4K UHD | Blu-Ray Remastered | Kill Bill – Volume 1

Totgesagte leben länger

Mit seinem ersten und bisher einzigen Zweiteiler verneigte sich Quentin Tarantino Anfang des neuen Jahrtausends ehrfürchtig vor den Jidai-geki und Spaghetti-Western, die sein Schaffen bis heute nachhaltig geprägt haben. Kill Bill – Volume 1 ist ein furioser Rausch voller Referenzen, dessen blutroter Bildreigen einen von Anfang bis Ende in einen aberwitzigen Adrenalinrausch versetzen. Nun gibt’s die Filme endlich auch hierzulande als 4K UHD und Blu-Ray Remastered – mit leider nicht immer perfekten Ergebnissen.

 Vertrieb: STUDIOCANAL

Erstveröffentlichung: 2003

Veröffentlichungstermin: 18. Dezember 2025

Darsteller: Uma Thurman, Lucy Liu, Daryl Hannah, Sonny Chiba, Michael Madsen und andere

Format: 4K UHD | Blu-Ray Remastered

Preis: ab 34,99€*

Altersfreigabe: Ab 18 Jahren

IMDB | Metacritic




Der Film

Der Hochzeitstag gilt als wichtigstes Ereignis im Leben eines Paares. Umso ärgerlicher, wenn das intime Ereignis mitten während der Trauungszeremonie von einem schwerbewaffneten Killerkommando gestürmt wird. Angeleiert wurde die Aktion vom geheimnisvollen Bill (David Carradine), der offensichtlich nicht allzu gut damit umgehen konnte, dass seine Ex – nämlich die namenlose Braut (Uma Thurman) – sich nach einer ungeplanten Schwangerschaft von ihren früheren Kameraden losgesagt hat und unter falschem Namen ein neues Leben beginnen wollte. Obwohl das diabolische Mastermind der grün und blau geprügelten Beinahe-Witwe höchstpersönlich eine Kugel in den Kopf jagt, überlebt die das Massaker wie durch ein Wunder und wacht erst vier Jahre später aus dem Koma auf – ohne Baby, aber dafür mit einer Menge Wut im Bauch. 

Den Tod vor Augen und das am Tag der Hochzeit: So übel zusammengeknüppelt wie die Braut wird man normalerweise nur beim Kampf um eine neue Spielekonsole auf dem Saturn-Parkplatz. | 4K UHD

Schnell zeigt sich, dass die rachsüchtige Braut nichts von ihren früheren Fertigkeiten verlernt hat. Fest entschlossen, mit ihren Peinigern und vor allem Bill als Kopf der Bande abzurechnen, fertigt sie eine Todesliste mit fünf Namen an, die sie nach und nach abarbeiten will. Und damit das möglichst stilsicher über die Bühne geht, lässt sie sich zunächst auf Okinawa ein Katana von dem legendären Schwertschmied Hattori Hanzi (Sonny Chiba) anfertigen, ehe es dann ohne Umwege weiter nach Tokyo geht. Dort hat die halb-chinesische, halb-japanische Amerikanerin O-Ren Ishii (Lucy Liu) mit tatkräftiger Unterstützung von Bill mittlerweile das Kommando über die lokale Yakuza erlangt. Dass die Braut immer noch unter den Lebenden weilt, hat sich unter den ehemaligen Mitgliedern des Attentatskommandos längst herumgesprochen. 

Im Garten vom Haus der Blauen Blätter kommt es zum Showdown zwischen O-Ren und der Braut. | 4K UHD

Richtig nervös macht O-Ren diese Tatsache allerdings nicht, denn gut geschützt von achtundachtzig schwertschwingenden Leibwächtern sowie der durchgeknallten Oberschülerin Gogo (Chiaki Kuriyama) fühlt sich die Mafiapatin unangreifbar. Ein schwerer Fehler, denn während einer Feier im Haus der Blauen Blätter fordert die Braut ihre ehemalige Kameradin zu einem blutigen Showdown heraus, an dessen Ende nicht nur jede Menge Überstunden auf die Totengräber warten, sondern auch jeder noch so versierte Tatortreiniger resigniert das Handtuch werfen dürfte…

Die Rezension

Blut, Schweiß und Füße – all das und mehr kann man erwarten, wenn Quentin Tarantino ans Werk geht. Mit Kill Bill hat der leidenschaftliche Cineast eine Idee umgesetzt, die ihm und seiner ewigen Muse Uma Thurman bereits seit den Dreharbeiten zu Pulp Fiction im Kopf herumgeisterte und über die Jahre so langsam heranreifte wie ein guter Wein. Primär inspiriert von dem japanischen Kultklassiker Lady Snowblood sind neben klassischen Samuraifilmen aber auch deutliche Einflüsse aus den Genres Blaxploitation und Western erkennbar. Tarantino gelang es dabei wie immer eindrucksvoll, bekannte Elemente so miteinander zu kombinieren, dass daraus etwas ganz und gar eigenes entsteht. Dass die grundlegende Geschichte alles andere als neu ist, vergisst man im Angesicht der durchgehend brillanten Umsetzung schnell. 

Gogo Yubari verteidigt ihre Herrin mit aller Macht – und einer gehörigen Prise Wahnsinn. | 4K UHD

Tarantino nimmt sich Zeit für seine Charaktere, fordert einem aufgrund der nicht chronologischen Erzählweise aber auch regelmäßig eine besondere Aufmerksamkeit ab. Dabei wurde viel Wert darauf gelegt, die bis zum zweiten Teil bewusst namenlose Titelfigur bereits innerhalb der ersten Minuten als unumstößliche Sympathiefigur zu etablieren. Deren Martyrium erlebt man als Zuschauer aus nächster Nähe mit, der scheinbare Verlust des Kindes kommt als erschwerender Faktor hinzu. So wird sichergestellt, dass jede noch so blutige und gnadenlose Handlung der Braut – und von denen gibt es so einige – stets gerechtfertigt erscheint. Uma Thurman zeigt sich hier nach ihrer ersten, bereits absolut ikonischen Zusammenarbeit mit Tarantino in der Rolle ihres Lebens und stemmt das Werk fast im Alleingang auf ihren Schultern. Aber auch der restlichen Rollen wurden bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt, vor allem Lucy Liu hat sichtbar Freude, aus ihrem damaligen Rollenschema als Sweetheart ausbrechen zu dürfen und spielt die O-Ren mit wunderbarer Konsequenz, während Daryl Hannah und David Carradine zumindest aus dem Hintergrund erahnen lassen, was dem Zuschauer im zweiten Teil noch blühen wird. 

Der Schwarz-Weiß-Filter greift auch hier. Die wirklich unzensierte Schlacht gibt’s nur in der frischen Komplettfassung. Einen Veröffentlichungstermin im Heimkino hat die aber noch nicht. | 4K UHD

Die monatelange Vorbereitungen in Sachen Sprache, Kampfsport und Waffenhandhabung tragen immens zur Glaubwürdigkeit der hier zentralen Figuren bei, denen gleichzeitig eine nachvollziehbare Verletzlichkeit innewohnt, die das ganze Spektakel zwischendurch immer wieder erdet. Maßgeblich dazu beigetragen haben dürfte auch die Tatsache, dass Thurman kurz zuvor selbst erneut Mutter geworden war. Gefühle, die in die emotionaleren Momente des Films ganz sicher eingeflossen sind. Bei allem, was den Film ausmacht, bleibt den allermeisten Fans trotzdem am ehesten der kultige Showdown im Haus der Blauen Blätter in Erinnerung. Dieser extrem blutige und lange Klimax kann nur als Meisterstück des Kinos bezeichnet werden. Choreographiert von niemand geringerem als dem legendären Yuen-Woo Ping, der sein Können bereits bei Matrix eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, fusionieren hier Elemente des klassisch-chinesischen Wuxia-Genres mit dem traditionell-japanischen Jidai-geki zu den Klängen lateinamerikanischer Rhythmen. 

Hattori Hanzo hat das Schwertschmieden aufgegeben und betreibt mittlerweile ein kleines Restaurant. Die Braut hat die richtigen Argumente parat, um den legendären Handwerker aus dem Ruhestand zu zwingen. | 4K UHD

Was auf dem Papier unvereinbar klingt, entfaltet in der Praxis eine derart fantastische Harmonie, dass man sich als Zuschauer gar nicht traut, auch nur ein einziges Mal zu blinzeln, um bloß keinen Moment zu verpassen. Dass uns ein Großteil dieser blutroten Ästhetik im Angesicht eines Schwarz-Weiß-Filters entgangen ist, kann man nur als Ärgernis bezeichnen. Über die Motive dahinter ist lange Zeit gestritten worden, bis Tarantino letztendlich selbst enthüllte, warum er sich damals für diesen Schritt entschied: Zum einen hatte er große Bedenken bezüglich der Zensur, die in zahllosen Ländern besonders streng auf übermäßige Gewaltdarstellung reagiert, zum anderen hielt er das Publikum außerhalb Japans – wo die dazugehörigen Effekte inklusive Blutfontänen und Co. als Stilmittel bekannt und entsprechend akzeptiert waren – für zu sensibel. Erst mit der lange angekündigten und im Dezember letzten Jahres endlich veröffentlichten Komplettfassung des Films unter den Titel The Whole Bloody Affair wurde diese Änderung rückgängig gemacht.

Anime trifft Hollywood: Die Hintergrundgeschichte von O-Ren Ishii wird in Form mehrerer Sequenzen nacherzählt – für 2003 absolut revolutionär! | 4K UHD

Die hier vorliegende Neuauflage ist davon allerdings nicht betroffen, hier ist der bekannte Filter also weiterhin enthalten. Aber auch so macht es anhaltend einen Heidenspaß, die von Tarantinos langjährigem Kameramann Robert Richardson eingefangene Szene zu sehen. Apropos Sehen: Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass sich ein stetiger Kontinuitätsfehler durch den gesamten Film zieht, bei der sich Frisur und Haarlänge der Braut regelmäßig zu ändern scheinen. Als richtiger Kritikpunkt geht das natürlich nicht durch. Sehr wohl aber die Tatsache, dass der Film mit knapp hundertsechs Minuten Laufzeit etwas unausgegoren in seinem Tempo daherkommt. Nach der actionreichen Eröffnungssequenz wird es nämlich erstmal für lange Zeit ziemlich ruhig. Nicht ereignisarm, nur ruhig, ehe das gesamte Pulver dann in einer langen Sequenz verfeuert wird. Das hätte man für meinen Geschmack etwas ausgeglichener gestalten können. Zwar tragen die ruhigen Momente viel zur Charakterbildung bei und legen wichtige Fundamente für das Sequel, trotzdem macht sich während dieser Zeit irgendwie eine gewisse Unruhe in einem breit.

Das Gesicht von Bill bekommt man als Zuschauer erst im zweiten Teil zu Gesicht. Bis dahin hält sich der Mann an der Spitze dezent im Hintergrund. | 4K UHD

Am Ende bleibt Kill Bill – Volume 1 aber einer der auffälligsten Einträge in der Vita von Quentin Tarantino. Der völlig überzeichnete Mix aus mehreren Genres ist ein typischer Vertreter eines neuen und überwiegend farbenfrohen Jahrtausends, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, sondern einfach gut unterhalten will. Eine bild- und charaktergewaltige Tour de Force, blutgetränkt und mit typisch trockenem Humor angereichert. Ein Sinnbild dafür, was entsteht, wenn man einen leidenschaftlichen Filmfan in einen Sandkasten setzt und sagt: „Sei kreativ, mach was du willst“. Das Ergebnis unterhält heute so gut wie damals, wenn man weiß, worauf man sich einlässt: Nicht mehr und nicht weniger als einen wahnwitzigen, grellbunten Trip in den extrovertierten Geist seines Schöpfers.

Blu-Ray Remastered und 4K UHD: Das Bild

Obwohl digitale Produktionsprozesse zu Beginn des Millenniums noch in den Kinderschuhen steckten, wurde der vollständig auf 35mm-Analogmaterial hergestellte Film als Digital Intermediate gefinished – und zwar in 2K. Auf deren Basis wurden später auch die entsprechenden Heimkinoveröffentlichungen erstellt, wobei HD-DVD und Blu-Ray natürlich noch einige Jahre auf sich warten ließen – und wir mittlerweile natürlich wissen, welches der beiden Formate das Rennen gemacht hat. Zieht man die bestehende und über die Jahre immer wieder unverändert neu aufgelegte Blu-Ray nun erneut heran, hinterlässt die keinesfalls einen guten Eindruck. Nicht aufgrund schlechter Detailwiedergabe, die gemessen am Alter der Herstellung überwiegend tatsächlich okay ist, sondern aufgrund massiver Probleme bei Helligkeit und Farbsättigung. Schon während der in Schwarz-Weiß gehaltenen Eröffnungsszene fällt auf, wie krass das Gesicht von Uma Thurman überstrahlt. 

Gut zu sehen, wie heftig die alte Blu-Ray (Slider →) hier aus dem Hintergrund überstrahlt. Das händelt die 4K UHD (Slider ←) deutlich souveräner und augenschonender. Viel interessanter ist das komplett entstellte Gesicht der Braut, wo mehr als deutlich wird, wie heftig das leider wiederverwertete Master seinerzeit durch die Filtermaschine gejagt worden ist. Entsprechend wenig verwunderlich, dass die Neuauflage in Sachen Detailwiedergabe allenfalls einen minimalen Mehrwert offeriert.

Wenn die Braut nach dem Abspann dann vor dem Haus der Familie Bell vorfährt, wird man vom Horizont komplett erschlagen. Sämtliche Nuancen wurden getilgt. Gleichzeitig werden die Farben viel zu übersättigt wiedergegeben. Alleine beim Grün vor dem Haus fühlt man sich eher an einen LSD-Trip erinnert, weniger an eine ausbalancierte und realitätsnahe Kolorierung. Wer den Film damals im Kino gesehen hat weiß, dass das ganz sicher keine stilistische Entscheidung gewesen ist. Diese beiden zentralen Probleme ziehen sich durch den kompletten Film. Und weil die Blu-Ray gar nicht dazu imstande ist, diese Farbintensität innerhalb ihres regulären Farbrahmens zu stemmen, entstehen auf den dazugehörigen Flächen regelmäßig dramatische Unruhen bis hin zu deutlich wahrnehmbaren Artefakten. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Körnung über weite Strecken auffallend unnatürlich rüberkommt. 

Fußfetischisten, zügelt euch! Dieser Vergleich soll nur verdeutlichen, dass die Farbpaletten bei der alten Blu-Ray (Slider →) und der Neuauflage - hier in Form der 4K UHD (Slider ←) identisch sind. Ebenso wird herausgearbeitet, wie gering der Auflösungsunterschied tatsächlich ist - was im Angesicht des identischen Masters niemanden überraschen sollte.

Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass Tarantino den Film auf verschiedenem Filmmaterial gedreht hat und am Ende doch lieber einen etwas einheitlicheren Look bevorzugt hat. Das hier in der Konsequenz stellenweise ordentlich nachgefiltert worden ist, dürfte nicht nur Puristen rasch auffallen und wird spätestens dann klar, wenn die Braut beim Übergang zum finalen Gefecht mit O-Ren Ishii teils seltsam ins Bild reinkopiert rüberkommt. Nur in wenigen Einstellungen wirkt das Filmkorn ursprünglich und natürlich, aber in den allermeisten Momenten hat man mehr das Gefühl, dass es sich anormal im Vordergrund bewegt und künstlich erzeugt worden ist. Im Ergebnis keineswegs schön anzusehen. Gleiches gilt für das ebenfalls nachbearbeitungsbedingte Ghosting, wodurch sich öfter mal deutlich wahrnehmbare Schlieren durchs Bild ziehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Das kann man viel besser machen!

Hier nochmal: Identische Paletten, aber sowohl Helligkeit als auch Farbsättigung wurden für die 4K UHD (Slider ←) dramatisch normalisiert, wo einen die alte Blu-Ray (Slider →) zum Tragen einer Sonnenbrille nötigt.

Oder sagen wir lieber, man könnte. Denn leider beseitigt die hier besprochene Neuauflage in Form der Blu-Ray Remastered und 4K UHD anhaltend nicht alle dieser gravierenden Probleme und ist damit identisch zu den von Lionsgate in den Vereinigten Staaten vertriebenen Fassungen vom Januar letzten Jahres. Während für die meisten anderen Filme von Quentin Tarantino ein sehr viel höherer Aufwand bei der Aufbereitung des bestehenden Materials betrieben worden ist – man erinnere sich nur an den genialen 4K-Transfer von Reservoir Dogs – hat man hier darauf verzichtet, einen neuen Scan vom ursprünglichen Material anzufertigen und stattdessen abermals das bestehende 2K-DI genutzt. Dabei wäre es aufgrund der überwiegend praktischen Effekte sicher nicht mit viel Aufwand verbunden gewesen, den Film komplett neu abzutasten. So profitiert die Blu-Ray Remastered, die ihren Namen eigentlich kaum verdient, lediglich von ausgeglicheneren Farben und einer drastisch reduzierten Helligkeit in den bereits beklagten Bereichen. Ja, das ist eine wichtige Verbesserung, aber eben weit weg von einer Offenbarung. 

Wie heftig die alte Blu-Ray (Slider →) überstrahlt, sieht man hier noch mal sehr gut: Von der Deckenlampe bis zum Boden und dem ausblutenden Rottönen ist hier wirklich alles dabei, was das anspruchsvolle Auge zum Weinen bringt. Die 4K UHD (Slider ←) bietet in sämtlichen Belangen das ausgeglichenere Bild. Nicht ganz framegenau leider, aber doch akkurat genug. Praktikanten...

Ein minimal besseres Encoding kommt dazu, gelegentlich lassen sich ein paar bisher unbemerkte Details ausmachen, dafür bleiben Ghosting und eine weitestgehend unnatürliche Körnung. Die dazugehörige 4K UHD skaliert das bestehende Material lediglich hoch, Unterschiede zur Blu-Ray muss man in Punkto Detailwiedergabe mit der Lupe suchen. Der erweiterte Farbraum nach Rec.2020 inklusive Support für HDR10 und Dolby Vision resultieren in einer etwas besseren Farb- und Kontrastdynamik, große Sprünge werden in diesen Bereichen jedoch ebenfalls nicht erzielt. Das stimmt mich im Ergebnis wirklich traurig und lässt mich enttäuscht zurück. Hier wäre mit etwas mehr Mühe so viel mehr möglich gewesen. Dass man potenzielle Konsumenten gerade bei Tarantino mit einer insgesamt derart lieblosen Veröffentlichung abspeist, sorgt für die erste große Enttäuschung im noch jungen Jahr 2026. Als Upgrade zur Erstauflage eignet sich ein Kauf wirklich nur dann, wenn man es bisher im Angesicht der übermäßig knalligen Farb- und Beleuchtungskulisse aufgrund tränender Augen nicht bis zum Abspann geschafft hat. Schade.

Blu-Ray Remastered und 4K UHD: Der Ton

Die alte Blu-Ray kam seit jeher nur mit komprimiertem DTS 5.1, für die Neuauflage spendiert STUDIOCANAL eine verlustfreie Masterspur auf Basis gleicher Ausgangsbedingungen – und zwar sowohl für die deutsche Sprachausgabe wie auch die englische Originalfassung sowie die französische Tonspur. Und die sind allesamt zunächst eine gute Ecke zu leise abgemischt worden. Gute sechs Dezibel musste ich an der Heimkinoanlage nach oben justieren, um das auszugleichen, wobei der englische Ton sogar noch einen zusätzlichen Ticken leiser rüberkommt. Ist das erstmal erledigt, verweilt der Film lange Zeit im frontlastigen Bereich, was auch die begleitende Musik miteinschließt. 

Elle steht ihrem geliebten Bill in Sachen Grausamkeit in nichts nach und würde die Braut gerne schon auf dem Krankenbett meucheln. | 4K UHD

Erst während der ersten Anime-Sequenz ist mit den deutlich zur Seite wegfallenden Patronenhülsen ein wahrnehmbarer Raumeffekt hörbar. Ab da bleibt die räumliche Kulisse aber bis zum Schluss präsent, wobei die Szene im Haus der Blauen Blätter natürlich das dominanteste Beispiel darstellt. Dann kann man sich vor den Geräuschen klirrender Klingen, schreiender Schergen und wuchtiger Schlaggeräusche jedoch kaum noch retten und auch musikalisch erweitertet sich die Szenerie mehr in den Raum, statt anhaltend im Vordergrund zu verweilen. Die Dialoge sind nach Anpassung durchgehend gut verständlich. 

Schattenspiele wie diese bekommt man sonst nur in einem guten Kabuki-Theater zu sehen. In dieser Form macht’s aber viel mehr Spaß! | 4K UHD

Im Fazit leidet die Klangkulisse damit unter demselben Problem des eigentlichen Films, nämlich an einem unstetigen Tempo. Man muss eingestehen, dass es in den zu beanstandenden Szenen nur wenige Optionen für echte Räumlichkeit gibt und man alles andere wieder als künstlich hätte kritisieren müssen. Die Highlights sind richtig gesetzt worden, Präsenz ist mehr als genug vorhanden, nur der Subwoofer könnte hin und wieder etwas mehr zulangen. Für einen über zwanzig Jahre alten Film und gemessen an der Tatsache, dass man hier ebenfalls auf bestehendes Material zurückgegriffen hat – weil es im Direktvergleich zwischen Erst- und Neuauflage keine wahrnehmbaren Unterschiede bei der Abmischung gibt – geht das Gebotene definitiv in Ordnung.

Die Extras

Eher mager sieht’s dagegen beim Bonusmaterial aus, welches identisch zu den bestehenden Extras früherer Veröffentlichungen ist und ausschließlich an Bord der beigelegten Blu-Ray Remastered zu finden ist. Herzstück bleibt das etwas über zwanzig Minuten lange Making-of, welches zahllose interessante Einblicke in den schwierigen Herstellungsprozess gibt, wobei Cast und Crew ausführlich zu Wort kommen und vor allem Tarantino selbst noch das ein oder andere spannende Detail entlockt werden kann. Die im Film prominent platzierte japanische Band The 5, 6, 7, 8’s wird nochmal mit einem kurzen Featurette bedacht, der Rest setzt sich aus Trailern in Standardauflösung zusammen. 

Ihr kennt ja das alte Sprichwort: Lieber arm dran, als Arm ab. Greift in dem Fall wohl nicht. | 4K UHD

Ausgeliefert wird das Ganze gegenwärtig ausschließlich in einem Steelbook, wobei mir das Motiv jedoch nicht sonderlich gut gefällt. Das ist wie immer Geschmackssache, mit dem Originalplakat hätte man vielen Fans aber sicher eine größere Freude bereitet, weil sich das hier gewählte Cover für meinen Geschmack einfach zu weit von der ursprünglichen Gestaltung entfernt. Vierzig Euro werden dafür fällig, das Kontingent ist allerdings bei vielen Händlern bereits ausverkauft, STUDIOCANAL wird erst in über einem Monat entsprechende Fassungen im Keep Case nachreichen – die übrigens wieder mit ganz eigenen, aber wie ich finde deutlich gelungeneren Titelmotiven. 

„Kill Bill ist für mich ein Stück Jugend. Der erste Tarantino, den ich je gesehen habe, hat mich seinerzeit vor allem aufgrund seiner Brutalität komplett umgehauen. Viele Jahre später betrachte ich den Film natürlich in einen ganz anderen Licht, besonders die vielen Nuancen und Refererenzen lassen den Film in einem ganz anderen Licht erscheinen. An dem grandiosen Unterhaltungswert hat sich dagegen nichts geändert, lediglich kleinere Schwächen im Tempo muss man der sonst so visuell überwältigen Tour de Force vorhalten. Umso ärgerlicher, dass die längst überfällige Neuauflage mit solcher Inkonsequenz bei der technischen Umsetzung aufwartet. Viele bestehende Probleme der Erstauflage hat man inklusive Master einfach übernommen, während die tatsächlichen (und absolut nötigen) Verbesserungen in der Summe zu gering sind, um einen dramatischen Unterschied auszumachen. Da es sich bei Ton und Extras ähnlich verhält, sollte man sich den Kauf selbst als Fan gut überlegen oder zumindest auf die günstigeren Zweitauflagen im Frühjahr warten.“


Quelle Bildmaterial: ©STUDIOCANAL GmbH. All rights reserved.

Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von STUDIOCANAL zur Verfügung gestellt worden.

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