Der Film
Der Stift enttäuscht jedoch nicht und inspiriert Brösel dazu, unter anderem ein paar Geschichten aus seiner Jugend in Comicform aufzubereiten. Ob ein Fußball nun für blankes Chaos auf dem Wochenmarkt sorgt, Meister Röhrich ein ganzes Gebäude unter Wasser setzt oder Werner versehentlich dank einer unbeobachteten Gasbombe einen Neubau sprengt, was wahr und was erfunden ist, spielt ja eigentlich am Ende keine große Rolle. Hauptsache, das Publikum lacht und es ist wieder freie Zeit für Bölkstoff und Flachköpper. Doch Rumpelstilzchen pocht auf die Einhaltung der getroffenen Abmachung. Jetzt kann Brösel wirklich nur noch ein Wunder Gottes retten…oder zumindest ein pannenanfälliger Priester.
Die Rezension
Die Realfilmsequenzen? Eigentlich zum Vergessen. Die Tricksequenzen dazwischen? Zum Schreien komisch und mit wenigen Ausnahmen unglaublich zeitlos. Wenn der strunzdoofe, chronisch von der Angst darüber, die Russen im Keller zu haben verfolgte Meister Röhrich in all seinem übersteigerten Selbstvertrauen mit einer Toilette auf dem Kopf durch ein Haus torkelt und sich völlig blind und mit „Dreck am Mund“ wieder und wieder aus dem Fenster des Obergeschosses wirft, ist das für alle mit dem richtigen Humorverständnis einfach nur bestens unterhaltend. Anspruch darf man dabei nicht suchen, denn Werner hat immer in bester norddeutscher Manier ausgeteilt, nämlich deftig und völlig frei von irgendwelchen Schmerzgrenzen. Dem Überraschungshit folgten noch vier weitere Kinofilme, die mit Ausnahme des extrem schwachen letzten Ablegers allesamt auf die überflüssigen (aber immerhin handwerklich ganz solide gemachten) Realfilmsequenzen verzichtet haben, dafür aber trotzdem mit den Jahren stetig an Klasse und Zuspruch verloren haben.
Seitdem ist es um Nachschub eher schlecht bestimmt, andererseits sind die Figuren auch mittlerweile etwas aus der Zeit gefallen. Es sind eben Szenen wie das Fußballspiel oder der Rohrbruch bei Frau Hansen, die noch am ehesten zeitlos wirken und seit der Erstveröffentlichung immer noch für tränende Augen sorgen. Werner – Beinhart! ist Neunzigerkino in Reinkultur, nicht über die gesamte Laufzeit unterhaltsam (einfach, weil es den Realfilmsequenzen am Witz der Trickeinschübe mangelt), aber auch ohne Retrobrille noch sehr gut schaubar, auch wenn es bereits damals schon deutlich bessere Animationstechniken gab. Aber alleine dabei zuzusehen, wie Röhrich von einem Fettnäpfchen ins nächste Tritt, Geselle Eckat stets lakonisch zusehen muss und Lehrling Werner seinen Spaß an der Sache hat, ist und bleibt in dieser Urform purer Kult. Gleiches gilt für den Soundtrack von Torfrock und die hervorragenden norddeutschen Sprecher, die man bis heute unweigerlich mit ihren Figuren identifizieren kann.
Die Blu-Ray
Lange Jahre war Werner – Beinhart! nur auf DVD erhältlich und wurde dementsprechend auch im Fernsehen in eher schlechter Qualität ausgestrahlt. Das ändert sich nun hoffentlich mit der Blu-Ray, für die man den Film vollständig und aufwendig remastered hat. Der Lohn der Mühen: Ein sowohl in den Real- wie auch den Trickfilmsequenzen deutlich schärferes und detailreicheres Bild, welches mit satteren Farben und spürbar besseren Kontrasten aufwartet. Zwar war klar, dass man aus dem bestehenden Master kein absolut HD-Wunder herausholen können wird, was aber letztendlich vorliegt, erfüllt die technischen Erwartungen an ein gelungenes Remaster mehr als zufriedenstellend.
Gleiches gilt für den Ton, der hier ebenfalls neu aufbereitet in DTS-HD 5.0 vorliegt, also fast die komplette reguläre Ebene abdeckt, dabei aber keinen Support für Subwoofer liefert. Schlimm ist das allerdings nicht, denn Werner – Beinhart! bietet im Grunde inhaltlich überhaupt keine Gelegenheiten für irgendeine Form von Basslastigkeit. Was dafür geboten wird, ist neben klar verständlichen Dialogen im Center eine besser strukturierte Abmischung, die zwar im hinteren Bereich eher zurückhaltend agiert, dafür aber zumindest ein bisschen von der Frontlastigkeit der alten, ebenfalls enthaltenden Dolby Digital 2.0 – Spur wegnimmt. Trotzdem verweilt das Geschehen hauptsächlich im vorderen Bereich. All das dafür aber mit mehr Kraft und Dynamik. Auch hier hat man aus den gegebenen Möglichkeiten wohl das Beste herausgeholt.
Etwas mager sieht es dafür bei den Extras aus, denn abseits eines durchaus hörenswerten Audiokommentars von Regisseur Michael Schaak findet sich auf der Blu-Ray keine weiteren Extras. Immerhin kommt der Film dafür im schicken Steelbook daher und macht sich somit hervorragend in jedem Sammlerregal.
Fazit
„Wenn Meister Röhrich verzweifelt nach Eckat und Werner schreit, weiß man: Irgendwo ist die Kacke wieder gehörig am Dampfen. Es sind Szenen wie diese, welche einen die eher schlicht gestrickten und nahezu überflüssigen Realfilmsequenzen rasch vergessen lassen und einem das Zwerchfell ordentlich strapazieren. Wer auf hemmungslos norddeutschen Humor und ordentlich Slapstick steht, ist mit Werner – Beinhart! auch gegenwärtig noch gut bedient. Dank hervorragendem Remastering bei Bild und Ton sowie der hübschen Aufmachung im Steelbook kann man hier guten Gewissens zugreifen, zumal auch der Preis extrem fair ausgefallen ist. Die sonst eher minimalistische Ausstattung kann man daran gemessen gut verzeihen.“