4K UHD | This is Spinal Tap

Legenden sterben nie!

Die Mutter aller Mockumentaries ist zurück! Mit This is Spinal Tap gelang Regisseur Rob Reiner und seinem kongenialen Ensemble zur Mitte der Achtziger unfreiwillig eine der wohl treffendsten Einblicke in die illustre Welt des Rock and Roll mitsamt ihrer Probanden. Pünktlich zum Verleihstart des späten Sequels kommt das kultige Original endlich als brandneue 4K UHD in nie dagewesener Qualität.  

Vertrieb: Sony Pictures via PLAION Pictures

Erstveröffentlichung: 1984

Veröffentlichungstermin: 29. Januar 2026

Darsteller: Michael McKean, Christopher Guest, Harry Shearer, Rob Reiner und andere

Format: 4K UHD

Preis: 31,99€*

Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

IMDB | Metacritic




Der Film

In den Sechzigerjahren schlossen sich die Jugendfreunde David St. Hubbins (Michael McKean) und Nigel Tufnel (Christopher Guest) mit dem Bassisten Derek Smalls (Harry Shearer) zusammen, um gemeinsam eine Band zu gründen – was die Beatles können, das können wir schließlich auch! Zunächst spielte man Skiffle, später biederte man sich nach zahlreichen Namenswechseln nunmehr als Spinal Tap mit kleinem Erfolg bei der Flower-Power-Bewegung an, ehe man sich voll und ganz dem Heavy Metal verschrieb.

Die Beatles lassen grüßen: Die Anfänge der Band reichen zurück in die Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens. Der Drummer ist wie viele andere nach ihm unter mysteriösen Umständen verstorben. | 4K UHD

Ikonisch für die Band ist dabei der stetige Verlust von Schlagzeugern unter hochgradig mysteriösen und gleichermaßen aberwitzigen Umständen. Im Jahr 1984 hat das Trio seinen fragilen Zenit längst weit überschritten, plant aber trotzdem mit dem neuen Album Smell the Glove auf große Tour durch die Vereinigten Staaten zu gehen. Die Erkenntnis, dass im Grunde kein Hahn mehr nach den Jungs von der Insel kräht, hat sich zu den drei Dumpfbacken irgendwie nicht durchgesprochen. Begleitet von dem Dokumentarfilmer Marti DiBergi (Rob Reiner) und ihrem derben Managen Ian Faith beginnt die Band eine abenteuerliche Reise quer durch die Staaten, bei denen eine Katastrophe der anderen folgt.

Die Jungs von Spinal Tap wissen, wie man eine gute Show hinlegt – von Maßeinheiten verstehen sie dagegen leider nichts. | 4K UHD

Von Schwierigkeiten beim korrekten Verpeisens eines Schnittchens bis hin zu anhaltenden Problemen mit dem Plattencover, Bühnenbildern im fehlerhaften Maßstab und nicht zuletzt zentralen Erkenntnissen über Lautstärkeregler ist so ziemlich alles dabei, was den Alltag eines Rockmusikers maßgeblich definiert. Als David dann auch noch seine neue Freundin Jeannine anschleppt, die sich immer aggressiver in das Geschäft einmischt, droht Spinal Tap und damit auch eine über Jahrzehnte andauernde Freundschaft zu zerbrechen, ehe die finale Show überhaupt stattgefunden hat…

Die Rezension

Zahllose neugierige Kinozuschauer und Musikfans standen dereinst Schlange vor den amerikanischen Lichtspielhäusern, um eine Dokumentation über eine Band zu sehen, die es eigentlich gar nicht gibt. Mundpropaganda machte den im Rahmen seines Dialoge nahezu vollständig von den Darstellern improvisierten Film zu einem absoluten Geheimtipp, der sich alsbald auch in der Szene herumsprach. Den vielen Stars ihrer Zeit – darunter Ozzy Osbourne und Steven Tyler – war beim Sichten allerdings alles andere als zum Lachen zumute. Denn ohne es direkt zu wollen, hatten die Macher die tatsächlichen Erfahrungen der echten Musiker auf erschreckende Weise eingefangen. 

Regisseur DiBergi geht für ein Interview bis ans Limit und darüber hinaus. | 4K UHD

Umso abstruser erscheinen einem die Ereignisse als Normalsterblicher. Und genau daraus speist sich auch der grandiose Witz, der einen selbst dann zum Lachen bringt, wenn man mit dem musikalischen Genre nichts anfangen kann. Diese völlig realitätsverlorenen und teil infantilen Persönlichkeiten dabei zu beobachten, wie sie sich im Rahmen ihrer Aussagen komplett demaskieren, sorgt für einen munteren Wechsel zwischen Fremdscham und brüllender Komik. Legendäre Momente wie der Verstärker, den man auf Stufe 11 und damit eins lauter als reguläre Modelle stellen kann, haben sich für Jahrzehnte in das Gedächtnis der Zuschauer eingebrannt. Dabei zieht der Film tatsächlich immer wieder ein paar Parallelen zu den Beatles, die am Ende ausgebrannt sowie nach anhaltenden Streitigkeiten inklusive dem verhassten Einfluss einer Yoko Ono das Handtuch warfen. 

Die Probleme beim Reisen beginnen oft bei der Einreise, wie Derek am eigenen Leibe erfahren muss. | 4K UHD

Was den Film neben seiner Herstellung auf 16mm-Material so glaubwürdig macht, ist die Tatsache, dass die drei Hauptdarsteller tatsächlich talentierte Musiker sind, die seitdem immer wieder zusammen als ihre Alter Egos aufgetreten sind. Den anderen Darstellern wurde beim Dreh lediglich grob Anfang und Ende einer Szene vorgegeben, alles dazwischen entstand vollständig intuitiv. Wüsste man nicht, dass es sich bei Spinal Tap um eine fiktive Band handelt, würde man nie annehmen, dass all das lediglich ein großes Schauspiel darstellt. Im letzten Jahr folgte eine später, aber leider etwas zahnlose Fortsetzung mit den deutlich gealterten Originaldarstellern und dem kürzlich so tragisch verstorbenen Rob Reiner, der wir uns in den kommenden Tagen natürlich ebenfalls widmen werden. This is Spinal Tap zählt zu den erfolgreichsten amerikanischen Filmen des Jahres 1984 und wurde aufgrund seiner kulturellen Bedeutung sogar im Nationalarchiv für die Ewigkeit konserviert – und das schaffen wohl nur ganz wenige Komödien.

Blondes Gift: Davids Freundin Jeannine mischt sich immer mehr in die Belange der Band ein. | 4K UHD

This is Spinal Tap zählt zu den erfolgreichsten amerikanischen Filmen des Jahres 1984 und wurde aufgrund seiner kulturellen Bedeutung sogar im Nationalarchiv für die Ewigkeit konserviert – und das schaffen wohl nur ganz wenige Komödien. Entstanden ist ein wahrhaftig zeitlos unterhaltsamer Film, auf den sich noch heute zahlreiche Bands beziehen. Zum Brüllen komisch, auf lustige Weise tragisch und mit viel guter Musik begleitet: Wenn es nur einen Film gibt, den man als Musikfan je gesehen haben muss, dann ist es ohne Frage dieser! 

Das Bild

Wie oben kurz erwähnt, wurde bewusst auf 16mm gedreht, um auch visuell den Eindruck einer echten Reisedokumentation zu erwecken. Dementsprechend kann man zu keinem Zeitpunkt von Referenzmaterial sprechen. Der Fokus lag hier nicht auf Qualität, sondern auf Glaubwürdigkeit. Schon die ab 2009 von STUDIOCANAL in Umlauf gebrachte Blu-Ray hinterließ herstellungsbedingt einen eher durchwachsenen Eindruck. Wankelmütig in Schärfe und Detailwiedergabe und mit allenfalls mittelmäßig kraftvollen Farben wie Kontrasten versehen, ist das Ergebnis unter professionellen Betrachtungspunkten wirklich kein Augenschmaus. Aber das will es ja auch gar nicht sein. Bewertet unter der kreativen Intuition dagegen liefert die Scheibe einen sehr authentischen Look, der durch seine sehr präsente Körnung allerdings nicht nur in dunkleren Sequenzen zu sichtbaren Unruhen neigt. 

Vorneweg: Die 4K UHD (Slider ←) ist in der Praxis nicht so dunkel, wie es die Bilder implizieren, was wieder einmal daran liegt, dass wir hier kein HDR abbilden können. Der Mehrwert in Sachen Auflösung und Farbdynamik im Vergleich zur Blu-Ray (Slider →) ist dennoch überdeutlich sichtbar. Dazu gibt's zu allen Seiten mehr Bildmaterial.

Ein Exemplar dieser Veröffentlichung zum Vergleich aufzutreiben, war gar nicht so leicht. Das Ding ist seit ewigen Zeiten vergriffen, Nachproduktionen gab es aufgrund eines langjährigen Streits um die Rechte zwischen Darstellern und Label nie – entsprechend teuer sind selbst gebrauchte Versionen. Zwar konnten wir tief im Archiv noch eine alte DVD finden, die wir vor vielen Jahren mehr schlecht als recht besprochen haben, aber um den gegenwärtigen Qualitätsanspruch gerecht zu werden, haben wir natürlich weder Kosten, noch Mühen gescheut. Die 4K UHD nutzt dasselbe neue Master, welches in den Vereinigten Staaten für die 41th Anniversay Edition aus dem letzten Jahr erstellt worden ist. Dem liegt ein frischer Scan in 4K vom ursprünglichen 16mm-Analogmaterial unter Mitverwendung eines 35mm-Interpositivs zugrunde, welches zudem umfangreiche Restauration erfahren hat. Dazu gibt es einen erweiterten Farbraum nach Rec.2020 inklusive Support für HDR10.

Die Blu-Ray (Slider →) wirkt stellenweise wie gefiltert, Hauttöne driften unnatürlich ins Pinke ab. Das bekommt die 4K UHD (Slider ←) besser - und vor allem natürlicher hin. Gemessen am Ausgangsmaterial, selbstredend.

Wenngleich der rustikale Look ganz bewusst erhalten blieb, offeriert die von Rob Reiner persönlich überwachte wie abgesegnete Neuauflage dennoch einige signifikante Verbesserungen. Die 4K UHD liefert in quasi jeder Einstellung mehr Definition. Hauttexturen und feine Details bei den langen Matten der Bandmitglieder werden gut sichtbar wiedergegeben, wo die bestehende Blu-Ray schon nicht mehr mithalten kann. Das ist wie gesagt weit weg von Referenzbereichen, trotzdem ist es erstaunlich, was aus dem Material alles herausgekitzelt werden konnte. Farbliche Highlights werden vor allem während der knalligen Konzertpassagen mit guter Sättigung dargestellt, bei den Hauttönen geht die Tendenz hin zu einem etwas gesünderen Rosa und driftet nicht mehr so unschön ins Rötliche ab. 

Noch ein Beispiel dafür, wie mies das Grading der Blu-Ray (Slider →) ist. Am von uns aus gesehen rechten Auge bilden sich aufgrund des schlechten Encodings sichtbare Unruhen. Die 4K UHD (Slider ←) ist in allen Belangen überlegen.

Hinzu kommt eine leicht bessere Differenzierung im Rahmen der Möglichkeiten einschließlich des gewollten Gesamteindrucks – zu sauber und modern soll das im Ergebnis schließlich auch nicht aussehen. Die allgegenwärtige Körnung bleibt im Rahmen der 4K UHD anhaltend sehr präsent, überstrahlt das Geschehen auflösungsbedingt jedoch nicht mehr ganz so aggressiv wie bisher, was die Laufruhe merklich verbessert. Und im Kontrastbereich liefert die Neuauflage kräftigeres Schwarz, während die Durchzeichnung in dunkleren Einstellungen verbessert wird. Positiv fällt außerdem die zurückgefahrene Helligkeit im Vergleich zu der teils sehr überstrahlungsanfälligen Blu-Ray auf. Kurzum: Eine richtig tolle Veröffentlichung – wenn man weiß, in welchen Erwartungsparametern man sich bewegen muss. 

Der Ton

Zwar wurde This is Spinal Tap seinerzeit auch auf Deutsch synchronisiert, allerdings nur als Overlay über den in der Lautstärke stark reduzierten englischen O-Ton gelegt. Schön klang das trotz Partizipation namhafter Synchrongrößen wie Hans-Georg Panczak nie und auch unter Fans erfreuten sich die hiesigen Vertonungsbemühungen nicht gerade großer Beliebtheit. Kein Wunder, dass STUDIOCANAL im Rahmen seiner Veröffentlichung komplett darauf verzichtete und die Scheibe ausschließlich mit der Originalspur samt optionaler deutscher Untertitel bestückte – die immerhin bereits im verlustfreien Masterformat DTS-HD MA 5.1

„Der hier geht bis 11.“ | 4K UHD

Für die Neuauflage ist man bei der Fassung geblieben, hat aber auch das deutschsprachige Overlay wieder integriert und zwar im Format DTS-HD MA 2.0, also einer Stereospur. Rein qualitativ ist die schon nicht das Gelbe vom Ei. Teils nuschelig, chronisch arm an Dynamik und leider auch etwas unmotiviert klingend, eignet sich das wirklich nur für jene, die kein Englisch beherrschen oder keine Lust haben, über längere Zeit Untertitel zu lesen. Die Raumklangvariante des O-Tons langt vor allem während der Konzertpassagen ordentlich zu und versprüht trotz ihres Alters allerbeste Live-Atmosphäre, sumpft allerdings in den Dialogen dazwischen etwas dahin, gerade die Dialoge hätten etwas lauter eingepegelt werden können. Die alternative englische Stereospur als dritter Kandidat im Bunde verhält sich dagegen genau umgekehrt. Man hat also die Qual der Wahl.

Die Extras

Bei so viel überwiegendem Lob kommt jetzt zum Schluss das große Ärgernis: Wo die 25th Anniversary Edition von STUDIOCANAL den Regler noch auf 11 gedreht und bis zum Rand voll mit tollen Extras bestückt hat, kommt die Neuauflage komplett ohne Boni daher. Gemessen am recht hohen Preis für eine Einzelveröffentlichung im einfachen Amaray ist das eine ziemliche Unverschämtheit und ein Schlag ins Gesicht für Fans, die so lange auf eine offizielle Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum warten mussten. 

„Auch nach der x-ten Sichtung treibt mir This is Spinal Tap immer noch Lachtränen ins Auge. Wenn die abgehalfterten Rocker von einer Katastrophe in die nächste taumeln und dabei permanent ihre völlige Unfähigkeit im Umgang mit ganz alltäglichen Belangen zur Schau stellen, ist das selbst über vierzig Jahre nach Erstveröffentlichung immer noch ein Genuss. Keine Frage: Der Urvater der Mockumentaries hat ich seinen Platz im Pantheon der amerikanischen Komödien mehr als verdient. Die endlich auch hier erhältliche 4K UHD bringt den Kultklassiker angemessen in die Moderne, ohne dabei seine handwerklichen Ursprünge und kreativen Intuitionen aufzugeben und stellt die bisher beste Auflage des Films dar. Den deutschen Ton kann man anhaltend vergessen, die komplette Abwesenheit von Extras ist dagegen eine absolute Frechheit.“


Quelle Bildmaterial: ©Sony Pictures Gmbh. Im Vertrieb von PLAION Pictures. All rights reserved.

Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von PLAION Pictures zur Verfügung gestellt worden.

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