Was passiert, wenn Jean-Claude van Damme sein Image als Darsteller in Kampfsportfilmen satt hat? Richtig, er dreht einen Actionfilm…in dem überwiegend (aber nicht nur) Kampfsport praktiziert wird. Der Twist: In Geballte Ladung – Double Impact spielt Van Damme gleich zwei Rollen. Jetzt gibt’s das Spektakel aus dem Jahr 1991 weltweit erstmals als 4K UHD und Blu-Ray Remastered.


Vertrieb: Capelight Pictures
Erstveröffentlichung: 1991





Der Film
Im Jahr 1966 steht Hongkong noch immer unter britischer Kolonialherrschaft. Nicht wenige Übersiedler aus dem Commonwealth verdienen sich dort eine goldene Nase. So auch die beiden Geschäftspartner Paul Wagner und Nigel Griffith, die jüngst den in ihrem Auftrag erbauten Victoria Harbour Tunnel eröffnet haben, welcher die Insel mit dem chinesischen Festland verbindet. Doch Griffith will die saftigen Profite nicht teilen und verbündet sich mit den Tong, um Paul und seine gesamte Familie inklusive Frau und den gerade geborenen Zwillingen aus dem Weg zu räumen. Deren Bodyguard und enger Freund Frank (Geoffrey Lewis) wittert die Falle zu spät und schafft es unter Einsatz seines Lebens gerade noch, wenigstens die Kinder zu retten. Während Alex vor den Toren eines lokalen Waisenhauses abgelegt wird, wird Chad von Frank im Ausland großgezogen.

Fünfundzwanzig Jahre später haben sich die beiden Brüder in eine komplett unterschiedliche Richtung entwickelt: Raubein Alex (Jean-Claude van Damme) verdient sein Geld als Schmuggler in Hongkong und der Yuppie Chad (auch Jean-Claude van Damme) betreibt gemeinsam mit Frank ein erfolgreiches Kampfsportstudio in Los Angeles. Von der Existenz des jeweils anderen ahnen die ungleichen Zwillinge nichts. Zeit, das zu ändern, findet zumindest Frank und lockt seinen Ziehsohn unter einem Vorwand nach Asien. Das Wiedersehen verläuft erwartungsgemäß alles andere als gut, zumal Alex‘ Freundin, die attraktive Danielle (Alonna Shaw), aufgrund des identischen Aussehens versehentlich den falschen Bruder befummelt.

Obwohl sich die Zwillinge untereinander spinnefeind sind, sollen sie nun zusammenarbeiten, um Nigel mitsamt seinem Partner Zhang auszuschalten und sich endlich holen, was ihnen von Geburt an zusteht: Die finanziellen Anteile am Tunnel und natürlich die längst überfällige Rache für den feigen Mord an den Eltern. Genügend Muskelkraft ist dafür auf jeden Fall vorhanden – wenn die Brüder sich vorher nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen…
Die Rezension
Zwillinge. Das Wunder des Lebens. Viele behaupten, schon einmal welche gesehen zu haben, teils sogar in freier Wildbahn. Aberglauben, behaupten die einen. Hexerei, behaupten die anderen. So oder so ähnlich muss man wohl in den frühen Neunzigern gedacht haben, als das Thema plötzlich DER heiße Scheiß in Hollywood gewesen ist. Verwechslungskomödien schossen wie Pilze aus dem Erdboden, die Olsen-Zwillinge wurden zu internationalen Ikonen der Doppelsichtigkeit und selbst Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito mimten mit großem Erfolg ein entsprechendes Duo auf der großen Leinwand. Zwangsläufig versuchten findige Produzenten daher immer wieder, dieses Konzept auch auf das Actiongenre zu übertragen.

Der 1991 entstandene Geballte Ladung – Double Impact zählt dabei noch zu den Frühwerker jener Bemühungen, denen unter anderem so Gurken wie Double Trouble – Warte, bis mein Bruder kommt folgen sollten. Hauptdarsteller Jean-Claude van Damme schnitt das Drehbuch gemeinsam mit Regisseur Sheldon Lettich ganz auf seine Bedürfnisse zu und wirkte auch als Produzent an dem Film mit. Insgesamt sechs Filme sollten die beiden zusammen inszenieren, wobei dieser hier mit Abstand der beste ist – was nicht heißen soll, dass wir es hier mit einem guten Film zu tun haben. Nur eben mit dem besten im Rahmen des Angebots. Van Damme war erst wenige Jahre zuvor mit Bloodsport zu internationalem Ruhm gelangt und trat in der Folge ausschließlich in sehr ähnlich gestrickten Filmen auf.

Aus diesem Rollenschema wollte er nun unbedingt ausbrechen und dem Publikum zeigen, dass seine Bandbreite als Darsteller mehr umfasst, als dauernd irgendwelche asiatischen Kraftpakete aus der Arena zu treten. Das Problem ist nur: Double Impact – Geballte Ladung ist letztendlich nichts anderes, nur eben in größerem Maßstab und mit mehr Schießereien.
Kleiner Hinweis am Rande: Der Film lief in Deutschland schon im Kino nur in einer vorab zensierten Fassung. Vor allem der extrem blutige Shootout zu Beginn musste hierbei stets ordentlich Federn lassen und wurde später selbst in dieser Form auf den Index jugendgefährdender Schriften verfrachtet. 2012 wurde der Film dann aus dem Giftschrank freigelassen und ist seit Neuprüfung komplett ungeschnitten mit einer Freigabe ab 18 Jahren verfügbar – inklusive der völlig geschmacklosen Tötung eines echten Frosches.
Die Doppelrolle nimmt man dem gebürtigen Belgier, der zu diesem Zeitpunkt schauspielerisch sehr limitiert auftrat, zu keinem Zeitpunkt wirklich ab. Chad und Alex werden in ihren jeweiligen Persönlichkeiten derart klischeehaft dargestellt, dass der Zusammenschluss kurz vor dem actionreichen Finale komplett forciert wirkt – vor allem, weil der Film viel zu viel Zeit damit verbringt, die leidenschaftliche Feindschaft zwischen den Brüder zu intensivieren.

Alonna Shaw dient dazwischen überwiegend als Blickfang und Gespielin in einer fast psychodelischen Liebesszene, die im Kontext aber eher unfreiwillig komisch rüberkommt. Ganz seltsam ist auch, dass man sich im Deutschen dazu entschieden hat, zwei unterschiedliche Sprecher für die Doppelrolle zu besetzen, obwohl es sich hier eindeutig um eineiige Zwillinge handelt. Das macht hinten raus überhaupt keinen Sinn. Aber gut, dafür müsste man sich im O-Ton ja auch fragen, warum jemand, der sein ganzes Leben in Hongkong verbracht hat, mit einem dicken französischen Akzent spricht. Hey, ich weiß: Es ist Action, man muss nicht alles hinterfragen. Aber das Ding ist so formelhaft und vorhersehbar, dass man über diese Unzulänglichkeiten trotz einiger gelungen inszenierter Krawallpassagen und nett eingefangenen Originalschauplätzen einfach nicht hinwegsehen kann.

Besser gefallen hat mir Geoffrey Lewis, der alleine schon aufgrund seines durchbohrenden Blicks eine enorme Präsenz innehat, während Bolo Yeung als monströser Scherge leider viel zu wenig Spielzeit eingeräumt bekommt. Die eigentlichen Schurken bleiben von Anfang bis Ende gleichermaßen blass wie uninteressant, während Cory Everson als steroidbegünstigte Kampfamazone komplett deplatziert wirkt. Eine Fortsetzung war aufgrund des dennoch guten finanziellen Erfolges lange im Gespräch, wurde aber am Ende irgendwann aufgrund anhaltender Streitigkeiten über die Rechte endgültig eingestampft. Zum Glück, kann man da nur sagen, denn eine Handvoll netter Sprüche und ein paar Roundhousekicks sind einfach nicht genug, um auszublenden, das alles dazwischen in nahezu jedem Moment irgendeiner Peinlichkeit unterliegt.
Blu-Ray und 4K UHD Remastered: Das Bild
Nach dem etwas komplex zu bewertenden The Toxic Avenger bin ich ganz froh, dass ich es bei Geballte Ladung – Double Impact wieder mit eher konventionellem Material zu tun habe. Der selbstredend vollständig analog gedrehte Film wurde hierzulande erstmals 2017 in High Definition ausgewertet, damals von NSM Records unter Lizenz von MGM. Wir haben es hier also mit einer relativ (!) frischen Blu-Ray zu tun, zumindest verglichen mit dem, was wir hier sonst zum Vergleich heranziehen. Das dazugehörige Master dürfte jedoch schon etwas älter sein. Kleinere Verschmutzungen und Beschädigungen ziehen sich immer mal wieder durch das leider durchgehend mittelmäßig auflösende Bild. Die Farbgebung ist anhaltend kraftlos und tendiert unschön ins Magenta, wodurch die Charaktere allesamt diesen typisch-ungesunden Sonnenbrandlook erhalten.
Körnung präsentiert sich eher unruhig und sumpfig, während im Kontrastbereich speziell die überraschend schwach-milchigen Schwarzanteile negativ auffallen. Schön ist das in der Summe definitiv nicht. Zumindest bis jetzt, denn Capelight Pictures haben sich die weltweiten Rechte für eine zeitgemäße Neuauflage gesichert und werfen dafür einen brandneuen Transfer vom ursprünglichen 35mm-Analogmaterial inklusive umfangreichem Remastering in den Ring. Mit überwiegend grandiosen Ergebnissen, wie schon die Blu-Ray Remastered eindrucksvoll beweist. Was hier alleine auflösungsbedingt aus dem Material herausgeholt wird, ist schon eine ganz andere Hausnummer im Vergleich zur Erstauflage. Es gibt im Grunde keine Einstellung, in der nicht dramatisch mehr Definition vorhanden ist. Seien es Gebäudetexturen in Totalen, Beschriftungen oder den Darstellergesichtern im Rahmen der Nahaufnahmen: Der Mehrwert ist allgegenwärtig.
Begleitet wird all das von einer bereits hier sehr unaufdringlichen und natürlichen Körnung, während man die allermeisten (aber leider längst nicht alle) Verunreinigungen erfolgreich beseitigt hat. Die Farbgebung tendiert hier mehr ins Erdige, wobei die leichte Tendenz in Richtung Magenta erhalten geblieben ist, mit mehr Grün im Spiel aber nicht mehr ganz so unnatürlich, bzw. ungesund rüberkommt. Highlights wie der leuchtend-blaue Trainingsanzug von Chad können unter diesem Aspekt immer noch kraftvoll durchscheinen. Im Finale kommt nochmal wirklich schönes Rot dazu. Ein wirklich farbenfroher Film war Geballte Ladung – Double Impact nie und ist es auch im Rahmen der Neuauflage nicht, dafür sieht das im Ergebnis jetzt schlicht natürlicher, nuancierter und in jedweder Hinsicht kraftvoller aus. Kein Vergleich zu der chronisch blassen Erstauflage. Auch im Kontrastbereich legt die Scheibe ordentlich zu und punktet einerseits mit sattem Schwarz, andererseits werden neutrale Flächen nicht mehr wie bisher unansehnlich eingefärbt. In einigen dunklen Szenen können Details gelegentlich versumpfen, was aber materialbedingt ist und keine Folge nachlässiger Bearbeitung.
Die dazugehörige 4K UHD löst nativ auf, verfügt über einen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 und hat sowohl Support für HDR10 als auch Dolby Vision mit an Bord. Verglichen mit der schon wirklich tollen Blu-Ray Remastered halten sich die Unterschiede wie so oft in Grenzen. Stattdessen wird das Gute einfach noch ein bisschen besser gemacht. Hier werden wirklich die letzten Details aus dem bestehenden Material herausgekitzelt, vor allem schwierig zu händelnde Details wie feine Bartstoppeln oder weit entfernte Umgebungstexturen gibt die 4K UHD wieder, wo der kleine Bruder dann doch die Segel streichen muss. Farblich punktet die Scheibe mit einer nochmals besseren Differenzierung. Vor allem die Magenta-Anteile werden hier weiter zurückgefahren, was mir deutlich besser gefällt. Mehr Kraft gibt’s natürlich auch, gleiches gilt für die Schwarzanteile. Kombiniert mit der ultrafeinen Körnung ist das dann doch nochmal ein schönes Upgrade. Die bereits erwähnten Probleme in sehr dunklen Einstellungen kann die 4K UHD dafür auch nicht wie durch Zauberhand verschwinden lassen.
Blu-Ray Remastered und 4K UHD: Der Ton
Während die alte Blu-Ray lediglich mit verlustfreien Masterspuren im Stereoformat ausgestattet war, gibt es für die Neuauflage erstmals eine frische Abmischung mit echtem Raumklang. Die alten Tonspuren gibt es in unkomprimierter Form als Bonus obendrauf, was definitiv eine nette Dreingabe ist. Für einen so alten Film ist es überraschend, wie dynamisch und klar die Dialoge wiedergegeben werden. Sogar der Subwoofer packt in den richtigen Momenten immer wieder ordentlich zu. Zudem hat man darauf geachtet, nicht einfach willkürlich Räumlichkeit in den Mix zu werfen, sondern platziert immer nur dann passende Effekte, wenn die auch wirklich einen nachvollziehbaren Mehrwert bringen.

Besonders der Score ist in der neuen Abmischung viel präsenter. Die englische Fassung wartet mit denselben Stärken auf, ist aber wie so oft bei Veröffentlichungen von Capelight insgesamt einen Ticken leiser eingepegelt worden. Auch hier ein wirklich gelungenes Upgrade. Ich kann nur jedem mal raten, daheim selbst zwischen den alten und neuen Spuren zu wechseln. Die Unterschiede sind immens und selbst für Laien deutlich herauszuhören. Was hier vorliegt, ist ein guter Beweis dafür, welchen Mehrwert neu abgemischte Tonspuren haben können – wenn es denn richtig gemacht wird.
Die Extras
Die Erstauflage hatte neben einem knapp sieben Minuten langen Blick hinter die Kulissen kaum mehr zu bieten als völlig überflüssige Filmografien der Darsteller. Kein Vergleich zu der großzügig mit Bonusmaterial bestückten Kombi aus Blu-Ray Remastered und 4K UHD, welche hier wie immer im wertigen Mediabook ausgeliefert wird. Dem liegt ebenfalls ein 24-seitiges Begleitheft mit einem Text von Kevin Zindler bei. Beide Scheiben verfügen über zwei Trailer und einen Audiokommentar von Filmemacher Sean Hogan | Filmkritiker Kim Newman, die den Film sehr hörenswert begleiten.

Das Highlight ist allerdings die zusätzliche Blu-Ra. Und die ist wirklich randvoll mit komplett neuen Extras. Alleine das zweiteile Making-of dokumentiert den Herstellungsprozess in Spielfilmlänge und streut zahlreiche Interviews ein. Ein weiteres Featurette widmet sich den Stunts im Film und wer sich gefragt hat, wie man das eigentlich macht, denselben Schauspieler in einer Szene doppelt zu zeigen, bekommt auch auf diese Frage eine passende Antwort. Der Blick hinter die Kulissen ist hier ebenfalls mit dabei, dazu gibt’s einige entfallene und erweiterte Szenen und zu guter Letzt mehr Interviews, weil man von Interviews prinzipiell nie genug kriegen kann. Ein rundum gelungenes Sorglospaket.

„Geballte Ladung – das hätte genau so gut ein Titel für die Erotikecke sein können. Stattdessen darf ein noch junger Jean-Claude van Damme hier in einer Doppelrolle halb Hongkong in Schutt und Asche legen. Das kann sich visuell durchaus sehen lassen, ist inhaltlich aber so belanglos und zudem mies gespielt, dass die Action immer auch von einer guten Portion unfreiwilliger Komik begleitet wird. Für Fans des Belgiers natürlich trotzdem Pflichtprogramm, wartet die Neuauflage mit einer dramatisch verbesserten Bild- und Tonqualität auf. Umfangreiche Extras und eine sammlertaugliche Aufmachung gibt es obendrauf. Wieder mal ein tolles Produkt aus dem Hause Capelight, welches mit knapp vierzig Euro aber auch seinen Preis hat.“

Quelle Bildmaterial: ©Capelight Pictures. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.
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