Seit den Siebzigern hat sich die amerikanische Filmschmiede Troma Entertainment darauf fokussiert, den Heimkinomarkt konstant mit bestem Edeltrash zu bestücken. Mit am erfolgreichsten waren dabei die ab 1984 veröffentlichten Abenteuer rund um den Toxic Avenger. Pünktlich zum runden Jubiläum gab’s einen prominent besetzten Reboot, der jetzt auch hier unter anderem als Blu-Ray und 4K UHD erhältlich ist.


Vertrieb: Capelight Pictures
Erstveröffentlichung: 2025





Der Film
Der kleinwüchsige Winston Gooze (Peter Dinklage) ist ein Pechvogel, wie er im Bilderbuch steht. Immer noch tief getroffen vom Krebstod seiner Liebsten müht er sich nach Kräften ab, für seinen Stiefsohn Wade eine halbwegs brauchbare Vaterfigur abzugeben, während er sich seine paar Kröten als Putzkraft im Chemieunternehmen BTH verdient. Dass CEO Bob Garbinger (Kevin Bacon) hinter der Fassade des Saubermannes insgeheim tonnenweise Giftmüll in die umliegenden Gewässer pumpt, soll dabei nach Möglichkeit ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Aber nicht nur die radioaktive Lorke fließt in Strömen, sondern auch jede Menge Schmiergeld an die obersten Gemeindevertreter.

Was passiert, wenn doch mal jemand zu neugierig wird, musste zuletzt der Enthüllungsjournalist Mel erfahren, der von Goons unter dem Kommando von Bobs gleichermaßen körperlich wie geistig deformierten Bruder Fritz (Elijah Wood) erst zusammengeschossen und dann auch noch harpuniert worden ist. Dessen Maulwurf bei BTH – die Aktivistin J.J. (Taylour Paige) – kann dem Anschlag gerade so entgehen und wird nun gnadenlos von der degenerierten Truppe verfolgt. Gleichzeitig erhält Winston die niederschmetternde Diagnose, dass er aufgrund eines Hirntumors nur noch maximal ein Jahr zu leben hat. Von der Firmenversicherung ebenso beschissen und im Stich gelassen wie von der Konzernleitung, will sich der Todeskandidat die für eine Behandlung nötigen Moneten illegal beschaffen und steigt bewaffnet mit einem in radioaktiven Abfall getauchten Mob bei seinem Arbeitgeber ein.

Nach einer zufälligen Begegnung mit J.J., die vor Ort weitere Beweise für das düstere Treiben der Firma sammeln will, bekommt Winston von den anrückenden Schergen erst eine Kugel in den Kopf geschossen und wird anschließend im nächstbesten Giftmüllbehälter versenkt. Doch wie durch ein Wunder wird sein Körper darin nicht aufgelöst, sondern mutiert zu einer giftgrünen Kampferbse mit übermenschlichen Kräften und einem extrem großen Penis, der Säure verspritzen kann. Nach dem ersten Schock entschlossen, seine Kräfte für das Gute einzusetzen, erringt er schon bald Sympathien in der Bevölkerung. Dabei gerät er jedoch auch in den Fokus von Garbinger, der aus seiner unfreiwilligen Schöpfung unbedingt Kapital schlagen will und als Köder kurzerhand dessen Ziehsohn kidnappen lässt. Ganz blöde Idee, denn der Toxic Avenger schlägt gnadenlos zurück…
Die Rezension
Wohl kaum ein Film hat so lange in der Entwicklungshölle festgesteht wie The Toxic Avenger. Nachdem über die Jahre immer wieder prominente Namen wie Guillermo del Toro und sogar Arnold Schwarzenegger mit dem Projekt in Verbindung gebracht wurden, wurde doch nie etwas konkretes realisiert. Das änderte sich 2018, als Legendary Entertainment die Rechte erwarben. Die ursprünglichen Schöpfer der Reihe, nämlich Michael Hertz und Lloyd Kaufman, sollten bei der Umsetzung mitwirken. Ein Jahr später wurde Macon Blair als Regisseur und Drehbuchautor mit an Bord geholt. Der bekennende Tromaholic trieb die Unternehmung entscheidend voran und versprach eine würdige, vor allem aber kompromisslose Neuauflage.

Nichts anderes erwarten Fans einer Produktionsschmiede, in deren Vita sich unter anderem so illustre Titel wie Muttertag oder Surf Nazis Must Die finden lassen wohl auch. Und ja: Die meisten dieser Filme sind wirklich grottenschlecht und haben sicher zahllose unvorbereitete Filmkritiker in die Klapsmühle gebracht. Trotzdem muss man anerkennend sagen, dass sich unter dem Haufen Trash auch ein paar Liebhaberperlen finden lassen, von denen manche auf wunderbar-subtile Weise ein hohes Maß an Gesellschaftskritik aufweisen. Sieht man unter der immensen Ansammlung von Blut, Gliedmaßen und anderem explizit gezeigten Gekröse nur nicht gleich. Oh, und Brüste! Brüste sind auch ganz wichtig. Eine zeitlose Formel, mit der sich der Laden seit über fünfzig Jahren erfolgreich über Wasser hält.

Und obwohl sich das Reboot zumindest in Sachen Brüsten eher zurückhält, geht man beim Rest zuverlässig in die Vollen. Entstanden ist eine auf Hochglanz polierte Liebeserklärung an den Schund, die wahrscheinlich mehr Kunstblut versprüht, als alle Rambo-Filme miteinander kombiniert. The Toxic Avenger ist definitiv nichts für Leute mit schwachem Magen, entschärft die dazugehörigen Situationen aber in der Regel direkt mit einem schwarzhumorigen Spruch. Zudem nimmt sich der Film zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise ernst. Überzeichnete Charaktere, aberwitzige Gewalteinlagen…das ist eben Troma in Reinkultur! Das funktioniert in der Summe sowohl als Superheldenparodie, wie auch als Horrorkomödie – und macht über die Laufzeit von knapp über hundert Minuten einfach verteufelt viel Spaß.

Genau den sieht man der Besetzung auch durchgehend an. Zwar ist es etwas schade, dass Peter Dinklage ab dem Zeitpunkt der Verwandlung nur noch die Stimme beisteuert, während die ebenfalls kleinwüchsige Luisa Guerreiro die physische Drecksarbeit im Kostüm übernimmt, andererseits hat sich der Darsteller über die letzte Jahre ohnehin bei fast jeder sich ihm bietenden Gelegenheit als Charakterschwein der Güteklasse A geoutet, weshalb mich das hier nicht wirklich wundert. Kevin Bacon ist als Schurke immer fantastisch und Elijah Wood sieht als chronisch trübsinniger Missgestalteter aus, als hätte man den Pinguin von Batman bei Wish bestellt – und Limp Bizkit gleich mit. Kostüme und Kulissen können ebenfalls überzeugen, nur ganz selten sehen ein paar der computergenerierten Tricks etwas billig aus, was den Charme aber ausnahmsweise positiv unterstützt.

Trotzdem hohem Unterhaltungswert und begleitet von vielen guten Festivalkritiken hatte der Film lange Zeit Probleme, einen Verleih zu finden. Mit fast zwei Jahren Verspätung veröffentlicht, lagen im Ergebnis gerade einmal etwas über drei Millionen Dollar weltweitem Einspielergebnis. Was jedoch für anderen Filme einen ziemlich sicheren Todesstoß bedeuten würde, können die Macher hier wohl ziemlich gelassen sehen. Denn auch die restlichen Troma-Werke wurden erst dank der Fans über den Verlauf vieler Jahre erfolgreich und riesige Summen werden hier sowieso nicht reingeflossen sein. Genrefans – ganz gleich ob alt oder jung – werden hier definitiv bestens bedient. Und als Teil eines schönen Filmabend unter dem Motto „Deftiger wird’s nicht“ offeriert The Toxic Avenger mehr als genug Potenzial. Reboot geglückt!
Blu-Ray und 4K UHD: Das Bild
Gedreht wurde vollständig digital und obwohl sich wie bei vielen anderen Aspekten der Produktion auch in dem Ressort keine konkreten Informationen zu den verwendeten Kameramodellen finden lassen, sieht das ganze ziemlich zuverlässig nach einem 4K Digital Intermediate aus. Das vernünftig zu bewerten ist aufgrund der stark stilisierten Nachbearbeitung aber gar nicht so einfach. Unnatürlich gesättigte, erdige Paletten und heftige Kontrastflanken geben sich hier die Klinke in die Hand und replizieren damit ganz gewollt einen billigen Herstellungslook, wie man ihn von unzähligen VHS-Gurken längst vergangener Zeiten kennt. Dazu gibt’s ein bewusst eher weicheres Bild. Die dazugehörige Blu-Ray bildet all diese Aspekte bereits sehr anschaulich ab. Zwischen gelb-brauner Farbdominanz bis hin zu satten Neontönen ist hier je nach Einstellung und Tageszeit quasi alles dabei.
Auch die sonst eher kritisierten Überstrahlungen werden als Stilmittel verwendet. Man hat sich also ganz viel Mühe gegeben, das Ding visuell auf alt und billig zu trimmen. So ganz überzeugen kann das im Ergebnis nicht, weil der Film aufgrund der nur sehr unscheinbaren digitalen Körnung immer noch zu sauber aussieht. Im Endeffekt ist das natürlich Geschmackssache, weshalb ich das als persönlichen Kritikpunkt weit am Rande ablegen möchte. Anders sieht es da schon bei der technischen Umsetzung innerhalb der Blu-Ray aus, denn die ist bei diesem intensiven Farb- und Kontrastreigen nicht selten sichtbar überfordert und leidet zudem an einigen Schwierigkeiten beim Encoding. In der Konsequenz kann es aufgrund dieser beiden Aspekte zu gelegentlichen Unruhen kommen. Nichts allzu gravierendes, aber es soll auch nicht unerwähnt bleiben. Alles in allem meistert das Medium die schwierige Herausforderung eines so durchstilisierten Filmes echt gut.
Besser macht’s die nativ auflösende 4K UHD, die neben dem obligatorischen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 ausnahmsweise nur mit HDR10 bestückt worden ist. Die Ausgangssituation ist identisch, die Art der Handhabung unterscheidet sich dagegen teils sehr. Bedingt durch die Filterung lassen sich Auflösungsunterschiede nur im Rahmen sehr feiner Details wie Bartstoppeln oder Kleidungstexturen ausmachen – und das auch nur in den Nahaufnahmen. Das Bild ist insgesamt ein wenig dunkler gemastert und überstrahlt nicht mehr ganz so aggressiv. Farben werden intensiviert, was besonders dem grünen Rächer gut zu Gesicht steht. Wirklich mehr Differenzierung darf man dagegen nicht erwarten, das ist stilistisch einfach nicht drin. Dafür profitiert das Bild von den deutlich kräftigeren Schwarzanteilen sowie einem besseren Encoding. Insgesamt präsentiert sich die 4K UHD als rundere bzw. harmonische Erfahrung innerhalb der visuellen Vorgaben, die nicht nur auf gut kalibrierten OLED-Geräten richtig Spaß macht.
Blu-Ray und 4K UHD: Der Ton
Viel konsequenter als das Bild verhält es sich bei der Klangbestückung. Es gibt eine verlustfreie Masterspur im Format DTS-HD MA 5.1 für die deutsche Synchronfassung, während der O-Ton ein Upgrade als Dolby Atmos erhalten hat. Dass das erstmal nicht viel heißen muss, wissen Veteranen von M-Reviews natürlich, deshalb gehen wir ohne weiteres Palaver direkt in die Materie rein. Und die zieht in Form der hiesigen Tonspur bereits in den ersten Sekunden der Studiologos mächtig an. Tatsächlich kann ich mich nicht daran erinnern, dass ein paar schnöde Schriftzüge je mit solcher Räumlichkeit begleitet worden sind. Ein paar Minuten später packt dann erstmals auch der Subwoofer überaus druckvoll zu, ehe es für eine Weile eher dialoglastig wird.

Jedes dieser Segment hat mich voll überzeugen können. Klare Stimmverständlichkeit, kräftige Bässe, präzise Effekte…und dieses Level hält die Spur bis zur letzten Sekunde! Jede Menge Aktivität. Kein nachträgliches Justieren nötig. Auf der regulären Ebene können wir hier wirklich problemlos von Referenzmaterial sprechen. Wäre es doch immer so einfach. Die englische Tonspur ist dagegen im Vergleich wie so oft einen Ticken leiser eingepegelt und teilweise auch hauchfein weniger dynamisch, aber anhaltend gut. Die zusätzliche Höhenebene offeriert dafür einen angemessenen Ausgleich, denn alleine der fantastisch abgemischte Schrei unmittelbar nach dem Erwachen des Toxic Avengers ist neben dem auf mehreren Ebenen agierenden Soundtrack bestes Demomaterial für jedes gut eingestellte Lautsprechersystem.
Die Extras
Neben einem schicken und wie immer hochwertig verarbeiteten Mediabook verwöhnen uns Capelight Pictures auch noch mit einer ordentlichen Schippe Bonusmaterial. Egal, ob man sich den Audiokommentar des Regisseurs anhört, oder sich durch die umfangreichen Interviews mit Cast und Crew arbeitet: Die Liebe zur Reihe wird in jedem Moment überdeutlich an den Zuschauer herangetragen.

Erfrischend, wenn man bedenkt, wie hochgradig durchgeplant und professionell inszeniert solches Material sonst immer wirkt. Hier mag man dem gesamten Produktionsstab wirklich abnehmen, dass es sich dabei um absolute Fans handelt, die sich gerade ihren Lebenstraum erfüllen und nicht hintenraus auf die Dollars schielen. Einen knapp zehnminütigen Kurzfilm gibt’s obendrauf, der halbstündige Blick hinter die Kulissen wirkt ohne narrative Begleitung allerdings als einziges Manko eher zäh.

„Einen Film wie The Toxic Avenger zu drehen muss sich für Cast und Crew wie ein Kindergeburtstag anfühlen. Einfach ungezwungen Spaß haben, hemmungslos die Sau rauslassen und komplett darauf scheißen, ob es den Kritikern am Ende gefällt. Und obwohl sich das Reboot am Ende dann doch nicht traut, in Sachen Explizität mit der noch obszöneren Vorlage gleichauf zu ziehen, ist hier eine wunderbare Trashperle entstanden, die mit den Jahren trotz kleinerer visueller Unzulänglichkeiten reifen wird wie ein guter Wein. Hirn aus, Spaß haben und das Gemetzel genießen – mehr wird vom Zuschauer gar nicht verlangt. Die nicht ganz optimale Blu-Ray lässt sich trotzdem genießen, richtig gut wird’s mit der 4K UHD. Ton, Extras und Aufmachung überzeugen auf ganzer Linie. Kurzum: Eine richtig schöne Ergänzung für das Sammlerregal in diesem noch frühen Jahr!“

Quelle Bildmaterial: ©Capelight Pictures. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt worden.
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