Blu-Ray | Flucht in die Zukunft

Eine mörderisch gute Zeitreise

Mit seinem Regiedebüt Flucht in die Zukunft bewies Nicholas Meyer bereits vor seiner höchst erfolgreichen Mitwirkung an den Star-Trek-Filmen, dass ihm das Sci-Fi-Genre im Blut liegt. Das Drehbuch verfasste er dabei übrigens gleich mit. Entstanden ist eine wunderbare Filmperle, die auch heute noch eine Menge Spaß macht. Und genau die gibt’s im deutschsprachigen Raum nun erstmals als Blu-Ray. 

Vertrieb: Warner Home Video via PLAION Pictures

Erstveröffentlichung: 1979

Veröffentlichungstermin: 29. Januar 2026

Darsteller: Malcom McDowell, David Warner, Mary Steenburgen und andere

Format: Blu-Ray | DVD

Preis: 29,99€*

Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

IMDB | Metacritic




Der Film

London, gegen Ende der Viktorianischen Ära: Allabendlich versammelt der Schriftsteller und Erfinder H.G. Wells (Malcolm McDowell) in seinem Anwesen Freunde um sich. Angeregt widmet man sich wie so oft gehobenen Gesprächen und einem guten Tröpfchen Alkohol. Lediglich Wells‘ langjähriger Freund und Schachpartner, der Mediziner John Stevenson (David Warner), kommt dieses Mal mit Verspätung an. Der Unpässlichkeit wird zunächst keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt, zumal Wells seinen verlüfften Gästen kurz darauf seine von ihm entwickelte Zeitmaschine enthüllt und in allen Details erklärt. Lediglich vor einem Praxistest hat das exzentrische Genie bisher zurückgeschreckt. Und als wäre das nicht schon aufregend genug, stürmt plötzlich ein ganzer Trupp Polizeibeamten auf der Suche nach dem legendären Prostituiertenmörder Jack the Ripper das Haus. 

Jack the Ripper flieht mit der Zeitmaschine ins Jahr 1979. Sein Erfinder eilt dem Schurken hinterher. | Blu-Ray

Der hat gerade erst sein jüngstes Opfer massakriert, ein blutiger Beweishandschuh wird ausgerechnet in der Tasche von Stevenson sichergestellt. Doch der ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden – und die Zeitmaschine gleich mit! Der eingebauten Rückholfunktion sei Dank taucht das Wunderwerk zwar später wieder in Wells‘ Keller auf, doch deren anhaltend entrüstetem Schöpfer wird schlagartig bewusst, dass sein alter Freund das blutige Werk in der Zukunft – denn genau dorthin ist er der Anzeige nach entflohen – munter weiterführen wird. Einigermaßen entschlossen, Stevenson in das Jahr 1979 nachzureisen, schnappt er sich eilig Flachmann und Schmuck, ehe er dem Ripper an Bord seiner Erfindung nacheilt. Tatsächlich geling das Unmögliche: Wells‘ kommt unversehrt im modernen San Francisco an. 

Wells ist nicht nur von Fritten und Burgern begeistert, sondern auch von der Tischverarbeitung. Die umliegenden Gäste können da nur noch verwundert starren. | Blu-Ray

Dem eigenwillig gekleideten Mann schenkt man dort keinerlei Beachtung. Und die anfängliche Faszination über Automobile, Flugzeuge und Fast Food ist groß! Ohne wirkliche Anhaltspunkte klappert er sämtliche Banken in der Umgebung ab, um nach einem Engländer zu fragen, der dort kürzlich alte Pfundnoten eingetauscht haben könnte. Dabei gerät Wells‘ an die kokette Bankangestellte Amy (Mary Steenburgen), die dem Kauz sofort verfällt. Tatsächlich geling es ihm, Stevenson ausfindig zu machen, der seit seiner Ankunft tatsächlich munter weiter gemordet hat. Um sich den lästigen Verfolger vom Hals zu schaffen, nimmt er nun Amy ins Visier. Als Wells‘ schließlich selbst unter Mordverdacht gerät, beginnt ein sprichwörtlicher Wettlauf gegen die Zeit…

Die Rezension

Es ist schon erstaunlich, dass Malcolm McDowell in seiner Jahrzehnte überspannenden und überaus erfolgreichen Karriere nur ein einziges Mal als Protagonist besetzt worden ist – nämlich hier! Zugegeben, das erscheint einem zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch dem Briten gelingt es in Windeseile, sich als kauziger H.G. Wells‘ in das Herz des Betrachters zu spielen. Mit einer gut ausbalancierten Mischung aus englischem Charme und gutem Gespür für Situationskomik trägt McDowell den Film nahezu im Alleingang. Begleitet von einer herrlich grobschnäuzigen Mary Steenburgen sowie dem routiniert sinistren David Warner verfügt Flucht in die Zukunft über alle nötigen Zutaten für einen wunderbaren Film, der – mit Ausnahme seiner doch arg veralteten Stroboskopeffekte – etwas angenehm zeitloses an sich hat. 

Stevenson hat erkannt, dass Amy in enger Verbindung zu Wells steht und droht der völlig verängstigten Frau unverhohlen. | Blu-Ray

Gedreht vor Originalschauplätzen und mit großer Liebe zum Detail versehen, schuf Nicholas Meyer mit seinem Erstling als Regisseur und Autor einen in meinen Augen gegenwärtig viel zu wenig beachteten Film. Der beginnt klassisch Britisch vor Nebel und drögen Farben, wandelt sich mit der Ankunft von Wells in San Franciso kurzzeitig zur Komödie und mausert sich ab der Mitte zu einem spannenden Thriller. Alles im Rahmen eines nachvollziehbaren und zu keinem Zeitpunkt langweiligen Erzähltempos. Vor allem die Wortgefechte zwischen dem brillanten Exzentriker und der extrem bodenständigen Amy lockern die Handlung immer wieder auf. Beim Dreh funkte es dann auch im wirklichen Leben zwischen den jeweiligen Darstellern, die im Anschluss daran lange Jahre verheiratet gewesen sind. 

Nichts für Anfallpatienten: Die heftigen Stroboskopeffekte sind alles andere als gut gealtert. Dem Filmgenuss tut das aber keinerlei Abbruch. | Blu-Ray

Dreizehn Millionen Dollar spielte der Film seinerzeit an den internationalen Kinokassen wieder ein, was man wohl gemessen an der Inflation durchaus als Erfolg bezeichnen kann. Wer Spaß am Genre hat und sich von den schlecht gealterten – aber zum Glück sehr gering dosierten – Effekten nicht abschrecken lasst, wird mit Flucht in die Zukunft eine wunderbare kleine Perle finden, die von Anfang bis Ende hervorragend zu unterhalten versteht. Viele hervorragend von Kameramann Paul Lohmann eingefangene Aufnahmen von San Francisco gibt es obendrauf, der dazugehörige Score aus der Feder von Miklós Rózsa hat nichts von seinem Charme verloren. Und genau für sowas liebe ich meine Arbeit ja: Filme vorstellen, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat, die aber ganz viel Beachtung verdienen. Und ein solcher ist Flucht in die Zukunft auf jeden Fall. 

Das Bild

Bisher gab es kaum eine angemessene Möglichkeit, den Film halbwegs vernünftig im Heimkino genießen zu können. Die von Warner vor ewiger Zeit veröffentlichte DVD leidet nicht nur unter einem herstellungs- und altersbedingt inakzeptablen Bild, sondern auch unter miesem Ton. Und selbst, wenn man bereit ist, das irgendwie zu erdulden, ist die Scheibe längst vergriffen. Zum Glück hat sich PLAION dieser unhaltbaren Situation angenommen und das bereits seit einiger Zeit im Ausland verfügbare HD-Master nach Deutschland geholt. Gedreht wurde seinerzeit selbstverständlich analog, und zwar auf 35mm. 

Die Blu-Ray ist grundsätzlich eher auf der weichen Seite der Macht unterwegs, bemüht sich aber um akkurate Farben. | Blu-Ray

Leider lässt sich nicht genau sagen, wann dieses Master entstanden ist, oder unter welchen Umständen. Einen schlechten Eindruck hinterlässt es allerdings nicht – besonders nicht gemessen an der alten DVD. Die Schärfe ist fast durchgehend Mittelmaß, zusätzlich trüben häufig auftretende und kaum übersehbare Randunschärfen den Sehgenuss. Nahaufnahmen werden ebenso wie Halbtotale allenfalls brauchbar aufgelöst wiedergegeben. Gemessen am Gesamtalter des Materials habe ich da schon Besseres gesehen, ebenso aber auch Schlechteres. Verglichen mit der DVD ist es in jedem Fall ein Upgrade, wenngleich der Quantensprung ausbleibt. Farblich beginnt es etwas trüb, aber spätestens mit dem Auftauchen in San Francisco gibt’s poppige Highlights wie den roten Lederdress der Passantin und auch das viele Grün bekommt die Blu-Ray satt auf den Bildschirm. 

Hauttöne werden sehr gesund dargestellt, eine leichte Tendenz ins Magenta lässt sich allerdings nicht bestreiten. | Blu-Ray

Dafür tendieren Hauttöne leicht in Richtung Magenta, aber dies gerade noch so in erträglichen und gesunden Ausmaßen. Neutrale Flächen packt die Veröffentlichung dagegen überraschend gut, beim Schwarz könnte die Scheibe etwas kräftiger ausfallen. Die analoge Körnung hinterlässt einen natürlichen Eindruck und wirkt zu keinem Zeitpunkt aufdringlich. Lediglich in den ganz wenigen dunklen und schlecht ausgeleuchteten Sequenzen kann es kurz zu Unruhen kommen. Entsprechende Vergleichsbilder entfallen dieses Mal übrigens, da wir trotz beiliegender DVD doch einige Mühen hatten, entsprechendes Material anzufertigen. Das holen wir nach, sobald es uns gelingt. Falls es uns gelingt. Kurz und knapp, wird die Blu-Ray trotz gewisser Alterserscheinungen und Masterschwächen auf lange Sicht die bestmögliche Art bleiben, den Film zu genießen. Und dafür reicht das Gebotene allemal aus.  

Der Ton

PLAION spendiert dem Film ein Upgrade auf eine verlustfreie Stereospur. Und obwohl die verglichen mit der alten DVD-Konserve durchgehend dynamischer klingt, darf man sich hier keinerlei Illusionen hingeben: Qualitativ hört man vor allem der Synchronspur ihr Alter deutlich an. Besonders die Stimmen klingen hörbar dumpf, stellenweise sogar leicht blechern. Am ehesten präsent bleibt der Score, der mit Abstand von allen Elementen tatsächlich am besten klingt. Umgebungsgeräusche werden gut untergebracht. 

Die effektreiche Reisesequenz wird von allerlei Geräuschen begleitet – richtig toll klingt das altersbedingt anhaltend nicht. | Blu-Ray

Die englische Tonspur liegt im selben Format vor, offeriert dynamischere Dialoge und macht speziell aufgrund des viktorianischen Englisch der beiden männlichen Hauptdarsteller nochmal eine ganze Ecke mehr Spaß. Deutsche Untertitel lassen sich optional zuschalten, weshalb ich sämtlichen Cineasten unter den Lesern nur empfehlen kann, den Film alternativ einmal im O-Ton anzuschauen. Ihr werdet es garantiert nicht bereuen. 

Die Extras

Für das Bonusmaterial hat man so ziemlich alles zusammengekratzt, was zu dem Film über die Jahre in Umlauf gebracht worden ist. Der im stabilen Mediabook mit Originalmotiv versehenen Neuauflage liegt zunächst ein Booklet mit lesenwerten Hintergrundinfos bei. Dazu gibt es einen Audiokommentar des Regisseurs, der nochmal süffisant auf seinen Erstling und dessen Entstehung zurückblickt. Auch hier sind auf Wunsch deutsche Untertitel verfügbar. Trailer und eine Bildergalerie ergänzen das insgesamt überschaubare Material. 

„Es ist schade, dass Malcolm McDowell nur ein einziges Mal einen Protagonisten verkörpern durfte – liegen tut ihm das allemal. Als schrulliger Erfinder auf Zeitreise macht der Darsteller jedenfalls eine Menge Spaß! Dass im gleichen Jahr übrigens der bis heute vielfach diskutierte Caligula erschien, mag man gar nicht glauben, wenn man ihn hier leicht vertrottelt und immer sympathisch auf Mördersuche durch die Moderne taumeln sieht. Flucht in die Zukunft ist aber auch abseits davon eine wunderbar erzählter und handwerklich solide inszenierter Sci-Fi-Perle der etwas anderen Art, die man Jahrzehnte später immer noch ungebrochen genießen kann. Die Blu-Ray liefert trotz anhaltender Schwächen ein überfälliges Upgrade, Ton und Extras sind gemessen am Alter zufriedenstellend.“


Quelle Bildmaterial: ©Warner Home Video. Im Vertrieb von PLAION Pictures. All rights reserved.

Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von PLAION Pictures zur Verfügung gestellt worden.

*Unsere Links werden nicht mit einer Monetarisierung versehen

©2026 M-Reviews.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*