Bühne frei für eine Sci-Fi-Komödie der besonderen Art. In seinem neuesten Film greift Ausnahmetalent Giorgos Lanthimos nicht nur ein paar der wildesten Verschwörungstheorien unserer Zeit auf, sondern inszeniert mit Burgonia auch ein gleichermaßen packendes wie verstörendes Psychoduell zwischen seinen Hauptdarstellern. Pünktlich zu den diesjährigen Oscars© gibt’s den Film jetzt auch als Blu-Ray und 4K UHD.


Vertrieb: Universal Pictures via PLAION Pictures
Erstveröffentlichung: 2025





Der Film
Trotz ihres noch recht jungen Alters hat Michelle Fuller (Emma Stone) in ihrer Karriere bereits alles erreicht. Als Vorstandsvorsitzende der weltweit agierenden Pharmafirma Auxolith steht die stets perfekt durchgestylte und minutiös organisierte Frau ganz weit oben im Machtgefüge. Was für viele ein Traum ist, wandelt sich eines Tages zum Albtraum, als Michelle von den beiden Verschwörungstheoretikern Teddy (Jesse Plemons) und dessen authistischem Cousin Don (Aidan Delbis) entführt wird. Fest davon überzeugt, dass Michelle einer Rasse Außerirdischer – den sogenannten Andromedanern – angehört, welche die Menschheit insgeheim zu Gedankensklaven machen will und zudem für das zunehmende Sterben der Honigbienen verantwortlich sind.

Damit sie durch ihre Haare keinen Kontakt zu ihrem Volk aufnehmen kann, wird Michelle der Kopf kahlgeschoren, außerdem wird ihr gesamter Körper mit einem Antihistaminikum eingerieben. Festgehalten im Keller eines heruntergekommenen Anwesens reagiert die Gefangene zunächst mit stoischer Ruhe auf ihr Martyrium. Nicht nur bewandert in Chemie, sondern auch in Psychologie, versucht sie die beiden Hinterwäldler zunächst erfolglos gegeneinander auszuspielen. Ein stetiges Ringen um die Kontrolle beginnt, in dessen Rahmen Michelle Teddys Wahnvorstellungen geschickt zu füttern versteht und nach einiger Zeit in den oberen Teil des Hauses gelassen wird. Mittlerweile ist auch die lokale Polizei auf der Suche nach der als Vermisst gemeldeten Managerin.

Teddy verlangt von Michelle, innerhalb von vier Tagen ein Treffen mit dem andromedanischen Kaiser auszuhandeln, dessen Mutterschiff im Schatten einer anstehenden Mondfinsternis unbemerkt in den Erdorbit eindringen soll. Gleichzeitig erhofft er sich von den Außerirdischen ein Heilmittel für seine komatöse Mutter Sandy (Alicia Silverstone), die nach einem Medikamententest unter Verantwortung von Auxalith ins Koma gefallen ist. Als das Psychospiel immer drastischere Ausmaße annimmt und es in Folge zu ersten Toten kommt, verschwimmen auch die Grenzen des Glaubhaften zusehends. Ist Teddy wirklich nur ein gemeingefährlicher Spinner…oder etwa doch einer ganz großen Sache auf der Spur?
Die Rezension
Wenn wir einmal ganz ehrlich sind, werden Filme wie Bugonia nicht für den Massenmarkt gemacht, sondern einzig und allein zu dem Zweck, möglichst viele Preise zu gewinnen. Hier haben wir es nicht mit einem Originaldrehbuch zu tun, sondern stattdessen mit einem Remake des südkoreanischen Werks Save the Green Planet! von Jang Joon-hwan aus dem Jahr 2003, der anfänglich auch für die Regie vorgesehen war, ehe er sich aus gesundheitlichen Gründen auf den Posten des Produzenten zurückzog. Mit dem gebürtigen Griechen Giorgos Lanthimos wurde jedoch ein passender Ersatz verpflichtet. Mit dem zwei Jahre zuvor veröffentlichten Poor Things hatte der Regisseur bereits zahlreiche Preise eingeheimst. Dessen surrealer Stil eignet sich perfekt für einen Stoff wie Bugonia, in dessen Verlauf der Zuschauer zunehmend dazu angehalten wird, die Geschehnisse immer wieder selbst zu hinterfragen.

Knapp zwei Stunden ist man als solcher dicht dran am Martyrium einer wieder einmal fantastisch aufspielenden Emma Stone, die sich auf beängstigend-subtile Weise an ihren Peinigern zu rächen beginnt, anstatt sich mit direkter Brutalität einen Weg in die Freiheit zu bahnen. Diese anhaltende Selbstbeherrschung in Kombination mit präziser Mimik und Gestik kann einem ganz schön Angst machen und wirft ganz bewusst sehr zeitnahe die Frage auf, ob Michelle nicht wirklich von einem anderen Planeten entstammen könnte. Stone gelingt es, sowohl die mentalen als auch die körperlichen Aspekte ihrer Figur so meisterhaft nach außen zu tragen, dass man bis zuletzt nicht weiß, wie die ganze Sache enden wird. Was dann letztendlich passiert, kann man wahlweise als künstlich und forciert betrachten, alternativ aber auch irgendwie als ein friedliches, verdientes Finish. Das bleibt der individuellen Interpretation überlassen und hat mir ganz wunderbar gefallen.

Eindeutiger Star der Show ist aber anhaltend Jesse Plemons. Der lange Zeit als Matt-Damon-Doppelgänger belächelte Darsteller hat in den letzten Jahren mit nahezu jedem bedeutsamen Regisseur der Neuzeit zusammengearbeitet und dabei jedes Mal preisverdächtig abgeliefert. Da erscheint es mir vollkommen unverständlich, wieso Plemons bei den diesjährigen Oscars© wieder einmal nicht bedacht worden ist. Ja, auch Emma Stone verdient eine Nominierung für ihre Leistung, das ist keine Frage. Aber was der Texaner hier abliefert, ist einfach nur sensationell! Fast hat man den Eindruck, seinen Charakter riechen zu können. Das alleine verdient natürlich noch keine Auszeichnung, sehr wohl aber die Tatsache, dass es ihm gelingt, eine feine Balance zwischen Wahnsinn und bemitleidenswertem Idioten zu erschaffen, die einen förmlich dazu zwingt, jenes Schwarz-Weiß-Denken zu durchbrechen, in das einen der Film mit viel Freude im Rahmen der ersten halben Stunde hineintreibt.

Gerne noch mehr hätte ich von Aidan Delbis gesehen, der sich als geistig minderbemittelter Cousin für weitere, hochkarätige Produktionen empfiehlt. Untermalt von den genialen Stücken aus der Feder von Komponist Jerskin Fendrix, die maßgeblich zum Spannungsaufbau beitragen und dem Charakter des Films ganz bewusst eine zusätzliche, eher fremdartige Komponente hinzufügen, ist Giorgos Lanthimos und seinem Team erneut ein bildgewaltiger Fiebertraum gelungen, bei dem das Zusehen nicht selten wehtut. Und doch möchte ich an dieser Stelle nochmal zurück zu meinen anfänglichen Bemerkungen wandern, denn so gut das in der Summe auch sein mag, so wohlkalkuliert ist es eben auch. Das Komödiantische wird ein waschechter Verschwörungstheoretiker kaum erkennen, sondern sich eher in seinem Glauben bestärkt fühlen, während man als jemand bei klarem Verstand wahrscheinlich Schwierigkeiten haben wird, die Charaktere nachzuvollziehen.

Die gelegentlich eingestreute Kritik an Großkonzernen und Pharmaunternehmen geht schnell komplett unter, lediglich die gesellschaftskritischen Aspekte bleiben universaltauglich. Bugonia reckt sich in Richtung vieler verschiedener Ebenen, kann jedoch nicht auf allen vollständig überzeugen. Wie erwähnt ist es schlicht kein massentauglicher Film, was sich auch in den enttäuschenden Einspielergebnissen widerspiegelt. Nicht einmal die fünfundvierzig Millionen Dollar Produktionskosten konnte der Film wieder reinholen, dafür regnet es gute Kritiken und Goldpokale. So sehr ich Bugonia aus darstellerischer und handwerklicher Perspektive empfehlen möchte, stelle ich mir am Ende doch die Frage: Welchen Sinn hat das Ende der Welt, wenn keiner kommt, um dabei zuzusehen?
4K UHD und Blu-Ray: Das Bild
Bugonia wurde vom irischen Kameramann Robbie Ryan vollständig analog auf 35mm-Material gedreht, mit weitem Abstand kamen uralte Modelle der Marke VistaVision zum Einsatz, die von Paramount Pictures bereits 1954 für extrem hochauflösende Aufnahmen entwickelt und zuletzt auch bei dem nicht minder von der Kritik gefeierten One Battle after Another genutzt wurden. Mitunter wurden Szenen gleich mit mehreren zeitgleich laufenden Kameras gedreht, da die Systeme im Ruf stehen, gerne mal selbstständig herunterzufahren. Als alter Cineast finde ich das natürlich ganz großartig, dass die analoge Herstellung für die Filmemacher langsam wieder interessant wird – gerade, weil ich diese blitzsauberen Digitalproduktionen leidenschaftlich verabscheue.
Was zuerst erwähnt werden sollte ist, dass der Film im Heimkino wie schon auf der großen Leinwand im stilistischen Bildformat 3:2 ausgegeben wird. Dementsprechend gibt es am linken und rechten Bildrand dicke Balken. Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber es untermalt den klaustrophobischen Kammerspielcharakter des Films exzellent. Die dazugehörige Blu-Ray kann sich bereits absolut sehen lassen und löst sowohl in Nahaufnahmen wie auch in Halbtotalen sehr gut auf. Manche Shots gehen gar in Richtung Referenzmaterial, andere fallen dagegen herstellungsbedingt eher soft aus. Wo Jesse Plemons Haar anfänglich den Eindruck erwecken lässt, dass hier nachgefiltert worden sein könnte, würde ich doch eher sagen, dass seine Rolle einfach extrem ölige Haare hat. Farblich dominieren erdige Paletten mit hoher Sättigung. Während Außenaufnahmen eher Richtung Grün tendieren, gibt es innerhalb des Hauses eine krasse Verschiebung ins Gelb-Orange.
Ähnlich wie zuletzt bei The Toxic Avenger haben wir es hier also mit einem hochgradig stilisierten Film zu tun, der die krassen Farben ganz bewusst nutzt, um auch optisch eine Parallelwelt für die Zuschauer zu erschaffen. Die Schwarzanteile fallen durchgehend kraftvoll aus, neutrale Flächen werden dafür immer nur solange mit solider Neutralität wiedergegeben, wie die dazugehörige Einstellung außerhalb des Hauses spielt. Begleitet wird das alles von einer sehr feinen, authentisch rüberkommenden Körnung. Zu einem seltsamen Problem kommt es lediglich bei Minute 57:57 innerhalb der Schwarz-Weiß-Rückblende: Unterhalb des schwebenden Körpers der Mutter fehlt nämlich sämtliches Filmkorn und auch ein sichtbarer Teil links davon versumpft komplett im Matsch. Da die 4K UHD unter demselben Problem leidet, muss man hier von einem Fehler beim Mastering ausgehen, denn wirklich gewollt sein kann das eigentlich nicht.
Und wo wir schon bei der 4K UHD sind: Die löst nativ auf und wurde neben einem erweiterten Farbraum nach Rec.2020 auch mit Support für HDR10 versehen. Anders als bei vielen anderen Produktionen der jüngeren Zeit wird der Auflösungsbonus überdeutlich und ist in vielen Momenten Referenzmaterial innerhalb des Mediums, wo die Blu-Ray entsprechende Momente für ihres offeriert. Selbst kleinste Feinheiten werden derart messerscharf ausgegeben, dass man nicht nur einzelne, abstehende Haare perfekt erkennen kann, sondern sogar die einzelnen Schweißperlen mühelos zählen kann. Außenaufnahmen des Hauses bestehen mit dramatisch besserer Zeichnung und die bereits sehr feine Körnung wird über die 4K UHD ebenfalls nochmal besser dargestellt. Leider eben nicht durchgehend, da es wenig überraschend auch hier anhaltend weichere Shots gibt.
Schwarzanteile werden wie auch die Farben weiter intensiviert, wobei die Scheibe mit besserer Farbdynamik und Differenzierung zusätzliche Pluspunkte einheimst. Die leichte Überstrahlungsanfälligkeit der Blu-Ray innerhalb der Schwarz-Weiß-Szenen wird vollständig beseitigt. In meinen Augen ein bemerkenswertes Upgrade, dass sich absolut lohnt. Käufer der Blu-Ray dürften angesichts der guten Ergebnisse aber auch mit der etwas abgespeckten Variante viel Freude haben.
4K UHD und Blu-Ray: Der Ton
Obwohl PLAION Pictures mittlerweile das Publishing für Universal Pictures im DACH-Raum übernehmen, hat sich an der Ausgangslage leider nichts geändert, denn Dolby Atmos gibt’s weiterhin nur für den englischen Originalton, während die Synchronfassung immerhin als verlustfreie Masterspur im Format DTS-HD MA 5.1 vorliegt. Das ist in diesem speziellen Fall jedoch ausnahmsweise nicht weiter dramatisch, da sich die zusätzliche Höhenebene im O-Ton bis zum Ende allenfalls in Form von ein wenig Bienensumm bemerkbar macht und wirklich erst auf die letzten Meter ein paar brauchbare Lebenssignale sendet. Der Großteil des Films findet akustisch ausschließlich auf der regulären Ebene statt.

Die Abmischung stellt Dialoge klar in den Vordergrund, weswegen die Stimmverständlichkeit durchgehend makellos ist. Wenn dann der Soundtrack zunehmend das Narrativ begleitet, wartet der mit ähnlich toller Dynamik und Kraft auf. Das macht vor allem dann richtig Spaß, wenn man sich den Film über eine gut kalibrierte Heimkinoanlage gönnt. Speziell der Subwoofer greift in den dazugehörigen Szenen mächtig zu und bringt das heimische Wohnzimmer regelmäßig zum Beben. Die englische Spur ist wie so oft einen Ticken leiser abgemischt, viel nachjustieren muss man im Angesicht der rundherum gelungenen Ausgangslage aber nicht.
Die Extras
Neben einem knapp bemessenen Blick hinter die Kulissen und ein paar Trailern wird das Herzstück des Bonusmaterials von einem Making-of gebildet, bei dem es sich allerdings mehr um eine Sammlung von Interviews mit Cast und Crew handelt. Und die haben natürlich nichts anderes als Lob für den Regisseur und die jeweiligen Kollegen übrig. Richtig interessant ist das alles nicht, entsprechend enttäuschend und schnell lässt sich das Segment abschließen.

„Bugonia ist einer dieser wenigen Filme, die mich gleichermaßen positiv wie negativ sprachlos zurückgelassen haben – wobei das Positive zum Glück überwiegt. Kinematographie und Darsteller sind durchgehend brillant, daran gibt es gar nichts zu meckern. Allerdings gelingt es Regisseur Lanthimos und seinem Drehbuchautor Will Tracy im Rahmen ihres Remakes nicht durchgehend, sämtliche Ebenen nachvollziehbar miteinander zu verbinden. Vieles wirkt zudem unnötig formelhaft, über das Ende lässt sich locker stundenlang streiten. Sehenswert ja, aber nicht um jeden Preis. Blu-Ray und 4K UHD hinterlassen da schon eher einen bleibenden Eindruck – wenn man sich mit dem hochgradig stilisierten Bild arrangieren kann. Für eine Herstellung auf 35mm-Analogmaterial ist es in jedem Fall ein eindrucksvolles Showcase, wenn auch kein makelloses. Der Ton ist klasse, lediglich beim dünnen Bonusmaterial enttäuscht die Heimkinoveröffentlichung.“

Quelle Bildmaterial: ©Universal Pictures Gmbh. Im Vertrieb von PLAION Pictures. All rights reserved.
Entsprechende Testexemplare sind uns freundlicherweise von PLAION Pictures zur Verfügung gestellt worden.
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