Mit seinem ersten und bisher einzigen Zweiteiler verneigte sich Quentin Tarantino Anfang des neuen Jahrtausends ehrfürchtig vor den Jidai-geki und Spaghetti-Western, die sein Schaffen bis heute nachhaltig geprägt haben. Kill Bill – Volume 2 setzt dabei weniger auf Tempo und Gewalt, sondern rückt pünktlich zum erinnerungswürdigen Finale wieder mehr die Charaktere in den Vordergrund. Die dazugehörigen Neuauflagen als Blu-Ray Remastered und 4K UHD haben wir für euch gesichtet.


Vertrieb: STUDIOCANAL
Erstveröffentlichung: 2004





Der Film
Zwei Namen konnte die rachsüchtige Braut (Uma Thurman) bereits von der Todesliste streichen, drei weitere ihrer ehemaligen Kameraden inklusive Ex-Liebhaber und Mastermind Bill (David Carradine) sind noch übrig. Der nächste Kandidat, der die messerscharfe Hattori-Hanzo-Klinge zu spüren kriegen soll, ist Budd (Michael Madsen). Anders als sein älterer Bruder Bill zeichnet der sich nicht gerade durch Intelligenz oder große Ambitionen aus, sondern haust nach seiner Zeit als Attentäter völlig heruntergekommen in einem Wohnwagen irgendwo in der Wüste. Sogar sein Job als Rausschmeißer in einer billigen Tittenbar steht auf dem Spiel, weil die Arbeitsmoral geringer ist als die vom Drachenlord. Doch Budd ist zumindest gerade schlau genug, um zu wissen, dass die Braut früher oder später auch vor seiner Tür stehen wird.

Tief in seinem Inneren kann der Simpel sogar Verständnis für deren Beweggründe aufbringen, aber wie das eben so ist, hängen eben auch die Dummen an ihrem Leben. Als die Braut dann tatsächlich auftaucht, um die vier Jahre alte Rechnung zu begleichen, revanchiert sich Budd mit einer Ladung Steinsalz aus seiner Flinte und gräbt die anschließend betäubte Rächerin lebendig auf einen nahegelegenen Lokalfriedhof ein. Tief unter der Erde und gefangen in einer verflucht engen Holzkiste erinnert sich die Braut an ihr Training bei dem grausamen wie genialen Kampfkunstexperten Pai Mei (Gordon Liu) und schafft es schließlich, sich zu befreien. Währenddessen hat der chronische Pleitegeier Budd telefonisch Kontakt zu Elle Driver (Daryl Hannah) aufgenommen, die ihre alte Rivalin mehr verabscheut als alle anderen und nun für eine größere Geldsumme deren Schwert erstehen will.

Dass das einäugige Miststück insgeheim einen teuflischen Plan ausgeheckt hat, realisiert Budd erst, als es schon zu spät ist. Und dann ist da natürlich immer noch Bill und die Tatsache, dass der totgeglaubte Nachwuchs gar nicht so tot ist, wie ihre Mutter all die Jahre gedacht hat. Auf die Braut wartet also noch so manch blutige Auseinandersetzung und nicht zuletzt eine hochemotionale Überraschung, ehe sie dem Kopf der Schlange endlich zum finalen Showdown gegenüberstehen kann. Doch auch der ist bei aller diabolischen Freundlichkeit partout nicht gewillt, sein Schicksal ohne Gegenwehr zu akzeptieren…
Die Rezension
Normalerweise ist den Produzenten in Hollywood ja immer daran gelegen, dass Filme möglichst kurz sind. Dadurch lassen sich täglich mehr Vorführungen in den Kinos unterbringen, was hintenraus einen deutlich höheren Umsatz garantiert. Doch selbst die Gebrüder Weinstein mussten einsehen, dass Kill Bill als Gesamtwerk unmöglich auf eine Schnittlänge von maximal zwei Stunden oder weniger zurechtgestutzt werden konnte, ohne dass dabei signifikante Handlungs- und Logiklücken entstehen würden. Zum Glück für Regisseur Quentin Tarantino motivierte man ihn daher, sein vielstündiges Epos auf zwei eigenständige Filme zu splitten. Ein Angebot, dass dieser sicher dankbar annahm.

So kam Kill Bill – Volume 2 ein Jahr nach dem Erstling in die Kinos und erzählte die mit dem ersten Teil extrem blutig und farbenfroh begonnene Hommage an die Samurai- und Westernfilme der Videothekenära bis zu ihrem versöhnlichen Ende weiter. Wieder aufgeteilt in mehrere Kapitel und einmal mehr durchzogen von zahlreichen Rückblenden, bleibt Tarantino seiner bevorzugten Erzählstruktur neu, stellt aber dieses Mal weniger durchstilisierte Action in den Vordergrund, sondern konzentriert sich überwiegend auf das, was er mit Abstand am besten beherrscht: Skurrile Figuren und brillante Dialoge. Neben der anhaltend bis an die körperlichen Grenzen fantastisch aufspielenden Uma Thurman ist es aber vor allem David Carradine, der hier mit seiner überragenden Präsenz jede Szene stiehlt. Dass der überwiegend als Darsteller in hundsmiserablen B-Movies bekannt gewordene Mime im Spätherbst seines Lebens nochmal zeigen durfte, was wirklich in ihm steckt, kann man als Zuschauer wirklich nur mit Dankbarkeit erwidern.

Generell hat Tarantino immer schon ein Herz für teils vergessene Schauspieler bewiesen und diesen damit häufig ein erfolgreiches Comeback bescheren können – die Liste an Beispielen dafür ist riesig. Hier hat er mit Daryl Hannah, Michael Madsen und David Carradine gleich drei Mimen dazu verholfen, die es ihm allesamt mit exzellenten Leistungen dankten. Der zweite Teil agiert dabei visuell auf einer deutlich bodenständigen Ebene und wendet sich verstärkt dem Genre des Spaghetti-Westerns zu. Die Action ist deutlich spärlicher gesät als noch im Vorgänger, dafür überzeugen die wenigen Sequenzen mit einer fast schon sadistischen Intensität, bei der man sich selbst als hartgesottener Zuschauer öfter mal angeekelt wegdrehen muss. Visuell und stilistisch unterscheidet sich der Film dramatisch von seinem Vorgänger, was den Übergang gerade dann ein wenig schwierig gestaltet, wenn man beide Teile unmittelbar hintereinander sichten will.

Gerade das sehr viel gemütlichere Erzähltempo drückt dann ein wenig die Erwartungshaltung und lässt allmählich jenes Adrenalin abfließen, welches sich zuvor spätestens beim Massaker im Haus der Blauen Blätter angesammelt haben dürfte. Aber diese forcierte Ruhe hilft letztendlich dabei, das erinnerungswürdige Finale bestmöglich genießen zu können. Mit etwas mehr als zwei Stunden und zehn Minuten Laufzeit vergeht jedoch einiges an Zeit, bis es soweit ist und gerade die längeren Dialogpassagen – so gut sie auch geschrieben sind – fordern einem regelmäßig etwas geduldiges Sitzfleisch ab. Lediglich das brillant inszenierte Kapitel rund um Pei Mei lässt die Zeit wie im Flug vergehen. Am Ende hat sich das Wagnis eines Zweiteilers gelohnt: Begleitet von wohlwollenden Kritiken spielte der zweite Teil über das fünffache seiner relativ günstigen Produktionskosten von knapp dreißig Millionen Dollar ein. Ein dritter Teil war über die Jahre immer mal wieder im Gespräch, wurde aber irgendwann trotz guter Ideen endgültig auf Eis gelegt.

Schlimm ist das nicht, denn mit Kill Bill – Volume 2 hat Tarantino einen hervorragenden Abschluss für seine Rachesaga gefunden, der keinerlei Fragen oder Wünsche offenlässt. Gleichzeitig fällt es sehr schwer, direkte Vergleiche zwischen den beiden Filmen zu ziehen. Wer es action- und bluthaltiger mag, wird den ersten Teil eindeutig bevorzugen, Fans starker Dialoge und Charakterdarstellungen finden im zweiten Teil eher Vergnügen. Da beide Teile aber untrennbar miteinander verbunden sind, neige ich eher dazu, das Ganze als Gesamtwerk zu betrachten. Und da kommt man abseits bestehender Schwierigkeiten beim Tempo nur zu einem überwiegend positiven Urteil. Kill Bill ist ein klassischer Tarantino, voller Anspielungen, Härten und dem typischen Humor, eingebettet in einen perfektionistisch abgestimmten Soundtrack. Ein wahres Fest für die Sinne und ein heute teilweise vielleicht sogar unterschätzter Beitrag zur Vita des Kultregisseurs, der ja fest entschlossen ist, nach seinem nächsten Film in den Ruhestand zu gehen. Wir dürfen gespannt sein, was sich der Meister für sein großes Finale ausdenken wird.
Blu-Ray Remastered und 4K UHD: Das Bild
Wie schon der Erstling wurde auch Kill Bill – Volume 2 analog gedreht und anschließend in der Postproduktion als Digital Intermediate in nativem 2K abgefertigt. Über die entsprechenden Schwächen und Stärken dieses Transfers haben wir uns innerhalb der dazugehörigen Rezension bereits intensiv ausgelassen. Für den zweiten Teil kann man fast identisches vermerken: So leidet die dazugehörige Blu-Ray anhaltend an massiven Überstrahlungen (besonders drastisch im Kapitel mit Pei Mei) und viel zu übersättigten Farben. Letzteres scheint allerdings hier nicht ganz so aggressiv durch, da Tarantino für den zweiten Teil mehr auf einen erdigen Look ganz im Sinne des referenzierten Genres gesetzt hat, wodurch vor in Außenaufnahmen Braun- und Gelbtöne das Geschehen dominieren und diverse Rotanteile die Highlight dazwischen abbilden, je nach Kapitel kann aber auch Grün ein bestimmender Faktor sein.
Die analoge Körnung kommt hier weniger künstlich rüber, obwohl der Eindruck bestehen bleibt, dass der zweite Teil ebenfalls nicht ganz ohne Nachbearbeitung ausgekommen ist. Vor allem bei der Detailwiedergabe wirkt das Bild stellenweise minimal nachgeschärft. Insgesamt kann man von einem sehr viel homogeneren Ergebnis sprechen, als noch beim ersten Teil. Dementsprechend besser ist auch die Ausgangslage für die hier besprochene Neuauflage, für die man abermals keinen neuen Scan vom bestehenden Analogmaterial gezogen hat, sondern sich nochmal an das bestehende 2K-Master gesetzt hat. Mehr Details darf man im Rahmen der Blu-Ray Remastered daher nicht erwarten, zumal das Encoding der Erstauflage grundlegend bereits sehr gut gewesen ist. Dafür wurden Helligkeit und Farbsättigung angepasst, die bestehenden Paletten bleiben wie gehabt. Man muss also eher von Feintuning sprechen. Die Ergebnisse sind gut, aber gemessen an dem geringen Aufwand bei der Gesamtumsetzung keineswegs überragend.
Gleiches gilt für die 4K UHD, die mit erweitertem Farbraum nach Rec.2020 inklusive Support für HDR10 und Dolby Vision auftrumpft. Da die anhaltend auf demselben Master basiert und lediglich hochskaliert, bleibt es bei marginalen Verbesserungen in Hinblick auf die Detaildarstellung, zum Beispiel werden feinere Texturen etwas besser herausgearbeitet und weit entfernte Aufschriften sind etwas besser leserlich. Um das richtig wertschätzen zu können, muss man aber schon mit der Lupe am Bildschirm ausharren und ganz genau hinsehen, was die Mühe keineswegs lohnt. Farblich ist die 4K UHD nochmal einen Ticken nuancierter abgestimmt, die bereits kräftigen Schwarzanteile der Blu-Ray Remastered bleiben weitestgehend unangetastet. Hier und da gibt’s etwas mehr Dynamik und die Körnung ist je nach gewählten Filmmaterial nicht mehr ganz so unruhig.
Man hat hier schlicht das Bestmögliche aus dem bestehenden Material herausgeholt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deshalb trotz besserer Ausgangslage dasselbe Urteil: Nicht schlecht, aber man hätte mit etwas mehr Aufwand sicher noch weit bessere Ergebnisse erzielen können. Vor allem, da der dafür veranschlagte Preis von knapp fünfunddreißig Euro für den gegenwärtig exklusiv im Steelbook erhältlichen Film in Relation einfach etwas überzogen wirkt. Natürlich haben wir uns hier abermals die Mühe gemacht, die hiesige Veröffentlichung von STUDIOCANAL mit der amerikanischen Version von Lionsgate zu vergleichen, wobei die Ergebnisse einmal mehr völlig identisch gewesen sind.
Blu-Ray Remastered und 4K UHD: Der Ton
Keine Überraschungen gibt’s bei der Klangausstattung, denn in dem Bereich kann man theoretisch genauso gut den bestehenden Absatz aus dem Test des ersten Teils rezitieren. Statt den bisher komprimierten Tonspuren wechselt STUDIOCANAL auf verlustfreie Masterspuren im Format DTS-HD MA 5.1 für alle drei Sprachen, nämlich neben Deutsch auch Englisch und Französisch. Und die haben alle miteinander gemein, dass sie gute fünf bis sechs Dezibel leiser als die bisherigen Tonspuren abgemischt worden sind. Nichts, was sich am Reciever nicht problemlos beheben ließe, zumal ich an dieser Stelle betonen muss, dass abseits der Lautstärke nicht nachträglich Dynamik gekappt wurde, wie es bei Disney zum Beispiel regelmäßig trauriges Beispiel ist.

Dementsprechend bleiben die Dialoge hervorragend verständlich und werden durchgehend klar wiedergegeben. Räumliche Aktivität bleibt situationsbedingt eine Seltenheit, da hat der Vorgänger spätestens zur Mitte wesentlich mehr aufgedreht. Hier mangelt es inszenierungsbedingt einfach an passenden Gelegenheiten, lediglich der Soundtrack bewegt sich hörbar aus dem vorderen Spektrum heraus. Richtig zur Sache geht’s nur während der packenden Auseinandersetzung zwischen der Braut und Elle, danach bleibt es bis zum Ende überschaubar. Die Tonspuren tun, was sie eben sollen. Mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen. Und mir ist bei einem so dialoglastigen Film gute Verständlichkeit allemal lieber als künstlich eingefügte Räumlichkeit, die das feine Ohr mehr verwirrt, als es zu begeistern. Deshalb will ich das Ergebnis gar nicht groß durch den Schlamm ziehen, das wäre schlicht nicht fair.
Die Extras
Ganz anders sieht es beim Bonusmaterial aus, welches exklusiv auf der beiliegenden Blu-Ray Remastered untergebracht worden ist und abermals nur aus bereits bekanntem und gleichermaßen höchst überschaubaren Featurettes besteht. Kernstück bleibt das knapp über zwanzig Minuten lange Making-of inklusive Interviews mit Cast und Crew, welches aber weniger interessant geraten ist als das Pendant des ersten Teils, da es hier effekttechnisch nicht besonderes aufzuschlüsseln gibt. Dazu gibt’s einen kurzen Beitrag zur Band von Tarantinos Busenfreund Robert Rodriguez, die im Film einen kleinen Gastauftritt hat. Das restliche Material setzt sich aus wenigen Trailern zusammen.

Auch den zweiten Teil liefert STUDIOCANAL im sammlertauglichen und limitierten Steelbook mit passendem Motiv aus, über dessen Attraktivität weiterhin gestritten werden kann. Mir hat der Kontrast zwischen Gelb und Rot bei den beiden Originalpostern einfach besser gefallen, während das hier dargestellte Artwork für mich einfach nicht ist, was Tarantino selbst gewählt hätte. Die demnächst nachgereichten Fassungen im Keep Case dürften einige Euro günstiger ausfallen, verfügen ebenfalls über ein exklusives Motiv, machen sich im Regal aber sicher nicht ganz so gut. An der Verarbeitung gibt es dagegen nichts auszusetzen.

„Das Finale von Tarantinos bisher einzigem Zweiteiler hebt sich visuell und stilistisch komplett von seinem Vorgänger ab und fühlt sich mehr wie ein moderner europäischer Western an, weniger wie eine Huldigung an das asiatische Kino. Dadurch enthält der Film eine ganz eigene Identität, bleibt im Kern aber eine ganz klassische Visitenkarte seines exzentrischen Schöpfers. Vor allem getragen von den fantastisch aufspielenden Darstellern, ist Kill Bill – Volume 2 ein versöhnlicher und gelungegner Abschluss der epischen Rachegeschichte, der stellenweise lediglich etwas langatmig geraten ist. Dank etwas besserer Ausgangslage kann die Neuauflage in Form von Blu-Ray und 4K UHD eher überzeugen als beim Vorgänger, große Sprünge darf man jedoch anhaltend nicht erwarten. Für Ton und Sonderausstattung gilt dasselbe. Alles in allem bleibt angesichts des Preises ein gewisser Beigeschmack zurück.“

Quelle Bildmaterial: ©STUDIOCANAL GmbH. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von STUDIOCANAL zur Verfügung gestellt worden.
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