Der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten bekommt nach über zwanzig Jahren endlich eine Fortsetzung! In Das Kanu des Manitu stürzt sich das Ensemble um Michael „Bully“ Herbig in ein neues, aberwitziges Abenteuer mit Cowboys und Indianern. Nun gibt’s die Fortsetzung als 4K UHD und Blu-Ray. Die Frage ist nur: Sind wir mit der Gesamtsituation zufrieden, oder müssen wir im Angesicht der dazugehörigen Review den Klappstuhl ausgraben?


Vertrieb: Constantin Film via LEONINE Distribution
Erstveröffentlichung: 2025





Der Film
Viele Jahre sind vergangen, seit Abahachi (Michael „Bully“ Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) es erfolgreich mit dem fiesen Santa Maria und seiner Bande aufgenommen haben. Die Gesichter sind etwas faltiger geworden, die Haare dünner und grauer, davon einmal abgesehen hat sich an der altbekannten Ambivalenz des ungleichen Duos nichts geändert. Nun zieht unerwartet neuer Ärger am Horizont auf, denn als die beiden Streiter für den Frieden mehrerer Überfälle beschuldigt werden, klebt ihnen plötzlich das Gesetz in Form des eisenharten Sheriffs Kane (Friedrich Mücke) an den Mokassins.

Und weil das Talent im Fährtenlesen offensichtlich weit besser ausgeprägt ist als die Fähigkeit zur Flucht, dauert es nicht lange, bis sich der Häuptling der Apachen mitsamt seinem Gefährten auf dem Weg zum nächstbesten Galgen wiederfinden. Dass es sich dabei um einen ausgeklügelten Plan der frisch gegründeten Räuberbande unter dem Kommando einer Frau namens „Der Boss“ (Jessica Schwarz) handelt, ahnen die Reingelegten zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Im Auftrag eines geheimnisvollen Ölbarons soll die Gang nämlich das legendäre Kanu des Manitu finden, von dem behauptet wird, dass es seinem Besitzer die ewige Jugend verleiht.

Dummerweise kann nur ein wahrer Apache all die lebensbedrohlichen Fallen überwinden, mit denen das begehrte Artefakt gesichert ist. Und genau diese undankbare Aufgabe soll der frisch vom Strick geschossene Abahachi nun übernehmen. Weit davon entfernt erfährt der Grieche Dimiti (Rick Kavanian) von den jüngsten Ereignissen und macht sich mitsamt seiner frisch angestellten Angestellten Mary (Jasmin Schwiers) auf den Weg, um seine alten Freunde zu retten. Dass es dabei wieder einmal zu zahllosen Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen kommt, ist bei so einem wahnwitzigen Unternehmen natürlich ganz selbstverständlich…
Die Rezension
Über elf Millionen Zuschauer lockte Der Schuh des Manitu seinerzeit in die Lichtspielhäuser – ein beispielloser Rekord, der innerhalb deutscher Filmproduktionen bis heute unerreicht geblieben ist und dem lange brachliegenden Komödiengenre zu neuem Leben verhalf. Mit dem fast ähnlich erfolgreichen (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 legte das Trio Herbig, Tramitz und Kavanian drei Jahre später den nächsten Megahit auf Basis bekannter Charaktere der Bullyparade hin. Seitdem haben Fans lange auf eine würdige Fortsetzung der Karl-May-Verballhornung gehofft. Der Kurzauftritt innerhalb des katastrophalen Bullyparade – Der Film von 2017 soll hier gar nicht weiter vertieft werden und wir werden alle weiterhin so tun, als ob es dieses uninspirierte Machwerk nie gegeben hätte.

Nun sind wir gesellschaftlich aber mittlerweile seit geraumer Zeit an dem traurigen Punkt angelangt, wo man sich nicht mehr die Frage stellt, wann es eine echte Fortsetzung gibt, sondern ob man die überhaupt noch drehen darf. „Die Comedy-Polizei ist so streng geworden“, dass der Dreh einer Komödie viel schwieriger geworden sei, „weil man das Gefühl hat, dass man sehr schnell Leuten auf die Füße tritt“ – so Herbig dereinst selbst in der Talkshow 3 nach 9. Dementsprechend mussten sich die drei Hauptdarsteller bei der Ideenfindung Mittel und Wege einfallen lassen, der zu erwartenden Moralkeule aus dem wohlstandverwahrlosten Kulturkämpfermilieu effektiv zu begegnen, dem ja mittlerweile schon bei der Nennung des Wortes „Indianer“ nervös die Nasenringe flattern. Das gelingt dem Film dann tatsächlich auch auf eine sehr intelligente und gleichzeitig gut gemachte Weise kurz vor Schluss.

Wer also im Vorfeld befürchtet hat, dass der Film woke und zahnlos daher kommt, dürfte positiv überrascht von der Tatsache sein, dass der Humor durchaus noch über einen ordentlichen Biss verfügt, wenngleich anders als noch beim ersten Teil nicht mehr jeder Witz zünden will. Ausreichend Lacher gibt’s aber immer noch genug. Dass die Geschichte anhaltend insgesamt mehr als Alibi dafür dient, möglichst viele skurrile Situationen irgendwie sinnbringen aneinanderzureihen, will man gar nicht groß kritisieren. Mit knapp achtzig Minuten Laufzeit haben Herbig und Co. bei ihrer ersten vollwertigen Zusammenarbeit seit langen Jahren eine kurzweilige und insgesamt würdige Fortsetzung abgeliefert, die nicht viel später hätte erscheinen dürfen. Mit Einfallsreichtum, einer hin und wieder wunderbaren Sentimentalität und bis in die Nebenrollen mit prominenten wie spielfreudigen Darstellern besetzt, erinnert uns der Film daran, dass man in Deutschland das Lachen noch nicht gänzlich verlernt hat.

Und obwohl Herbig, Tramitz und Kavanian längst keine Jungspunde mehr sind, verkörpern sie ihre jeweiligen Rollen mit einer herrlichen Energie, bei der man ganz vergisst, dass zwischen den beiden Filmen fast ein Vierteljahrhundert liegt. Neu dabei ist die gewohnt sympathische Jasmin Schwiers, deren Ehemann Jan van Weyde ebenfalls in einer kleinen Rolle als Richter dabei ist. Nicht ganz so überzeugt hat mich Jessica Schwarz als primäre Antagonistin des Films, die zwar sichtlich Spaß an ihrer Rolle hat, am Ende jedoch durchgehend erfolglos gegen das Dasein als stereotypischer Girlboss anspielt. Wieder mal als absoluter Showstealer entpuppt sich dafür Merlin Sandmeyer, der bereits als verklemmter Ladendetektiv in Die Discounter urkomisch gewesen ist und hier als Wolfgang erneut die meisten Lacher auf sich zieht. Fans des Erstlings dürfen sich außerdem über ein sehr erfreuliches Wiedersehen mit einem altbekannten Charakter freuen.

Gedreht wurde unter anderem in München, Spanien und New Mexico, wobei alleine für den Bau der Kulissen über achthundert Kubikmeter Styropor aufgebracht worden sind, was in etwa der gegenwärtigen Zusammensetzung von Gina-Lisa Lohfink entsprechen dürfte. Plus-Minus ein paar Tonnen Kunststoff, versteht sich. Handwerklich ist der Film über jeden Zweifel erhaben und schließt mühelos an den authentischen Western-Look des Vorgängers an. Das viele Herzblut, dass man dem Werk zu jedem Zeitpunkt ansieht, hat sich letztendlich ausgezahlt: Mit über fünf Millionen Kinobesuchern ist Das Kanu des Manitu in den deutschen Kinos der mit Abstand erfolgreichste Film des Jahres. Zwar fielen die Kritiken anders als damals nicht mehr ganz so wohlwollend aus, bei einem Reingewinn von mehr als fünfzig Millionen Euro dürfte die Freude bei den Machern trotzdem überwiegen.

Mich persönlich hat der Film gut unterhalten, obwohl ich zugeben muss, dass ich das Werk vor zehn Jahren deutlich kritischer beäugt hätte und jetzt einfach nur froh bin, dass sich überhaupt mal wieder jemand getraut hat, dem Publikum ein Ausbrechen aus dem Humorknast zu ermöglichen. Und dieser Umstand hat in meinen Augen jedweden Erfolg maximal verdient. Jetzt darf dann gerne auch langsam mal (T)raumschiff Surprise – Periode 2 kommen. Ich sag’s nur mal so am Rande.
Blu-Ray und 4K UHD: Das Bild
Während Der Schuh des Manitu noch vollständig analog gedreht wurde, ist man bei der Fortsetzung vollständig zu einer digitalen Herstellung übergegangen. Zum Einsatz kam dabei die ARRI Alexa Mini LF, die maximal 4.5K am Output anlegt. Gänzlich konkrete Daten liegen zwar nicht vor, die Betrachtung lässt allerdings die starke Vermutung aufkommen, dass in der Postproduktion als 4K Digital Intermediate gefinisht worden ist. Darauf basieren nun wenig überraschend auch die Heimkinoveröffentlichungen. Und wenn man bedenkt, wie unfassbar schlecht die damaligen HD-Veröffentlichungen anfangs gewesen sind, kann man dieses Mal von Anfang an Entwarnung geben. Denn bereits die reguläre Blu-Ray punktet mit einer durchgehend guten Detailwiedergabe, besonders bei den vielen feinen Texturen an Kleidungsstücken und Umgebungen. Kleinere Verschmutzungen in den Gesichtern und Aufschriften sind problemlos erkennbar.
Farblich dominierend passend zum Setting erdige Paletten, vor allem in den Außenaufnahmen sind Gelb- und Brauntöne dauerhaft präsent, während in dunkleren Einstellungen und Innenaufnahmen eher Grün bestimmend ist. Allerdings kann die Blu-Ray nur selten wirklich gut differenzieren, so dass eben auch Gesichter und Co. sehr von den Paletten eingenommen werden, was keineswegs gesund aussieht. Farbliche Highlights wie die pinken Klamotten von Winnetouch oder die blauen Uniformen der Musketiere gehen dabei leider etwas unter. Gleichzeitig wäre es ratsamer gewesen, mit der ARRI Alexa 35 zu drehen, womit sich ein wesentlich authentischer Look hätte erzielen lassen. So wirkt das digitale Bild durchgehend zu sauber, um gänzlich glaubhaft zu wirken. Dafür sieht es bei den Schwarzanteilen sehr gut aus. Ja, insgesamt ist das Meckern auf hohem Niveau, aber trotzdem berechtigte Kritik.
Die 4K UHD löst nativ auf, verfügt über einen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 und offeriert ausschließlich Support für HDR10. Im direkten Vergleich mit der Blu-Ray lassen sich besonders im Bereich der Detailwiedergabe nochmal ordentliche Zugewinne verzeichnen. Gesichter wirken einen Ticken plastischer und die vielen feinen Verzierungen an den Outfits kommen nochmal besser zur Geltung. Farben werden etwas intensiviert, wobei die Paletten identisch sind. Die Differenzierung bekommt die 4K UHD allenfalls geringfügig besser hin, es bleibt hier jedoch insgesamt bei der omnipräsenten Gelb-Braun-Dominanz mit szenenbedingt leichter Grüntendenz. Körnung bleibt mit Ausnahme spezifischer Rückblenden anhaltend ein Fremdwort. Beim Schwarz legt die Scheibe nochmal eine kleine Schippe Kraft drauf. Für Enthusiasten in der Summe sicher interessant, gibt’s für reguläre Konsumenten schlicht nicht genügend Argumente für einen Kauf – die werden mit der günstigeren Blu-Ray angesichts identischer Kritikpunkte und den insgesamt gering ausgefallenen Zugewinnen mehr als ausreichend bedient.
Blu-Ray und 4K UHD: Der Ton
Richtig verwöhnt werden wir von Constantin Film bei der Klangbestückung, denn sowohl die Blu-Ray als auch die 4K UHD werden mit einer deutschen Tonspur im Format Dolby Atmos mit verlustfreiem TrueHD-Kern ausgeliefert. Die zusätzliche Höhenebene wird vor allem vom fabelhaften Score aus der Feder von Ralf Wengenmayr ausgenutzt, welcher den gesamten Film mit wunderbarer Präsenz begleitet. Schüsse hallen aus der Mitte heraus nach oben raus, was für eine tolle Dreidimensionalität sorgt. Sämtliche Dialoge in der Höhle werden mit einem sehr räumlichen Hall begleitet, was mir ebenfalls richtig gut gefallen hat. Und beim Finale mit der Lokomotive darf auch der Subwoofer recht ordentlich zupacken.

All das muss man im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten bewerten. Dass in einem Western eher keine Helikopter oder sonstiges Fluggerät über die Köpfe hinwegdonnert, ist klar. Die Abmischung nutzt die ihr gegebenen Möglichkeiten jedoch gut aus und liefert eine durchgehend sinnvolle wie direktional korrekte Platzierung mit guter Dynamik. Der Großteil spielt sich auf der regulären Ebene ab, wo neben permanent sauberer Dialogverständlichkeit auch eine schöne Effektkulisse geboten wird. Kutschendonnern, Pferdegetrappel, Schusswechsel…das macht innerhalb der hier gegebenen Ausstattung wirklich eine Menge Spaß, ohne dass man vorher ewig am Receiver rumdoktern muss, um die Pegel zu justieren. Kurzum, eine mehr als gelungene Tonspur, von denen es gerne mehr geben dürfte.
Die Extras
Das komplett auf der Blu-Ray untergebrachte Bonusmaterial setzt sich aus einigen Interviews mit Cast und Crew zusammen, wobei nochmal deutlich wird, wieviel Spaß das komplette Team beim Dreh hatte und welche Hürden es bei der Herstellung insgesamt zu bewältigen gab. Dazu begleitend gibt es ein Making-of mit weiteren interessanten Hintergründen. Die einzelnen Charaktere werden zusätzlich beleuchtet und auch den Effekten wird ein gesondertes Featurette gewidmet. Trailer, B-Roll und ein paar Aufnahmen von der Premiere runden das ordentliche Material angemessen ab.

„Gänzlich zufrieden bin ich mit der Gesamtsituation nicht, denn obwohl Das Kanu des Manitu insgesamt eine gelungene – wenn auch sehr späte – Fortsetzung ist, ist die Faszination darüber längst nicht mehr so groß wie noch beim ersten Teil. Nicht jeder Witz zündet und die Geschichte ist durchgehend austauschbar. Dafür machen die Charaktere eine Menge Spaß und auch handwerklich ist die Produktion wirklich hervorragend. Der für mich bedeutsamste Aspekt bleibt das mutig unternommene Wagnis, sich dem vor allem im Medienbereich immer noch erbittert verteidigten moralischen Diktat entgegenzustellen – und das gelingt dem Film sehr erfolgreich. Visuell hätte es authentischer sein können, farblich etwas differenzierter, abseits davon kann man Blu-Ray und 4K UHD nur wenig ankreiden. Ton und Ausstattung sind super, weswegen man sich diese Veröffentlichung mit gutem Gewissen in die Sammlung holen kann.“

Quelle Bildmaterial: ©2026 LEONINE Studios. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von LEONINE Distribution zur Verfügung gestellt worden.
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