehm dezent im Hintergrund agieren, so dass die Highlights nie absaufen.

Auch im Kontrastbereich gibt es nichts auszusetzen. Die Blu-Ray stellt neutrale Flächen ebenso gut dar wie die Schwarzanteile in dunklen Bereichen. Und die unaufdringliche Körnung – wenngleich nicht gänzlich authentisch im Vergleich zu tatsächlichem Analogmaterial – untermalt den gewollten Look ganz prima im Hintergrund. Ich möchte so weit gehen und sagen, dass eine 4K das alles nur bedingt besser hinbekommen hätte. Das gefällt mir in der Summe wirklich sehr gut.
Der Ton
Dass Disney aufgrund seiner im Dynamikbereich arg beschnittenen Tonspuren seit jeher international im Fokus der Fachkritik steht, ist kein Geheimnis für jeden, der diese und andere Portale schon über einen längeren Zeitraum verfolgt. Dementsprechend gibt’s auch bei Freakier Friday wieder nur Dolby Digital Plus 7.1 für die deutsche Synchronfassung, während man den O-Ton immerhin mit einer verlustfreien Masterspur bedacht hat. Eine italienische Tonspur ist ebenso mit dabei, Polnisch und Spanisch müssen sich dann mit einer noch weiter beschnittenen Spur im Format Dolby Digital 5.1 zufrieden geben.

Hier haben wir das große Glück, dass Freakier Friday als reinrassige Komödie nicht wirklich viele Momente für einen Dynamikabgleich beinhaltet – wenn überhaupt. Die Dialoge im Center sind klar verständlich, alles in allem musste ich lediglich um zwei-drei Dezibel nach oben justieren, damit es perfekt ist, wobei die englische Tonspur wie üblich nochmal ein gutes Stück leiser eingepegelt worden ist. Bei den kurzen Erdbeben als Ankündiger des kommenden Körpertauschs gibt’s gute Aktivität mit passender Bassbegleitung, aber auch bei der späteren Szene am Strand kommt der Wellengang passend platziert, während das Vogelgezwitscher gleichermaßen korrekt gesetzt hörbar in den gesamten Raum wandert. Effektiv wird’s dann nochmal zum Finale beim Konzert. Kann man definitiv so machen.
Die Extras
Im vollumfänglich untertitelten Bonusmaterial warten neben drei Featurettes noch ein Musikvideo mit Lyrics zum Mitsingen und eine Handvoll gelöschter Szenen, die es nicht mehr in die fertige Schnittfassung geschafft haben und kleinere Ergänzungen offerieren. Etwas mehr als zehn Minuten bekommt man hier geboten. In Die Dinge noch verrückter machen geht es vor allem um die Herstellung des Films, Los Angeles als Drehort und die Wiedervereinigung der Darsteller nach über zwanzig Jahren.

Wo warst du als… befasst sich in weniger als drei Minuten primär mit den ursprünglichen Akteuren, die noch einmal auf den damaligen Dreh zurückblicken. Mit knapp vier Minuten Laufzeit ähnlich kurz ausgefallen schlüsselt Flashback Freitag alle im Film versteckten Anspielungen auf den Erstling auf. Essentiell ist das Material insgesamt nicht, aber heutzutage ist man ja schon froh, wenn man überhaupt ein paar nennenswerte Extras serviert bekommt.

„Über zwanzig Jahre nach ihrem ersten Körpertausch kehren Lindsay Lohan und Jamie Lee Curtis gemeinsam zurück auf die Leinwand, um sich erneut durch die damit verbundenen Schwierigkeiten und auch ganz neuen Herausforderungen zu plagen. Und obwohl Freakier Friday das Rad nun wirklich nicht neu erfindet, sondern Bewährtes allenfalls minimal erweitert, macht das Wiedersehen vor allem dank der anhaltend guten Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen erneut eine Menge Spaß. Nicht weniger Spaß macht die wirklich gute Blu-Ray, die abseits der etwas knausrigen Ausstattung beim Bonusmaterial absolut keine Wünsche offenlässt.“

Quelle Bildmaterial: ©The Walt Disney Company im Vertrieb von LEONINE Distribution. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von LEONINE Distribution zur Verfügung gestellt worden.
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