UHD/BD: „Hard Powder“

                                                      Getestet und verfasst von General M 

                   Bildmaterial: „Hard Powder, ©2019 STUDIOCANAL S.A.S. All rights reserved.“ 

                                            Ab sofort erhältlich als UHD, Blu-Ray und DVD

81ivV3xJxrL. SL1200 Eigentlich wollte Liam Neeson sich ja längst aus dem Actiongenre zurückziehen, aber für Hard Powder ließ er sich der mittlerweile 67-Jährige dann doch nochmal dazu überreden, die Waffen noch nicht an den Nagel zu hängen. Eine gute Entscheidung, denn im Remake zum norwegischen Überraschungshit Einer nach dem anderen, der 2014 ebenfalls unter der Regie von Hans Peter Molland entstand, weiß der gebürtige Ire einmal mehr als Mittelständler zu überzeugen, der am Ende für ein Blutbad sorgt. Was lernen wir daraus? Richtig. Egal ob es schneit, sonnig ist oder stürmt: Lass um Himmels Willen die Finger von Liam Neesons´ Familie. 

Der Film

Die Bürger im leicht verschlafenen Kehoe, Colorado führen meist ein ruhiges und ereignisloses Leben. Man lebt glücklich und zufrieden von den Einnahmen der zahlreichen Touristen, die Jahr für Jahr zur Skisaison über die verschneiten Pisten rasen und es sich anschließend am Kaminfeuer der Hotels und Pensionen gemütlich machen. Pünktlich zur Winterzeit muss auch Nels Coxman (Liam Neeson, 96 Hours) einige Überstunden schieben, der mit seinem Schneemobil zuverlässig für saubere und sichere Straßen sorgt und dafür zuletzt als Bürger des Jahres ausgezeichnet wurde – und das stellt schon den einzigen wirklichen Höhepunkt im Leben des Familienvaters dar. 

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Als sich sein Sohn allerdings mit dem Drogenbaron Trevor „Viking“ Calcote (Tom Bateman, Mord im Orientexpress) einlässt und wenig später tot mit einer Überdosis Heroin im Körper aufgefunden wird, bricht Nels´ ruhige heile Welt mit einem Mal völlig in sich zusammen, seine Frau erleidet einen Nervenzusammenbruch. Von Depressionen geplagt und dem Selbstmord nahe, erfährt Nels durch Zufall, wer für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist und schwört Rache. Drei Mitarbeiter von Calcotes Bande müssen daran glauben, die Leichen versenkt Nels im nahegelegenen Fluss. 

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Für den Drogenbaron steht schnell fest: Das war die Konkurrenz, angeführt von dessen Rivalen White Bull! Die Rache folgt prompt, dabei erwischt es allerdings den Sohn des rivalisierenden Kartellchefs. Während sich Kehoe zum blutigen Schauplatz eines Bandenkrieges verwandelt und die lokale Polizei unter Detective Kimberly Dash (Emmy Rossum, Shameless) schon bald nicht mehr Herr der Lage ist, sucht der Mann mit dem Schneemobil nach einem Weg, Calcote selbst um die Ecke bringen zu können. Aber ist das angesichts von all dessen verursachtem Chaos überhaupt noch nötig?

Die Rezension

Nach einem sehr unschönen und peinlichen Erlebnis, welches ich seinerzeit in der Skihalle Neuss erlebte, hatte ich dem Wintersport eigentlich bis an mein Lebensende abgeschworen. Hard Powder liefert aber selbst größten Schneemuffeln einen guten Grund, sich in die imaginären Winterklamotten zu werfen und es sich vor der Leinwand oder dem Großbildschirm mit einem Glas Jagertee so richtig gemütlich zu machen. Absolut positiv hervorzuheben ist, dass Regisseur Moland sich bei der Umsetzung des Remakes zu seinem eigenen Film nicht vom diesmal deutlich größeren Budget hat blenden lassen, sondern auch die Neuverfilmung mit der nötigen Härte und dem Fokus auf eine wendungsreiche Story und teils absurd komischen schwarzhumorigen Momenten inszeniert hat. 

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Liam Neeson ist als kleinbürgerlicher Schneemobilfahrer mit Gewehr einfach nur klasse, auch weil er dieses Mal eher am Rand des Geschehens agiert und nicht mittendrin wild um sich ballert. Das haben wir zuletzt oft genug gesehen und irgendwann ist es damit trotz allen Erfolgen auch mal gut und vor allem genug. Präsent ist Neeson als Hauptdarsteller natürlich dennoch, die Action überlässt er dafür zu großen Teilen dem Rest des Besetzung. Wo im Original noch Albaner als Gangster herhalten mussten, sind es nun plötzlich Indianer, mit denen sich der von Tom Bateman verkörperte Drogenboss herumschlagen muss. Sonst folgt Hard Powder aber strickt der Handlung der Vorlage, dahingehend werden Kenner des Originals also kaum Neues vorfinden. 

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Dank des hohen Budgets wirkt das Remake dafür optisch deutlich edler. Kameramann Philip Ogaard, der bereits bei Einer nach dem anderen für die Bilder sorgte, mischt auch hier mit und zeigt das eigentlich malerische fiktive Kehoe eindrucksvoll sowohl von seinen Licht- und Schattenseiten. Der grimmige Look der Vorlage ist auch hier vorhanden, aber das Ergebnis wirkt im Remake einfach hochwertiger. Das Ergebnis ist ein Film, der sich nie wirklich ernst nimmt und gerade dadurch zu unterhalten weiß, dass er gekonnt Gewalt, Humor und damit die besten Elemente eines Actionthrillers und einer subtilen Komödie miteinander verbindet. Für knapp zwei Stunden kurzweiliges Vergnügen für Erwachsene ist damit definitiv gesorgt und selbst Kenner des Originals dürfen guten Gewissens einen Blick riskieren. 

UHD und Blu-Ray

Zunächst war nicht gesichert, in welcher Form der vollständig digital mithilfe von Arri ALEXA Mini- sowie ALEXA SXT – Kamerasystemen gedrehte Film im Heimkino aufschlagen würde. Da hier eigentlich nur maximal 3.7K am Output vorliegen, war von einem 2K Digital Intermediate auszugehen. Ein Trugschluss, denn die Macher sind ausnahmsweise einmal den Weg in die andere Richtung gegangen und haben sich für einen nativen Transfer entschieden. Natives 4K gibt es daher zwar nicht, aber immerhin bewegt sich das Ergebnis verdammt nahe an der bestmöglichen Option. Und das sieht man auch, denn obwohl die Blu-Ray wie immer nur ein auf 1080p herabskaliertes Master nutzt, wird bereits hier ein fast durchgehend hervorragendes Ergebnis abgeliefert, welches sich bis auf wenige unscharf gefilmte Einstellungen, die so letztendlich auch im fertigen Film zu sehen sind, durchgehend knackscharf zeigt. Besonders in den hellen Momenten wird man mit feinen Details verwöhnt, sei es in Nahaufnahmen oder weitläufigen Shots. Besonders letztere haben oft Postkartenqualität. Während das Schneegestöber mit fantastischen Weißanteilen präsentiert wird, sacken dafür die Schwarzwerte vor allem in dunkleren Szenen immer mal wieder ab. Dort offenbart sich auch eine feine, künstlich hinzugefügte Körnung, die das Geschehen adäquat untermalt und nie aufdringlich wirkt, lediglich in einer Sequenz hat man es damit ein wenig übertrieben. Die Farbgebung ist ebenfalls gelungen und weitestgehend angenehm natürlich gehalten. Lediglich in Innenaufnahmen setzt man eher auf einen industrielleren Look mit Tendenz zum Grün, was dann aber auch wieder gut zum Setting passt und daher keinerlei Abzüge bedeutet. 

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Die UHD wartet mit dem beinahe nativen 4K – Master auf und verfügt zudem wie immer auch über einen erweiterten Farbraum und bietet außerdem Support für HDR10 und Dolby Digital. Trotz diesem auf dem Papier durchaus vorhandenen Mehrwehr unterscheidet sich das Ergebnis nur unwesentlich von der Blu-Ray. Ein kleiner Zugewinn bei der allgemeinen Bildschärfe ist definitiv da, Quantensprünge bleiben aber aus. Dafür wirkt die Körnung feiner, den kleinen Ausrutscher der Blu-Ray macht die UHD damit wieder wett. Dafür wirken die Schwarzanteile überraschenderweise nochmals etwas schlechter, nur in Szenen mit etwas mehr Licht bietet die UHD die besseren Kontraste, was dann doch etwas enttäsuchend ist. Nur ganz selten überragt die 4K – Scheibe dann doch kleinen Bruder, vor allem bei der Farbgebung wird in stark stilisierten Momenten das nuanciertere Bild ausgegeben. Alles in allem bietet die teure UHD aber einfach nicht genug Mehrwert, um sich als deutliche Alternative zur Blu-Ray abzuheben. Zu der kann in diesem Fall also guten Gewissens auch gegriffen werden, selbst für 4K-Enthusiasten. 

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Das liegt auch daran, dass STUDIOCANAL glücklicherweise beide Formate mit deutschem und englischem Dolby Atmos-Ton bestückt hat, hier mit verlustfreiem TrueHD-Kern. Nach den vielen Enttäuschungen der letzten Zeit definitiv wieder ein Lichtblick der zeigt, dass das Label nicht zu Unrecht unseren Award für das beste Label 2018 abgeräumt hat. Support für ein ordentliches Feuerwerk von der Deckenebene ist also gegeben. Umso mehr überrascht die Tatsache, dass Hard Powder davon kaum Gebrauch macht, denn das Geschehen verweilt bis auf wenige unterstützende Effekte von oben fast komplett auf der regulären Ebene. Dort wird dafür einiges geboten. Die Stimmverständlichkei im Center ist makellos, der Soundtrack kommt wuchtig und vor allem basslastig daher und die Effektdynamik ist ebenfalls positiv hervorzuheben. Besonders in den Schusswechseln ist die Richtung, aus der geschossen wird, deutlich wahrnehmbar, dann sausen die Kugeln eindrucksvoll durch den Raum. Auf der dreidimensionalen Ebene fliegt ab und an ein Flugzeug über einen hinweg, in der Disco zu Beginn des Films ist ebenfalls ein bisschen mehr los. Da der Soundtrack ausschließlich auf der regulären Ebene agiert und nicht Teil des Mix von oben ist, tut sich abseits davon aber kaum was an der Decke – dafür mangelt es dem Film leider auch einfach an guten Gelegenheiten. 

Die Extras

Das komplett auf der Blu-Ray untergebrachte Bonusmaterial bietet ebenfalls nicht mehr als eine grundsolide Standardausstattung. Kernstück der Extras bietet das knapp halbstündige Featurette mit dem Titel „Willkommen in Kehoe“, dass als handfeste Making Of fungiert. Es gibt interessante Einblicke über den Dreh, vor allem die originale Crew von Einer nach dem anderen philosophiert hier ausgiebig darüber, wie die Dreharbeiten erlebt wurden. Dazu gibt es fünf Deleted Scenes und jeweils ein Interview mit dem Regisseur sowie Hauptdarsteller Liam Neeson. Wer mehr über die Herstellung des Films erfahren will, kommt hier definitiv auf seine Kosten. 

Fazit

55957770 2311144785603906 1491509483245928448 o„Wer in manchen Teilen Deutschlands weiterhin unter satter Sommerhitze schmort, bekommt mit Hard Powder eine wunderbar kompromisslose Abkühlung spendiert, die einen mit blutrotem Schneegestöber, klasse Shootouts und einem überraschend grimmig agierenden Hauptdarsteller wunderbar zu unterhalten weiß. Regisseur Moland hat das Remake zu seinem eigenen Film von 2014 mit der gleichen Mischung aus Härte und Humor inszeniert, die schon Einer nach dem anderen zu einem Überraschungserfolg in Norwegen hat werden lassen. Die Neuauflage ist international zugänglicher, erzählt sonst aber die selbe Geschichte. Das dank höheren Budgets zumindest optisch in deutlich höherer Qualität. Blu-Ray und UHD sind bei Bild und Ton fast gleichauf, wobei ich mir von der UHD doch etwas mehr erhofft hätte. Deswegen und auch wegen der Extras reicht die reguläre HD-Veröffentlichung als Ergänzung für die heimische Filmsammlung auch vollkommen aus.“ 

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